Bernd Ulrichs Danksagung an Angela Merkel

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Es wird ganz Deutschland einstmals Merkel danken.
In jeder Stadt steht Merkels Monument.
Dort wird sie sein, wo sich die Reben ranken,
Und dort in Kiel erkennt sie ein Student.

Dort wird sie sein, wo sich von ihr die Fluten
Des Rheins erzählen und der Kölner Dom.
Dort wird sie sein in allem Schönen, Guten,
Auf jedem Berg, an jedem deutschen Strom,

Allüberall, wo wir zu denken lernen
Und wo man einen Lehrsatz streng beweist.
Vergleichen wir die Genien mit den Sternen,
So glänzt als hellster der, der Merkel heißt…

Nein, ganz so schlimm hat es Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der Zeit, in seinem Text „Zeit zu gehen“ nicht getrieben. Er hat sich nicht Johannes R. Bechers Danksagung an Stalin bedient, Nein, er benutzte ausgerechnet Matthias Claudius´wunderschönes Abendlied – mein Lieblingsgedicht – um seiner Huldigungs-Hymne einen besonderen Touch zu verleihen. Deshalb kann ich diesen Text nicht „still belachen“, weil meine Augen ihn leider sehen mussten.

Ulrichs Eloge beginnt mit der steilen These:
„Wenn Angela Merkel abtritt, steht nichts mehr zwischen den Deutschen und der Wirklichkeit. Sie sind darauf nicht gut vorbereitet.“
Darunter eine Fotomontage, in der die Kanzlerin in schönster Abenddämmerung in gebeugter Haltung Richtung Bildrand schreitet. So viel Mut zum Kitsch ist schon fast wieder witzig, wenn der Text danach nicht so bitter ernst gemeint wäre.

„Am besten fangen wir schon mal an, uns nach ihr zurückzusehnen. Nach dieser starken Frau, dieser unvergleichlichen Politikerin und großen Kanzlerin.“

Becher hätte das nicht devoter formulieren können.

Große Kanzlerin, vergleichbar mit Kohl und Adenauer? Vorsichtshalber liefert Ulrich keine Belege für seine kühne Behauptung. Es gibt sie nicht.

Die Realität, vor der uns Merkel angeblich schützt, sieht so aus: Es gibt kein einziges Projekt während Merkels Kanzlerschaft, das nicht völlig missglückt wäre und uns eher früher als später um die Ohren fliegt.
Die „Energiewende“ hat uns nicht nur die höchsten Stromkosten in Europa beschert und aus einer verlässlichen, kontinuierlichen Stromversorgung „Zappelstrom“ gemacht, der unseren Hochtechnologiestandort mit jedem Tag mehr gefährdet. Sie ist dabei, die gewachsene Kulturlandschaft nachhaltig durch immer mehr überflüssige Windkraftanlagen, für die seit Jahren keine Netzkapazität mehr zur Verfügung steht, zu zerstören. Der Zusammenhang zwischen öden Monokulturen von angeblichen „Energiepflanzen“ und dem rasanten Schrumpfen unserer Vogel- und Insektenbestände wird vorsichtshalber gar nicht untersucht. Dafür fressen sich die Windräder schon in unsere Wälder, wo sie dann von den Wölfen angeheult werden können, wenn es Vollmond gibt. Den Wölfen geht es gut in Merkel-Land. Der Futtertrog ist prall gefüllt mit Weidetieren. Die wachsende Population hat sogar zu einem neuen Berufsbild geführt: Der Rissbeschauerin, die amtlich feststellt, ob die Schafe tatsächlich von einem Wolf getötet wurden, oder sich selbst zu Tode gebracht haben. Nur im ersteren Fall zahlt die Staatskasse.

