Die Hauptstadtpresse denunziert ihr Volk (und seine Vertreter) – ein offener Wutleserbrief an Martin-Jochen Gutsch, Spiegel

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Von Philipp Lengsfeld

Als ich gestern in das unsägliche Spiegel-Machwerk „Im Blauland“ von Jochen-Martin Gutsch reingeschaut habe, bekam ich einen veritablen Wutanfall.

Und ich habe kurz überlegt, ob ich dies in dieser Deutlichkeit sage, denn JM Gutsch, Edelfeder aus Prenzlauer Berg und Ost-Berliner meines Schuljahrgangs (Mitte 71-72) schreibt in seinen Texten häufiger (und nicht verständnisvoll) über die „Wut“ der Deutschen (siehe dazu auch den Transparenzhinweis am Ende des Textes).

Aber echte Gefühlsausbrüche sind auch Fakten und ich stehe dazu: Der Gutsch-Text ist für mich ein weiterer Tiefpunkt in der aktuell eh schwierigen Lage, der „unsere Demokratie“-Krise.

Und dabei geht es mir nicht mal um dreisteste kulturelle Aneignung („Wenn es nicht so pathetisch klänge, würde ich sagen: Blauland – das ist meine Heimat“) – Jochen-Martin Gutsch, Abitur 1990 in (Ost-)Berlin Lichtenberg und journalistische Bilderbuchkarriere im Berlin der Wiedervereinigung hat von der Ostprovinz keine Ahnung.

Und dabei geht es mir nicht primär darum, dass er die höhere Schule im schwarzen Herz des SED-Staats durchlaufen hat – die EOS „Immanuel Kant“ an der JM Gutsch 1990 Abitur machte liegt nur ca. 500 m vom zu diesem Zeitpunkt immer noch erst frisch geräumten Arbeitsplatz von Armeegeneral, MfS-Boss Erich Mielke, der es zum Glück nie zum Marschall der DDR geschafft hat und der in erster Instanz als Bülowplatz-Polizistenattentatsmörder von 1931 verurteilt wurde, bevor er in Schimpf und Schande verstarb und in einem unbekannten Grab in der Stadt verscharrt wurde. „Die Hauptstadtpresse denunziert ihr Volk (und seine Vertreter) – ein offener Wutleserbrief an Martin-Jochen Gutsch, Spiegel“ weiterlesen

Straßennamen

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Von Peter Schewe

In Regensburg fordern die Angehörigen des vor acht Jahren in Hanau erschossenen Fatih Saracoglu, einen Platz nach ihm zu benennen. Sie liegen damit voll im Trend der Zeit, Opfern rassistischer Gewalt zu gedenken.

Die Anwohner wird‘s freuen, wenn sie ihre neue Anschrift schreiben oder am Telefon buchstabieren müssen. Wie sinnvoll ist es, Straßen und Plätze nach Personen, egal ob Opfer oder Täter, zu benennen? Hier einige Beispiele:

Mein 1943 errichtetes Elternhaus stand in der Hitlerstraße, die 1945 wieder zurück in Swinemünder Chaussee, jedoch schon 1946 in Stalinstraße umbenannt wurde, nachdem Swinemünde polnisch wurde und fortan Swinousje hieß. Nachdem Stalin 1962 vom Sockel gestoßen wurde, trägt die Straße bis heute den unverfänglichen Namen Bäderstraße.

Während meines Studiums in Dresden wohnte ich erst in der Wiener- dann in der Leningrader- und zuletzt in der Juri-Gagarin-Str. Während erstere immer noch so heißt, gibt es die anderen nicht mehr. Sie heißen jetzt St. Petersburger- bzw. Friedrich-Löffler-Straße.

Meine Anschrift in Bannewitz bei Dresden lautete bis 1990 Ralf- Bernaisch- Straße. Keiner meiner alteingesessenen Nachbarn konnte mir sagen, wer Ralf Bernaisch war. Beim buchstabieren des Straßennamens brach man sich die Zunge und oft genug kam dabei etwas anderes heraus. 1990 wurde die Straße auf unser Betreiben hin in Gartenstraße umbenannt. „Straßennamen“ weiterlesen

Gibbon und die ewige Krise Roms

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Teil 2.

