Eine Wunderkammer im Schloss Sondershausen

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Für alle, die Sinn für Schönheit haben und hohe Handwerkskunst zu schätzen wissen, hat das Schlossmuseum Sondershausen am 17. Mai 2026 eine atemberaubende Sonderausstelluung eröffnet: „Natürlich Barock! Olaf Frenzels Hellgrünes Gewölbe“.

Wollten Sie schon immer mal das Winterei sehen, mit dem der Hofjuwelier des Zaren Peter Carl Fabergé weltberühmt wurde

, oder den Pokal, der dem Zaren anlässlich der Eröffnung der Transsibirischen Eisenbahn überrecht wurde?

Auf ihm ist die gesamte Strecke eingeritzt und ein kleiner Zug steht davor. Im Original konnte der Zar den Zug aufziehen und der fuhr dann um den Pokal herum. Nur auf Letzteres hat der heutige Meister verzichtet.

Seine Kunst braucht keine Vergleiche zu scheuen, wie Stücke aus der Sammlung des Museums beweisen, die Frenzels Werken beigegeben wurden. „Eine Wunderkammer im Schloss Sondershausen“ weiterlesen

Droht dem Genter Altar der nächste Ikonoklasmus?

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Von Sven Lingreen

Um es gleich an den Anfang zu stellen: Besuchen Sie den Genter Altar und lassen Sie sich von der genialen Kunstfertigkeit der van Eycks, der tiefgründigen Symbolik und einer restaurierten, atemberaubenden Gesamterscheinung überwältigen – solange es noch geht.

Warum so dramatisch? Weil es den Genter Altar zum einen nur noch gibt, weil über die Jahrhunderte nur Zufälle, mutige Einzelentscheidungen und schicksalhaftes Glück für seine bis heute währende Existenz gesorgt haben. Zum anderen ändert sich Europa in einer dramatischen Weise, die den Fortbestand insbesondere der christlichen Kunstwerke beginnt, infrage zu stellen. Islamische Ikonoklasmen wie zerstörte Kirchen und gesprengte Buddha-Statuen in aller Welt sind leider längst Realität. „Droht dem Genter Altar der nächste Ikonoklasmus?“ weiterlesen

Die Gesichter der Frauen Europas (2)

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In Gent hatte ich eine Ausstellung gesehen der Werke von Frauen der Barockzeit, die weder Opfer waren noch Quoten brauchten, um sehr erfolgreiche Künstlerinnen und Unternehmerinnen zu sein.

Brüssel, das sich heute als Herz Europas präsentiert, demonstriert dagegen, dass dieses Herz schwer krank ist. Wir kamen an einem wunderschönen, sonnigen Tag an, und unsere Schritte führten uns zum nahe dem Zentralbahnhof gelegenen Kunstberg. Zufällig passierten wir zur vollen Stunde das Glockenspiel, das die Europahymne spielt. „Freude, schöner Götterfunken“. Mir kamen fast die Tränen, weil mir bei den Klängen Beethovens und den dazu gedachten Worten Schillers in den Sinn kam, wie dieses großartige Projekt des Europas der Vaterländer in Grund und Boden ruiniert wurde. Heute haben wir es mit einem krakenhaften Bürokratiemonster EU zu tun, das Europa unaufhaltsam den Atem abdrückt. Jetzt droht es sogar mit Krieg.

Welcher Geist in Brüssel herrscht, konnte man gut in einer Ausstellung auf dem Kunstberg studieren. „Die verschiedenen Gesichter der Frauen“. Vorgestellt wurden Frauen aus Osteuropa, vor allem der Ukraine, Moldawien, Armenien und Georgien. Ich bin sicher, dass es in all diesen Ländern bewundernswerte Frauen gibt, die sich aus eigener Kraft einen Namen gemacht haben: Ingenieurinnen, Professorinnen, Künstlerinnen, Pilotinnen usw. „Die Gesichter der Frauen Europas (2)“ weiterlesen

Die Gesichter der Frauen Europas

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Gent ist immer noch eine wunderbare Stadt. Im Mittelalter war sie zeitweise die zweitgrößte Stadt unseres Kontinents, bedeutend geworden durch Handel, stark gemacht durch den Glauben. Ein fester Glaube erzeugt selbstbewusste Bürger. In Gent zeugen davon drei Türme, die auf wenige hundert Metern in einer Reihe stehen: zwei Kirchtürme, ein Bürgerturm.

Ihr Anblick allein wirft unwillkürlich die Frage auf, wie es passieren konnte, dass Europas Größe und Schönheit vor aller Augen zerstört werden konnte und kann. Der Prozess begann spätestens vor dem Ersten Weltkrieg, den die europäischen Intellektuellen als „reinigendes Gewitter“ regelrecht herbeisehnten. Die treibende Ideologie war damals die Eugenik, die das Wunder des menschlichen Lebens in „lebenswert“ und nicht „lebenswert“ unterteilte und in der Praxis begann, den angeblich nicht lebenswerten Teil zu vernichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die grauenhaften Folgen dieser Ideologie offensichtlich wurden, hielt die Welt einen Augenblick den Atem an. Dann änderten die Eugeniker kurzerhand ihre Biografien und machten als Antifaschisten weiter. Inzwischen predigen die Antifaschisten und andere Weltenretter das notwendige Aussterben der Menschheit als Lösung der Weltprobleme, allen voran der „Klimaschutz“. Parallel dazu wird Europa immer hässlicher. Der Kontinent, der aller Welt unermessliche Innovationen und atemberaubende Schönheit geschenkt hat, versinkt in Selbsthass und Selbstzerstörung.

