Von Christoph Ernst
âDies ist nicht unser Krieg!â sagt Deutschlands Verteidigungsminister. Auch der Kanzler tut so, als sei das Sichern internationaler Seewege ein aggressiver Akt. FĂŒr Friedrich Merz ist der Iran nicht Sache der NATO. So, als habe das wirtschaftlich gebeutelte Deutschland keinen Bedarf an niedrigeren Ăl- und Gaspreisen. Nicht einmal symbolisch soll es sich beteiligen, um die StraĂe von Hormus frei zu halten. Merz agiert da Ă€hnlich wie die Keir Starmer und Emmanuel Macron, nach dem Motto: âSollen die Amerikaner gefĂ€lligst selbst die Suppe auslöffeln, die wir ihnen mit eingebrockt haben.â
Die EuropĂ€er ducken sich weg. Und Merz liefert Donald Trump die Vorlage, nun genauso zu sagen, dass ihn die Ukraine nichts angeht. SchlieĂlich gehört die auch nicht zur NATO und er hat andere Sorgen. Die Inder dagegen, die gar nicht mit den USA verbĂŒndet sind, schicken Schiffe, um ihre Tanker durch die StraĂe von Hormus zu geleiten. Die Route offen zu halten, ist fĂŒr sie kein aggressiver Akt, fĂŒr den sie sich entschuldigen mĂŒssen, sondern ein Gebot der Selbsterhaltung.
Merz bezweifelt stattdessen nach nicht mal 14 Tagen erfolgreicher EntwaffnungsschlĂ€ge, dass es gelingen kann, das Ende der iranischen FĂŒhrung âherbei zu bombenâ. Als ob es allein darum ginge. Er drĂ€ngt auf Diplomatie, ganz im Geiste Klaus Kinkels, der einst eben jenen âkritischen Dialogâ mit dem Ayatollah-Regime lostrat, der dahin fĂŒhrte, wo wir heute sind. Bei Beginn des Krieges besaĂ Iran grob geschĂ€tzt 3000 Raketen und zwei Millionen Drohnen. Damit kontrollierte es die StraĂe von Hormus und die arabische Halbinsel und bedrohte weite Teile Nordafrikas und Europas. Mehr vorauseilende Nachsicht ist suizidal. Aber wenn man Kotaus vor den Mullahs hinlegen und die USA nachhaltig verprellen möchte, um damit sowohl der Ukraine wie sich selbst einen echten BĂ€rendienst zu erweisen, machen Merz und Pistorius alles goldrichtig.
Fragt sich nur, was aus ihrer Sicht ein Wert sein könnte, fĂŒr den die Nation so einsteht. Kann Europa sich leisten, die atomare Bewaffnung des Irans weiter zu ignorieren? Von der Linkspartei ĂŒber GrĂŒne und SPD bis hin zur AfD sind sich da anscheinend alle einig: Die durch Israel ferngesteuerten Amerikaner verletzen âflagrantâ das Völkerrecht. Sie riskieren, die Welt in den Abgrund zu reiĂen. Diese Deutung verdreht wie gewohnt Ursache und Wirkung. TatsĂ€chlich rĂŒckte der Iran die Welt immer dichter an den Höllenschlund heran. Aktuell sind die USA und Israel gerade dabei, sie ein StĂŒck weit zurĂŒck auf etwas weniger heikles Terrain zu zerren.
Eventuell fĂŒhrt das Völkerrecht sich selbst ad absurdum, wenn es einem religiös-totalitĂ€res Regime hilft bergeweise Mordwerkzeug zu horten, um Nachbarn zu erpressen. Beharrt solch ein Staatsgebilde darauf, sich mit atomaren Sprengköpfen auszustatten, und darf man davon ausgehen, dass es die nutzen will, um die Bewohner eines 2000 Kilometer weiter westlich gelegenen Landes namens Israels auszulöschen, sollte man es davon abhalten, seine PlĂ€ne umzusetzen. Völkerrecht hin oder her.
