Der Kollaps der DB geht dem Kollaps von Deutschland voraus

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Am Freitag, dem 26. Juni, habe ich ein (lebens?)gefährliches Abenteuer gewagt. Trotz eindringlichster Warnungen meiner Wetter-App – Warnstufe Rot für hohe Temperaturen, Alarmstufe: Hoch – deutliche Gefahr für Leben oder Besitz – machte ich mich per DB auf den Weg nach Berlin. Um 7 Uhr hatte die Temperatur 19 °C betragen, als ich auf dem Bahnsteig stand, um 10.00 Uhr waren es 22 °C.

Die Einfahrt des Regionalzuges, der mich nach Halle bringen sollte, wurde pünktlich angesagt, der Zug kam aber erst sechs Minuten später. In Halle, wo ich elf Minuten Umsteigezeit hatte, musste ich einen sehr schnellen Schritt vorlegen, um den ICE zu erreichen. Laut Bahn-App sollte der pünktlich sein, war er aber nicht. Laut Anzeige am Bahnsteig sollte er statt 11.12 Uhr erst 14.03 Uhr kommen. Auch der ICE nach Hamburg war mit mindestens 45 Minuten Verspätung angezeigt.

Ich ging also zum Asiaten in der Bahnhofshalle, um Mittag zu essen. Als ich fertig war, stand die als verspätet gemeldete Abfahrt des ICE nach Hamburg kurz bevor. Aber auf dem Bahnsteig bekam ich die Mitteilung, dass der Zug auf Perron 9 in der anderen Halle stand. Ich hetzte hin, der ICE stand auch da, aber keineswegs abfahrbereit.

Ich fand einen Platz zwischen Schülerinnen in einem Waggon ohne Klimaanlage. Erst hatte das Personal diesen Waggon räumen wollen, hätte die Leute in dem vollen Zug aber nicht untergekriegt. Also wurden gratis Wasser und herzförmige Kekse („Für unsere Lieblingspassagiere!“) hingestellt.

Eines der Mädchen war so nett, mir Wasser und Kekse zu holen. Ich versuchte, mir mit meinem Hut Luft zuzufächeln, was wenig wirkungsvoll war. Da erbarmte sich meine Sitznachbarin und wandelte meinen Wasserpack in einen höchst wirkungsvollen Fächer um. Dank des Wedelns mit dem Fächer überstanden wir die Fahrt nach Berlin unbeschadet. Nur lesen hatte ich nicht können, denn das störte bei der händischen Hitzebekämpfung.

Mit nur anderthalb Stunden Verspätung war ich noch rechtzeitig bei meinem Termin, denn zwei Züge früher zu nehmen als nötig, ist seit Langem fester Bestandteil meiner Reiseplanung.

Das Dilemma hatte übrigens in München begonnen. Als der Zug abfahren sollte, stellte man fest, dass der zweite Zugteil gar nicht da war. Es dauerte eine Stunde, bis er gefunden und angekoppelt war.

Mein Termin war schneller zu Ende als vorgesehen. Beschwingt eilte ich durch die Hitze zur U-Bahn, in der frohen Erwartung, zwei Züge früher losfahren und statt nach Mitternacht schon um 22.30 Uhr zu Hause sein zu können.

Es erwartete mich aber am Hauptbahnhof das absolute Chaos. Wegen eines Defekts an einer Weiche in Gesundbrunnen waren alle Züge Richtung München, Nürnberg oder Frankfurt mit Verspätungen bis zu zwei Stunden angezeigt. Bei dem, den ich nehmen wollte, sah es anfangs so aus, als käme er lediglich 20 Minuten später, das änderte sich aber, während wir warteten.

Der Bahnsteig war knüppeldick voll, manche standen seit über zwei Stunden. Es kamen pausenlos Durchsagen: „Information zu ICE …“, die aber keine Information boten, wann wir auf einen Zug hoffen könnten. Alle anderen Züge, die ankamen, zum Beispiel nach Prag oder der Personenzug nach Leipzig, kamen mit großer Verspätung. Der nach Prag stand zehn Minuten, nachdem die Türen bereits geschlossen waren, immer noch da. Zwei Bahnmitarbeiter führten hektische Gespräche mit ihren Handys, bis endlich das Okay für die Abfahrt kam.

