Das Land des LĂ€chelns

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Als nĂ€chste Premiere in dieser Spielzeit prĂ€sentierte das Theater Nordhausen am Freitag, dem 27. MĂ€rz, die Operette von Franz LehĂĄr „Das Land des LĂ€chelns“. Das Werk hat mehrere Arien hervorgebracht, die als Schlager Welterfolge wurden. Dabei handelt es sich um ein StĂŒck, das in seiner ursprĂŒnglichen Fassung „Die gelbe Jacke“ 1923 in Wien uraufgefĂŒhrt und erst nach 105 Vorstellungen abgesetzt wurde. Da die vor dem Ersten Weltkrieg in Europa grassierende Chinaeuphorie in den 30er Jahren ein Revival erlebte, arbeitete LehĂĄr die Vorlage um und ergĂ€nzte sie durch die Hits „Dein ist mein ganzes Herz“, den er fĂŒr den Startenor Richard Tauber komponiert hatte und den dieser bis zu 2500 Mal gesungen hat. Er musste ihn nach AuffĂŒhrungen der Operette bis zu sechs Mal wiederholen, was heute unfassbar erscheint.

Intendant Daniel Klajner hat LehĂĄr in eine zeitgemĂ€ĂŸe Form gebracht. Ich bin bei solchen Angleichungen an den Zeitgeist generell skeptisch, muss aber sagen, dass Klajners Fassung sehr frisch wirkt und ohne Anbiederung auskommt.

Franz LehĂĄrs Erfolgswerk – 1929 im Berliner Metropol-Theater uraufgefĂŒhrt – gehört zu seinen meistgespielten Werken. Neben »Dein ist mein ganzes Herz« sind »Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt« und »Immer nur lĂ€cheln« weitere Publikumsrenner enthalten. „Das Land des LĂ€chelns“ weiterlesen

Teheran, 1953: Der Putsch, der die Ölpolitik verĂ€nderte

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Von Shoumojit Banerjee

Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks in Jahrzehnten ausgelöst. Die fĂŒnfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in ‚The Perfect Voice‘ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm fĂŒr freundliche die Genehmigung zu Übersetzung und Abdruck.

ÖlfĂ€sser und Macht – Teil 2

Der Staatsstreich, der den Schah wieder an die Macht brachte, verfestigte zugleich ein Erbe aus Ölpolitik und auslĂ€ndischer Einmischung, das den Iran bis heute ĂŒberschattet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Persien ein im Niedergang begriffen, regiert vom alternden Kadscharen-Monarchen Mozaffar al-Din Schah Kadschar. Das Land verfĂŒgte kaum ĂŒber Industrie, eine schwĂ€chelnde Staatskasse und eine Regierung, die zum Erzielen von Einnahmen zunehmend auf auslĂ€ndische Konzessionen angewiesen war. Unter seinen WĂŒsten jedoch lag eines der grĂ¶ĂŸten Ölvorkommen der Welt – ein Vermögenswert, der die Aufmerksamkeit der GroßmĂ€chte wecken und Persien in einen zentralen Schauplatz der globalen Energiepolitik verwandeln sollte. „Teheran, 1953: Der Putsch, der die Ölpolitik verĂ€nderte“ weiterlesen

Baku, 1901: Die Geburt der Energiegeopolitik

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Von Shoumojit Banerjee

ÖlfĂ€sser und Macht – TEIL 1

Der Iran-Krieg hat einen der schwersten Energieschocks in Jahrzehnten ausgelöst. Die fĂŒnfteilige Serie des Autors Shoumjit Banerjee beleuchtet entscheidende historische Momente, in denen Turbulenzen der Energiewelt den Verlauf der Geopolitik beeinflusst haben. Banerjee ist ein geschichtlich und kulturhistorisch außergewöhnlich versierter indischer Journalist, dessen Texte in ‚The Perfect Voice‘ (Mumbai) erscheinen. Wir danken ihm fĂŒr freundliche die Genehmigung zu Übersetzung und Abdruck.

Der Ölboom am Kaspischen Meer zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte erstmals, wie Erdöl MĂ€rkte, Imperien und Revolutionen prĂ€gen konnte. „Baku, 1901: Die Geburt der Energiegeopolitik“ weiterlesen

Betrachtungen zur Wahl in Rheinland-Pfalz

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von Philipp Lengsfeld

Diese Analyse der Ergebnisse der Wahl in Rheinland-Pfalz kommt ĂŒber zwei Tage nach Schließung der Wahllokale – die Wahl ist damit im politischen Berlin schon wieder eine kleine Ewigkeit her, aber ein Blick zurĂŒck und ein Blick auf die Optionen lohnt sich trotzdem noch. Und bringt uns in die Position auch einige Reaktionen (oder eher Nichtreaktionen gleich mit zu analysieren).

Unstreitig die Wahl gewonnen hat die CDU und der Herausforderer Gordon Schnieder, der neuer MinisterprĂ€sident von Rheinland-Pfalz werden wird. Das Ergebnis ist mit 31.0% fĂŒr die heutigen VerhĂ€ltnisse sehr ordentlich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die SPD Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren regiert hat und der Amtsinhaber mit dem in Deutschland immer sehr starken Amtsbonus ins Rennen gegangen ist und einen leidenschaftlichen und intensiven Wahlkampf gefĂŒhrt hat.

Insbesondere die staatsmĂ€nnische Reaktion der CDU („keine HĂ€me, kein Triumph“) und die soliden PlĂ€ne von Gordon Schnieder fĂŒr Rheinland-Pfalz lassen einen doch zu dem Gedanken kommen, dass man die Staatspartei Union vielleicht doch nicht zu frĂŒh abschreiben sollte.