Von Shoumojit Banerjee

Schottische Aufklärung

David Hume (1711–1776)

Montesquieus Schüler und die schottische Aufklärung brachten diese Art ‚philosophischer Geschichte‘ zu vollendetem Ausdruck. David Humes Geschichte Englands – veröffentlicht zwischen 1754 und 1762 – zeigte, dass Historiografie philosophische Einsicht mit literarischer Eleganz verbinden konnte – was auch Gibbons eigene Prosa später tiefgreifend prägen sollte. Wie Montesquieu behandelte Hume Handel und öffentliche Meinung als historische Kräfte, die ebenso wichtig waren wie Schlachten oder Dynastien, während er nationalen Mythen mit ironischer Distanz begegnete.

William Robertson erweiterte übergreifende historische Fragestellungen sogar noch mehr. In seiner „Geschichte Schottlands“ (1759), „Geschichte der Herrschaft von Kaiser Karl V.“ (1769) und „Geschichte Amerikas“ (1777) reichte die Erzählung über das Hofgeschehen und die Feldzüge hinaus bis hin zu Kolonialismus, Religion und sozialer Entwicklung. Gibbon verehrte Robertson außerordentlich, übernahm dessen Ansatz, und verband ihn mit der Strenge eines Tacitus, seinem größten antiken Vorbild. Für Gibbon war Tacitus der einzige römische Historiker, der verborgenen Mechanismen der Macht klar artikulierte, und so die Furcht und Unterwürfigkeit, Korruption und imperiale Heuchelei, die unter der offiziellen Sprache der römischen Regentschaft lauerten, offenlegte.

Bei der Lektüre zeigt sich Gibbons fulminante Gelehrsamkeit auf fast jeder Seite. Schon in den ersten Kapiteln bewegt er sich mühelos zwischen den antiken Historikern – Tacitus, Polybius, Dion Cassius, Josephus und anderen – während er kirchliche Autoren wie Eusebius und Sozomenos fast wie ein Ankläger ins Kreuzverhör nimmt. Aber auch fachlich scheint er überall gleich souverän, ob bei römischem Recht, militärischer Organisation, kaiserlicher Besteuerung, Provinzverwaltung, Grenzverteidigung, Geografie, Münzwesen, Handel, Demografie oder religiösen Kontroversen. „Gibbon und die ewige Krise Roms“ weiterlesen

Gibbon und die ewige Krise Roms

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Teil 1.

Von Shoumojit Banerjee

250 Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt Edward Gibbons Verfall und Untergang des Römischen Reiches die maßgebliche Abhandlung über die Vergänglichkeit von Zivilisationen.

In den 1980er Jahren versuchte der deutsche Historiker Alexander Demandt, alle jemals vorgebrachten Erklärungen für den Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 n. Chr. zu katalogisieren. In „Der Fall Roms“ (1984) führte Demandt mehr als zweihundert Ursachen auf, die zum Zusammenbruch Roms führten, von äußerst plausiblen bis hin zu geradezu skurrilen. Dazu gehörten unter anderem militärische Überdehnung, das Christentum, Bleivergiftung, Rassenvermischung, Besteuerung, Pest, Inflation, sinkende Geburtenraten, Klimawandel und schlichtes Pech. Im Kern besagt Demandts exzentrischem Katalog nichts anderes, als dass Roms Absturz nie aufhört, weil Historiker nie aufgehört haben, darüber zu streiten, wieso es dazu kam.

Kein Werk im westlichen historischen Kanon hat diese Debatte tiefgreifender geprägt als Edward Gibbons erhabene und meisterhafte „Geschichte vom Untergang und Fall des Römischen Reiches“, deren erster Band 1776 erschien – vor genau 250 Jahren. Noch heute überragt Gibbons Magnum Opus die umfangreiche Literatur, die es inspiriert hat. Zwar haben nachfolgende Historiker neue Ursachen vorgeschlagen, alte Erklärungen revidiert und viele von Gibbons Schlussfolgerungen in Frage gestellt, doch bis heute hat ihn keiner aus dem Zentrum der Debatte verdrängt. „Gibbon und die ewige Krise Roms“ weiterlesen

Deutschland ist moralisch bankrott

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Die UN hat gewählt und Deutschland eine kräftige Klatsche verpasst, indem sie seine Bewerbung um einen nicht ständigen Sitz im Sicherheitsrat krachend scheitern ließ. Die Pointe des Vorgangs war, dass Annalena Baerbock das Abstimmungsergebnis verkünden und den anschließenden Jubel über sich ergehen lassen musste.