Ich stand inzwischen auch schon eine Stunde herum, als mir junge Leute ihren Sitzplatz förmlich aufdrängten. Andere Sitzende folgten diesem Beispiel, und so bekamen mehrere betagte Herrschaften Gelegenheit zum Sitzen. Ich begann inzwischen um meinen Anschluss in Halle zu fürchten. Wenn der letzte Zug Richtung Heimat weg war, was dann?

Da fuhr ein Personenzug nach Zürich ein. Auf der Anzeige stand, dass er auch in Halle halten würde. Ich wusste nicht, ob ich der Anzeige trauen konnte, stieg mit dem Mut der Verzweiflung trotzdem ein. Der Zug war fast leer, füllte sich aber schnell mit gestrandeten Reisenden, die wie ich hofften, irgendwie weiterzukommen. Er fuhr fast pünktlich ab, hielt aber unterwegs an jeder Milchkanne. Vor Bitterfeld verlangsamte er plötzlich sein Tempo und kam sechs Minuten zu spät im Bahnhof an.

In Halle hätte ich elf Minuten Umsteigezeit gehabt. Als wir ankamen, waren es noch fünf Minuten. Mein Anschluss stand in der anderen Halle, weit hinten. Meine App war der Meinung, dass ich es nicht schaffen würde, konnte aber keine Alternative mehr anbieten. Ich hatte nur die Möglichkeit, die Herausforderung trotz der angedrohten Lebensgefahr anzunehmen, rannte durch die Hitze der Nacht und kam mit Herzrasen, aber rechtzeitig an. Ich saß gerade, als der Zug schon anfuhr. Dass er unterwegs stehen blieb, weil sich wegen einer nicht genannten Ursache die Strecke auf ein Gleis verengt hatte und sich ein Zugstau gebildet hatte, störte mich nicht weiter. Hauptsache, ich kam schließlich an.

Als ich im Auto saß, mit dem ich den Rest der Strecke bewältigte, war es nach Mitternacht. Im MDR Kultur lief die Sendung für Nachtschwärmer, die ich noch nie gehört hatte, denn ich liege um 23.00 Uhr im Bett. Der Vollmond schien durchs Fenster, der Moderator plauderte mit Hörerinnen, die ihn angerufen hatten. Eine erzählte, dass sie in ihrer Wohnung in Leipzig 31 °C gemessen hätte, aber ihr bester Freund, der Ventilator, ihr beistehe. Sie hatte von der Kampagne, die gegen Ventilatoren läuft, noch nichts mitbekommen.

In den Nachrichten wurde gemeldet, dass Rettungskräfte Menschen aus ihren überhitzten Wohnungen befreien mussten. Die hatten wohl das Gebot, keinen Ventilator einzusetzen, strikt befolgt.

In Deutschland ist es ja auch möglich, dass man eine Krankenstation, in der Patienten liegen, die sich von einer Herz-OP erholen, auf 38 °C aufheizen lässt. Während die Herzpatienten dem hilflos ausgeliefert sind, hätten die Wohnungsinhaber sich selbst helfen können: Vorhänge zuziehen und befeuchten, Waschbecken oder Badewanne mit kaltem Wasser füllen, feuchte Tücher im Zimmer aufhängen, kalte Unterarmbäder machen. Das habe ich von meiner Großmutter gelernt, die noch keinen Ventilator hatte.

Stattdessen habe ich den fatalen Eindruck, dass es möglichst viele Hitzeopfer geben soll, damit die gescheiterte Klimapolitik, die von der Bevölkerung immer weniger akzeptiert wird, weitergeführt werden kann.

Nach der DB konnte man 1988 noch die Uhr stellen. Heute ist sie ein dysfunktionales Unternehmen, das ein Menetekel für den kommenden Kollaps Deutschlands ist, wenn nicht endlich die ideologische Politik durch eine Politik der Vernunft ersetzt wird.



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