Friedrich und der wahre Kanzler

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Schulfrage: Wer ist der aktuelle Kanzler von Deutschland? Friedrich Merz? Obwohl vom Bundestag in zweiter Wahl bestätigt, hat er nichts zu sagen. Die Richtlinien der Politik bestimmte von Anfang an der von der Antifa geschulte Lars Klingbeil, der jeden Tag erfolgreich vorführt, was Machtpolitik ist. Er lässt Friedrich Merz nach seiner Pfeife tanzen, und Merz tanzt gehorsamst.

Übertrieben? Keineswegs. Der gestrige und heutige Tag waren wieder ein Beweis dafür, wer im Land herrscht: Klingbeil mit der 12-13-Prozent-Partei SPD.

Am Morgen des 9. April, ein Donnerstag, verkündeten die Morgennachrichten von MDR Kultur, dass Kanzler Merz wegen der anhaltenden Spritpreise am Sonntag zu einem Krisengipfel ins Kanzleramt einladen wolle. Aha, dachte ich, sie wollen unbedingt noch die Einnahmen des Wochenendes sicher in den Staatskassen haben, ehe sie vielleicht gezwungenermaßen ein bisschen Zugeständnisse machen müssen. Im nächsten Satz sagte die Nachrichtensprecherin aber, dass Merz über eine Erhöhung der Pendlerpauschale reden wolle. Das änderte zwar nichts an den hohen Spritpreisen, die der Staat unvermindert abschöpfen kann, würde aber bei der Steuererklärung etwas Erleichterung bringen. In den Mittagsnachrichten kam dann die Meldung, dass die SPD nichts von einer Erhöhung der Pendlerpauschale hielte. Kurz darauf war das „Krisentreffen“ im Kanzleramt, wie es scheint, nur mit Merz und Klingbeil.

Lange hat es nicht gedauert, aber der Effekt, den es auf Merz gehabt hat, war unüberhörbar. Er verkündete für die Abendnachrichten, die Bürger sollten nicht erwarten, dass die Spritpreise von der Politik gemindert werden würden. Um sich nicht ganz und gar zu demaskieren, fügte er noch hinzu, die Minister Klingbeil und Reiche sollten Vorschläge erarbeiten. Das Wort Pendlerpauschale nahm Merz nicht mehr in den Mund. „Friedrich und der wahre Kanzler“ weiterlesen

Mission Impossible

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Von Hans Hofmann-Reinecke

Die verschiedenen Angriffe der USA und Israel auf den Iran haben dessen Anlagen zur Anreicherung von Uran schwer beschädigt, vielleicht sogar insgesamt unbrauchbar gemacht. Was aber soll mit möglicherweise waffenfähigem Material geschehen, das bereits erzeugt wurde?

Isotope

In Atomwaffen kommt Uran oder Plutonium zum Einsatz. Im Iran wird der Bau von Bomben aus Uran verfolgt, das im Gegensatz zu Plutonium auf der Erde vorhanden ist. In der Natur gewonnenes Uran muss jedoch für die Verwendung in Bomben „angereichert“ werden.

So wie die meisten Elemente auf unserem Planeten kommt auch Uran in verschiedenen Formen, verschiedenen „Isotopen“ vor, die äußerlich identisch sind, deren Atomkerne sich aber unterscheiden. Die Kerne verschiedener Isotope bestehen aus gleich vielen Protonen, unterscheiden sich aber in der Zahl der Neutronen. Alle Atomkerne des Elements Eisen beispielsweise haben 26 Protonen, aber sie können 28, 30, 31 oder 32 Neutronen haben.  Uran hat 92 Protonen und entweder 143 oder 146 Neutronen. Insgesamt sind dann entweder 92+143=235 oder 92+146=238 Teilchen im Kern, deswegen spricht man von U235 und U238. „Mission Impossible“ weiterlesen

Caracas, 1976: Der Höhepunkt der Petro-Macht

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Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks seit Jahrzehnten ausgelöst. Die fünfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in „The Perfect Voice“ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm für die freundliche Genehmigung zur Übersetzung und zum Abdruck.

Ölfässer und Macht – Teil 5

Bevor er den Iran angriff, schockte Donald Trump die Welt. Amerikanische Streitkräfte griffen Caracas an, nahmen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen und schmuggelten ihn außer Landes. Innerhalb weniger Stunden ging Trump noch weiter, als er verkündete, er werde Venezuela führen, amerikanische Ölkonzerne würden beim Wiederaufbau der zerschlagenen Erdölindustrie des Landes helfen – und davon profitieren.

