Sechs Punkte, die Anne Frank heute ihrem Tagebuch hinzufügen würde

Veröffentlicht am

von Rabbi Marvin Hier und Rabbi Abraham Cooper, übersetzt von VL

Am Mittwoch, dem 12. Juni wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. Durch ihr Tagebuch wurde sie zum globalen Symbol für die 1,5 Millionen anderen beinahe vergessenen unschuldigen jüdischen Kinder, die von den deutschen Nazis und ihren willigen europäischen Kollaborateuren ermordet wurden.

Wie würde sie heute Ihr Tagebuch aktualisieren? Hier sind sechs Möglichkeiten:

1. Freude über die wunderbare Wiedergeburt ihres geschundenen Volkes in einem demokratischen, jüdischen Staat Israel.

2. Ärger, dass ihr heimatliches Europa vom Hass auf die Juden heimgesucht und dieser Hass von linken Politikern in England und rechten Politikern in Polen instrumentalisiert wird.

3. Schock, dass Synagogen und jüdische Schulen in der ganzen Welt von bewaffneten Wachen geschützt werden müssen. Verzweiflung darüber, dass Jahrzehnte nachdem sie und ihre Familie sich verstecken mussten, viele Juden im 21. Jahrhundert ihre Identität verbergen müssen; nicht irgendwo, sondern in den den Straßen europäischer Hauptstädte wie Berlin und Paris und ja, auch in ihrer Heimatstadt Amsterdam. Kann sich Geschichte wiederholen?

4. Solidarität mit Malala Yousafzai, der jüngsten Nobelpreis-Trägerin, die jungen Mädchen überall auf der Welt Hoffnung auf Bildung und damit eine Zukunft gegeben hat. Traurigkeit, weil Malala heute in England leben muss, weil ihr Leben in Gefahr wäre, sobald sie heimatlichen Boden in Pakistan betreten würde.

5. Verachtung, weil die UNO so wenig tut, um zu verhindern, dass Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen werden, um Märtyrer für religiöse Fanatiker, Werkzeuge für Tyrannen und Schutzschilde für Terroristen zu werden.

6. Vorsichtiger Optimismus und heimlicher Pessimismus, was die Macht des geschriebenen und gesprochenen Wortes betrifft, Veränderungen mit den erstaunlichen Möglichkeiten der Sozialen Medien zu bewirken.
Anne schrieb ihr Tagebuch im Verborgenen, ohne zu wissen, ob jemals jemand ihre geheimsten Gedanken, Befürchtungen und Hoffnungen lesen würde. Heute verbreiten die Sozialen Medien alles Gute, Schlechte, Hässliche, das der menschliche Geist hervorbringen kann.

Jeder, der Anne Franks Tagebuch gelesen hat, hat ein Lieblingszitat. Welches Zitat würde Anne für eine Veröffentlichung auf Facebook oder Twitter auswählen?

Wir glauben, dass in unserer moralisch verwirrten Zeit, in der junge Menschen darum kämpfen, die richtige Wahl zu treffen, in der sie sich fragen, ob irgend etwas, was sie tun, in diesen gefährlich Zeiten etwas bewirkt, Anne diese Botschaft schicken würde:

„Wie wunderbar ist es, dass niemand eine Minute zögern muss, ehe er beginnt, die Welt zu verändern!“

Annes Geburtstag ist der perfekte Moment sich zu erinnern, dass sie diese Worte in Umständen schrieb, in denen sie jeglicher Freiheit beraubt war, in denen ein unschuldiger jüdischer Teenager mit ansehen musste, wie seine Welt zerstört wurde.
Dass sie die Chuzpe hatte zu hoffen, versetzt uns in die Lage, ihre Herausforderung anzunehmen und die Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen, mit einer guten Tat nach der anderen.


Rabbi Marvin Hier ist der Chef und Gründer des Simon Wiesenthal Centers



Unabhängiger Journalismus ist zeitaufwendig

Dieser Blog ist ein Ein-Frau-Unternehmen. Wenn Sie meine Arbeit unterstützen wollen, nutzen Sie dazu meine Kontoverbindung oder PayPal:
Vera Lengsfeld
IBAN: DE55 3101 0833 3114 0722 20
Bic: SCFBDE33XXX

oder per PayPal:
Vera Lengsfeld unterstützen