Das Buch zum #Greta-Phänomen – Tochter Greta oder eine Schule für Lehrer mit besonderen Wünschen

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2/9 – Artikelserie zum Buch von Malena Ernman, der Mutter von Greta

Von Gastautor P.D.

Tochter Greta tritt als eigenständiger Akteur im Buch von ihrer Mutter Malena Ernman als Störfaktor in Szene 6 ‚Gnocchi‘ auf. Malena beschreibt schonungslos, wie ihre Tochter im Alter von 10/11, wir schreiben das Jahr 2014/15, in eine ganz schwere psychologische Krise gerät. Sie leidet unter schweren Essstörungen, die von der Mutter als tendenziell lebensbedrohend wahrgenommen werden.

Eindrücklich beschreibt Malena, wie sie und Svante zusammen um das Wohl der Tochter kämpfen müssen: Jede Mahlzeit gerät zum Ausnahmezustand. Die Familie dokumentiert die benötigte Zeit und die erkämpften Esserfolge: ‚Mittagessen: 5 Gnocchi. Zeit: 2 Stunden und 10 Minuten‘.

Greta ist die Tochter, die nach dem Vater schlägt. Insbesondere hat sie nicht das musikalische Talent der Mutter. Dafür treten bei Greta deutliche Symptome des Autismus-Spektrums zu Tage: ‚Asperger-Syndrom mit perfektionistischem Anspruch‘ lautet die offenbar treffsichere Diagnose einer Schulpsychologin. Greta hat ein photographisches Gedächtnis, einen starken Zug zu Naturwissenschaften und ein ausgeprägtes Gespür für moralische Widersprüche – ein in der Schule gezeigter Film über Plastikmüll macht alle ihre Mitschüler betroffen, aber nur Greta ist dann ehrlich empört, als die Lehrerin im Anschluss den Flug zu einer Hochzeitsfeier nach New York erwähnt. Sie nimmt die Verzichtsrhetorik der herrschenden Grünmoral offenbar wortwörtlich. Wobei eine stark übersteigerte Aversion gegen das Fliegen im Speziellen sehr auffällig ist. Ihre Radikalität ist dabei auch persönlich sehr verletzend, gerade auch, weil sie keinerlei Abstriche bei ihrer Familie macht. Ein trauriges Kernbeispiel beschreibt Malena in Szene 21. Vater Svante fliegt mit der jüngeren Tochter nach Italien um ihr aus einer akuten seelischen Krise zu helfen (was übrigens nur halb gelingt), nach der Rückkehr empfängt die Schwester die beiden mit dem Vorwurf: ‚Ihr habt gerade einen CO2-Ausstoß in Höhe von 2,7 Tonnen verursacht. Das entspricht der Jahresemission von fünf Einwohnern des Senegal‘. Der deutlich unterentwickelte empathische Zug ist ja mittlerweile auch in Deutschland bemerkt worden – dies ist vermutlich aber eher ein charakteristischer Teil des Asperger-Syndroms (wobei ich weder Psychologe noch Psychiater bin und mir auch keine aktuelle Literatur zum Asperger-Syndrom angeschaut habe).

Die Schule und das Schulsystem, dies sei nur nebenbei erwähnt, sehen übrigens sowohl Mutter als auch Tochter eher als Feinde. Zwar werden mehrere Lehrerinnen freundlich erwähnt, aber der Grundton ist ernüchtert, oft verbittert, aber auch durchsetzt von sehr hohem Anspruchsdenken an andere. Schwächen werden nicht geduldet. Pars pro toto ein Zitat aus Szene 51 (‚Gleiche Krankheit, verschiedene Symptome‘) – Greta beschwert sich, dass eine Lehrerin, für naturwissenschaftliche Fächer, die sie offenbar gut und kompetent findet, aus Selbstschutz nur Di-Do arbeitet: ‚Das hier soll eine Schule für Schüler mit speziellen Bedürfnissen sein, aber das ist sie nicht. Es ist eine Schule für Lehrer mit speziellen Wünschen.“

Interessant an dieser Stelle, finde ich nicht nur Gretas spezielle egozentrische Weltsicht, sondern die Haltung der Mutter, die die offenkundige bittere Ironie bezüglich ihres eigenen Buches/ihrer Probleme nicht erkennt: Hat sie vor lauter Kampf gegen Schule und Lehrerinnen (Malena erwähnt an einer Stelle ‚tausende e-mails‘, die sie ständig an Schule und Lehrerinnen schreibt) übersehen, dass hier eine Frau und Lehrerin genau das macht, wonach sich Malena so sehnt? Sich selber vor der völligen Überlastung zu schützen und sich eben nicht von der Gesellschaft moralisch dahingehend erpressen zu lassen, etwas von sich zu verlangen, was schlicht nicht zu leisten ist?

Man könnte dies das Malena-Greta-Symptom nennen…

Greta – Serie

1/9 Die Mutter oder eine wunderbare Zeit

2/9 Tochter Greta oder eine Schule für Lehrer mit besonderen Wünschen

3/9 Tochter Beata oder die schrecklichste Mutter der Welt

4/9 Einschub I: Eurovision Song Contest 2009 oder Malenas Waterloo

5/9 Einschub II: Klima oder die Feigheit der selbsternannten Feministin

6/9 Einschub III: Asylkrise in Schweden oder Greta riecht am syrischen Essen

7/9 Einschub IV: Neuropsychatrische Diagnosen bei Mädchen

8/9 Svante, Gretas Vater, der eigentliche Schurke im Stück

9/9 Fazit oder die Revanche des unsichtbaren Mannes



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