Ob ihr klar war, dass es auch eine Reaktion auf ihre Selbstinstallation als Präsidentin der UN-Generalversammlung war? Zweifel sind angebracht, denn Baerbock gehört zu den „starken Frauen“ wie Bärbel Bas, die unfähig zu sein scheinen, ihre eigene Wirkung zu reflektieren.

Drei Jahre lang hat Baerbock anscheinend ihr Amt als Laufsteg für Modevorführungen benutzt und die Welt permanent moralisch belehrt. Nun ist klar, dass ihre Selbstinszenierung nicht gut angekommen ist. Die Welt hat deutsche Moralvorlesungen satt. „Deutschland ist moralisch bankrott“ weiterlesen

Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig

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Heute, am 3. Juni, wird die Schriftstellerin Monika Maron 85 Jahre alt. Für mich ist sie neben Cora Stephan die wichtigste Autorin unseres Landes, die Grand Dame der Gegenwartsliteratur. Zum Geburtstag hat sie sich die Veröffentlichung ihrer Tagebücher von 1980–2021 geschenkt. Sie wollte sie nie herausgeben, hat sich aber zum Glück eines Besseren besonnen.

Vor einer Woche habe ich Maron erlebt, als sie bei den Ettersburger Gesprächen, von denen auf diesem Blog schon mehrmals die Rede war, das Buch vorstellte.

Sie kam aus Berlin mit ihrem Hund Bonnie Propeller, dreieinhalb Stunden am Steuer. Kaum ausgestiegen, setzte sie sich mit dem Moderator des Gesprächs hin, um die Veranstaltung vorzubereiten. Im Ergebnis die Erkenntnis, dass sie als Alleinunterhalterin agieren müsste, was dann zutraf. Nach der Veranstaltung, für die sie mit Standing Ovations belohnt wurde, Gespräche mit dem Publikum, Bücher signieren. Dann eine kurze Runde mit dem Hund und danach ein Gespräch in kleiner Runde bis Mitternacht. Alles ohne jede Pause. Ich war es, die am Ende schlappmachte, obwohl ich nur eine Stunde Anfahrt und keine Veranstaltung gehabt hatte.

Der Buchtitel entstammt einem Brief an den DDR-Kulturstaatsminister Klaus Höpcke vom 19. Mai 1982. Maron, deren erstes Buch Flugasche nicht in der DDR erscheinen konnte und die dabei war, auch ihr zweites bei Fischer im Westen erscheinen zu lassen, hatte ein Visum für einen Studienaufenthalt im Westen beantragt. Im September 1981 hatte Höpcke ihr in Aussicht gestellt, sich für so eine Reise einzusetzen. Nun schrieb Maron ihm, dass sie sich seitdem selbst das Klavierspielen beigebracht hat und schon Menuette von Händel spielen kann. Sie fragt, zu welchen Fähigkeiten am Piano sie es noch bringen wird, ehe sie eine Antwort bekommt – immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig. „Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig“ weiterlesen

Warum Musik lebenswichtig ist – besonders in Zeiten wie diesen

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Von Sondershausen und seiner besonderen Musiktradition war in diesem Blog schon häufiger die Rede. Die Stadt beherbergt nicht nur mit dem um 1600 gegründeten Lohorchester eines der ältesten Berufsorchester Deutschlands, hier ließ Fürst Friedrich Carl I. ab 1806 die Allgemeinheit an öffentlichen, kostenfreien Konzerten teilnehmen. Diese Loh-Konzerte, benannt nach dem Aufführungsort, gehörten zu den ersten Konzertangeboten für alle in Deutschland.

Wie hoch diese Musiktradition in der Stadt gehalten wird, konnten die Besucher des 3. Lohkonzerts am Sonntag im Achteckhaus, früher Karussell, heute Sommerkonzertstätte, erleben.

Deutschland soll so viele geniale Komponisten hervorgebracht haben wie alle anderen Länder zusammengenommen. Deshalb kommen immer wieder Komponisten zur Aufführung, von denen man vorher als Laie nie etwas gehört hat.