Großer Verlierer war dagegen die SPD, insbesondere der Absturz um fast 10 Punkte auf einen deutlichen zweiten Platz schmerzt sehr. VerstĂ€rkt wird dieser Effekt sicherlich durch die politische BrutalitĂ€t von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen – hatten die SPD-UnterstĂŒtzer vor zwei Wochen im Nachbarland den GrĂŒnen und Cem Özdemir den knappen Sieg gegen die Union gesichert (und dabei die SPD sogar gefĂ€hrlich nah an die 5%-HĂŒrde gebracht), so ist dieser Effekt in Rheinland-Pfalz nicht eingetreten. Die GrĂŒnen in Rheinland-Pfalz haben lieber ihren vierten Platz und ihr altes Ergebnis gesichert (und dies wie einen Sieg gefeiert) – es wĂ€re sehr verwunderlich, wenn die SPD diesen unsolidarischen Egoismus schnell vergessen sollte. „Betrachtungen zur Wahl in Rheinland-Pfalz“ weiterlesen

Inside ThĂŒringer Landtag

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Endlich ist Ute Bergners Buch “Zwischen BrĂŒcken und Brandmauern”, in dem sie beschreibt, was sie als Landtagsabgeordnete im ThĂŒringer Landtag erlebte und wie ihr dabei der Glaube an die Demokratie abhanden kam. Ich hatte die Ehre, das Vorwort fĂŒr dieses Buch schreiben zu dĂŒrfen:

Von einer, die auszog, Politik zu machen

Ute Bergner, erfolgreiche, mehrfach preisgekrönte Unternehmerin, wurde eines schönen Tages von der FDP gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, Mitglied des ThĂŒringer Landtags zu werden. Sie musste nicht lange ĂŒberlegen. Neue Aufgaben haben sie immer gereizt, die Aussicht, politische Fehlentscheidungen korrigieren zu können, noch mehr. Schließlich gab es auch einen privaten Grund. Ihr Urgroßvater Louis Krause war MitbegrĂŒnder des ThĂŒringer Landtages und Abgeordneter in zwei Legislaturperioden. FĂŒr Bergner, die wenig darĂŒber wusste, war es reizvoll, zu erfahren, was ihr Ahne damals politisch bewegt hat und wie sich die Arbeit des Landtages in hundert Jahren verĂ€ndert hat. Am Ende ihres spannenden Buches kommt sie auf ihren Urgroßvater zurĂŒck.

Aber vorher machte sie ihre eigenen Erfahrungen als Politikerin, und die hatten es in sich.

Sie startete nach ihrer Wahl als Mitglied der FDP-Fraktion unter Thomas Kemmerich. Schon da musste sie feststellen, dass selbst denken und entscheiden in politischen Strukturen, auch bei den Freien Demokraten, nicht gewĂŒnscht ist.

Bergner betrieb ihre AbgeordnetentĂ€tigkeit mit so viel Fleiß und Engagement, dass man sich beim Lesen fragt, ob sie einen 48-Stunden-Tag zur VerfĂŒgung hatte, bei dem Pensum, das sie bewĂ€ltigt hat. Das machte sie bei Kollegen, die es viel ruhiger angingen, nicht gerade beliebt. Aber bevor es zum Bruch mit der FDP kam, erlebte sie noch einen Politkrimi mit, der ein Novum in der Geschichte, nicht nur des ThĂŒringer Landtages, sondern der demokratischen Institutionen darstellte:

Die Wahl von Thomas Kemmerich zum ThĂŒringer MinisterprĂ€sidenten mit den Stimmen von CDU und AfD. WĂ€hrend die FDP-Fraktion noch ihren Sieg feierte, stand draußen vor der Staatskanzlei schon der Adlatus des abgewĂ€hlten MinisterprĂ€sidenten Bodo Ramelow und sprach von den Millionen (sic!) Toten von Buchenwald, Opfern der finstersten Geschichte unseres Landes, die angeblich nun wiederzukehren drohte. Das gab den Startschuss fĂŒr eine Kampagne zur Austreibung der angeblichen Nazis aus dem Amt. WĂ€hrend Kemmerich, Bergner und andere am nĂ€chsten Tag darĂŒber nachzudenken begannen, wie ein Kabinett Kemmerich aussehen könnte, waren FDP-Chef Lindner und die damalige Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer schon unterwegs nach Erfurt, um die Wahl rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Merkel hatte aus dem fernen SĂŒdafrika gefordert, die „unverzeihliche“ Wahl mĂŒsse rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Kramp-Karrenbauer scheiterte am anfĂ€nglichen Widerstand der CDU-Fraktion, Christian Lindner war erfolgreich damit, Kemmerich im VieraugengesprĂ€ch zum RĂŒcktritt zu bewegen. Er Ă€ußerte spĂ€ter gegenĂŒber der Fraktion, Merkel hĂ€tte ihm mit dem Platzen aller vier CDU-FDP-Landeskoalitionen gedroht. Merkels Vorgehen war verfassungswidrig, was das hohe Gericht erst feststellte, als die Kanzlerin nicht mehr im Amt war. Aber es machte Schule: Als 2024 in RumĂ€nien ein PrĂ€sident gewĂ€hlt wurde, der den Vorstellungen der EU nicht entsprach, wurde die Wahl einfach fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt, und ein ehemaliger EU-Kommissar, Terry Brenton, drohte Deutschland mit Verweis auf RumĂ€nien damit, dass sich das bei uns wiederholen könnte, sollte der EU der Ausgang der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 nicht passen.

Nachdem Bergner die FDP-Fraktion verlassen hatte, saß sie erst als Einzelabgeordnete am rechten Rand des Plenums, wohin das LandtagsprĂ€sidium sie verbannt hatte, aber nicht lange. Nachdem drei Abgeordnete die AfD-Fraktion verlassen hatten, gelang es Bergner, eine parlamentarische Gruppe zu bilden, ein Novum in der Geschichte des Landtags. Wie die Gruppe zusammenfand, arbeitete und schließlich wieder zerfiel, gehört zu den spannendsten Kapiteln des Buches. Die Gegner Bergners rechneten nicht damit, dass sie die Gruppe wieder auflösen könnte, weil dann alle Privilegien wieder der Vergangenheit angehören wĂŒrden. Aber genau das tat sie. Bergner ging es immer um Inhalte und Arbeitsmöglichkeiten, nie um Macht und Privilegien. Wie sich die Verlierer gerĂ€cht haben, gehört zu den Politkrimis, die zu selten bekannt werden.

Ein zweites Projekt von Bergner, die „BĂŒrger fĂŒr ThĂŒringen“ und ihr Versuch, mit anderen Kleinparteien und der neu entstandenen Werteunion von Hans-Georg Maaßen eine gemeinsame Liste fĂŒr die kommende Landtagswahl in ThĂŒringen zu bilden, startete sehr erfolgreich. Es wurde sogar in der Mainstream-Presse mit Neugier und Wohlwollen kommentiert, scheiterte dann aber am Anspruch der Werteunion-Partei, die fĂŒhrende Rolle zu haben, was das Auseinanderbrechen bedeutete. Damit war ein zukunftstrĂ€chtiges Projekt erfolgreich erledigt.

Interessant ist, dass Bergners Urgroßvater in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts an einem Ă€hnlichen Projekt beteiligt war: der Bildung des ThĂŒringer Ordnungsbundes aus mehreren Kleinparteien. Der zog fĂŒr eine Legislaturperiode in den Landtag ein.