Trumps dreiste Erklärung war aufschlussreich. Venezuela, Heimat der weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven, war nun nicht mehr nur ein gescheiterter Ölstaat, sondern ein „Vermögenswert“ unter amerikanischer Verwaltung. Die Macht ging an Delcy Rodríguez über, deren Autorität seither auf dem empfindlichen Gleichgewicht innerstaatlicher Kontrolle und amerikanischer Unterstützung fußt.

Der Zeitpunkt war kaum zufällig. Da der täglich eskalierende Konflikt mit dem Iran die Versorgungswege durch die Straße von Hormus bedroht, haben Venezuelas brachliegende Reserven neuen strategischen Wert. Doch es ist nicht das erste Mal, dass Venezuela als geopolitisches Faustpfand dient.

Juan Vicente Gómez

Nach dem Ersten Weltkrieg war Öl nicht mehr nur ein Rohstoff, sondern wurde zu einem Machtinstrument. Als die Nachfrage stieg, breiteten sich Ängste vor einer Verknappung aus, und der strategische Wert des Erdöls (wie auf den Schlachtfeldern Europas demonstriert) ordnete die Prioritäten in Vorstandsetagen und Kanzleien gleichermaßen neu.

Ganz oben auf der Prioritätenliste stand Venezuela. Attraktiv wurde es durch seine Politik. Während Mexiko, erschüttert von der Revolution, für ausländisches Kapital unwirtlich geworden war, bot Venezuela im Gegensatz dazu „Stabilität“ – wenn auch von eher brutaler Art. Diese war das Werk von Juan Vicente Gómez, der von 1908 bis 1935 regierte. Gómez, ein durch und durch unaufgeklärter Despot, regierte Venezuela wie sein Lehen. Analphabet, aber gerissen, zentralisierte er die Macht, unterwarf Rivalen rücksichtslos und ersetzte sie durch ein persönliches Netzwerk von Speichelleckern.

Während er für ausländische Beobachter ein Tyrann im dürftig demokratisch verschleierten Gewand war, galt er bei den Ölbaronen als zuverlässig. Für Gómez bildete Öl sowohl das Vermögen als auch das Fundament Venezuelas. Es bereicherte ihn persönlich und finanzierte zugleich den Staatsapparat. Immerhin hinterließ er 1935 neben einem ausgebauten Straßennetz den einzigen ausgeglichenen Staatshaushalt Lateinamerikas und eine stabile Währung.

Bis 1913 hatte Royal Dutch Shell Erkundungen rund um den Maracaibo-See durchgeführt. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte Standard Oil of New Jersey. Obwohl die Bedingungen in dem unerforschten Gebiet entsetzlich waren – Überschwemmungen und Moskitos waren an der Tagesordnung – erwies sich die Ausbeute als unwiderstehlich.

Der Durchbruch gelang 1922 mit der Quelle Barroso Nr. 2 in der Nähe von Cabimas, aus der täglich Zehntausende Barrel Öl sprudelten. Das signalisierte der Welt, dass Venezuela in die erste Reihe der Ölproduzenten aufgestiegen war. Bis Ende der 1920er Jahre war das Land global der zweitgrößte Exporteur.

Das Ringen um Venezuela markierte das Entstehen einer neuen Ordnung, in der Öl, Kapital und Staatsmacht miteinander verschmolzen waren. Gómez’ Tod im Jahr 1935 hinterließ ein Land, das in seiner Entwicklung zwar rückständig, aber reich war. Ende der 1930er Jahre machte das Öl über 90 Prozent der Exporte aus. Doch ein Großteil des Reichtums floss ins Ausland ab, während der Staat nur zuschaute.

Ölsouveränität und Juan Pablo Pérez Alfonzo

Mit einer neuen politischen Generation begann sich das allerdings zu ändern. Der Diplomat und Politiker Juan Pablo Pérez Alfonzo definierte das Verhältnis zwischen Staat und Öl neu.

Der Zweite Weltkrieg verstärkte Venezuelas Bedeutung für die Vereinigten Staaten und schuf den Raum für Reformen. Das Ergebnis war das Erdölgesetz von 1943, das das „Halbe-Halbe“-Prinzip einführte. Nun strich der Staat die Hälfte der Gewinne ein. Das war revolutionär. Zum ersten Mal behauptete ein Förderland die Gleichberechtigung mit den Unternehmen, die seine Ressourcen ausbeuteten.