Wobei wir bei einem Punkt wären, an dem Merkels Kanzlerschaft tatsächlich größer ist, als die ihrer Vorgänger. Nie war der Griff in die Staatskasse unverschämter als unter der „Unvergleichlichen“. Es würde den Rahmen dieses Textes sprengen, auch nur den Versuch zu machen aufzuzählen, in welchen Fällen Merkels „diplomatisches Geschick“ darin bestand, dem Gegenüber finanzielle Zugeständnisse zu machen. Wenn man sagen würde in allen, läge man wahrscheinlich nicht ganz falsch. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, wo allein Merkels gute Argumente obsiegt hätten.

Im Ukraine-Konflikt, der von Ulrich angeführt wird, hat Merkel nur in den deutschen Medien etwas bewegt, in der Realität hat das „Verhandlungsgeschick“ der Kanzlerin den Konfliktparteien nichts gebracht. Wenn wir noch eine kritische Presse hätten, wüssten wir das. So werden wir vor der Wahrheit von Merkels Versagens bewahrt.

Ach ja, die Realität, die allen Huldigungs-Gesängen immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht: Noch Anfang der Nullerjahre konnten in Deutschland noch Love-Paraden mit über einer Million Teilnehmern stattfinden, ohne dass die Polizei mehr tun musste, als den Verkehr zu regeln. Heute kann in Provinzstädten kein Kirchenkonzert mehr ohne Security stattfinden, kein Weihnachtsmarkt, kein Volksfest ohne Merkelpoller. Zahlreiche Veranstaltungen fallen ganz aus, weil die geforderten Sicherungsmaßnahmen nicht mehr bezahlbar sind.

Die Ulrichs in den Medien schreiben sich die Finger wund und reden sich heiser, um uns, die wir schon länger hier leben, von der Wahrnehmung der Realität abzuhalten. Noch nie seit Ende der zwei Diktaturen in Deutschland wurde so viel beschönigt, vertuscht, verharmlost und auch gelogen, um die wahren Verhältnisse in Merkel-Deutschland sich nicht eingestehen zu müssen.

Natürlich lobt Ulrich die Kanzlerin auch für ihr Verhalten in der Flüchtlingskrise. Er räumt zwar ein, dass sie einen Fehler gemacht haben könnte, als sie anwies, alle Asylbewerber auch ohne gültige Papiere ins Land zu lassen. Aber, so setzt er sofort hinzu, es wäre ja nicht klar, ob die Abweisung der bedingungslos Einlass Begehrenden nicht viel schlimmere Folgen hätte haben können.
Unvorstellbar, was Deutschland entgangen wäre, wenn es nicht tausende IS-Terroristen, ungezählte Kriminelle, keinen Anis Amri, Abdul D., Ali B. Sami A. oder keinen 34-jährigen Iraner mit deutschem Pass gegeben hätte! Mia und Susanna würden noch leben, man müsste sich nicht die unsäglichen Medien-Diskussionen antun lassen, die über eine Gefahr für den Rechtsstaat schwadronieren, weil ein vermutlicher Mehrfach-Mörder trotz eines noch nicht rechtskräftigen Urteils nach jahrzehntelanger Alimentierung endlich abgeschoben wurde und man könnte in Lübeck gefahrlos einen Linienbus benutzen!

Nicht nur Merkels Alleingang bei der Öffnung der Grenze für Einwanderer ohne Papiere war ein Fehler, sondern danach wurde alles falsch gemacht, was man bei der Einwanderung nur falsch machen kann. Um nur ein Beispiel anzuführen, haben wir gerade von Mesut Özil erfahren, dass man von Integration nicht reden kann, selbst nicht bei Leuten, die Deutschland zu weltbekannten Millionären gemacht hat.

Historiker werden Merkel ein verheerendes Zeugnis ausstellen. Ihre Politik zersetzt nicht nur den Rechtsstaat in unserem Land, sondern treibt Europa auseinander. Zu Kohls Zeiten vertraute man Deutschland so sehr, dass trotz größter Bedenken die deutsche Vereinigung im Einvernehmen mit den anderen Staaten ins Werk gesetzt werden konnte.
Heute gelingt es der großen Kanzlerin nicht einmal, die Partner auf die Einhaltung des Dublin-Abkommens zu verpflichten. Mit Hilfe der deutschen Medien wird auch diese Realität von den Deutschen fern zu halten versucht, indem man einfach behauptet, Merkel hätte Erfolge auf dem EU-Gipfel erzielt, der nichts hervorbrachte als bloße Absichtserklärungen, die freiwillig eingehalten werden könnten, oder auch nicht.

