Die Windkraft wankt. Und mit ihr die Energiewende

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Dipl. Physiker Dr. Werner Huber, 8.6.26, wernerhuber.consult@t-online.de

Für den geplanten 300 Gigawatt-Mega-Windpark in der Nordsee schien den beteiligten Ländern kein Superlativ zu hoch: die Nordsee werde zum „Energie-Powerhouse“, zum „grünen Kraftwerk Europas“, zum „größten Energie-Hub der Welt“. So tönte es bombastisch zuletzt beim Nordsee-Gipfel Ende Januar dieses Jahres in Hamburg.

Dann aber, Ende Mai, fuhr die Realität dazwischen wie ein Sturm der Stärke 12: Die Energieriesen TotalEnergies und BP wollen aus dem Projekt aussteigen und sich wieder auf ihr fossiles Kerngeschäft konzentrieren. Die Konzerne nennen Gründe wie gestiegene Kosten, Exportbeschränkungen Chinas, verzögerten Netzausbau. Ein weiterer Grund dürfte eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts sein, laut der der Stromertrag bei der hohen Windparkdichte markant unter Plan ausfallen wird aufgrund von Abschattungseffekten.

Der Rückzug der beiden Energiemultis aus dem Prestigeprojekt schreckte die Berliner Politakteure auf. Denn ein gewaltiger Ausbau der Offshore-Windkraft ist für die deutsche Energiewende von zentraler Bedeutung: geplant ist eine Versiebenfachung von derzeit 10 GW-Nennleistung auf 70 GW mittels tausender Groß-Windtürme. Die Lage ist umso kritischer, als auch andernorts wichtige Player ihre Offshore-Projekte zurückfahren, darunter der dänische Weltmarktführer Oersted oder der französische Energieriese EDF. Und auch die deutsche EnBW, die den Steuerzahlern dabei über eine Milliarde Verlust aufhalste. „Die Windkraft wankt. Und mit ihr die Energiewende“ weiterlesen

Die Hauptstadtpresse denunziert ihr Volk (und seine Vertreter) – ein offener Wutleserbrief an Martin-Jochen Gutsch, Spiegel

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Philipp Lengsfeld

In dieser Woche gibt es im Spiegel einen für mich unsäglichen Text: „Im Blauland“ von Jochen-Martin Gutsch. Journalist Gutsch und ich sind Ost-Berliner eines Schuljahrgangs (Mitte 71-72) und uns schon mal begegnet (siehe Transparenzhinweis am Ende des Textes).

Dieser offene Leserbrief ist der Versuch meine Verärgerung über den Text zu verarbeiten: Und dabei geht es mir nicht mal so sehr um dreisteste kulturelle Aneignung („Wenn es nicht so pathetisch klänge, würde ich sagen: Blauland – das ist meine Heimat“) – Jochen-Martin Gutsch, Abitur 1990 in (Ost-)Berlin Lichtenberg und journalistische Bilderbuchkarriere im Berlin der Wiedervereinigung hat von der Ostprovinz keine Ahnung.

Nein, ich halte Jochen Gutsch sicher nicht seine Herkunftsumgebung vor, das darf und kann man nicht tun, aber ich kann schon feststellen, dass er als Hauptstädter auf der Sonnenseite zweier deutscher Systeme stand und steht. Und insbesondere die SED-DDR, das schwarze Herz dieses System, Mielkes Stasiimperium, schlug in Berlin Lichtenberg unweit von Gutschs Abiturschule, hat ihm den Gefallen getan genau im richtigen Moment zu verschwinden: So konnte er politisch unkompromittiert ein Jurastudium an der Humboldtuni und eine schöne mediale Karriere in Berlin hinlegen – in unserer Heimatstadt Berlin (ich habe die Stadt auch nie verlassen), das jetzt schon länger wieder Hauptstadt ist, aber diesen Titel natürlich nicht mehr anmaßend-verkniffen im Namen führt, wie es zu DDR-Zeiten der Fall war.