Diesmal stand unter dem Motto „Barock meets Piazzolla“ an erster Stelle Heinrich Ignaz Franz von Biber mit seiner „Battalia à 10“ auf dem Programm. Wie Gábor Hontvári, der Dirigent, dem Publikum mitteilte, war Biber der wohl modernste Barockkomponist. Der Violinvirtuose, später Hofkapellmeister des Salzburger Erzbischofs, hat percussive Elemente benutzt, die erst später von modernen Musikern wiederentdeckt wurden. In seiner Battalia à 10 treten 10 verschiedene instrumentale Stimmen gegeneinander an, die nicht nur eine Kampfszene abbilden, sondern den ganzen Umfang kriegerischen Geschehens erfassen. Man hört die Reveille, die Kämpfer marschieren, aber auch das Klagen der Verwundeten, also Antikriegsthemen. „Warum Musik lebenswichtig ist – besonders in Zeiten wie diesen“ weiterlesen

Nächster Halt: „Idiocracy“?

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Von Ekatherina Quehl

„Die GenZ sei die erste Generation der modernen Geschichte, deren kognitive Fähigkeiten hinter ihrer Vorgängergeneration zurückfielen“ – mit dieser Warnung stellte der Neurowissenschaftler und Bildungsexperte Jared Horvath die Ergebnisse neuer internationaler Studien bei einer Anhörung im US-Senat vor.

„Lese- und Schreibfähigkeiten, Rechenfertigkeiten, Aufmerksamkeit und das abstrakte Denkvermögen haben trotz steigender Schulbesuchsquoten abgenommen“, schreibt Horvath in seiner Stellungnahme. Er weist auf die PISA-Studie und zwei weitere internationale Studien, die Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften (Trends in International Mathematics and Science Study) sowie die Kompetenzen im Bereich der Lesefähigkeit (Progress in International Reading Literacy Study) der Schüler messen, hin.

Dieser bedauerliche Trend begann ab Mitte der 2000er Jahre. Zuvor waren die jüngeren Generationen immer schlauer, als die älteren.

„Während des größten Teils des 20. Jahrhunderts verbesserte sich die kognitive Leistungsfähigkeit über Generationen hinweg stetig. Das war vor allem auf den erweiterten Zugang zu formaler Bildung und eine verbesserte Unterrichtsqualität zurückzuführen.“ Seit Mitte der 2000er Jahre stagniere dieser Trend und kehrte sich schließlich in vielen westlichen Ländern um, so Horvath. „Nächster Halt: „Idiocracy“?“ weiterlesen

„Nicht-Migranten“ aus der Perspektive einer Migrantin

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Von Ekaterina Quehl

Es war nicht nur ein sprachlicher Ausrutscher der Tagesschau. Der Begriff „Nicht-Migranten“ scheint längst etabliert zu sein. Warum gilt eigene Identität in rotlinksgrünen Milieus als etwas Verwerfliches oder ausländerfeindlich? Ein Erklärungsversuch.

Nachdem die Tagesschau Deutsche als „Nicht-Migranten“ bezeichnet hatte, habe ich auf X auf meinen Post: „Also ich bin Russin, die sehr lange in Deutschland lebt und ich bin wirklich fassungslos. Das ist der Gipfel dieses absurden linksgrünen Trends, die eigene Identität zu negieren: Deutsche offiziell als „Nicht-Migranten“ zu bezeichnen.“ so viele Reaktionen bekommen, dass ich auf das Thema etwas tiefer eingehen möchte.

„Nicht-Migranten“ ist ein Begriff, der – wie es sich nach meiner kurzen Recherche herausgestellt hat – schon längst in unterschiedlichen Institutionen etabliert ist.

Im Beitrag der Max-Planck-Gesellschaft vom 15.05.2024 „Arbeitsplatzverlust trifft Migranten härter“ steht: „Die gesundheitlichen Unterschiede zwischen Migrantinnen und Nicht-Migrantinnen sind weniger signifikant.“ In der dazugehörigen Statistik tauchen Deutsche ebenfalls als „Nicht-Migranten“ auf.

Auch das Bildungsportal NRW verwendet diesen absurden Begriff – und das bereits seit 2007: „Zur Beantwortung der Frage, wie wahrscheinlich ein Wechsel zwischen Schulformen für Migranten und Nicht-Migranten ist, wurde jeweils der Anteil der Schulformwechsler unter den Migranten bzw. Nicht-Migranten an allen Schülern dieser Gruppen in den jeweiligen Schulformen ermittelt.“

Auf der Seite von Thalia wird ein Buch mit dem Titel „Bildungserfolg Migranten im Vergleich zu Nicht-Migranten“ verkauft.