Am Schluss möchte ich noch zwei Beispiele fĂŒr die politischen Erfahrungen bringen, die Bergner gemacht hat.

Sie erkannte ein typisches System in der Politik. Zuerst werden die Rahmenbedingungen fĂŒr eine bestimmte Berufsgruppe so gestaltet, dass sie zwingend in finanzielle Not gerĂ€t. Die Not ausnutzend, bietet man dann Lösungen an, wenn man den ideologischen Vorgaben folgt.

Beim Bau von Windkraftanlagen, die nicht ertragsbezogen arbeiten, sondern steuerfinanzierte Einnahmegarantien bieten, wird das sehr offensichtlich.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Fraunhofer-Instituts zeigte Bergner bei einem Besuch auf, dass die ThĂŒringer Waldgesetznovelle in der aktuellen finanziellen Situation fĂŒr ihn kontraproduktiv ist. Bergner schlug ihm eine Alternative vor, dass es eine Kostenerstattung fĂŒr Waldbesitzer fĂŒr hoheitliche Aufgaben und den CO2-Konsum geben solle, basierend auf der ökonomischen Überlegung: Wenn CO2 einen negativen Marktpreis fĂŒr Emissionen hat, mĂŒssten doch die Erlöse aus diesen Emissionen denjenigen zukommen, die CO2 verbrauchen. Das wĂ€ren auch die Waldbesitzer. CO2 ist kein Schadstoff, sondern Rohstoff, und wenn es dafĂŒr einen Preis gibt, ist dieser nach Marktregeln anzuwenden. Somit stellte Bergner die Frage, ob denn WindrĂ€der im Wald fĂŒr den GeschĂ€ftsfĂŒhrer von ThĂŒringen Forst auch dann noch ein Thema wĂ€ren, wenn die Anstalt fĂŒr die CO2-Entnahme der WĂ€lder entschĂ€digt werden wĂŒrde. Von der Idee war er nicht ĂŒberrascht, denn derartige Forderungen hĂ€tten sie in der Vergangenheit schon oft eingebracht. „Ja, das wĂ€re gut!“, war seine Antwort. Darauf Bergner: „Und warum machen wir dann nicht so eine Initiative? Mit Ihrer UnterstĂŒtzung könnte ich das sicher im Landtag einbringen.“ Was dann passierte, erlebte Bergner so nur in Situationen, in denen Menschen wirklich Angst hatten. Die Miene des GegenĂŒbers versteinerte, er lehnte sich zurĂŒck, holte tief Luft und sagte mit leiser Stimme: „Ich werde nichts gegen die Vorgaben und Anweisungen meines Dienstherrn unternehmen!“ Dann wechselten sie das Thema.

Um auf demokratischem Wege VerĂ€nderungen anzustoßen, begann Bergner, sich gezielt mit Demokratie auseinanderzusetzen.

Die erste wichtige Erkenntnis war: Es gibt nicht „die Demokratie“. In der Wissenschaft unterteilt man die Demokratie in drei große Gruppen: die Basisdemokratie, die plebiszitĂ€re Demokratie und die reprĂ€sentative Demokratie. Wir leben in einer reprĂ€sentativen Demokratie, fĂŒr die es wieder die verschiedensten Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

FĂŒr Bergner galt, dass unsere Demokratie dadurch gekennzeichnet ist, dass sie aus drei getrennten SĂ€ulen besteht: der Exekutive, der Legislative und der Judikative. Sie musste lernen, dass das so gar nicht im Grundgesetz niedergeschrieben ist. Allerdings fand sie das in der ThĂŒringer Verfassung, Artikel 47, wobei die EinschrĂ€nkung auf dem Fuße folgt. Liest man die anschließenden Artikel, in denen die Aufgaben der SĂ€ulen genau definiert sind, so stellt man fest, dass diese drei SĂ€ulen miteinander verschrĂ€nkt sind. Was heißt nun „verschrĂ€nkt“? Das ist ein Begriff aus der Quantenphysik und charakterisiert das nicht klar trennbare Verwischen der einzelnen ZustĂ€nde. Das heißt im Umgangssprachlichen: aneinanderklammern, ineinanderstecken. Da wurde Bergner stutzig. Die drei SĂ€ulen als Pfeiler der Demokratie waren nicht unabhĂ€ngig. Das beste Beispiel ist eine Staatsanwaltschaft, die politischen Weisungen unterliegt.

In der sogenannten Corona-Pandemie, die nach jĂŒngsten Erkenntnissen keine war, bekam Bergner zahlreiche Beispiele fĂŒr das Nichtfunktionieren von Demokratie und Rechtsstaat hautnah mit. Sie zĂ€hlt etliche davon in ihrem Buch auf. Es werden immer noch Urteile gegen Menschen gefĂ€llt, die sich unsinnigen, ja schĂ€dlichen politischen Vorschriften widersetzten und die recht hatten. Ein Beispiel ist der Weimarer Familienrichter Christian Dettmer, der versucht hatte, Schulkinder vor dem schĂ€dlichen Maskentragen zu bewahren und das mit lebenslangem Berufsverbot und dem Entzug seiner Pension bezahlen muss. Mit Demokratie oder gar Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Wir haben einen sich allmĂ€chtig fĂŒhlenden Staat, der in kafkaesker Manier die unsinnigsten Vorschriften ohne stichhaltige BegrĂŒndung durchsetzt und auch nachtrĂ€glich nicht bereit ist, Fehler einzugestehen. Die Machthabenden maßen sich an, ihre Landeskinder zu gehorsamen Untertanen zu machen. Das fĂŒhrt zu einer Infantilisierung der Gesellschaft, wenn sie nicht gestoppt wird.

FĂŒr alle, die das nicht hinnehmen wollen, ist Ute Bergners Buch eine wichtige Quelle, um Politik zu verstehen und zu lernen, wie man gegen sie Widerstand leisten kann.

Bergner hat die Politik verlassen, sie wird sich aber mit Sicherheit weiter in unsere Angelegenheiten einmischen.

Virtuelle Gewalt – ein Problem oder eine Kampagne?

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Am gestrigen Sonntag, dem 22. MĂ€rz 2026, fand auf dem Pariser Platz in Berlin eine Demonstration gegen sexuelle Gewalt statt. Um die 7000 Frauen hatten sich versammelt, darunter Politikerinnen wie Saskia Esken, Ricarda Lang sowie Luisa Neubauer, die ein neues Thema fĂŒr sich entdeckt hat. Dazu jede Menge B-Prominenz in Schauspiel, Literatur und Politik. Endlich, möchte man meinen.