Was mich nervt ist der Blick auf Ostdeutschland – der Mann tourt durch die Provinz wie auf einer Safari, legt geschickte rhetorische Fallen („mein Dorf in Brandenburg“) und interpretiert, aber vor allem framt, als ob es kein Morgen gibt. „Die Hauptstadtpresse denunziert ihr Volk (und seine Vertreter) – ein offener Wutleserbrief an Martin-Jochen Gutsch, Spiegel“ weiterlesen

Straßennamen

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Peter Schewe

In Regensburg fordern die Angehörigen des vor acht Jahren in Hanau erschossenen Fatih Saracoglu, einen Platz nach ihm zu benennen. Sie liegen damit voll im Trend der Zeit, Opfern rassistischer Gewalt zu gedenken.

Die Anwohner wird‘s freuen, wenn sie ihre neue Anschrift schreiben oder am Telefon buchstabieren müssen. Wie sinnvoll ist es, Straßen und Plätze nach Personen, egal ob Opfer oder Täter, zu benennen? Hier einige Beispiele:

Mein 1943 errichtetes Elternhaus stand in der Hitlerstraße, die 1945 wieder zurück in Swinemünder Chaussee, jedoch schon 1946 in Stalinstraße umbenannt wurde, nachdem Swinemünde polnisch wurde und fortan Swinousje hieß. Nachdem Stalin 1962 vom Sockel gestoßen wurde, trägt die Straße bis heute den unverfänglichen Namen Bäderstraße.

Während meines Studiums in Dresden wohnte ich erst in der Wiener- dann in der Leningrader- und zuletzt in der Juri-Gagarin-Str. Während erstere immer noch so heißt, gibt es die anderen nicht mehr. Sie heißen jetzt St. Petersburger- bzw. Friedrich-Löffler-Straße.

Meine Anschrift in Bannewitz bei Dresden lautete bis 1990 Ralf- Bernaisch- Straße. Keiner meiner alteingesessenen Nachbarn konnte mir sagen, wer Ralf Bernaisch war. Beim buchstabieren des Straßennamens brach man sich die Zunge und oft genug kam dabei etwas anderes heraus. 1990 wurde die Straße auf unser Betreiben hin in Gartenstraße umbenannt. „Straßennamen“ weiterlesen

Gibbon und die ewige Krise Roms

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Teil 2.

Von Shoumojit Banerjee

Schottische Aufklärung

David Hume (1711–1776)

Montesquieus Schüler und die schottische Aufklärung brachten diese Art ‚philosophischer Geschichte‘ zu vollendetem Ausdruck. David Humes Geschichte Englands – veröffentlicht zwischen 1754 und 1762 – zeigte, dass Historiografie philosophische Einsicht mit literarischer Eleganz verbinden konnte – was auch Gibbons eigene Prosa später tiefgreifend prägen sollte. Wie Montesquieu behandelte Hume Handel und öffentliche Meinung als historische Kräfte, die ebenso wichtig waren wie Schlachten oder Dynastien, während er nationalen Mythen mit ironischer Distanz begegnete.

William Robertson erweiterte übergreifende historische Fragestellungen sogar noch mehr. In seiner „Geschichte Schottlands“ (1759), „Geschichte der Herrschaft von Kaiser Karl V.“ (1769) und „Geschichte Amerikas“ (1777) reichte die Erzählung über das Hofgeschehen und die Feldzüge hinaus bis hin zu Kolonialismus, Religion und sozialer Entwicklung. Gibbon verehrte Robertson außerordentlich, übernahm dessen Ansatz, und verband ihn mit der Strenge eines Tacitus, seinem größten antiken Vorbild. Für Gibbon war Tacitus der einzige römische Historiker, der verborgenen Mechanismen der Macht klar artikulierte, und so die Furcht und Unterwürfigkeit, Korruption und imperiale Heuchelei, die unter der offiziellen Sprache der römischen Regentschaft lauerten, offenlegte.

Bei der Lektüre zeigt sich Gibbons fulminante Gelehrsamkeit auf fast jeder Seite. Schon in den ersten Kapiteln bewegt er sich mühelos zwischen den antiken Historikern – Tacitus, Polybius, Dion Cassius, Josephus und anderen – während er kirchliche Autoren wie Eusebius und Sozomenos fast wie ein Ankläger ins Kreuzverhör nimmt. Aber auch fachlich scheint er überall gleich souverän, ob bei römischem Recht, militärischer Organisation, kaiserlicher Besteuerung, Provinzverwaltung, Grenzverteidigung, Geografie, Münzwesen, Handel, Demografie oder religiösen Kontroversen. „Gibbon und die ewige Krise Roms“ weiterlesen

Gibbon und die ewige Krise Roms

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Teil 1.