Dummerweise ist Armageddon fĂŒr schiitische Kleriker kein Horror, sondern eine VerheiĂung. Nicht jeder muss sich mit der Zwölfer-Schia und den 14 Unfehlbaren oder dem MĂ€rtyrertod des Prophetenenkels bei Kerbela und der Aschura am zehnten Tag des Muharram auskennen. Es reicht zu wissen, dass die AnhĂ€nger der âPartei Alisâ glauben, dass ihr zwölfter Imam vor ĂŒber tausend Jahren als Knabe zu Gott entrĂŒckt wurde. Offiziell ist dieses Kind das wahre Staatsoberhaupt der islamischen Republik, zumindest laut Artikel fĂŒnf der Verfassung. Vertreten wird es durch den obersten religiösen FĂŒhrer. Als âMahdiâ des Propheten soll es nach einer Phase harter PrĂŒfungen als Erlöser auf die Erde zurĂŒckkehren. Dort errichtet es nach dem Endsieg ĂŒber alle AbtrĂŒnnigen das Reich göttlicher Gerechtigkeit.
Iranische GlaubensfĂŒrsten sehnen sich also nach dem Weltuntergang, und sie tun alles, um das Ereignis möglichst zĂŒgig herbeizufĂŒhren. Neben dem Hass auf Juden ist das der Kern ihrer Heilslehre. Dass sie sich oft pragmatisch verhalten, steht dazu in keinem Widerspruch. Man darf es nur nicht mit dem westlichen VerstĂ€ndnis von âVernunftâ verwechseln.
Nachdem Ruhollah Khomeini 1979 die Revolution kaperte, mutierten die USA zum âgroĂen Satanâ und Israel zum âkleinen Satanâ. StĂ€ndig predigte er den âTod Amerikasâ. In der Folge starben zahllose Menschen durch seinen religiös inspirierten Terror. Von der Geiselnahme in Teheran ĂŒber die Massenmorde von Beirut und Nairobi oder das Hamas-Pogrom vom 7. Oktober traf es auch zig US-BĂŒrger. Bevor man sich also ĂŒber den Bruch des Völkerrechts durch die USA und Israel erhitzt, darf man sich klarmachen, dass das Mullah-Regime seit Jahrzehnten Krieg gegen die USA, Israel und den Westen fĂŒhrt. Es hat nie vor Attentaten, Mordaufrufen und Fatwas zurĂŒckgeschreckt und trotz anderslautender LĂŒgen stets hartnĂ€ckig an seinen Weltuntergangswaffen gebastelt. Selbst Trump war ein Ziel. Nur wer am al-Quds-Tag hartnĂ€ckig wegsieht, kann sich das schönreden. Vielen Linken gelingt das. So lehnte der jetzige BundesprĂ€sident es 2016 zwar ab, den âHasspredigerâ Trump zu dessen Wahlsieg zu beglĂŒckwĂŒnschen, aber beeilte sich danach wiederholt, den Ayatollahs zum Jahrestag ihrer blutigen Machtergreifung zu gratulieren.
Ich bin nicht ganz so masochistisch und denke an die vielen Toten und das Leid, das die Mullahs ĂŒber den Iran und den Rest der Welt gebracht haben, von dem auch wir einen Gutteil abbekommen haben, ob nun direkt oder indirekt.
NatĂŒrlich handeln die USA nicht aus reiner NĂ€chstenliebe. Doch die Empörung, die viele erfasst, ist seltsam selektiv. All die, die sich heute aufs Völkerrecht berufen, hat nie gestört, dass der Iran islamofaschistische Mordbanden wie die Hisbollah, Hamas oder Huthis mit Geld und Raketen pĂ€ppelte und Angriffe auf muslimische, jĂŒdische und christliche Menschen weit ĂŒber den Nahen Osten hinaus sponserte. NatĂŒrlich gibt es viele gute GrĂŒnde, die Folgen des Krieges zu fĂŒrchten. Einer davon ist die Aussicht, dass der Einfluss der Revolutionsgarden noch wĂ€chst. Die sind ein gigantischer UnterdrĂŒckungsapparat, der militĂ€risch, wirtschaftlich und politisch an das SS-Imperium in Nazi-Deutschland erinnert. Doch die Alternative ist weit verstörender: Ein Mullah-Regime, dass ĂŒber Atomsprengköpfe verfĂŒgt.
