Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe

Als ich gestern an mein Bücherregal trat, um mir etwas Erheiterndes gegen die graue Dezember-Stimmung zu suchen, fiel mir ein Buch in die Hände, das jahrzehntelang unbeachtet unter meinen Insel-Bändchen gestanden hat. Das vom Verlag Der Morgen herausgegebene Bändchen mit neckischen Illustrationen von Horst Hussel war in der DDR purer Sprengstoff. Stefan Heym: „Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe“.

Es war wie ein Stromschlag: Ich erinnerte mich, mit welcher Erregung ich das Bändchen, das in einer abgelegenen Buchhandlung neben der Akademie der Wissenschaften für mich unter dem Ladentisch bereitgehalten worden war, in die Hand nahm. Ein Autor hatte gegen die Hetzjagd auf Andersdenkende, die damals Staatsdoktrin war, rebelliert. „Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe“ weiterlesen

Stefan Heym, Lew Kopelew und ich

Was haben wir drei ganz unterschiedliche Personen gemeinsam? Wir waren, bzw. sind Gast in der „Künstlerwohnung“ in Soltau im Heidekreis, wenn auch in verschiedenen Jahrzehnten.Uns  verbindet aber auch die Erfahrung von Flucht und Vertreibung, Heym aus Nazideutschland, Kopelew aus der Sowjetunion, Lengsfeld aus der DDR.

Seit Jahren betreibt in Soltau ein kleiner, aber sehr engagierter Freundeskreis eine liebevoll eingerichtete Dachwohnung über einer alten Wassermühle an der Böhme als Künstlerwohnung.

Stefan Heym, der hier war, als die DDR noch existierte, allerdings schon in den vorletzten Zügen lag, verglich das Künstlerrefugium mit einem „Spitzwegidyll de luxe“. Sein Aufenthalt stieß damals auf höchstes Interesse, nicht nur, weil Heym einen Ruf weit über die DDR hinaus als systemkritischer Geist genoss, sondern weil mit der nach dem Mai 1989 täglich anschwellenden Fluchtbewegung aus der DDR das Thema Flucht wieder ganz aktuell war. Tausende DDR- Insassen, wie unser Bundespräsident die Menschen in der DDR richtig nannte, ließen damals alles stehen und liegen und machten sich auf nach Ungarn, um von dort aus in den Westen zu gelangen. „Stefan Heym, Lew Kopelew und ich“ weiterlesen