Von Shoumojit Banerjee

250 Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt Edward Gibbons Verfall und Untergang des Römischen Reiches die maßgebliche Abhandlung über die Vergänglichkeit von Zivilisationen.

In den 1980er Jahren versuchte der deutsche Historiker Alexander Demandt, alle jemals vorgebrachten Erklärungen für den Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 n. Chr. zu katalogisieren. In „Der Fall Roms“ (1984) führte Demandt mehr als zweihundert Ursachen auf, die zum Zusammenbruch Roms führten, von äußerst plausiblen bis hin zu geradezu skurrilen. Dazu gehörten unter anderem militärische Überdehnung, das Christentum, Bleivergiftung, Rassenvermischung, Besteuerung, Pest, Inflation, sinkende Geburtenraten, Klimawandel und schlichtes Pech. Im Kern besagt Demandts exzentrischem Katalog nichts anderes, als dass Roms Absturz nie aufhört, weil Historiker nie aufgehört haben, darüber zu streiten, wieso es dazu kam.

Kein Werk im westlichen historischen Kanon hat diese Debatte tiefgreifender geprägt als Edward Gibbons erhabene und meisterhafte „Geschichte vom Untergang und Fall des Römischen Reiches“, deren erster Band 1776 erschien – vor genau 250 Jahren. Noch heute überragt Gibbons Magnum Opus die umfangreiche Literatur, die es inspiriert hat. Zwar haben nachfolgende Historiker neue Ursachen vorgeschlagen, alte Erklärungen revidiert und viele von Gibbons Schlussfolgerungen in Frage gestellt, doch bis heute hat ihn keiner aus dem Zentrum der Debatte verdrängt. „Gibbon und die ewige Krise Roms“ weiterlesen

Der Wal hat seine Schuldigkeit getan, der Wal kann gehen.

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Ralph Schmid

Neun Wochen lang hielt uns die Rettung des Buckelwals Timmy in Atem. Jede Bewegung, jedes Fischernetz und jede Sandbank wurden zum medialen Großereignis stilisiert. Während der Blick der Nation gebannt auf die Ostsee gerichtet war, blieb es in Berlin verdächtig ruhig.

Doch die Ruhe war eine Täuschung. Im Schatten der medialen Dauerbeschallung hat der Bundestag im Schnelldurchlauf Gesetze verabschiedet, die unser Leben über Jahrzehnte prägen werden, aber von der emotionalisierten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt blieben.

Beispiel eins: Die Reform der privaten Altersvorsorge, verabschiedet am 26. März. Hinter dem Narrativ von Renditechancen und dem Ende des gescheiterten Riester-Modells verbirgt sich ein historischer Rückzug des Staates. Das bewährte Modell der Rentengarantie wurde faktisch beerdigt. Was bedeutet das? „Der Wal hat seine Schuldigkeit getan, der Wal kann gehen.“ weiterlesen

Droht dem Genter Altar der nächste Ikonoklasmus?

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein, Kultur

Von Sven Lingreen

Um es gleich an den Anfang zu stellen: Besuchen Sie den Genter Altar und lassen Sie sich von der genialen Kunstfertigkeit der van Eycks, der tiefgründigen Symbolik und einer restaurierten, atemberaubenden Gesamterscheinung überwältigen – solange es noch geht.

Warum so dramatisch? Weil es den Genter Altar zum einen nur noch gibt, weil über die Jahrhunderte nur Zufälle, mutige Einzelentscheidungen und schicksalhaftes Glück für seine bis heute währende Existenz gesorgt haben. Zum anderen ändert sich Europa in einer dramatischen Weise, die den Fortbestand insbesondere der christlichen Kunstwerke beginnt, infrage zu stellen. Islamische Ikonoklasmen wie zerstörte Kirchen und gesprengte Buddha-Statuen in aller Welt sind leider längst Realität. „Droht dem Genter Altar der nächste Ikonoklasmus?“ weiterlesen

Das Panoptikum-Projekt – Die Krise als Wegbereiter

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Ralph Schmid

Sie haben wahrscheinlich davon gehört – einige unserer Politiker sollen reihenweise auf eine Phishing-Attacke gegen den Messenger Dienst Signal hereingefallen sein. Ein System, das mit seiner End-to-End-Verschlüsselung bisher als sicher galt, wird durch menschliches Versagen angeblich zum Sicherheitsrisiko für den Staat.