Dem hat die tapfere EU neben Frank-Walter Steinmeiers âAtomabkommenâ auĂer warmen Worten nichts entgegenzusetzen. Trotz des Mordens in der Ukraine glaubte sie bis vor kurzem immer noch, sich im Windschatten der USA auf ihrer âFriedensdividendeâ ausruhen zu können. Irans ballistische KapazitĂ€ten reichen bis Berlin. An der aktuellen âPerformanceâ des deutschen Kanzlers lĂ€sst sich ablesen, wie windelweich die europĂ€ische FĂŒhrung auf Erpressung durch den Iran reagieren wĂŒrde. Doch statt den Amerikanern und Israelis dafĂŒr dankbar zu sein, dass sie die âDrecksarbeitâ (Friedrich Merz) fĂŒr uns machen und die durchaus konkrete Gefahr neutralisieren, begeistern sich europĂ€ische Politiker nun fĂŒr Völkerrecht und Diplomatie. So, als hĂ€tten sie nie von Neville Chamberlain und dessen MĂŒnchner Abkommen mit Adolf Hitler gehört.
Die spanischen Sozialisten, die aus höchst eigennĂŒtzigen GrĂŒnden gesteigerte Sympathien fĂŒr das Mullah-Regime hegen, berufen sich genauso darauf wie Keir Starmer, dessen PopularitĂ€t unter galoppierender Schwindsucht leidet und der trotz und wegen Rotherham um die Gunst britischer BeutebĂŒrger buhlt. In Deutschland stimmen nicht nur Ralf Stegner und Annalena Baerbock, Sarah Wagenknecht, Alice Schwarzer und Heidi Reichinnek ĂŒberein, auch Alice Weidel und Tino Chrupallah finden: Die Amerikaner und Israelis sind âverantwortungslosâ und treten âgĂŒltige Rechtsnormen mit den FĂŒĂenâ. An der Stelle purzelt auch die Brandmauer und Pistorius wie Merz stimmen in das Geblöke ein.
Die Mullahs selbst zeigen herzlich wenig Interesse an zivilisierten Normen. Gleichwohl ist es ihnen mit chinesischer UnterstĂŒtzung gelungen, sich Einfluss auf eben die internationalen Gremien zu sichern, die besonders lautstark gegen die USA und Israel wettern. Knapp einen Monat nach Hamas-Ăberfall auf Israel ĂŒbergaben die Vereinten Nationen Iran im November 2023 den Vorsitz des Menschenrechtsforums. Die notorische Francesca Albanese landete auf dem Posten der UNO-Sonderberichterstatterin fĂŒr PalĂ€stina. Karim Ahmad Khan klagte den israelischen Staatschef Benjamin Netanjahu vor dem Internationalen Strafgerichtshof an, und unter Beihilfe deutscher Diplomaten wie des UN-Botschafters Christoph Heusgen konnte Iran Israel Dutzende Male in verschiedensten UN-Versammlungen verurteilen lassen.
All das geschah ohne nennenswerte Empörung der HĂŒter des Völkerrechts. Obschon auch denen bekannt sein dĂŒrfte, dass die Mullahs gern renitente Frauen und Schwule an fahrbaren BaukrĂ€nen aus norddeutscher Fertigung strangulieren.
TatsĂ€chlich braucht man weder Benjamin Netanjahu zu lieben noch Donald Trump eine dritte Amtszeit zu wĂŒnschen, um zu begreifen, dass die Amerikaner und Israelis gerade das einzig Richtige tun. Sicher, weder noch sind Altruisten. Sie verfolgen eigene Interessen. Trotzdem kommen ihre Aktionen dem gesamten Nahen Osten und Europa zugute. Wenn sie verhindern, dass die Mullahs an Atomwaffen gelangen, profitieren alle, nicht zuletzt die Perser, und eine muslimische Welt, die endlich von dem durch krankhaften Judenhass kĂŒnstlich am Kochen gehaltenen âPalĂ€stina-Konfliktâ befreit wĂ€re, wĂŒrde immens gewinnen und gewĂ€hrte auch den EuropĂ€ern die Chance, sich auf sich selbst zu besinnen.
Gewiss, all das kann auch grandios schiefgehen. Kriege neigen dazu selten wie geplant zu verlaufen. Die Hoffnungen derer, die sie so anzetteln, gehen selten auf. Fragt sich nur, wer diesen Krieg eigentlich angezettelt hat. Nach meiner Zeitrechnung begann er spĂ€testens am 7. Oktober 2023, aber vielleicht wollte Xi Jinping auch Trump eine Falle stellen und ihn zum Handeln zwingen, indem er signalisierte, dass er Hyperschallwaffen an Iran liefern wĂŒrde.
