Die weiße Weste des linken Antisemitismus

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Zum Propaganda-Trick der politisch und medial linken Einheitsfront, wonach gegenwärtiger Antisemitismus ausschließlich im Nationalsozialismus zu verorten ist und es keinen Sumpf des linken Judenhasses gibt

von Gastautor Josef Hueber

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein llltum
Ernst Jandl

“Die zeitgenössische Linke muss verstehen,
dass die sowjetische Geschichte ihre Geschichte ist.”
Izabella Tabarovsky

DER SICHERE TREFFER IM KAMPF GEGEN RECHTS
Das Motto aller Regierungshörigen beim Schattenboxen  gegen Antisemitismus könnte man so beschreiben: „Alle Rechten in einen Sack rein, munter drauflosschlagen, man trifft immer die Richtigen!”
Schließlich geht es in der gegenwärtigen deutschen politischen Unkultur darum, das Etikett Nazi auch jedem konservativ und national Denkenden anzuheften und ihn damit auch gleich zum Antisemiten mutieren zu lassen. Riecht er einmal danach, kriegt er den Muff nicht mehr los. So werden Juden, nicht gerade beliebte Freunde des Mainstreams, zu Vollstreckungsgehilfen deutscher Politik, in der das Bestreben Konservativer, das Nationale zu schätzen und zu schützen, ohne Chauvinisten zu sein, keinen Platz haben darf.

THINK DIFFERENT – DIE ANDERE SICHT
Dabei schlürft gegenwärtiger Antisemitismus ideengeschichtlich nicht aus rechter NS-Propaganda, sondern aus linken Gewässern, wie Izabella Tabarovsky, Mitarbeiterin am Kennan Institute / Wilson Center, Washington D.C., in einem höchst lesenswerten und umfangreich dokumentierenden Essay auf der Online Plattform Tabletmag nachweist. “Understanding the Real Origin of that New York Times Cartoon” (Die tatsächlichen Wurzeln der NYT Karikatur)
Anlass war die skandalträchtige Karikatur in der New York Times, die einen blinden Trump zeichnet, dem ein jüdischer Dackel (offensichtlich Netanyahu) zeigt, wo es langgeht.

DIE WELT STEHT KOPF – DAS OPFER IST TÄTER
Die Karikatur wurde erwartungsgemäß als antisemitisch gewertet, was sie ja auch ist, trotz aller Erklärungen der NYT, die Veröffentlichung sei ein nicht zu entschuldigendes Versehen gewesen. Man reagierte umgehend und kündigte den Vertrag mit CartoonArts. Atemberaubend ist jedoch die Stellungnahme des Karikaturisten António Moreira Antunes. Er sieht sich doch tatsächlich als Opfer und die Juden als Täter. Dieses Umkehr-Verfahren ist bekannt, doch lohnt es, sich die Argumentation anzusehen. Die Karikatur sei Folge einer rechtsgerichteten „jüdischen Propagadamaschine [ …]. Die jüdische Rechte will nicht kritisiert werden, und deshalb sagen sie, wenn sie kritisiert werden: ‘Wir sind ein verfolgtes Volk, wir haben viel gelitten … das ist Antisemitismus.’“
Gibt es einen klareren Beweis für Antisemitismus?

DIE SCHNELLE ANTWORT IST ÜBLICH – ABER RICHTIG?
Was lag näher, als die Trump-Netanyahu-Zeichnung in den Kommentaren mit der NS-“Kunst“ in Verbindung zu bringen?
Spontan wurde die naheliegende Frage gestellt und mit Ja beantwortet, dass die Karikatur in der Nachfolge der Juden-Darstellungen der NS-Wochenzeitung DerStürmer  zu interpretieren sei.
Izabella Tabarovsky, geschäftsführende Redakteurin der Blogs Russia File und Focus Ukraine des Kennan Instituts, gelingt es, diese Spurensicherung zu falsifizieren. Sie zeigt in dem besagten Artikel auf, dass die Klischees antisemitischer Hass-Ideologie nach 1945 nicht auf Nazi-, sondern auf Sowjet-Karikaturen und sowjetische Judenhetze zurückzuführen sind. Dieser Antisemitismus ist ihrer überzeugenden Argumentation zufolge dem Setzkasten der sowjetkommunistischen Propagandamaschinerie nach dem Zweiten Weltkrieg entnommen, was man im Bereich der Tropen nachweisen kann. Tabarovsky diagnostiziert deswegen, anders als Bret Stephens’ Hinweis auf DerStürmer in der NewYorkTimes, einen “ahistorischen, ideologisch getriebenen Fokus auf die [politische] Rechte als alleinige Quelle des Antisemitismus”.

