Konflikte statt Versöhnung

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Sehr geehrte Herren vom Verein “House of One”,

soeben las ich in einem Beitrag von rbb24 die Meldung, dass heute in Anwesenheit von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, der Grundstein für das “House of One” gelegt worden ist.

Das Projekt soll die drei Religionen Islam, Christentum und Judentum unter einem Dach vereinen.

Nun finde ich aber in Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/House_of_One) folgendes: “Es wird kritisch in Frage gestellt, ob das Projekt überhaupt von Vertretern aller drei Religionen mitgetragen wird. Besonders von muslimischer Seite gab es eine „Ablehnung aller relevanten Moscheevereine oder muslimischer Dachverbände“, was letztendlich dazu führte, dass lediglich ein 100 Mitglieder starker, der Gülen-Bewegung angehörender, muslimischer Verein als Träger gewonnen werden konnte. Andere große religiöse Gemeinschaften, allen voran die römisch-katholische Kirche, wurden gar nicht angefragt.”

Damit ist aber die überwiegende Mehrzahl der Berliner Muslime und die Katholiken gar nicht in das Projekt involviert!

Mir als Bürger dieser Stadt kommen starke Zweifel, ob sich die erheblichen Zuwendungen des Steuerzahlers (Geld und Grundstück in Erbpacht) an das Projekt trotz dieser gravierenden Schieflage in der Repräsentanz der Gläubigen und der damit einhergehenden Polarisierung rechtfertigen lassen.

Es leuchtet mir nicht ein, dass ausgerechnet eine “sektenähnliche Struktur mit mangelnder Transparenz”, wie rbb24 schreibt, an diesem einzigartigen historischen Ort Berlins walten sollte.

Es sei daran erinnert, dass Frau Catherine Dussmann ihre Unterstützung für das “House of One” zurückgezogen hatte und zur Begründung sagte: „Ich kann kein Projekt unterstützen, das anstelle Verständigung und Dialog zwischen und innerhalb der Religionen zu fördern neue Konflikte erzeugt“.

In diesem Licht erscheint also das “House of One” als Projekt einer kleinen elitären Gruppe. Es ist, anders als behauptet, ein Projekt der Spaltung und des Konflikts und nicht des Friedens. Die heutige Grundsteinlegung dient also nicht dem friedlichen Zusammenleben in dieser Stadt, sondern ist ein Akt der Dominanz. Sie ist, mit den Worten einer prominenten Politikerin, “ein unverzeihlicher Vorgang, der rückgängig gemacht werden muss”.

Ihrer Stellungnahme sehe ich gespannt entgegen.

Mit freundlichem Gruß,

Dr. Wolfgang Hintze

Anhang:

Ausschnitte aus dem rbb-Artikel:

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/05/berlin-grundsteinlegung-house-of-one-religionen.html

“… Etwas schwieriger war die Suche nach dem muslimischen Partner. Die größeren Moscheeverbände wie die DITIB und die Islamische Föderation ließen sich nicht von der Idee überzeugen, schließlich fand sich mit dem Forum Dialog ein Verein, der zur Hizmet-Bewegung um den türkischen Prediger Fethullah Gülen gehört.

Dass der muslimische Partner zur Hizmet-Bewegung gehört, war jedoch von Anfang an einer der Hauptkritikpunkte an dem Projekt. Dem Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen, das bundesweit vor allem Schulen und Nachhilfeeinrichtungen betreibt, werden sektenartige Strukturen und mangelnde Transparenz vorgeworfen. In der Türkei gelten die Gülen-Anhänger als Drahtzieher des Putschversuches 2016. Daher gab es immer wieder Zweifel, inwieweit das Projekt auch von anderen Muslimen getragen wird oder eher polarisiert.”



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