Kurz zuvor war unter ferner liefen die Gruppenvergewaltigung eines Kindes gemeldet worden. FĂŒnf Tage davor wurde bekannt, dass eine 17-JĂ€hrige von zwei TĂ€tern in eine Toilette gedrĂ€ngt und vergewaltigt wurde. Vor zwei Wochen erschĂŒtterte Berlin die Nachricht, dass in einem Jugendzentrum ein MĂ€dchen vergewaltigt und anschließend von mehr als einem Dutzend MĂ€nnern verhöhnt und belĂ€stigt wurde. Die verantwortlichen Betreuer versuchten, den Fall vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen, um die IdentitĂ€t der muslimischen TĂ€ter zu schĂŒtzen. Abgesehen von diesen FĂ€llen sagt die Statistik, dass die realen Vergewaltigungen seit 2015 durch die Decke gegangen sind. „Virtuelle Gewalt – ein Problem oder eine Kampagne?“ weiterlesen

Wie die Bevölkerung in der Spritfrage von der Politik hinter die Fichte gefĂŒhrt wird.

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Seit Tagen liegen die Spritpreise stabil ĂŒber zwei Euro, und sie steigen beinahe tĂ€glich weiter. Das schadet der Wirtschaft, der Bevölkerung, besonders dem Ă€rmeren Teil, der jeden Cent umdrehen muss, um ĂŒber die Runden zu kommen, und fördert die Deindustrialisierung.

Die Politik sieht sich unter Handlungszwang und hat sich entschlossen, mit aller Kraft und Raffinesse die Bevölkerung hinter die Fichte zu fĂŒhren. Sie zeigt mit dem Finger anklagend auf die Mineralölkonzerne und kĂŒndigt alle möglichen Maßnahmen an, die vermutlich nicht kommen werden. Hauptsache, Aktionismus vorspiegeln. Die Politik vergißt, dass drei Finger auf sie zurĂŒckzeigen.

Der Hauptverdiener an den Tankstellen ist der Staat. Die Politik hat den Sprit nicht mit einer, sondern mit drei Steuern belegt, die 57 % des zu zahlenden Preises ausmachen: Energiesteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer, die auch auf die anderen Steuern zu entrichten ist. „Wie die Bevölkerung in der Spritfrage von der Politik hinter die Fichte gefĂŒhrt wird.“ weiterlesen

Nicht unser Krieg?

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Von Christoph Ernst

„Dies ist nicht unser Krieg!“ sagt Deutschlands Verteidigungsminister. Auch der Kanzler tut so, als sei das Sichern internationaler Seewege ein aggressiver Akt. FĂŒr Friedrich Merz ist der Iran nicht Sache der NATO. So, als habe das wirtschaftlich gebeutelte Deutschland keinen Bedarf an niedrigeren Öl- und Gaspreisen. Nicht einmal symbolisch soll es sich beteiligen, um die Straße von Hormus frei zu halten. Merz agiert da Ă€hnlich wie die Keir Starmer und Emmanuel Macron, nach dem Motto: ‚Sollen die Amerikaner gefĂ€lligst selbst die Suppe auslöffeln, die wir ihnen mit eingebrockt haben.‘

Die EuropĂ€er ducken sich weg. Und Merz liefert Donald Trump die Vorlage, nun genauso zu sagen, dass ihn die Ukraine nichts angeht. Schließlich gehört die auch nicht zur NATO und er hat andere Sorgen. Die Inder dagegen, die gar nicht mit den USA verbĂŒndet sind, schicken Schiffe, um ihre Tanker durch die Straße von Hormus zu geleiten. Die Route offen zu halten, ist fĂŒr sie kein aggressiver Akt, fĂŒr den sie sich entschuldigen mĂŒssen, sondern ein Gebot der Selbsterhaltung.

Merz bezweifelt stattdessen nach nicht mal 14 Tagen erfolgreicher EntwaffnungsschlĂ€ge, dass es gelingen kann, das Ende der iranischen FĂŒhrung ‚herbei zu bomben‘. Als ob es allein darum ginge. Er drĂ€ngt auf Diplomatie, ganz im Geiste Klaus Kinkels, der einst eben jenen ‚kritischen Dialog‘ mit dem Ayatollah-Regime lostrat, der dahin fĂŒhrte, wo wir heute sind. Bei Beginn des Krieges besaß Iran grob geschĂ€tzt 3000 Raketen und zwei Millionen Drohnen. Damit kontrollierte es die Straße von Hormus und die arabische Halbinsel und bedrohte weite Teile Nordafrikas und Europas. Mehr vorauseilende Nachsicht ist suizidal. Aber wenn man Kotaus vor den Mullahs hinlegen und die USA nachhaltig verprellen möchte, um damit sowohl der Ukraine wie sich selbst einen echten BĂ€rendienst zu erweisen, machen Merz und Pistorius alles goldrichtig.

Fragt sich nur, was aus ihrer Sicht ein Wert sein könnte, fĂŒr den die Nation so einsteht. Kann Europa sich leisten, die atomare Bewaffnung des Irans weiter zu ignorieren? Von der Linkspartei ĂŒber GrĂŒne und SPD bis hin zur AfD sind sich da anscheinend alle einig: Die durch Israel ferngesteuerten Amerikaner verletzen ‚flagrant‘ das Völkerrecht. Sie riskieren, die Welt in den Abgrund zu reißen. Diese Deutung verdreht wie gewohnt Ursache und Wirkung. TatsĂ€chlich rĂŒckte der Iran die Welt immer dichter an den Höllenschlund heran. Aktuell sind die USA und Israel gerade dabei, sie ein StĂŒck weit zurĂŒck auf etwas weniger heikles Terrain zu zerren.

Eventuell fĂŒhrt das Völkerrecht sich selbst ad absurdum, wenn es einem religiös-totalitĂ€res Regime hilft bergeweise Mordwerkzeug zu horten, um Nachbarn zu erpressen. Beharrt solch ein Staatsgebilde darauf, sich mit atomaren Sprengköpfen auszustatten, und darf man davon ausgehen, dass es die nutzen will, um die Bewohner eines 2000 Kilometer weiter westlich gelegenen Landes namens Israels auszulöschen, sollte man es davon abhalten, seine PlĂ€ne umzusetzen. Völkerrecht hin oder her.