Der Begriff scheint schon längst in großen Teilen der Gesellschaft etabliert zu sein. Als ob es unangenehm wäre, die eigene Bevölkerung überhaupt noch direkt zu benennen.

Auch im Alltag ist es mir schon häufig aufgefallen, dass es in manchen Kreisen ungehörig ist, sich selbst als Deutschen zu bezeichnen oder nach der Herkunft der anderen zu fragen. Dabei ist die Frage „Woher kommst du?“ in vielen Ländern die erste Frage, die man stellt, wenn man ins Gespräch kommt. Für viele Ausländer und auch für viele Deutsche, die ich kenne, ist es unbegreiflich, warum selbst neutrale Begriffe für eigene Identität oder Kultur inzwischen sofort ideologisch eingeordnet werden. „Deutsch sein“ bedeutet für die meisten einfach Herkunft, Sprache, Kultur, Kindheitserinnerungen, Feiertage, Essen — also etwas völlig Normales und Alltägliches.

Natürlich können historische Gründe nicht einfach ungültig werden wie ein Parkticket. Aber zwischen „Wir sollen aus der Geschichte lernen“ und sich selbst als „Nicht-Migranten“ zu bezeichnen liegt ein riesiger Unterschied. Inzwischen entsteht der Eindruck, dass sich dieser Trend zu einer kulturellen Neurose entwickelt hat, bei der ein kleinster Hinweis auf Anerkennung eigener Kultur oder Identität sofort als moralisch verdächtig eingestuft wird.

Auffällig ist aber, dass für Deutsche – die wegen einer deutschen Fahne an Hausfassaden Angst haben – ein Türkischer Kulturverein, Afghanische Frauen in München e. V. oder der Bundesverband russischsprachiger Eltern e. V. selbstverständlich sind.

Wie soll denn aber eine Gesellschaft, die ihre eigene Identität und Kultur auf den Altar historischer Schuld und falsch verstandener Ausländerfreundlichkeit legt, diesen Ausländern und der eigenen Bevölkerung authentisch vermitteln, dass Akzeptanz eigener Herkunft und eigener Kultur etwas völlig Normales ist?

Wenn man dieses Phänomen auf einen einzelnen Menschen überträgt, dann wäre das eigentlich ein ziemlich trauriger Zustand. Den anderen ständig zu erklären, wie sehr man sie wertschätzt, sich selbst gegenüber aber aggressiv zu sein. Das würde man doch weder als Offenheit noch als Toleranz bezeichnen. Warum tut man das aber bei der eigenen Gesellschaft?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf: ekaterina-quehl.com

Der Energiegipfel – Ausweg aus dem Klimakampf

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Der Physiker und Kernkraftbefürworter André Thess hat ein kluges Buch geschrieben. Ausgehend von dem Satz des Hamburger Universitätspräsidenten Dieter Lenzen auf einer Online-Diskussionsveranstaltung vom Oktober 2021: „Die Energiewende hat das Potenzial zum Bürgerkrieg“, untersucht Thess eine Möglichkeit, diesen Krieg, der aufgrund der anscheinend unerschöpflichen Geduld und Leidensfähigkeit der Deutschen noch nicht ausgebrochen ist, zu verhindern. Selbst das Bekenntnis des Finanzministers Klingbeil, er brauche keine Kennzahlen, um zu wissen, dass es richtig sei, auf erneuerbare Energien zu setzen, löste keine sichtbare Reaktion bei der betroffenen Bevölkerung aus, die anders als der Minister die verheerenden Folgen der gescheiterten „Energiewende“ schmerzhaft in ihrem Geldbeutel zu spüren bekommt. Auch nicht von der Wirtschaft, die dabei ist, abgeschafft zu werden. Klingbeil hat mit seinem Satz die „Energiewende“ als ideologisches Projekt entlarvt, das ungeachtet seiner Negativbilanz bis zum bitteren Ende fortgesetzt werden wird.

Der Dreißigjährige Krieg war der für Deutschland verheerendste. Er kostete einem Drittel der Bevölkerung das Leben. Die meisten Menschen starben nicht durch Waffengewalt, sondern an den indirekten Kriegsfolgen wie Hunger und Seuchen. „Der Energiegipfel – Ausweg aus dem Klimakampf“ weiterlesen