In Belgien erlebte ich unerwartet, wie sich dieser traurige Wandel auch in Ausstellungen spiegelt. „Die Gesichter der Frauen Europas“ weiterlesen

Deutschlands neue Kreuzfahrer 4

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Nach einem weiteren Seetag, diesmal durch die Wasserwüste des Mittelmeeres, erreichen wir den Hafen von Málaga. Außer, dass es der Geburtsort von Pablo Picasso ist, kann man Málaga für seine wunderschöne botanische Anlage zwischen den beiden Uferstraßen rühmen.
Ich tauche in die historische Altstadt auf der Höhe des Römischen Theaters ein, das von Touristen belagert wurde. Nach meinem Erlebnis in der halb freigelegten Arena in Cadiz, die unter den Schichten der nachfolgenden Jahrhunderte verschwindet, hatte ich eh keine Lust auf ein weiteres römisches Bauwerk.

Picassos Geburtshaus steht am Rande eines großen Platzes, wird weniger beachtet und bietet eine relativ unambitionierte Ausstellung über seine Familie. Die wahre Picasso-Schau befindet sich im gleichnamigen Museum in den Gassen der Altstadt, in denen sich die Touri-Menge in einer Dichte wälzt, dass ein Durchkommen sehr schwierig ist. „Deutschlands neue Kreuzfahrer 4“ weiterlesen

Die modernen Kreuzfahrer 3

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Nach einem weiteren Seetag durch die atlantische Wasserwüste, an dem wir bei mindestens 3 Meter hohen Wellen sanft durchgeschüttelt wurden, landeten wir in Cadiz. Der Hafen von Cadiz zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer war strategisch einer der wichtigsten Häfen Spaniens. Im 18. Jahrhundert beherrschte er den Handel mit Nord- und Südamerika und den Philippinen. Entsprechend gab es hier seit mindestens der Reconquista 1262 ein buntes Völkergemisch.

Der Weg vom Schiff in die Stadt ist kurz und führt durch einen Park, in dem mit einem Monument die erste spanische Verfassung von 1812 geehrt wird. Durch die Invasion Napoleons am Ende des 18. Jahrhunderts kamen auf Spanien harte Zeiten zu. Cadiz war jedoch durch seine exponierte Lage ein uneinnehmbarer Ort und wurde so zur Wiege der Freiheit.

Hunderte Abgeordnete aus Spanien und Amerika versammelten sich hier, um mit dieser Verfassung König Ferdinand VII. die Macht zurückzugeben. Die Verfassung wurde nach mehr als 1400 Sitzungen die liberalste ihrer Zeit. „Die modernen Kreuzfahrer 3“ weiterlesen

Der Westen und seine Kreuzfahrer (2)

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So ein Kreuzfahrtschiff ist riesig. Unseres ist über 300 Meter lang und hat 17 Stockwerke für Unterbringung und Entertainment der Gäste. Wo die Besatzung, abgesehen von dem Kapitän und seiner Crew, untergebracht ist, wird nicht thematisiert. Man sieht sie aber ununterbrochen im Einsatz, von morgens bis spät. Sie haben zu tun, damit alles wegzuräumen, was die Kreuzfahrer liegen lassen. Um die bei Laune zu halten, ist tagsüber fast alles umsonst. Entsprechend wird abgeräumt, geschätzt die dreifache Menge dessen, was tatsächlich konsumiert wird. Auch Alkohol ist frei verfügbar bis 19.00 Uhr. Danach muss er bezahlt werden, was nach meinen Beobachtungen den Konsum nicht wesentlich senkt.

Das sogenannte Sonnendeck ist so überfüllt, dass man sich kaum den Weg zwischen den Laibern bahnen kann. Nur die Suiten-Gäste haben extra Restaurants, Lounges und ein eigenes Sonnendeck mit Bar. Auch hier ist immer Betrieb, aber es herrscht keine so drangvolle Enge. „Der Westen und seine Kreuzfahrer (2)“ weiterlesen

Der Westen und seine neuen Kreuzfahrer

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Warum ich noch einmal eine Kreuzfahrt mache, obwohl ich mir geschworen hatte, es nie wieder zu tun, tut hier nichts zur Sache. Ich benutzte diese Erfahrung als soziologische Studie. Die bestätigt leider meine Befürchtungen über den unaufhaltsamen Niedergang des Westens. Um die heute drohenden Gerichtsverfahren zu vermeiden, sobald man ein kritisches Wort äußert, verrate ich nicht, mit welchem Anbieter wir unsere Tour in Las Palmas/ Gran Canaria gestartet haben.

