Die modernen Kreuzfahrer 3

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Nach einem weiteren Seetag durch die atlantische Wasserwüste, an dem wir bei mindestens 3 Meter hohen Wellen sanft durchgeschüttelt wurden, landeten wir in Cadiz. Der Hafen von Cadiz zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer war strategisch einer der wichtigsten Häfen Spaniens. Im 18. Jahrhundert beherrschte er den Handel mit Nord- und Südamerika und den Philippinen. Entsprechend gab es hier seit mindestens der Reconquista 1262 ein buntes Völkergemisch.

Der Weg vom Schiff in die Stadt ist kurz und führt durch einen Park, in dem mit einem Monument die erste spanische Verfassung von 1812 geehrt wird. Durch die Invasion Napoleons am Ende des 18. Jahrhunderts kamen auf Spanien harte Zeiten zu. Cadiz war jedoch durch seine exponierte Lage ein uneinnehmbarer Ort und wurde so zur Wiege der Freiheit.

Hunderte Abgeordnete aus Spanien und Amerika versammelten sich hier, um mit dieser Verfassung König Ferdinand VII. die Macht zurückzugeben. Die Verfassung wurde nach mehr als 1400 Sitzungen die liberalste ihrer Zeit.

Cadiz, zumindest der historische Teil, ist eine zauberhafte Stadt geblieben. Man kann sich nicht sattsehen an den schönen Häusern. Die Einheimischen sind nach wie vor im Straßenbild sowie in den Cafés und Geschäften sichtbar.

Es gibt zahlreiche alte Handelshäuser, die mit Beobachtungstürmen ausgestattet sind. Es sollen über hundert sein. Auf ihnen wurde permanent das Meer beobachtet, um Schiffe rechtzeitig zu entdecken. Als ich auf dem berühmtesten dieser Türme stand und über die Stadt blickte, erstaunte mich die Architektur dieser Türme. Viele sahen sehr maurisch aus. Ich dachte erst an umgenutzte Moschee-Türme, bis mir klar wurde, dass die Moscheen keinesfalls in solcher Dichte gestanden haben können. Es handelt sich also eher um eine charmante Aneignung des maurischen Stils.

Die berühmte Kathedrale war natürlich von Touristen überschwemmt, also schlenderte ich lieber durch die engen Straßen zwischen Kathedrale und Stadtmauer. In einer stieß ich auf ein Museum, das ich nicht gleich zuordnen konnte. Weil kein Eintritt verlangt wurde, ging ich trotzdem hinein. Kurz hinter dem Eingang musste ich einen Glasboden überqueren, unter dem in etwa 3 Metern Tiefe die alte römische Straße zu sehen war. Kurz darauf befand ich mich in den Gängen eines Amphitheaters. Durch eine Öffnung gelangte ich in die halb ausgegrabene Arena. Ich setzte mich in der Mitte des Halbrunds auf eine der obersten Stufen und schaute fasziniert auf den Anblick, der sich bot. Die Arena verschwand unter den Schichten der späteren Überbauungen bis zur Gegenwart. Man konnte fast in die Fenster der Wohnungen schauen. Was mag das für ein Gefühl sein, an so einem historischen Ort zu wohnen? Spricht die Geschichte zu einem oder nimmt man sie gar nicht mehr wahr?

Den Weg zurück zum Schiff nahm ich zum Teil entlang der alten Festungsmauer. Zwischen den Häusern war unser Koloss zu sehen, der alles überragte und trotzdem nicht zu den Weltwundern gezählt werden wird.

In der Nacht fuhren wir durch die Straße von Gibraltar. An einer großen Leinwand konnte man im Schiff die Route verfolgen. Ich entdeckte auch das berüchtigte Ceuta, das während der Migrationskrise Berühmtheit als Tor zur EU erlangte.

Es gehört klar zu Afrika, und ich fragte mich, warum Europa diese Enklave nicht einfach an Afrika zurückgibt.



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