Gleichwohl: Was wĂ€re die Alternative? Sollte Israel abwarten, bis die persischen Kleriker ihr RĂŒstungsprojekt abgeschlossen haben und die RĂŒckkehr des Mahdis einleiten? Seit 47 Jahren sieht die Welt zu, wie die religiös lackierten Tugendterroristen alle Frauen in Iran, die sich weigern, Tschador zu tragen, erniedrigen, schlagen, verhaften und totprĂŒgeln. An nur zwei Tagen im Januar töteten sie Zehntausende, die dagegen aufbegehrten.
Im kulturrelativistischen Europa gilt es als schick, jeden Konflikt durch die Linse moralischer Ăquivalenz zu betrachten. Doch eventuell macht es einen Unterschied, ob die US-Regierung illegale Einwanderer festnimmt und abschiebt oder das Mullah-Regime protestierende BĂŒrger von Söldnermilizen abschlachten lĂ€sst. Denn es gibt echte Barbaren und wirkliche KrĂ€fte des Bösen. Zugleich muss nicht jeder, der dagegen antritt, makellos und edel sein. Weder Trump noch Netanjahu sind Heilige. Aber wo die Alternative absolut katastrophal ist, ist weniger ĂŒbel in der Regel besser. Selbst der kluge Winston Churchill hatte kein Problem damit, sich ab dem Sommer 1941 mit dem Hitler-Partner und Massenmörder Josef Stalin zu verbĂŒnden.
Reden panische EuropĂ€er nun von einem dritten Weltkrieg, blenden sie den Ăberfall auf die Ukraine und das Hamas-Pogrom aus. Abgesehen von höheren Spritpreisen mĂŒssen sie bisher nicht bluten. In Israel scheuchen die Raketen der Iraner und der Hisbollah die Leute tĂ€glich in die Keller. In Iran haben die Mullahs aus Angst vor AufstĂ€nden die zivile Kommunikation gekappt, so dass Menschen ihre Liebsten nach Angriffen nicht mal mehr kontaktieren können.
Klar, das dicke Ende kann noch kommen. DafĂŒr spricht einiges. Angela Merkels grenzenlose Offenheit hat unseren Kontinent fĂŒr genau die Art Terror verwundbar gemacht, die Teheran weltweit verbreitet. Doch falls das passiert, ist es nicht die Schuld der Amerikaner, sondern inspiriert von Leuten wie Mohammed Amin al-Husseini, Khomeini und Edward Said. Es ist die Frucht des Hasses, den Islamisten und postmoderne Linke lĂ€ngst zu einer Ideologie gegen den Westen verschmolzen haben.
Gewaltsam Ăbel zu verhindern, ist immer ein Dilemma. In âDer Belagerungszustandâ lĂ€sst Albert Camus seinen Helden Diego zu der despotischen âPestâ sagen: âIch kenne das Rezept. Man muss töten, um den Mord zu beseitigen, man muss Gewalt ĂŒben, um das Unrecht abzuschaffen. So geht das seit Jahrhunderten! Seit Jahrhunderten lassen Herrscher deiner Art die Wunden der Welt schwĂ€ren, die sie angeblich heilen wollen, stattdessen preisen sie ihr Rezept, weil sie niemand auslacht.â Stimmt. Doch wo sich der Horror lĂ€ngst entfaltet, sind derlei Debatten akademisch. Da gilt es, den Schaden zu begrenzen.
Einmal im Besitz von Hyperschallraketen vermag der Iran auch FlugzeugtrĂ€ger und andere strategische âAssetsâ der USA auszuhebeln. Damit hat er nicht nur die arabische Halbinsel im Griff, er kann Europa angreifen, und die globale Machtbalance verrutscht zugunsten Chinas. Dann sind die USA als Ordnungsmacht abgemeldet, und die Chinesen, die schon heute 90 Prozent des persischen Erdöls kaufen, könnten die Energieversorgung der Welt weitgehend steuern. Deshalb stĂ€rkt Xi Jinping den Iran und hat extra einen Exporthafen auĂerhalb der Insel Charg errichten lassen.