Um die sauteure Reise auch sicher am Sonntag antreten zu können, flogen wir schon am Freitag los. Es war billiger, zwei Nächte auf der kanarischen Insel zu übernachten, als ein Flug am Sonnabend oder Sonntag zu nehmen. Außerdem entgingen wir der Gefahr, Opfer des Tarifstreits bei den Piloten, dem Kabinen- oder dem Bodenpersonal zu werden.

Wir landeten von Leipzig aus nach ruhigem Flug glücklich in der Metropole von Gran Canaria. Die Insel interessierte mich. In den Siebziger Jahren hatte es in der DDR ein hartnäckiges Gerücht gegeben, die DDR stünde mit den örtlichen Behörden in Verhandlung, um verdienten Genossen einen exotischen Inselurlaub zu ermöglichen. Ich konnte das Gerücht nie verifizieren, aber mein erster Eindruck war, die Genossen hätten sich hier fast wie zuhause gefühlt. Die Stadt ist potthäßlich. Sie scheint in den Siebziger und Achtziger Jahren einen gewaltigen Bauboom erlitten zu haben. Bekanntlich waren das die Jahre, in denn die Architekten in Ost und West in Wettbewerb gestanden zu haben scheinen, wer die hässlichsten Gebäude entwirft. Auch auf den Smog hätten die DDR-Besucher nicht verzichten müssen, nur dass der hiesige nicht vom Industriedreck, sondern vom Saharastaub stammt. „Der Westen und seine neuen Kreuzfahrer“ weiterlesen

Das Land des Lächelns

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Als nächste Premiere in dieser Spielzeit präsentierte das Theater Nordhausen am Freitag, dem 27. März, die Operette von Franz Lehár „Das Land des Lächelns“. Das Werk hat mehrere Arien hervorgebracht, die als Schlager Welterfolge wurden. Dabei handelt es sich um ein Stück, das in seiner ursprünglichen Fassung „Die gelbe Jacke“ 1923 in Wien uraufgeführt und erst nach 105 Vorstellungen abgesetzt wurde. Da die vor dem Ersten Weltkrieg in Europa grassierende Chinaeuphorie in den 30er Jahren ein Revival erlebte, arbeitete Lehár die Vorlage um und ergänzte sie durch die Hits „Dein ist mein ganzes Herz“, den er für den Startenor Richard Tauber komponiert hatte und den dieser bis zu 2500 Mal gesungen hat. Er musste ihn nach Aufführungen der Operette bis zu sechs Mal wiederholen, was heute unfassbar erscheint.

Intendant Daniel Klajner hat Lehár in eine zeitgemäße Form gebracht. Ich bin bei solchen Angleichungen an den Zeitgeist generell skeptisch, muss aber sagen, dass Klajners Fassung sehr frisch wirkt und ohne Anbiederung auskommt.

Franz Lehárs Erfolgswerk – 1929 im Berliner Metropol-Theater uraufgeführt – gehört zu seinen meistgespielten Werken. Neben »Dein ist mein ganzes Herz« sind »Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt« und »Immer nur lächeln« weitere Publikumsrenner enthalten. „Das Land des Lächelns“ weiterlesen

Abschied von Ivan Alboresi

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Am 27. Februar gab es am Theater Nordhausen eine ganz besondere Premiere. Mit „Die vier Jahreszeiten“ verabschiedete sich Ballettdirektor Ivan Alboresi nach zehn erfolgreichen Jahren von Nordhausen. Unter seiner Leitung wurde das Ballett 2023 von der Zeitschrift „Tanz“ als „Kompanie des Jahres“ nominiertt. Kein Wunder, dass die Intendantin des Landestheaters Detmold „hoch erfreut“ ist, dass Alboresi in ihr Haus wechselt, um „neue Herausforderungen zu suchen“. Sie kann sicher sein, dass mit dem mehrfach preisgekrönten Alboresi das Detmolder Ballett stark aufgewertet wird. Für Alboresi mag eine Rolle gespielt haben, dass Detmold das größte Reisetheater Deutschlands ist. Es verfügt selbst über fünf Spielstätten und die Hälfte seiner Vorstellungen geht auf Tour.

Damit ihn das Nordhäuser Publikum auch recht stark vermisst, lieferte Alboresi mit den „Jahreszeiten“ ein absolutes Meisterwerk. Wer in der Pause im Saal sitzen blieb, hörte zartes Vogelgezwitscher. Hinter dem Vorhang zeichnete sich erst zart, dann immer deutlicher werdend der Titel des Stücks ab.

Auf der weißen Bühne, die von einem Vorhang in zwei Ebenen geteilt wird, werden zwei Geschichten erzählt: die Wandlungen der menschlichen Liebesbeziehungen parallel zum Wechsel der Jahreszeiten. Wer hier an Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ denkt, liegt richtig. Die Musik liefert die vom Komponisten Max Richter bearbeitete berühmte Komposition des italienischen Meisters. Richters Bearbeitung diente Choreografen schon mehrfach als Vorlage. „Abschied von Ivan Alboresi“ weiterlesen