Dummerweise ist Armageddon fĂŒr schiitische Kleriker kein Horror, sondern eine Verheißung. Nicht jeder muss sich mit der Zwölfer-Schia und den 14 Unfehlbaren oder dem MĂ€rtyrertod des Prophetenenkels bei Kerbela und der Aschura am zehnten Tag des Muharram auskennen. Es reicht zu wissen, dass die AnhĂ€nger der ‚Partei Alis‘ glauben, dass ihr zwölfter Imam vor ĂŒber tausend Jahren als Knabe zu Gott entrĂŒckt wurde. Offiziell ist dieses Kind das wahre Staatsoberhaupt der islamischen Republik, zumindest laut Artikel fĂŒnf der Verfassung. Vertreten wird es durch den obersten religiösen FĂŒhrer. Als ‚Mahdi‘ des Propheten soll es nach einer Phase harter PrĂŒfungen als Erlöser auf die Erde zurĂŒckkehren. Dort errichtet es nach dem Endsieg ĂŒber alle AbtrĂŒnnigen das Reich göttlicher Gerechtigkeit.

Iranische GlaubensfĂŒrsten sehnen sich also nach dem Weltuntergang, und sie tun alles, um das Ereignis möglichst zĂŒgig herbeizufĂŒhren. Neben dem Hass auf Juden ist das der Kern ihrer Heilslehre. Dass sie sich oft pragmatisch verhalten, steht dazu in keinem Widerspruch. Man darf es nur nicht mit dem westlichen VerstĂ€ndnis von ‚Vernunft‘ verwechseln.

Nachdem Ruhollah Khomeini 1979 die Revolution kaperte, mutierten die USA zum ‚großen Satan‘ und Israel zum ‚kleinen Satan‘. StĂ€ndig predigte er den ‚Tod Amerikas‘. In der Folge starben zahllose Menschen durch seinen religiös inspirierten Terror. Von der Geiselnahme in Teheran ĂŒber die Massenmorde von Beirut und Nairobi oder das Hamas-Pogrom vom 7. Oktober traf es auch zig US-BĂŒrger. Bevor man sich also ĂŒber den Bruch des Völkerrechts durch die USA und Israel erhitzt, darf man sich klarmachen, dass das Mullah-Regime seit Jahrzehnten Krieg gegen die USA, Israel und den Westen fĂŒhrt. Es hat nie vor Attentaten, Mordaufrufen und Fatwas zurĂŒckgeschreckt und trotz anderslautender LĂŒgen stets hartnĂ€ckig an seinen Weltuntergangswaffen gebastelt. Selbst Trump war ein Ziel. Nur wer am al-Quds-Tag hartnĂ€ckig wegsieht, kann sich das schönreden. Vielen Linken gelingt das. So lehnte der jetzige BundesprĂ€sident es 2016 zwar ab, den ‚Hassprediger‘ Trump zu dessen Wahlsieg zu beglĂŒckwĂŒnschen, aber beeilte sich danach wiederholt, den Ayatollahs zum Jahrestag ihrer blutigen Machtergreifung zu gratulieren.

Ich bin nicht ganz so masochistisch und denke an die vielen Toten und das Leid, das die Mullahs ĂŒber den Iran und den Rest der Welt gebracht haben, von dem auch wir einen Gutteil abbekommen haben, ob nun direkt oder indirekt.

NatĂŒrlich handeln die USA nicht aus reiner NĂ€chstenliebe. Doch die Empörung, die viele erfasst, ist seltsam selektiv. All die, die sich heute aufs Völkerrecht berufen, hat nie gestört, dass der Iran islamofaschistische Mordbanden wie die Hisbollah, Hamas oder Huthis mit Geld und Raketen pĂ€ppelte und Angriffe auf muslimische, jĂŒdische und christliche Menschen weit ĂŒber den Nahen Osten hinaus sponserte. NatĂŒrlich gibt es viele gute GrĂŒnde, die Folgen des Krieges zu fĂŒrchten. Einer davon ist die Aussicht, dass der Einfluss der Revolutionsgarden noch wĂ€chst. Die sind ein gigantischer UnterdrĂŒckungsapparat, der militĂ€risch, wirtschaftlich und politisch an das SS-Imperium in Nazi-Deutschland erinnert. Doch die Alternative ist weit verstörender: Ein Mullah-Regime, dass ĂŒber Atomsprengköpfe verfĂŒgt.

Dem hat die tapfere EU neben Frank-Walter Steinmeiers ‚Atomabkommen‘ außer warmen Worten nichts entgegenzusetzen. Trotz des Mordens in der Ukraine glaubte sie bis vor kurzem immer noch, sich im Windschatten der USA auf ihrer ‚Friedensdividende‘ ausruhen zu können. Irans ballistische KapazitĂ€ten reichen bis Berlin. An der aktuellen ‚Performance‘ des deutschen Kanzlers lĂ€sst sich ablesen, wie windelweich die europĂ€ische FĂŒhrung auf Erpressung durch den Iran reagieren wĂŒrde. Doch statt den Amerikanern und Israelis dafĂŒr dankbar zu sein, dass sie die ‚Drecksarbeit‘ (Friedrich Merz) fĂŒr uns machen und die durchaus konkrete Gefahr neutralisieren, begeistern sich europĂ€ische Politiker nun fĂŒr Völkerrecht und Diplomatie. So, als hĂ€tten sie nie von Neville Chamberlain und dessen MĂŒnchner Abkommen mit Adolf Hitler gehört.

Die spanischen Sozialisten, die aus höchst eigennĂŒtzigen GrĂŒnden gesteigerte Sympathien fĂŒr das Mullah-Regime hegen, berufen sich genauso darauf wie Keir Starmer, dessen PopularitĂ€t unter galoppierender Schwindsucht leidet und der trotz und wegen Rotherham um die Gunst britischer BeutebĂŒrger buhlt. In Deutschland stimmen nicht nur Ralf Stegner und Annalena Baerbock, Sarah Wagenknecht, Alice Schwarzer und Heidi Reichinnek ĂŒberein, auch Alice Weidel und Tino Chrupallah finden: Die Amerikaner und Israelis sind ‚verantwortungslos‘ und treten ‚gĂŒltige Rechtsnormen mit den FĂŒĂŸen‘. An der Stelle purzelt auch die Brandmauer und Pistorius wie Merz stimmen in das Geblöke ein.