FĂŒr uns wĂ€re ein atomar aufgerĂŒsteter Iran weit mehr als ein penetrantes, regionales Ărgernis, das stĂ€ndig Israel piesackt. Insofern spielt Xis strategischer Ehrgeiz fĂŒr den Hintergrund des aktuellen Konflikts keine ganz kleine Rolle. Trotzdem landen alle Schuldzuweisungen stets bei den Israelis und Amerikanern. Kritiker wie Richard David Precht fĂŒhren den vom CIA forcierten Sturz des Premiers Mohammad Mossadegh und die Wiedereinsetzung des Schahs 1953 an. Das war tatsĂ€chlich ein tragischer Fehler, der die GlaubwĂŒrdigkeit des Westens nachhaltig erschĂŒtterte und dem Triumph der Mullahs 25 Jahre spĂ€ter den Boden bereitete. Doch die Ereignisse spielten sich in einer heiĂen Phase des Kalten Krieges ab: Im Juni 1953 schlugen Hunderte sowjetischer Panzer den Volksaufstand in der DDR nieder und Krieg in Korea endete mit einem blutigen Patt. Auf den Iran hatte die Sowjetunion schon lĂ€nger ein Auge geworfen, wobei die stalinistische Tudeh-Partei eine ungute Rolle spielte. Nichts davon entschuldigt die Fehler des Westens, doch es rĂŒckt das damalige Drama in ein anderes Licht, und auch heute darf man gern mal darauf gucken, wie sich die Mit- und Gegenspieler denn so verhalten.
FĂŒr die Staatschefs Chinas, Russlands und Irans sind die Vereinigten Staaten der Hauptfeind. Xi Jinping macht keinen Hehl aus seinem Ehrgeiz China bis 2049 die globale Vorherrschaft zu sichern. Muss er dazu den Mullahs Mordwerkzeug liefern oder eine Million Uiguren in Lager sperren, fein. Wladimir Putin will das russische Imperium wiederherstellen. Ob fĂŒr seine Vision zwei oder drei oder fĂŒnf Millionen MĂ€nner sterben mĂŒssen, ist ihm egal. Weder Xi noch Putin scheren sich um Völkerrecht und internationale Ordnung, auf die feinfĂŒhlige EuropĂ€er seitens der USA nun so groĂen Wert legen.
Gewiss war das EntfĂŒhren des Chamenei-Freundes NicolĂĄs Maduro auch nicht stubenrein. Aber es war ein klares Signal gegenĂŒber China und Russland. Es schob ihrem Einfluss in Venezuela und Lateinamerika einen Riegel vor. Der aktuelle Entwaffnungskrieg gegen Iran dient genauso dem âEindĂ€mmenâ chinesischer Ambitionen. Er soll den âFeuerringâ auf der arabischen Halbinsel zerschlagen und die Blockaden beiseite rĂ€umen, die die Mullahs den âAbraham-Accordsâ in den Weg gelegt haben.
GrundsĂ€tzlich ist das Völkerrecht eine gute Idee. Verlangt es jedoch nur Fairness von denen, die sich ohnehin an Regeln halten, schĂŒtzt es bloĂ Barbaren. In den letzten Jahrzehnten war der Westen nicht willens, die liberale Weltordnung zu verteidigen. Angesichts seiner stĂ€ndig beschworenen SĂŒnden wich er schuldgebeutelt stets und ĂŒberall zurĂŒck. Er zog Appeasement, Nachgiebigkeit und höfliches Bitten vor. Trump bricht mit diesem Muster, weil er begriffen hat, dass der KlĂŒgere nur so lange nachgeben kann, bis er der Dumme ist. Also gibt er den RĂŒpel und versucht das Versagen der Biden- und Obama-Jahre auszugleichen. Er zeigt Xi und Putin, dass er geostrategisch genauso rĂŒde vorgehen kann wie sie. Aus Sicht sensibler EU-Seelen ist sein Vorgehen brutal und ohne jede Raffinesse. Fragt sich, ob man bei Xi, Putin oder Chamenei unbedingt durch Kultiviertheit punktet. Mitunter gehören auf grobe Klötze grobe Keile. Bismarck, Churchill und Adenauer waren auch nicht immer nur lieb.
Anders als die selbstverliebten europĂ€ischen ProvinzfĂŒrsten sieht Trump, wie es fatal wĂ€re, wenn es China gelĂ€nge, Iran in einen atomaren âProxyâ zu verwandeln. Denn das wĂŒrde die globale Machtbalance so dauerhaft wie endgĂŒltig zu Ungunsten des Westens zu verschieben, die chinesische Vormachtstellung zementieren, das Ende Israels einleiten und das ohnehin schon schwache Europa der WillkĂŒr der Mullahs ausliefern. Das will er aufhalten. Solange er es noch aufhalten kann. DafĂŒr geht er ein erhebliches Risiko ein, weil er weiĂ, dass es dabei langfristig um die Zukunft der USA geht.
