Der vergessene Tango

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Der Publizist Thomas Kunze ist einer der besten Kenner der sowjetischen und osteuropäischen Geschichte. Er hat mehrere Jahre in Usbekistan, Russland und Rumänien gelebt. Er hat vielbeachtete Bücher geschrieben, u. a. Biografien über Nicolae Ceaușescu und Erich Honecker.

In seinem neuesten Buch „Der vergessene Tango – Wadim Kosin – ein sowjetisches Jahrhundertleben“ geht es nicht in erster Linie um Politik, sondern um Musik. Aber natürlich kann man nicht in der Sowjetunion leben, ohne dass die Politik massiv in das Leben eingreift.

Der sowjetische Ausnahmekünstler Wadim Kosin wurde 1903 in St. Petersburg als erster Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Seine Mutter entstammte einer bekannten St. Petersburger Zigeunerfamilie (offenbar weder Sinti noch Roma, sondern einer anderen der über 100 Familien).

Bis zum Oktoberputsch 1917 genoss Wadim eine behütete Kindheit im, wie er es empfand, schönen alten Russland. Von seiner sangesfreudigen Mutter erbte er die Liebe zur Musik, genauer zum Lied. „Der vergessene Tango“ weiterlesen

Prélude Boléro Sacre – Erfolgstrio der Maša Kolar

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Die erste Produktion von Maša Kolar, ab der Saison 2026/27 neue Ballettdirektorin des TN LOS!, wurde mit Spannung erwartet. Die Premiere war bis auf wenige Restkarten ausverkauft. Kolar hat die Erwartungen erfüllt, vielleicht sogar übertroffen. Sie wollte für ihr Ballett-Triptychon „eine starke Musik wählen, die unmittelbare Resonanz beim Publikum auslösen kann“. Das ist mit drei Werken von Claude Debussy, Maurice Ravel und Igor Strawinsky, die alle drei mehr als hundert Jahre alt sind, aber ganz frisch wirken, voll gelungen. Die Stücke verbindet, dass sie im legendären Ballets Russes, das Sergej Djagilew, nachdem er sich mit dem Zaren überworfen hatte, in Paris gründete, um die russische Tanzkunst den Franzosen nahezubringen, uraufgeführt wurden. Bis heute beeinflusst das Ballets Russes die internationale Tanzszene. In Zeiten, in denen woke Intendanten russische Komponisten vom Spielplan absetzen, ist es besonders tröstlich zu wissen, dass es eine europäische Kultur gibt, die untrennbar ineinander verwoben ist.

„Prélude“ entstand nach einem symbolistischen Gedicht von Stéphane Mallarmé, „Nachmittag eines Fauns“, in dem ein Faun aus dem Mittagsschlaf erwacht und nicht mehr weiß, ob seine Begegnung mit zwei Nymphen Wahrheit oder Traum gewesen ist. Bei Kolar ist der Faun ein Narzisst, den die Nymphen nicht mehr wirklich interessieren, weil er sich selbst genug ist. Nach Kolar ist er eine Figur, „die vieles von dem widerspiegelt, was wir täglich in einer von digitalen Medien bombardierten Welt erleben“. Der Zauber von Debussys Musik bleibt unverändert. „Prélude Boléro Sacre – Erfolgstrio der Maša Kolar“ weiterlesen

DEUTSCHE POLITIK IN ZWEI WORTEN: GRÜN UND DUMM

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Von Manfred Haferburg

Der Bestseller mit diesem Titel erschien vor einem Jahrzehnt. Dort erklärte Hans Hofmann-Reinecke die Zusammenhänge von Politik, Energie und Klima – endlich verständlich. Jetzt rechnet er mit der Ignoranz der vergangenen zehn Jahre ab, und die Bilanz ist verheerend.

Die Natur lässt sich nicht zum Narren machen

Über den Irrsinn der Steuerung des Erdklimas mittels einer „Energiewende“ in Deutschland wurden schon viele Bücher geschrieben. Hans Hofmann-Reinecke schrieb im Jahre 2012 ein Aufklärungsbuch zum Klimawandel. Es trug den Titel: Grün und Dumm; die Natur lässt sich nicht zum Narren halten. Es ist ein provokanter Titel, aber der Autor ist nicht aus furchtsamem Holz geschnitzt. Wer Physik in München und Berkeley studiert hat, darf keine Angst vor dem Bohren dicker Bretter haben. Mit einem „summa cum laude“-Doktortitel in der Tasche wurde er Professor an der Universität in Santiago de Chile. Danach wurde er IAEA-Sicherheitsinspektor bei der Internationalen Atombehörde in Wien. Das sind die Männer, die im umkämpften Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine die Sicherheit überwachen. Das ist nichts für Feiglinge.