Rómulo Betancourt vertiefte dieses Prinzip, da Venezuela nun nicht nur das Öl besteuerte, sondern selbst in den Markt eintrat und Rohöl direkt verkaufte. Pérez Alfonzo jedoch, der der Volatilität der Ölmärkte zutiefst misstraute, sah Erdöl sowohl als Segen als auch als Fluch an. Er bezeichnete es als „Teufelskot“.

Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit der Übermacht der westlichen Großkonzerne und seiner Exilstudien der Texas Railroad Commission gründete er 1960 mit dem Saudis Abdullah Tariki die OPEC. Venezuelas Schlüsselrolle war dabei entscheidend, und es sollte nicht vergessen werden, dass eine lateinamerikanische Demokratie maßgeblich das Kartell gestaltete, das später zum Synonym für die Macht des Nahen Ostens wurde.

Leistete Venezuela Pionierarbeit bei der Ölsouveränität, so tat es dies zunächst mit Vorsicht. Betancourt war sich der Risiken bewusst. Das Öl bildete das Fundament der Wirtschaft. Eine Verstaatlichung, warnte er, wäre leichtsinnig. Stattdessen verschärfte der Staat die Kontrolle über das Konzessionsmodell, ohne es zu demontieren. Das geschah Anfang der 1970er Jahre jedoch trotzdem, und die alten Strukturen begannen zu erodieren. 1971 stellte ein Gesetz zur Rückübertragung sicher, dass die Ölvermögenswerte an den Staat zurückfielen. In der Folge stockten die Investitionen.

Der letzte Schritt erfolgte unter Carlos Andrés Pérez. Im Januar 1976 verstaatlichte Venezuela seine Ölindustrie offiziell und gründete die Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA). Dies war der Höhepunkt der venezolanischen „Petro-Power“. Die Verstaatlichung zeichnete sich jedoch durch Pragmatismus aus. Im Gegensatz zu abrupten Beschlagnahmungen anderswo blieb das Humankapital erhalten. Bis 1976 waren bereits rund 95 Prozent der Belegschaft der Branche, einschließlich der Führungskräfte, Venezolaner. Die PDVSA war als Holding strukturiert, die ein Netzwerk von operativen Tochtergesellschaften beaufsichtigte, und funktionierte eine Zeit lang mit technokratischer Disziplin und unternehmerischer Autonomie. Auf ihrem Höhepunkt produzierte die PDVSA über drei Millionen Barrel pro Tag und expandierte weltweit, wobei sie Raffinerieanlagen im Ausland erwarb, darunter das CITGO-Netzwerk in den Vereinigten Staaten mit Sitz in Houston, Texas, das landesweit mehrere große Raffinerien und über 6.000 Tankstellen betreibt. (Das Unternehmen wurde 2019 von der US-Regierung im Rahmen der Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela beschlagnahmt und 2025 für 5,9 Milliarden Dollar an eine Tochtergesellschaft des Hedgefonds Elliott Investment Management verkauft.)

So wie das Öl Venezuela groß gemacht hatte, brachte es das Land auch zu Fall. Pérez’ erste Präsidentschaft fiel mit den unerwarteten Gewinnen der Ölkrise von 1973 zusammen, durch die Venezuela als einer der Hauptnutznießer seine Einnahmen vervierfachen konnte. Damit wuchs auch Pérez’ Ehrgeiz.

„Wir werden die Welt verändern“, erklärte er.

Zu dem Zeitpunkt schien das plausibel, da die Mittelschicht wuchs und der Staat massiv investierte. Venezuela schien auf dem Weg in die Moderne. Doch der Boom verdeckte den strukturellen Mangel: Der Staat weitete seine Verpflichtungen immer mehr aus, blieb aber von Öleinnahmen abhängig. Als die Preise in den 1980er Jahren fielen, brach das System unter seinem eigenen Gewicht zusammen.

Petro-Staat in der Krise und Hugo Chávez

Ende der 1980er Jahre war Venezuela zum archetypischen krisengeplagten Ölstaat geworden – die Einnahmen schrumpften, während seine Verbindlichkeiten anschwollen. Immer mehr Einnahmen flossen in die Tilgung internationaler Schulden, während die soziale und ökonomische Zerrüttung eskalierte. Staatliche Kontrollen nahmen überhand, da Preise für fast alles festgesetzt wurden, von Grundnahrungsmitteln über Kaffee bis hin zu Beerdigungen. Die starre, überregulierte Wirtschaft war unfähig, sich anzupassen. Eine schnell wachsende Bevölkerung verschärfte die Belastung.