Die Mullahs selbst zeigen herzlich wenig Interesse an zivilisierten Normen. Gleichwohl ist es ihnen mit chinesischer UnterstĂŒtzung gelungen, sich Einfluss auf eben die internationalen Gremien zu sichern, die besonders lautstark gegen die USA und Israel wettern. Knapp einen Monat nach Hamas-Überfall auf Israel ĂŒbergaben die Vereinten Nationen Iran im November 2023 den Vorsitz des Menschenrechtsforums. Die notorische Francesca Albanese landete auf dem Posten der UNO-Sonderberichterstatterin fĂŒr PalĂ€stina. Karim Ahmad Khan klagte den israelischen Staatschef Benjamin Netanjahu vor dem Internationalen Strafgerichtshof an, und unter Beihilfe deutscher Diplomaten wie des UN-Botschafters Christoph Heusgen konnte Iran Israel Dutzende Male in verschiedensten UN-Versammlungen verurteilen lassen.

All das geschah ohne nennenswerte Empörung der HĂŒter des Völkerrechts. Obschon auch denen bekannt sein dĂŒrfte, dass die Mullahs gern renitente Frauen und Schwule an fahrbaren BaukrĂ€nen aus norddeutscher Fertigung strangulieren.

TatsĂ€chlich braucht man weder Benjamin Netanjahu zu lieben noch Donald Trump eine dritte Amtszeit zu wĂŒnschen, um zu begreifen, dass die Amerikaner und Israelis gerade das einzig Richtige tun. Sicher, weder noch sind Altruisten. Sie verfolgen eigene Interessen. Trotzdem kommen ihre Aktionen dem gesamten Nahen Osten und Europa zugute. Wenn sie verhindern, dass die Mullahs an Atomwaffen gelangen, profitieren alle, nicht zuletzt die Perser, und eine muslimische Welt, die endlich von dem durch krankhaften Judenhass kĂŒnstlich am Kochen gehaltenen ‚PalĂ€stina-Konflikt‘ befreit wĂ€re, wĂŒrde immens gewinnen und gewĂ€hrte auch den EuropĂ€ern die Chance, sich auf sich selbst zu besinnen.

Gewiss, all das kann auch grandios schiefgehen. Kriege neigen dazu selten wie geplant zu verlaufen. Die Hoffnungen derer, die sie so anzetteln, gehen selten auf. Fragt sich nur, wer diesen Krieg eigentlich angezettelt hat. Nach meiner Zeitrechnung begann er spĂ€testens am 7. Oktober 2023, aber vielleicht wollte Xi Jinping auch Trump eine Falle stellen und ihn zum Handeln zwingen, indem er signalisierte, dass er Hyperschallwaffen an Iran liefern wĂŒrde.

Gleichwohl: Was wĂ€re die Alternative? Sollte Israel abwarten, bis die persischen Kleriker ihr RĂŒstungsprojekt abgeschlossen haben und die RĂŒckkehr des Mahdis einleiten? Seit 47 Jahren sieht die Welt zu, wie die religiös lackierten Tugendterroristen alle Frauen in Iran, die sich weigern, Tschador zu tragen, erniedrigen, schlagen, verhaften und totprĂŒgeln. An nur zwei Tagen im Januar töteten sie Zehntausende, die dagegen aufbegehrten.

Im kulturrelativistischen Europa gilt es als schick, jeden Konflikt durch die Linse moralischer Äquivalenz zu betrachten. Doch eventuell macht es einen Unterschied, ob die US-Regierung illegale Einwanderer festnimmt und abschiebt oder das Mullah-Regime protestierende BĂŒrger von Söldnermilizen abschlachten lĂ€sst. Denn es gibt echte Barbaren und wirkliche KrĂ€fte des Bösen. Zugleich muss nicht jeder, der dagegen antritt, makellos und edel sein. Weder Trump noch Netanjahu sind Heilige. Aber wo die Alternative absolut katastrophal ist, ist weniger ĂŒbel in der Regel besser. Selbst der kluge Winston Churchill hatte kein Problem damit, sich ab dem Sommer 1941 mit dem Hitler-Partner und Massenmörder Josef Stalin zu verbĂŒnden.

Reden panische EuropĂ€er nun von einem dritten Weltkrieg, blenden sie den Überfall auf die Ukraine und das Hamas-Pogrom aus. Abgesehen von höheren Spritpreisen mĂŒssen sie bisher nicht bluten. In Israel scheuchen die Raketen der Iraner und der Hisbollah die Leute tĂ€glich in die Keller. In Iran haben die Mullahs aus Angst vor AufstĂ€nden die zivile Kommunikation gekappt, so dass Menschen ihre Liebsten nach Angriffen nicht mal mehr kontaktieren können.

Klar, das dicke Ende kann noch kommen. DafĂŒr spricht einiges. Angela Merkels grenzenlose Offenheit hat unseren Kontinent fĂŒr genau die Art Terror verwundbar gemacht, die Teheran weltweit verbreitet. Doch falls das passiert, ist es nicht die Schuld der Amerikaner, sondern inspiriert von Leuten wie Mohammed Amin al-Husseini, Khomeini und Edward Said. Es ist die Frucht des Hasses, den Islamisten und postmoderne Linke lĂ€ngst zu einer Ideologie gegen den Westen verschmolzen haben.

Gewaltsam Übel zu verhindern, ist immer ein Dilemma. In ‚Der Belagerungszustand‘ lĂ€sst Albert Camus seinen Helden Diego zu der despotischen ‚Pest‘ sagen: „Ich kenne das Rezept. Man muss töten, um den Mord zu beseitigen, man muss Gewalt ĂŒben, um das Unrecht abzuschaffen. So geht das seit Jahrhunderten! Seit Jahrhunderten lassen Herrscher deiner Art die Wunden der Welt schwĂ€ren, die sie angeblich heilen wollen, stattdessen preisen sie ihr Rezept, weil sie niemand auslacht.“ Stimmt. Doch wo sich der Horror lĂ€ngst entfaltet, sind derlei Debatten akademisch. Da gilt es, den Schaden zu begrenzen.

Einmal im Besitz von Hyperschallraketen vermag der Iran auch FlugzeugtrĂ€ger und andere strategische ‚Assets‘ der USA auszuhebeln. Damit hat er nicht nur die arabische Halbinsel im Griff, er kann Europa angreifen, und die globale Machtbalance verrutscht zugunsten Chinas. Dann sind die USA als Ordnungsmacht abgemeldet, und die Chinesen, die schon heute 90 Prozent des persischen Erdöls kaufen, könnten die Energieversorgung der Welt weitgehend steuern. Deshalb stĂ€rkt Xi Jinping den Iran und hat extra einen Exporthafen außerhalb der Insel Charg errichten lassen.