Das Ganze wird uns als russischer Hack verkauft und zufällig fordert Innenminister Dobrindt als unmittelbare Reaktion eine Software zur Totalüberwachung, Lex Palantir, die aber bereits seit Jahren in Planung ist. Wenn Sie das für dummdreist halten, übersehen Sie die Methode: Der Vorfall ist technisch irrelevant für die genannte Lösung. Wer im Februar warnt – BfV und BSI warnten bereits am 06. Februar 2026 alle Mitglieder des Bundestages und Ministerien detailliert vor Signal-Phishing – und im April das Scheitern für andere Zwecke nutzt, folgt einem Skript.

Ich halte es für fahrlässig, die aktuelle politische Entwicklung als eine Kette von unglücklichen Zufällen oder bloßem Unvermögen ihrer Akteure zu betrachten. Denn das langfristige Ziel ist die Errichtung eines technokratischen Panoptikums. „Das Panoptikum-Projekt – Die Krise als Wegbereiter“ weiterlesen

Endlich wieder Exportweltmeister

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Hans Hofmann-Reinecke

Deutschland ist wieder Exportweltmeister. Diesmal allerdings nicht mit Produkten wie Waschmaschinen oder Luxuslimousinen, sondern mit einer Ware, die zu negativen Preisen gehandelt wird, ähnlich wie das bei deutschen Stromexporten schon der Fall ist.

810.000 Tonnen pro Jahr

Gemäß einer Analyse des „Guardian“ hat Deutschland 2025 mehr Plastikmüll exportiert als irgendein anderes Land, und zwar 810.000 Tonnen. Woher sollen die kommen, wo doch die Plastikkappen jetzt auf den Glasflaschen bleiben? Und auch, falls es noch Restaurants geben sollte, die sogenannte „Strohhalme“ anbieten, dann kommt man auch nicht auf diese knappe Million Tonnen.

Ich habe da eine Idee: Es gibt in Deutschland rund 30.000 Windturbinen mit einer typischen Lebensdauer von 20 Jahren. Da werden also im Durchschnitt pro Jahr 30.000/20 = 1500 Stück aus dem Verkehr gezogen, also vier pro Tag. Die werden nun „rückgebaut“, soll heißen: verschrottet. „Endlich wieder Exportweltmeister“ weiterlesen

Karrieristen oder Bestenauswahl

Veröffentlicht am Kategorien Allgemein

Von Ulrich Thurmann

Wenn der Regierungschef nicht gegensteuert, neigen viele Politiker und leitende Regierungsbeamte dazu, freie leitende Positionen mit Personen zu besetzen, die weniger qualifiziert sind als sie selbst. So lebt es sich leichter. Es handelt sich um die Positionen der Staatssekretäre, Abteilungsleiter, stellv. Abteilungsleiter und der Leiter nachgeordneter Behörden. Viele Politiker sind auch der Meinung, sie müßten sich mit Parteifreunden umgeben, weil es sich dann angenehmer regiert und man anderen sowieso nicht vertrauen kann. Sie merken erst zu spät, daß unfähige leitende Mitarbeiter der sichere Weg zum Regierungssturz und zum Ende der eigenen Karriere sind.

Bei Karrieristen steht mangels Fähigkeit und Interesse an der Aufgabenerledigung die sofortige Verbeamtung auf Lebenszeit bei Empfang des höchsterreichbaren Gehalts im Mittelpunkt des Interesses. Der Karrierist kann seine Aufgabe nicht selbständig erledigen (dabei wird er dafür doch hoch bezahlt), sondern er muß dauernd nach oben schielen, wie er sich die Gunst der Leitung erhalten kann. Er handelt so, daß ihm von oben möglichst wenig Schwierigkeiten drohen. Das hat aber mit Aufgabenerledigung nichts zu tun. Der Beamte hat dem Vorgesetzten zu sagen, was nach Sach- und Rechtslage zu tun ist, weil der Vorgesetzte es nicht weiß und auch nicht wissen muß – dafür hat er ja seine Mitarbeiter. Nach der Verbeamtung ist der Zuständigkeitsbereich eines Karrieristen wie totes Holz: es kommt nichts und er versagt bei jeder Schwierigkeit. „Karrieristen oder Bestenauswahl“ weiterlesen