Grün und Dumm war sein literarisches Debüt, in dem er sich mit der grünen Schnapsidee auseinandersetzte, die Temperatur der Erde durch das Drehen an einem planetaren Thermostat bestimmen zu wollen. Das Buch war die kritische Betrachtung einer Politik, die sich, gestützt auf eine nicht verstandene Physik, mittels untauglicher Technologie, den „Klimawandel“ untertan machen wollte. Das Buch wurde ein großer Erfolg, weil der Text für jeden verständlich geschrieben und gleichzeitig fachlich richtig war. Ach, hätten doch ein paar grüne Dummköpfe dieses Buch gelesen – Deutschland hätte heute einige Probleme weniger. „DEUTSCHE POLITIK IN ZWEI WORTEN: GRÜN UND DUMM“ weiterlesen

Bass im Doppelpack und ein neues Ballett

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Die neue Saison hat begonnen und eine Kulturreise nach Nordhausen oder in den Kyffhäuserkreis könnte sich lohnen.

Die Schlosskonzerte des TNLOS starteten in dieser Saison mit musikalischen Leckerbissen, die man selten zu hören bekommt. Den Anfang machte Franz Schuberts Ouvertüre c-Moll D 8. Schubert schrieb sein erstaunlich reifes Werk 1811 mit 14 Jahren. Sein Kompositionslehrer war übrigens Antonio Salieri, von dem weiter unten noch die Rede sein wird.

Gefolgt wurde das Stück von der selten aufgeführten Arie „Alcandro, lo confesso – Non sò d’onde viene“, die Mozart im März 1787 für den berühmten Bassisten Johann Ignaz Ludwig Fischer komponiert hat. Der Vortrag von Thomas Kohl wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Auch die „Sommernacht“ von Othmar Schoeck gefiel, obwohl sich vor den Fenstern des Blauen Saals der Herbst von seiner schönsten Seite zeigte.

Der absolute Höhepunkt des Konzerts war „Per questa bella mano“, Mozarts Arie für Bass, Kontrabass und Orchester, aufgeführt vom Kontrabassisten des Loh-Orchesters Stefan Blum und Thomas Kohl. Leider hat Blum beim Schlussapplaus, der nicht enden wollte, seinen Kontrabass von der Bühne mitgenommen, sodass es keine vom Publikum heiß gewünschte Zugabe geben konnte. „Bass im Doppelpack und ein neues Ballett“ weiterlesen

Die SPD ebnet der SED-Linken die Rückkehr zur Macht

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Im Herbst und Winter der Friedlichen Revolution 1989 war der Autoritätsverfall der SED so groß, dass man glauben konnte, kein Hund würde je wieder einen Knochen von dieser Partei nehmen.
Deshalb begingen die Bürgerrechtler am Runden Tisch ihren entscheidenden, verhängnisvollen Fehler. Als die Genossen zum letzten SED-Parteitag im Dezember 1989 nach Berlin kamen, mit dem festen Willen, die Partei aufzulösen, wurde vom damaligen SED-Chef Hans Modrow Gregor Gysi ans Mikrofon geschoben. Gysi erreichte mit seiner Rede, dass die Genossen ihren Entschluss noch einmal überdenken und nach 14 Tagen zurückkehren sollten, um über das weitere Schicksal der Partei abzustimmen. Sein Argument: Wenn die Partei aufgelöst wird, ist das Vermögen futsch. Das wirkte. Die Genossen kamen nach Berlin zurück und die Partei blieb bestehen, wurde lediglich in SED-PDS umbenannt.

Spätestens jetzt hätten die Bürgerrechtler am Runden Tisch die Enteignung der SED beschließen müssen. Stattdessen wurde tatenlos zugesehen, wie Gysi als erste Aktion als neu gewählter Parteivorsitzender eine Arbeitsgruppe zur Sicherung des Parteivermögens bildete. Diese Gruppe arbeitete ungestört sehr effizient. Nach der Vereinigung forschte man weitgehend ergebnislos 24 Milliarden DM hinterher. Dieses Geld steht der Partei, die sich insgesamt vier Mal umbenannt hat, immer noch zur Verfügung. Gysi avancierte zum Hoffnungsträger der frustrierten Westlinken, der es nicht gelungen war, die Vereinigung zu verhindern. Aber die SED-PDS-Linkspartei-Linke hatte noch andere Helfer. „Die SPD ebnet der SED-Linken die Rückkehr zur Macht“ weiterlesen

Angst über der Stadt

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In Frankreich ernten Europas Eliten die Folgen der verhängnisvollen Illusion, die den Abriss überlieferter Identitäten mit moralischem Fortschritt verwechselt.
In dem Thriller Peur sur la ville (‚Angst über der Stadt‘, 1975) rast die Filmikone Jean-Paul Belmondo über die Dächer von Paris, um einen perversen Serienmörder zu jagen, der die Hauptstadt terrorisiert. In dem Film – einem von Belmondos unzähligen Krimis jener Zeit – jagt ein eigenwilliger Polizist unerbittlich das Raubtier, das die Ordnung der französischen Metropole bedroht. Das Szenario im heutigen Europa ist weit beunruhigender: Die Behörden sind nur noch darauf reduziert, Brände zu löschen, während die intellektuelle und politische Elite kleinteilig darüber debattiert, ob eine Zivilisation mit unverwechselbarer Identität an sich bereits ein Ausdruck verwerflicher Vorurteile ist.
Der Titel des Films liefert eine unangenehm treffende Beschreibung der gegenwärtigen Situation, da Frankreich – diese hochmütige Republik der liberté, égalité, fraternité – erneut das traurige Schauspiel einer Zivilisation bietet, die ihre eigene Beerdigung begeht und dabei darauf besteht, dass es sich um eine Feier der Vielfalt handelt.