FĂŒr uns wĂ€re ein atomar aufgerĂŒsteter Iran weit mehr als ein penetrantes, regionales Ärgernis, das stĂ€ndig Israel piesackt. Insofern spielt Xis strategischer Ehrgeiz fĂŒr den Hintergrund des aktuellen Konflikts keine ganz kleine Rolle. Trotzdem landen alle Schuldzuweisungen stets bei den Israelis und Amerikanern. Kritiker wie Richard David Precht fĂŒhren den vom CIA forcierten Sturz des Premiers Mohammad Mossadegh und die Wiedereinsetzung des Schahs 1953 an. Das war tatsĂ€chlich ein tragischer Fehler, der die GlaubwĂŒrdigkeit des Westens nachhaltig erschĂŒtterte und dem Triumph der Mullahs 25 Jahre spĂ€ter den Boden bereitete. Doch die Ereignisse spielten sich in einer heißen Phase des Kalten Krieges ab: Im Juni 1953 schlugen Hunderte sowjetischer Panzer den Volksaufstand in der DDR nieder und Krieg in Korea endete mit einem blutigen Patt. Auf den Iran hatte die Sowjetunion schon lĂ€nger ein Auge geworfen, wobei die stalinistische Tudeh-Partei eine ungute Rolle spielte. Nichts davon entschuldigt die Fehler des Westens, doch es rĂŒckt das damalige Drama in ein anderes Licht, und auch heute darf man gern mal darauf gucken, wie sich die Mit- und Gegenspieler denn so verhalten.

FĂŒr die Staatschefs Chinas, Russlands und Irans sind die Vereinigten Staaten der Hauptfeind. Xi Jinping macht keinen Hehl aus seinem Ehrgeiz China bis 2049 die globale Vorherrschaft zu sichern. Muss er dazu den Mullahs Mordwerkzeug liefern oder eine Million Uiguren in Lager sperren, fein. Wladimir Putin will das russische Imperium wiederherstellen. Ob fĂŒr seine Vision zwei oder drei oder fĂŒnf Millionen MĂ€nner sterben mĂŒssen, ist ihm egal. Weder Xi noch Putin scheren sich um Völkerrecht und internationale Ordnung, auf die feinfĂŒhlige EuropĂ€er seitens der USA nun so großen Wert legen.

Gewiss war das EntfĂŒhren des Chamenei-Freundes NicolĂĄs Maduro auch nicht stubenrein. Aber es war ein klares Signal gegenĂŒber China und Russland. Es schob ihrem Einfluss in Venezuela und Lateinamerika einen Riegel vor. Der aktuelle Entwaffnungskrieg gegen Iran dient genauso dem ‚EindĂ€mmen‘ chinesischer Ambitionen. Er soll den ‚Feuerring‘ auf der arabischen Halbinsel zerschlagen und die Blockaden beiseite rĂ€umen, die die Mullahs den ‚Abraham-Accords‘ in den Weg gelegt haben.

GrundsĂ€tzlich ist das Völkerrecht eine gute Idee. Verlangt es jedoch nur Fairness von denen, die sich ohnehin an Regeln halten, schĂŒtzt es bloß Barbaren. In den letzten Jahrzehnten war der Westen nicht willens, die liberale Weltordnung zu verteidigen. Angesichts seiner stĂ€ndig beschworenen SĂŒnden wich er schuldgebeutelt stets und ĂŒberall zurĂŒck. Er zog Appeasement, Nachgiebigkeit und höfliches Bitten vor. Trump bricht mit diesem Muster, weil er begriffen hat, dass der KlĂŒgere nur so lange nachgeben kann, bis er der Dumme ist. Also gibt er den RĂŒpel und versucht das Versagen der Biden- und Obama-Jahre auszugleichen. Er zeigt Xi und Putin, dass er geostrategisch genauso rĂŒde vorgehen kann wie sie. Aus Sicht sensibler EU-Seelen ist sein Vorgehen brutal und ohne jede Raffinesse. Fragt sich, ob man bei Xi, Putin oder Chamenei unbedingt durch Kultiviertheit punktet. Mitunter gehören auf grobe Klötze grobe Keile. Bismarck, Churchill und Adenauer waren auch nicht immer nur lieb.

Anders als die selbstverliebten europĂ€ischen ProvinzfĂŒrsten sieht Trump, wie es fatal wĂ€re, wenn es China gelĂ€nge, Iran in einen atomaren ‚Proxy‘ zu verwandeln. Denn das wĂŒrde die globale Machtbalance so dauerhaft wie endgĂŒltig zu Ungunsten des Westens zu verschieben, die chinesische Vormachtstellung zementieren, das Ende Israels einleiten und das ohnehin schon schwache Europa der WillkĂŒr der Mullahs ausliefern. Das will er aufhalten. Solange er es noch aufhalten kann. DafĂŒr geht er ein erhebliches Risiko ein, weil er weiß, dass es dabei langfristig um die Zukunft der USA geht.

Golf war noch nie meine Welt und Trumps Wortwahl ist mir nicht immer nur sympathisch. Aber als EuropĂ€er bin ich parteiisch und dankbar fĂŒr jeden Politiker, der meine Interessen vertritt. Ich wĂŒnsche mir eine halbwegs selbstbestimmte Zukunft fĂŒr mein Land. Anders als Herr Merz möchte ich mich nicht vom Wohlwollen der Mullahs abhĂ€ngig machen. Ich will weder in der spĂ€t-maoistischen noch in der neo-stalinistischen MachtsphĂ€re leben, weil ich alt genug bin, um mich noch lebhaft an die DDR zu erinnern. Wenn ich das Los von Ost- und Westdeutschland nach 1945 vergleiche, weiß ich, in wessen Machtorbit ich lieber lebe. Die Amerikaner sind gewiss nicht immer perfekt, aber sie haben ethische Werte, die ich mag und teile. Sie pflegen Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und christliche Traditionen. Sie achten die Rechte des Einzelnen und bedrĂ€ngen keine Minderheiten. Sie respektieren meine Kultur und betrachten sie als wertvoll. Bei Xi, Putin und Chamenei bin ich dagegen sicher, dass sie alles, was mir lieb und teuer ist, zutiefst verachten.

Auch darum verstört mich die neue, deutsche Hufeisen-Allianz. Die Mischung aus links und rechts erweckten Völkerrechtsfans, PalĂ€stina-Freunden und Israel-Hassern duftet streng nach eben dem altvertrauten Brei, der hierzulande stets hochkocht, wenn es gegen ‚amerikanische Plutokraten‘ oder ‚Juden‘ geht. Der speist sich aus Ressentiments, Feigheit, Neid und einer gehörigen Portion Selbsthass. Er schweißt seit jeher die unappetitlichsten KrĂ€fte zusammen, die dieses Land politisch so hervorbringt, und die kommen inzwischen entweder postkolonial islamaffin oder patriotisch neudeutsch daher.