Als Pérez 1989 mit einem Reformprogramm zurückkehrte, war die Gegenreaktion heftig. Die Caracazo-Unruhen, bei denen Hunderte von Demonstranten ums Leben kamen, legten die Fragilität des Ölstaates offen. In diese Krise trat Hugo Chávez. Sein Aufstieg war ebenso dramatisch wie unwahrscheinlich. Im Februar 1992 hatte er als junger Oberstleutnant einen gescheiterten Putsch gegen Pérez angeführt. Obwohl der Coup scheiterte, machte ihn seine ruhige und trotzige Fernsehansprache über Nacht zu einer nationalen Persönlichkeit. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1994 erfand er sich neu als politischer Rebell, wetterte gegen Korruption und Ungleichheit, nutzte die öffentliche Wut und brachte die PDVSA fest unter staatliche Kontrolle.

Chávez’ Weltanschauung war tief geprägt von seinem Bündnis mit Fidel Castro, den er als Mentor und ideologischen Wegweiser betrachtete. Venezuela wurde zu Kubas Bankier und lieferte stark subventioniertes Öl im Austausch gegen Ärzte, nachrichtendienstliche Unterstützung und politische Beratung. Durch Initiativen wie Petrocaribe dehnte Chávez das Modell auf die gesamte Karibik aus und machte Öl zu einem Instrument regionalen Einflusses und antiamerikanischer Solidarität.

Im Inland hob Chávez die Autonomie der PDVSA auf. Ihre Einnahmen wurden direkt zur Zentralregierung umgeleitet, um Sozialprogramme und politische Projekte zu finanzieren, auf Kosten von Investitionen und langfristigen Kapazitäten. Ein verheerender Streik in den Jahren 2002–03 führte zu Massenentlassungen von Fachkräften und höhlte das technische Know-how des Unternehmens aus.

Als Maduro die Macht übernahm, hatten Misswirtschaft, Korruption und Sanktionen bereits die Produktion zusammenbrechen lassen. Venezuela, einst ein Titan der Ölindustrie, war ein hoffnungsloser Fall.

In den 1990er Jahren hatte sich PDVSA-Chef Luis Giusti unter dem Motto „Apertura“ für eine pragmatische Öffnung für ausländische Investitionen eingesetzt, was die Produktion zeitweise um fast 40 Prozent steigerte. Nun jedoch verkümmerten der Schwerölgürtel des Orinoco und die Zukunft Venezuelas ohne Kapital und Technologie. Bis Ende der 2010er Jahre war die Fördermenge auf unter eine Million Barrel pro Tag gesunken, während die Hyperinflation die Wirtschaft verwüstete. Millionen Menschen flohen aus dem Land, was zu einer der größten Migrationskrisen im modernen Amerika führte.

Dennoch sitzt Venezuela immer noch auf mehr als 300 Milliarden Barrel unerschlossener Reserven; unter dem Orinoco-Gürtel schlummern die weltweit größten Mengen an extra-schwerem Rohöl. So angeschlagen Venezuela als Ölstaat auch sein mag, in Zeiten knapper werdender Vorräte und des sich verschärfenden Machtringens zwischen China und den USA ist das ein viel zu wichtiger Faktor, als dass irgendeine Macht es sich leisten könnte, ihn zu ignorieren.

(Anders gesagt: Maduros wachsende politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von China und seine immer engere ideologische Bindung an Iran und dessen „Proxys“ zwangen die USA zum Eingreifen.)

Riad, 1973: Der große Energieschock und der Niedergang des Westens

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Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks in Jahrzehnten ausgelöst. Die fünfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in „The Perfect Voice“ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm für die freundliche Genehmigung zur Übersetzung und Abdruck.

Ölfässer und Macht – Teil 4

Da der eskalierende Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel kein Ende nimmt und Störungen rund um die Straße von Hormus – die Lebensader für fast ein Fünftel der weltweiten Versorgung – die Märkte weiterhin erschüttern, ist die Diskussion um Ölpreise von 200 Dollar zu einer Sorge in den Vorstandsetagen geworden.

Das aktuelle Szenario reflektiert fast spiegelbildlich die Ereignisse vom Oktober 1973 wider, als sich ein regionaler Krieg im Nahen Osten zu einer globalen Energiekrise auswuchs und die Ölhierarchie tiefgreifend veränderte.

Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren laut dem Historiker und Energieexperten Daniel Yergin die Epoche des „Kohlenwasserstoff-Menschen“. Zwischen 1949 und 1972 stieg der weltweite Energieverbrauch um mehr als das Dreifache, die Nachfrage an Öl um mehr als das Fünffache. Nirgendwo war das klarer abzulesen als in den Industrieländern. In Amerika verdreifachte sich der Ölverbrauch, während sich der Bedarf Westeuropas verfünfzehnfachte. Japans Hunger nach Öl stieg um das erstaunliche 137-Fache. „Riad, 1973: Der große Energieschock und der Niedergang des Westens“ weiterlesen

Bagdad, 1960: Die „Sieben Schwestern“, Ölrebellen und der Sturz einer Oligarchie

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Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks seit Jahrzehnten ausgelöst. Die fünfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in ‚The Perfect Voice‘ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm für die freundliche Genehmigung zur Übersetzung und zum Abdruck.
Ölfässer und Macht – Teil 3

Enrico Mattei

Jahrzehntelang beherrschte ein bemerkenswert kleiner Kreis den weltweit wichtigsten Rohstoff. Öl floss aus den Wüsten des Nahen Ostens und den Ebenen Lateinamerikas, doch die Regeln des Handels schrieben andere anderswo – in den Vorstandsetagen von London, New York und Den Haag.
Die sogenannten „Sieben Schwestern“ dominierten die Branche. Dazu zählten Standard Oil of New Jersey, Royal Dutch Shell, die Anglo-Iranian Oil Company, Standard Oil of California und Gulf Oil. Diese Unternehmen kontrollierten Exploration, Förderung, Raffination und Transport in riesigen Konzessionsgebieten, die sich vom Persischen Golf bis nach Venezuela erstreckten. „Bagdad, 1960: Die „Sieben Schwestern“, Ölrebellen und der Sturz einer Oligarchie“ weiterlesen

Die Chance auf den Wechsel in Sachsen-Anhalt ist greifbar

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von Philipp Lengsfeld und Vera Lengsfeld

Die neusten Umfragen aus Sachsen-Anhalt machen es überdeutlich: Ein fundamentaler Wechsel, ein Sieg gegen das Alt-Parteienkartell aus CDU, Linke, SPD ist zum Greifen nahe.

Die Umfrage verdeutlicht aber auch, dass fünf Monate vor der Wahl am 6. September das Kartell noch leicht die Nase vorne hat: CDU (25%), Linke (13%) und SPD (6%) liegen mit 44% momentan einen Punkt vor AfD (38%) und BSW (5%) (zusammen 43%).

Damit ist eine Wechselmehrheit absolut möglich!

Und angesichts der dramatischen Lage im Gesamtland eigentlich auch zwingend.

Wenn Sachsen-Anhalt gewonnen wird (mindestens ein Mandat mehr als das Kartell), dann kann auch noch die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wochen später gewonnen werden, wo die Ausgangssituation ähnlich, aber etwas schwieriger ist.

Dazu müssen aber aus unserer Sicht folgende Punkte erfüllt sein, die wir hier auflisten und einzeln kurz diskutieren wollen. „Die Chance auf den Wechsel in Sachsen-Anhalt ist greifbar“ weiterlesen

Das Land des Lächelns

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Als nächste Premiere in dieser Spielzeit präsentierte das Theater Nordhausen am Freitag, dem 27. März, die Operette von Franz Lehár „Das Land des Lächelns“. Das Werk hat mehrere Arien hervorgebracht, die als Schlager Welterfolge wurden. Dabei handelt es sich um ein Stück, das in seiner ursprünglichen Fassung „Die gelbe Jacke“ 1923 in Wien uraufgeführt und erst nach 105 Vorstellungen abgesetzt wurde. Da die vor dem Ersten Weltkrieg in Europa grassierende Chinaeuphorie in den 30er Jahren ein Revival erlebte, arbeitete Lehár die Vorlage um und ergänzte sie durch die Hits „Dein ist mein ganzes Herz“, den er für den Startenor Richard Tauber komponiert hatte und den dieser bis zu 2500 Mal gesungen hat. Er musste ihn nach Aufführungen der Operette bis zu sechs Mal wiederholen, was heute unfassbar erscheint.

Intendant Daniel Klajner hat Lehár in eine zeitgemäße Form gebracht. Ich bin bei solchen Angleichungen an den Zeitgeist generell skeptisch, muss aber sagen, dass Klajners Fassung sehr frisch wirkt und ohne Anbiederung auskommt.