Hat sie nicht wenigstens den Euro gerettet? Das bleibt abzuwarten. Fest steht aber, dass die Einheitswährung nicht gut ist für die Länder mit schwächeren Wirtschaften. Italien, der nächste Rettungskandidat, kann nicht behandelt werden wie Griechenland. Am Ende bleiben die Deutschen auf den Verpflichtungen sitzen, die Merkel, ohne das Parlament zu fragen, eingegangen ist. Unser Erspartes ist bereits für die Europäische Einlagensicherung verpfändet. Die meisten werden das erst am Zahltag merken.

Ach ja, die Gute ist frei von jeglichen Rachegefühlen, lässt alle Meinungen zu, behauptet Ulrich, der bekennt, dass er der Kanzlerin auch persönlich begegnet ist. Er muss eine ganz andere Frau getroffen haben, als ich kenne – immerhin seit Anfang 1990, seit wir Pressesprecherinnen von neu gegründeten Parteien waren. Ich für die Grüne Partei, sie für den Demokratischen Aufbruch.

Ich habe immer nur eine Merkel erlebt, die nicht den geringsten Widerspruch duldet und die alles andere, als nicht rachsüchtig ist. Seit sie Kanzlerin ist, sorgt Fraktionsvorsitzender Volker Kauder dafür, dass es keinen Widerspruch gegen Merkel gibt, wenn doch, hat das Folgen.

In Merkel-Deutschland herrscht die Angst, auch außerhalb der Bundestagsfraktion. Das Land ist tief gespalten. Statt diese Spaltung zu heilen, wird sie mit jedem Tag weiter vertieft. Denunziation, soziale Ausgrenzung, Übergriffe auf Büros, Wohnhäuser und Unternehmen von Andersdenkenden, bis hin zu körperlichen Attacken, sind an der Tagesordnung. Das hat es natürlich auch schon früher vereinzelt gegeben. Neu ist, dass es jetzt systematisch verübt wird und die Regierung Merkel das indirekt finanziert, wenn es dem „Kampf gegen Rechts“ dient. In Merkel-Deutschland haben Menschen Angst, eine Bundestagspetition zu zeichnen, die als missliebig gilt, weil sie der Politik der Kanzlerin widerspricht. Sie fürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes, nicht ohne Grund, denn es wurde Unterzeichnern öffentlich mit dem wirtschaftlichen Ruin gedroht.

Nein, die Deutschen machen sich bestimmt wenig Illusionen über die Realitäten in Merkel-Deutschland. Inzwischen soll die Ablehnung ihrer Flüchtlingspolitik auf 70% der Bevölkerung gestiegen sein. Dieser Mehrheit wird in den Medien nicht nur keine Stimme gegeben, sie wird mit allen propagandistischen Mitteln bekämpft.

Leider werden wir auf absehbare Zeit noch keine Gelegenheit haben, uns nach Merkels Kanzlerschaft zurückzusehnen. Sie wird sich bis zum allerletzten Moment an ihr Amt klammern, egal welche Folgen das für Deutschland oder Europa hat. Wir wissen aus der jüngsten Geschichte, dass sich bankrotte Systeme und unfähige Politiker noch lange halten können. Manchmal verheerend lange.

Aber dann sind sie weg und die Apologeten stehen blamiert da. Ulrich wird sein Text eines Tages so peinlich sein, wie Johannes R. Becher sein Stalin-Gedicht. Aber Becher hatte sich selbst eine Rechtfertigung für sein Tun auf den Grabstein geschrieben:

„Denn dies war meines Werkes heilige Sendung – Dienst an der Menschheit künftiger Vollendung“.

Ich fürchte, Ulrich wird dem heimlich zustimmen.



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