Dank an Euch Helden der Wahrheitsfindung

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Von Gastautor Tibor Desczyk

– oder wie wir der Wohnungsnot begegnen –

… einverstanden, eine wirkliche Antwort darauf, was dringend getan werden muss, um den allgegenwärtigen Notstand am Wohnungsmarkt in Ballungszentren zu bekämpfen, gab die Sendung ‘Teurer wohnen’ am Abend des 14.08.2018 im ZDF nicht.

Dafür wissen wir nun ganz genau, wie es einigen Berliner Mietern in einem mustergültig ausgewählten Modernisierungsprojekt ergangen ist und dass es letztlich allein die widerlichen Spekulanten sind, die das alles zu verantworten haben. Da reihen sich Bemerkungen von Spitzenvertretern politischer Inkompetenz aneinander, dass nur so eine Freude ist, dieses jeweilige Überbieten an mangelnder Fachkunde anzuschauen.

Nein, denn eigentlich ist es erschütternd, auf welchem Niveau sich dort hohe Repräsentanten unseres Landes einlassen und mithin alle ideologisch gestützten Denkmuster stärken, die vom eigenen, latenten Unterlassen bzw. selbst verursachten Fehlentwicklungen ablenken.

So hat es die Fraktion der alles behütenden Schützer (Immission-, Brand-, Klima-, Umweltschützer) in den letzten vier Jahren geschafft, die Herstellungskosten von Mietwohnraum um durchschnittlich 230€/m² zu verteuern, ohne dass hieraus ein signifikanter Nutzen für den Mieter entsteht. Parallel liefern sich die Genehmigungsbehörden interne Schlachten um den Selbstbeschäftigungstrieb, der infolge des Personalmangels einerseits in seiner gewohnten Ruhe gestört sowie andererseits gleichsam so zu thematisieren ist, dass von den eigentlichen Aufgaben abgelenkt werden kann. Ach ja, und vergessen wir nicht die vielen Begünstigten unserer Willkommenskultur, die doch allen Ernstes nun eine Unterkunft für sich wünschen. Wer hätte das im Zauberjahr 2015 bedenken können, dass die Millionen Menschen tatsächlich irgendwo bleiben müssen.

Und wie man es schafft, einen regionalen Wohnungsmarkt zum Spielball der Spekulanten zu machen, hat Berlin in einer Art Vorreiterrolle bewiesen. Besinnen wir uns zurück auf das Jahr 2000, als ein gewisser Peter Strieder sich zum Architekten eines rot-roten Bündnisses aufschwang und das Stadtentwicklungsressort für sich reklamierte, nachdem ihm Klaus W. das selbst begehrte Bürgermeisteramt vor der Nase wegschnappte. So schaffte es Strieder mit seinen kruden Thesen und öffentlichen Auftritten noch die letzten an Berlin interessierten Investoren zu vergrätzen sowie den Markt auf einen historischen Tiefpunkt zu treiben, um just in diesem Moment öffentliche Wohnungsbaugesellschaften an u.a. amerikanische Hedgefonds zu einem Spott- preis zu verschachern.

Auch Strieder hatte, wie seine jetzige Amtsnachfolgerin, nicht begriffen, dass das marktwirtschaftlich preisbildende Prinzip von Angebot und Nachfrage auch zum qualitativen Gradmesser eines intakten Immobilienmarktes gehört. Als weitere Hinterlassenschaften von zehn Jahren rot-roter Regentschaft, finden wir sodann die weitgehende Demontage der öffentlichen Daseinsvorsorge und -natürlich unvergessen- den BER.

Zurück im Jahr 2018, glaubt eine Senatorin für Stadtentwicklung scheinbar fest daran, dass die fehlenden 200.000 Wohnungen von einer Klingelfee herbeigezaubert werden; nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass nach dem Parteiprogramm der Linken das Geld schließlich auch auf Bäumen wächst. Grüne Baustadträte sind derweil damit beschäftigt noch verbliebene Projektentwicklungen mit aller Vehemenz zu drangsalieren, während ein Regierender Bürgermeister keinerlei Plan mehr zu haben scheint, obschon er persönlich seit Anfang 2014 belegbar darum wusste, wie man wenigstens 5.000 Wohnungen jährlich zu Einstiegsmieten ab 6€/qm subventionsfrei hätte herstellen können. Stattdessen sind mal wieder die Spekulanten dafür verantwortlich, dass die Zahl der Bauanträge sich seit 2017 rückläufig beschleunigt.

Immerhin, verglichen mit Venezuela jammern wir ja auf hohem Niveau. Allerdings haben es Maduros Geistesverwandte in Berlin wenigstens schon geschafft, in der aktuellen ‘Sonntagsfrage’ zur stärksten Kraft zu werden. Scheinbar beweist sich auch hier die ‘linke Logik’, wonach der selbst verursachte Schaden die Grundlage immer größerer Wahlerfolge bildet. Also werden die Genossen um Frau Lompscher beflissen die Ärmel hochkrempeln, um möglichst bald wieder die Befugnis zu erlangen, die Kommunalen Wohnungsverwaltungen zu reaktivieren. Dann geht der ‘Holmsche Masterplan’ auf, Berlin gleichsam unter und Schuld sind am Ende natürlich wieder die Spekulanten. Wie einfach kann die Welt doch sein; säße man auf einer Insel.

Doch, oh Wunder, es ist keine Insel, auf der ein vollkommen aus dem Ruder laufender Wohnungsmarkt immer neue Glücksritter auf den Plan ruft. In einer von durchgängiger Inkompetenz getragenen, öffentlichen Debatte, wird deshalb auch der ökonomische Grundsatz ausgeblendet, dass Spekulationen nur dann entstehen, wenn ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage den passenden Raum dafür bietet. Wie beruhigend ist da doch die Perspektive, dass Frau Wagenknecht und Herr Lafontaine mit ihrer neu geschaffenen ‘Initiative Aufstehen’ endlich dafür sorgen wollen, dass wir uns um ökonomische Belange keinerlei Gedanken mehr machen müssen und auf ein entspanntes Insulanerdasein freuen können. Vorwärts …

 



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