Für alle, die Sinn für Schönheit haben und hohe Handwerkskunst zu schätzen wissen, hat das Schlossmuseum Sondershausen am 17. Mai 2026 eine atemberaubende Sonderausstelluung eröffnet: „Natürlich Barock! Olaf Frenzels Hellgrünes Gewölbe“.
Wollten Sie schon immer mal das Winterei sehen, mit dem der Hofjuwelier des Zaren Peter Carl Fabergé weltberühmt wurde

, oder den Pokal, der dem Zaren anlässlich der Eröffnung der Transsibirischen Eisenbahn überrecht wurde?

Auf ihm ist die gesamte Strecke eingeritzt und ein kleiner Zug steht davor. Im Original konnte der Zar den Zug aufziehen und der fuhr dann um den Pokal herum. Nur auf Letzteres hat der heutige Meister verzichtet.
Seine Kunst braucht keine Vergleiche zu scheuen, wie Stücke aus der Sammlung des Museums beweisen, die Frenzels Werken beigegeben wurden.
Olaf Frenzel stammt aus dem Eichsfeld in Westthüringen. Auf einer Klassenfahrt nach Dresden verliebte sich der Schüler in die ausgestellten barocken Kunstschätze. Nach der Schule entschied sich Frenzel für eine Offizierslaufbahn in der Nationalen Volksarmee, die nach der Vereinigung endete. Er wurde Handwerker und begann 1996 mit dem Nachbau barocker Kostbarkeiten oder der Anfertigung eigener barocker Entwürfe. Die dafür notwendigen Techniken und Fähigkeiten hat sich Frenzel als Autodidakt selbst angeeignet. Das Ergebnis ist erstaunlich. Wenn man die Artefakte im Grünen Gewölbe sieht, ist man geneigt zu glauben, dass die Fähigkeit dazu heute kaum noch jemand besitzt. Frenzel hat sie. Wenn man durch die Ausstellung geht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus.
Was Frenzel bescheiden als „Kunst aus Natur“ verkauft, ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Die Preise kann er nur bieten, weil er seine Arbeitskraft nach seiner Meinung mit 4 Euro die Stunde, nach meiner Meinung mit höchstens 1 Euro die Stunde veranschlagt. Was früher Fürsten und Königen vorbehalten war, kann sich heute jeder in die Vitrine stellen, der bereit ist, für einen Kokosnußpokal wie diesen

300€ zu bezahlen. Bisher endet die Preisskala bei 2,5000. Seychellennüsse, Nautilusse und Straußeneier sind heute viel leichter zu bekommen, als zu Barockzeiten, wo sie nur in den herrschaftlichen Wunderkammern zu sehen waren. Aber selbst wenn man nur den gesetzlichen Mindestlohn veranschlagt, wäre ihre Bearbeitung heute kaum bezahlbar. Was man in Sondershausen zu sehen kann, ist ein modernes Wunder:

Die Ausstellung im Schlossmuseum Sondershausen geht bis zum 16.August.
schlossmuseum-besucherservice@sondershausen.de
Wer zu den Schlossfestspielen im Juni anreist, sollte einen Besuch im Museum nicht versäumen.
Noch mehr von Olaf Frenzel ist auf seiner Website zu sehen: www. Kunst-aus-Natur.de