Ich bin gern EuropĂ€er. Meine Wurzeln reichen bis Rom, Athen und Jerusalem, aber ich habe auch nichts gegen heidnische Slawen, Germanen und Kelten. Mit den SĂŒnden des Westens kenne ich mich einigermaßen aus, doch fĂŒr mich werden die Verbrechen meiner Kultur durch die FĂŒlle an Errungenschaften aufgewogen, die der Westen in die Welt getragen hat. Ohne diese VorzĂŒge wĂ€ren die allermeisten seiner Feinde nĂ€mlich gar nicht in der Lage, ihn anklagen und zu attackieren – was nicht zuletzt auch fĂŒr die ‚Shahed-Drohnen‘ gilt, deren VorlĂ€ufer angeblich einst am Bodensee entwickelt wurden.

Der Iran ist eine Jahrtausende alte Kulturnation, die seit einem halben Jahrhundert von einer Horde religiös-faschistischer Barbaren unterjocht wird. Ich wĂŒnsche den Iranern die baldige Befreiung von diesem Fluch, aber vor allem wĂŒnsche ich mir und allen anderen eine Zukunft ohne ihr todesverliebtes Armageddon. Genau dafĂŒr kĂ€mpfen Israel und USA. Statt ihnen in den RĂŒcken zu fallen und so zu tun, als ginge uns dieser Kampf nichts an, sollten wir ihnen unsere Verbundenheit zeigen, indem wir sie wenigstens unterstĂŒtzen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu sichern. Das nicht zu tun, ist erbĂ€rmlich.

Diesen Seeweg zu schĂŒtzen, liegt in unserem ‚vitalen Interesse‘. Aber eigene Interessen ĂŒberhaupt noch zu erkennen und sie mit den Interessen anderer abzustimmen, ist eine Kunst, die wir offenbar verlernt haben.

Nur mal angenommen, Putin und Xi halten sich zurĂŒck und warten ab, bis die Amerikaner ihre Arsenale mit Raketenabwehrwaffen verbraucht haben. Dann schlagen sie im Baltikum oder Taiwan zu. Kreischt dann die EU um Hilfe, wĂŒnscht Trump den EuropĂ€ern viel Spaß und sagt ihnen, es sei ja nicht sein Krieg.

Konfliktscheu hat so wenig mit Prinzipienfestigkeit zu tun wie Dummheit mit höherer Moral. Und Feigheit eine Schande, die sich meist rÀcht. Oft schneller, als man denkt.

Wie weiter in Baden-WĂŒrttemberg?

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von Philipp Lengsfeld und Vera Lengsfeld

Cem Özdemir hat die Wahl in Baden-WĂŒrttemberg knapp gewonnen. Er hat damit das Mandat MinisterprĂ€sident des Landes zu werden und den Amtseid zu schwören: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, Verfassung und Recht wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfĂŒllen und Gerechtigkeit gegen jedermann ĂŒben werde.“

Ein Amtseid, in dem mehrere Sachen nicht vorkommen, um die sich momentan aber alle Diskussionen drehen: „Partei“, „Koalitionsvertrag“, „Blockademauer“ usw. usw.

Das Ergebnis in Baden-WĂŒrttemberg könnte fĂŒr „unsere Demokratie“ nicht schlimmer sein: Die CDU, deren „Strategie“ es war im Schlafwagen an die Macht zu kommen, hatte wohl fest damit gerechnet, dass sich die zukĂŒnftigen unausweichlichen Koalitionspartner nicht zu arg bekĂ€mpfen. Das war doppelt kurzsichtig: Nicht nur, dass ein blass wirkender Manuel Hagel in einem reinen Sympathiewahlkampf gegen den kampferprobten Cem Özdemir keine Chance hatte, die CDU hatte auch heimlich, aber doch hinreichend offen einen Plan B: Deutschlandkoalition mit SPD und FDP. Dass die GrĂŒnen in dieser Ausgangslage die Villa Reitzenstein nach 15 Jahren Winfried Kretschmann-Dominanz nicht kampflos rĂ€umen wĂŒrden, hĂ€tte jeder halbwegs fĂ€hige Wahlkampfmanager der CDU BaWĂŒ wissen können, ja wissen mĂŒssen. Insofern war die sogenannte „Schmutzkampagne“ mit dem Video von der TV-FrĂŒhschoppensendung aus Ulm von Manuel Hagel vor 8 Jahren nicht nur keine Überraschung, sondern eine Trumpfkarte, die die GrĂŒnen ziehen konnten. Insofern ist die menschliche und politische Verletzung und das Beleidigtsein auf Seiten der CDU und Manuel Hagel persönlich zwar verstĂ€ndlich, aber auch ein wenig bigott. „Wie weiter in Baden-WĂŒrttemberg?“ weiterlesen

Wie Friedrich Merz seinen Untergang noch abwenden kann

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Von Philipp Lengsfeld und Vera Lengsfeld

Im Prinzip ist das Merkel VI-Kabinett von Friedrich Merz, die Merz-Ampel, am Ende. Die CDU hat Baden-WĂŒrttemberg nicht gewonnen, in Rheinland-Pfalz droht das gleiche Schicksal. Im September verliert „unsere Demokratie“ Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern (im besten Falle beide) – abgerundet wird das Komplettdesaster durch die Wahl in Berlin, wo Kai Wegner die Stadt entweder an eine linksgefĂŒhrte Rot-Rot-GrĂŒn-Regierung ĂŒbergibt oder (fast noch schlimmer) eine linke Keniaregierung als Wegner II macht.

Das Sondervermögen, die Sonderschulden sind schon fast wegkonsumiert, Deutschland steht vor der Energieinsolvenz, vor eine tiefen Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit, vor einem starken Wohlstandsverlust und einem massivem außenpolitischen und europĂ€ischen Bedeutungsverlust. Die Situation „unserer Demokratie“-Republik erinnert ziemlich an die Situation von Preußen nach Jena und Auerstedt und rund um den Tilsiter Frieden – wenn man gewusst hĂ€tte, was man mit den Preussogermanen macht, wĂ€re die bankrotte Mittelmacht aufgelöst worden. „Wie Friedrich Merz seinen Untergang noch abwenden kann“ weiterlesen