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Frankreich brennt und in Berlin bastelt man am Brandbeschleuniger für Deutschland

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Seit Montag, dem 19. Oktober, haben SPD und Grüne in Berlin der Linken eine Carte blanche für eine Koalitionsbildung gegeben. Weder die Clanverstrickung noch der offene Antisemitismus von großen Teilen der Partei konnten „unsere Demokraten“ davon abhalten, den linken Extremisten den Weg zur Macht zu ebnen.

Ich gebe zu, dass ich wenigstens bei der SPD noch auf ausreichenden Widerstand gehofft hatte. Immerhin haben sich Franziska Giffey, Wolfgang Thierse, Klaus Wowereit, Walter Momper und Michael Müller gegen den Pakt mit den Linksextremen ausgesprochen. Zur Berliner SPD gehören auch Peter Brandt und sein Kreis, Stefan Hilsberg, Hans Misselwitz und andere ehemalige Bürgerrechtler, die an der Gründung der SDP der DDR beteiligt waren. Die würden doch ihre Stimme einbringen? Würde Peter Brandt zulassen, dass die Partei, der sein Vater so viel Prestige verschafft hat, jetzt vor Antisemiten und kriminellen Clans in die Knie geht?
Wenn er etwas versucht haben sollte, so hat es jedenfalls nichts bewirkt. „Frankreich brennt und in Berlin bastelt man am Brandbeschleuniger für Deutschland“ weiterlesen

Wir verlieren dieses Land? Wir haben es längst verloren!

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Als Liv von Boettichers Buch „Wir verlieren dieses Land – Polizisten erzählen, worüber niemand offen spricht“ erschien, hätte es einen Aufschrei geben müssen, mindestens so laut wie bei Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“. Aber es blieb still. Das ist beunruhigender als der verstörende Inhalt des Werkes.

Die Zustände, die Boetticher beschreibt, sind nicht über Nacht, auch nicht erst seit 2015 entstanden. Sie haben sich über Jahrzehnte entwickelt.
Als ich noch hinter der Mauer saß, hörte und sah ich in den Westmedien Berichte über die gewaltsamen Ausschreitungen der „Revolutionären 1.-Mai-Demo“ in Berlin-Kreuzberg. Als ich später selbst vor Ort war, sah ich u. a. eine während der Krawalle durch Brand zerstörte Kaufhalle. Aber jedes Mal wurde von links-grünen Politikern das angeblich unangemessene Verhalten der Polizei lautstark kritisiert.

Schließlich hatte man sich so an diesen Missstand gewöhnt, dass er nicht mehr als unangemessen empfunden wurde. Ein CDU-Politiker, Innensenator Frank Henkel, sprach 2013 von einem „friedlichen 1. Mai“, obwohl es 76 Festnahmen und 54 verletzte Polizisten gab. Die linksextremistischen Krawalle wurden als eine Art Berliner Folklore angesehen, mit der man nachsichtig umgehen musste. „Wir verlieren dieses Land? Wir haben es längst verloren!“ weiterlesen

Die Demagogie-Kampagne läuft an

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Die CDU ist tot. Das ehemalige Erfolgsmodell der alten Bundesrepublik, das die Politik über Jahrzehnte zum Wohle des Landes geprägt hat, ist zur Unkenntlichkeit verkommen. Statt die Reißleine zu ziehen und in letzter Minute zur Vernunft zurückzukehren, stürzt sie sich immer tiefer in den Denunziationssumpf.

CDU-Ministerin Karin Prien, die kürzlich verkündete, das Problem der CDU wäre, dass sie zu konservativ geworden sei, obwohl die Partei seit der ersten Regierung Merkel keine konservative Politik mehr gemacht und die Regierung Merz das fortgesetzt hat, faselt jetzt auf X von Machtübernahme.

Prien repostete den Tweet eines Reinhard Bingener, der die Pressemitteilung von Landtagspräsident Rausch veröffentlichte, in der er zu der verhinderten Teilnahme von Vizepräsident Tillschneider an der Gedenkveranstaltung für den Anschlag auf die Hallenser Synagoge Stellung nahm, postete. Tillschneider sollte dort die Landtagsfraktion der AfD vertreten.

Bingener moniert, dass die Pressemitteilung mit dem Logo des Landtags versehen ist. Wieso der Landtagspräsident damit ein Fauxpas begangen haben soll, erklärt er nicht. Und Prien setzt noch eins drauf, indem sie kommentiert: „Die Machtübernahme läuft an“.

Sie hat natürlich mitbekommen, dass Rausch demokratisch gewählt wurde und alles Recht hat, sein Amt mit den Insignien des Landtags auszuüben. Indem sie das als „Machtübernahme“ denunziert, offenbart sie ihre Verachtung demokratischer Wahlen, wenn sie ein Ergebnis haben, das ihr nicht passt. „Die Demagogie-Kampagne läuft an“ weiterlesen