Franz Lehárs Erfolgswerk – 1929 im Berliner Metropol-Theater uraufgeführt – gehört zu seinen meistgespielten Werken. Neben »Dein ist mein ganzes Herz« sind »Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt« und »Immer nur lächeln« weitere Publikumsrenner enthalten. „Das Land des Lächelns“ weiterlesen

Teheran, 1953: Der Putsch, der die Ölpolitik veränderte

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Von Shoumojit Banerjee

Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks in Jahrzehnten ausgelöst. Die fünfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in ‚The Perfect Voice‘ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm für freundliche die Genehmigung zu Übersetzung und Abdruck.

Ölfässer und Macht – Teil 2

Der Staatsstreich, der den Schah wieder an die Macht brachte, verfestigte zugleich ein Erbe aus Ölpolitik und ausländischer Einmischung, das den Iran bis heute überschattet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Persien ein im Niedergang begriffen, regiert vom alternden Kadscharen-Monarchen Mozaffar al-Din Schah Kadschar. Das Land verfügte kaum über Industrie, eine schwächelnde Staatskasse und eine Regierung, die zum Erzielen von Einnahmen zunehmend auf ausländische Konzessionen angewiesen war. Unter seinen Wüsten jedoch lag eines der größten Ölvorkommen der Welt – ein Vermögenswert, der die Aufmerksamkeit der Großmächte wecken und Persien in einen zentralen Schauplatz der globalen Energiepolitik verwandeln sollte. „Teheran, 1953: Der Putsch, der die Ölpolitik veränderte“ weiterlesen

Baku, 1901: Die Geburt der Energiegeopolitik

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Von Shoumojit Banerjee

Ölfässer und Macht – TEIL 1

Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks in Jahrzehnten ausgelöst. Die fünfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in ‚The Perfect Voice‘ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm für freundliche die Genehmigung zu Übersetzung und Abdruck.

Der Ölboom am Kaspischen Meer zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte erstmals, wie Erdöl Märkte, Imperien und Revolutionen prägen konnte. „Baku, 1901: Die Geburt der Energiegeopolitik“ weiterlesen

Betrachtungen zur Wahl in Rheinland-Pfalz

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von Philipp Lengsfeld

Diese Analyse der Ergebnisse der Wahl in Rheinland-Pfalz kommt über zwei Tage nach Schließung der Wahllokale – die Wahl ist damit im politischen Berlin schon wieder eine kleine Ewigkeit her, aber ein Blick zurück und ein Blick auf die Optionen lohnt sich trotzdem noch. Und bringt uns in die Position auch einige Reaktionen (oder eher Nichtreaktionen gleich mit zu analysieren).

Unstreitig die Wahl gewonnen hat die CDU und der Herausforderer Gordon Schnieder, der neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz werden wird. Das Ergebnis ist mit 31.0% für die heutigen Verhältnisse sehr ordentlich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die SPD Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren regiert hat und der Amtsinhaber mit dem in Deutschland immer sehr starken Amtsbonus ins Rennen gegangen ist und einen leidenschaftlichen und intensiven Wahlkampf geführt hat.

Insbesondere die staatsmännische Reaktion der CDU („keine Häme, kein Triumph“) und die soliden Pläne von Gordon Schnieder für Rheinland-Pfalz lassen einen doch zu dem Gedanken kommen, dass man die Staatspartei Union vielleicht doch nicht zu früh abschreiben sollte.

Großer Verlierer war dagegen die SPD, insbesondere der Absturz um fast 10 Punkte auf einen deutlichen zweiten Platz schmerzt sehr. Verstärkt wird dieser Effekt sicherlich durch die politische Brutalität von Bündnis 90/Die Grünen – hatten die SPD-Unterstützer vor zwei Wochen im Nachbarland den Grünen und Cem Özdemir den knappen Sieg gegen die Union gesichert (und dabei die SPD sogar gefährlich nah an die 5%-Hürde gebracht), so ist dieser Effekt in Rheinland-Pfalz nicht eingetreten. Die Grünen in Rheinland-Pfalz haben lieber ihren vierten Platz und ihr altes Ergebnis gesichert (und dies wie einen Sieg gefeiert) – es wäre sehr verwunderlich, wenn die SPD diesen unsolidarischen Egoismus schnell vergessen sollte. „Betrachtungen zur Wahl in Rheinland-Pfalz“ weiterlesen