ANTISEMITISMUS IM ROTEN SUMPF
Besonders üppiges Material für ihre These, so die Autorin, biete die “Sowjetunion in der Zeit des Kalten Krieges”. Sie zeigt auf, dass “viele der zentralen Tropen, die die antizionistische Linke heute beleben, Kopien von Ideen [sind], die der KGB und die Ideologen des Propagandaministeriums mit besonderer Intensität nach dem Sechstagekrieg 1967 entwickelt, bereitgestellt und weltweit in Umlauf gebracht haben. Dort, nicht im nationalsozialistischen Oeuvre, sind die geistigen Vorläufer der Karikaturen, wie sie etwa in der NYT Karikatur Ausdruck gefunden haben und mit denen die europäische Presse in den letzten zwei Jahrzehnten überschwemmt worden ist.“ Die antizionistische Sowjetpropaganda produzierte “hunderte von Büchern und tausende von Artikeln, welche Israel, Zionismus, Judaismus und die jüdische Bevölkerung verunglimpften. In millionenfacher Auflage wurden in 80 Sprachen diese Botschaften im Westen und in Ländern der Dritten Welt verbreitet.“
Weiter: “Diese Ideen und Bilder durchdringen weiterhin den antizionistischen Diskurs der extremen Linken. Sie zeigen sich auch in der antizionistischen Karikatur von heute: von einem Juden, der sein Spiegelbild als Hitler betrachtet [Abb. 17], über einen Vergleich der Gebiete des Westjordanlandes und des Gazastreifens mit Auschwitz [Abb. 18], bis hin zur Verwendung des Hakenkreuzes zur Bezeichnung des Staates Israel [Abb. 19].”

DER JÜDISCHE HUND – KEINE ERFINDUNG DER NYT
Dem Essay sei hier zur Verdeutlichung das Beispiel der damaligen Darstellung eines Hundes zur Verächtlichmachung von Juden entnommen, da es das aktuelle Beispiel der NYT überzeugend vorzeichnet. (Weitere Beispiele sind es wert, nachgelesen zu werden.)

Unter „Fig.3“ sieht man -wie in einem Bildausschnitt- in Übergröße den Arm und die Hand eines US-Amerikaners. Auf dem ausgestreckten Zeigefinger sitzt ein Dackel mit Menschengesicht, langer Nase, Schweineschwanz, auf dem Kopf ein Helm mit Davidstern. Dies und seine Revolvertasche weisen den Hund unmissverständlich als israelischen Soldaten aus. Aus seinem bellenden Maul fallen Bomben in die Tiefe. Der Text dazu: „Der Welpe kennt seine Stärke, weil er nicht allein ist.“ Veröffentlicht wurde die Karikatur 1969. Im Begleittext heißt es: „Die israelischen Extremisten setzen ihre kühnen Provokationen fort, weil sie die Unterstützung der amerikanischen Imperialisten haben.“

ALLE KLISCHEES IM PAKET DES ANTISEMITISMUS
Besondere Intensität, so Tabarovsky, habe die sowjetische Anti-Zionismus-Propaganda im Gefolge des Sechstage-Krieges erreicht: „Es war höchstwahrscheinlich diese letzte Stufe des sowjetischen Antizionismus, die im öffentlichen Bewusstsein falsche Verbindungen zwischen Zionismus und Nazismus, Faschismus, Rassismus, Völkermord, Siedler-Kolonialismus, Imperialismus, Militarismus und Apartheid herstellte.”
Summa summarum: Zionismus, Staatsgründung, die Bindung an die USA, die kriegerischen Auseinandersetzungen mit einer feindlichen Umgebung in der arabischen Welt – all dies sind im Wesentlichen die Faktoren, die ein von den Sowjets erzeugtes hässliches Zerrbild jüdischer Existenz im Nahen Osten entstehen ließen und mit gewaltigem Aufwand weltweit verbreiteten. Die dabei verwendeten Karikaturen sind gewissermaßen die Blaupause für das Bild von Juden und dem Staat Israel, wie es den weltweiten linken Antisemitismus heute kennzeichnet.

DIE BIBEL HAT DOCH RECHT
Was empfiehlt Tabarovsky den linken Antisemiten?
„Die Linke wäre gut beraten, wenn sie in der Lage wäre, ihren ahistorischen, ideologisch getriebenen Fokus auf die Rechte als einzige Quelle des Antisemitismus vorübergehend zurückzunehmen und sich etwas Zeit für das Studium ihrer eigenen reichen Geschichte zu nehmen. Insbesondere sollte sie sich mit der Sowjetunion aus der Zeit des Kalten Krieges befassen, die jahrzehntelang politisch ausgerichteten Antizionismus nicht nur praktizierte, sondern ihn auch ins Ausland exportierte.“

Biblisch aktualisiert: Es ist höchste Zeit, den Balken im eigenen Auge zu entfernen.

 



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