Golf war noch nie meine Welt und Trumps Wortwahl ist mir nicht immer nur sympathisch. Aber als EuropĂ€er bin ich parteiisch und dankbar fĂŒr jeden Politiker, der meine Interessen vertritt. Ich wĂŒnsche mir eine halbwegs selbstbestimmte Zukunft fĂŒr mein Land. Anders als Herr Merz möchte ich mich nicht vom Wohlwollen der Mullahs abhĂ€ngig machen. Ich will weder in der spĂ€t-maoistischen noch in der neo-stalinistischen MachtsphĂ€re leben, weil ich alt genug bin, um mich noch lebhaft an die DDR zu erinnern. Wenn ich das Los von Ost- und Westdeutschland nach 1945 vergleiche, weiĂ ich, in wessen Machtorbit ich lieber lebe. Die Amerikaner sind gewiss nicht immer perfekt, aber sie haben ethische Werte, die ich mag und teile. Sie pflegen Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und christliche Traditionen. Sie achten die Rechte des Einzelnen und bedrĂ€ngen keine Minderheiten. Sie respektieren meine Kultur und betrachten sie als wertvoll. Bei Xi, Putin und Chamenei bin ich dagegen sicher, dass sie alles, was mir lieb und teuer ist, zutiefst verachten.
Auch darum verstört mich die neue, deutsche Hufeisen-Allianz. Die Mischung aus links und rechts erweckten Völkerrechtsfans, PalĂ€stina-Freunden und Israel-Hassern duftet streng nach eben dem altvertrauten Brei, der hierzulande stets hochkocht, wenn es gegen âamerikanische Plutokratenâ oder âJudenâ geht. Der speist sich aus Ressentiments, Feigheit, Neid und einer gehörigen Portion Selbsthass. Er schweiĂt seit jeher die unappetitlichsten KrĂ€fte zusammen, die dieses Land politisch so hervorbringt, und die kommen inzwischen entweder postkolonial islamaffin oder patriotisch neudeutsch daher.
Ich bin gern EuropĂ€er. Meine Wurzeln reichen bis Rom, Athen und Jerusalem, aber ich habe auch nichts gegen heidnische Slawen, Germanen und Kelten. Mit den SĂŒnden des Westens kenne ich mich einigermaĂen aus, doch fĂŒr mich werden die Verbrechen meiner Kultur durch die FĂŒlle an Errungenschaften aufgewogen, die der Westen in die Welt getragen hat. Ohne diese VorzĂŒge wĂ€ren die allermeisten seiner Feinde nĂ€mlich gar nicht in der Lage, ihn anklagen und zu attackieren – was nicht zuletzt auch fĂŒr die âShahed-Drohnenâ gilt, deren VorlĂ€ufer angeblich einst am Bodensee entwickelt wurden.
Der Iran ist eine Jahrtausende alte Kulturnation, die seit einem halben Jahrhundert von einer Horde religiös-faschistischer Barbaren unterjocht wird. Ich wĂŒnsche den Iranern die baldige Befreiung von diesem Fluch, aber vor allem wĂŒnsche ich mir und allen anderen eine Zukunft ohne ihr todesverliebtes Armageddon. Genau dafĂŒr kĂ€mpfen Israel und USA. Statt ihnen in den RĂŒcken zu fallen und so zu tun, als ginge uns dieser Kampf nichts an, sollten wir ihnen unsere Verbundenheit zeigen, indem wir sie wenigstens unterstĂŒtzen, die freie Schifffahrt in der StraĂe von Hormus zu sichern. Das nicht zu tun, ist erbĂ€rmlich.
Diesen Seeweg zu schĂŒtzen, liegt in unserem âvitalen Interesseâ. Aber eigene Interessen ĂŒberhaupt noch zu erkennen und sie mit den Interessen anderer abzustimmen, ist eine Kunst, die wir offenbar verlernt haben.
Nur mal angenommen, Putin und Xi halten sich zurĂŒck und warten ab, bis die Amerikaner ihre Arsenale mit Raketenabwehrwaffen verbraucht haben. Dann schlagen sie im Baltikum oder Taiwan zu. Kreischt dann die EU um Hilfe, wĂŒnscht Trump den EuropĂ€ern viel SpaĂ und sagt ihnen, es sei ja nicht sein Krieg.
Konfliktscheu hat so wenig mit Prinzipienfestigkeit zu tun wie Dummheit mit höherer Moral. Und Feigheit eine Schande, die sich meist rÀcht. Oft schneller, als man denkt.