Der politisch erzeugte Lehrermangel in der aktuellen Bildungsmisere

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Was geschieht mit fertig ausgebildeten Junglehrern?

Ein Leserbrief

Sehr geehrte Frau Lengsfeld,

mit großem Interesse lese ich seit Jahren Ihre Artikel und auch die unter achgut.com. Ich bin eigentlich kein “Leserbriefschreiber” aber heute muss ich dies einfach spontan tun. Lehrer werden überall händeringend gebraucht, so äußern sich ja auch Medien (ARD Themenwoche, Tageszeitungen) und Politik, aber sie werden im Gegensatz zu den Verlautbarungen nicht gesucht. Denn es ist ja so: Nach Bachelor, Master und einer Ochsentour an 18-monatigem Referendariat, ausschließlich in Brennpunktschulen irgendwo fern der Heimat oder des Ortes, wo man gerne arbeiten würde, muss der nun treue Staatsdiener sich geradezu unbeschreiblich schinden und schinden lassen.

 

Wer nach abgeschlossenenm Studium mit bestnote denkt: “Super – ein toller neuer Junglehrer bekommt überall eine Stelle”, fehlt weit: Das Fazit hier ist: Er würde dringend gebraucht aber es werden keine Stellen ausgeschrieben. Große Teile der fertig gewordenen Junglehrer bekommen KEINE Stelle! Sie wundern sich? Es werden Quereinsteiger eingestellt! Dem dummen Volk wird verkauft, dass es keine Lehrer gäbe und nur so dem Notstand entgegengetreten werde könne. Sie sind viel billiger als ein Pädagoge nach min. 6,5 Jahren Ausbildung. Dieser wird schnell über die Sommerferien “qualifiziert” und dann direkt auf die lieben Schüler, auch gerne als Klassenlehrer, losgelassen. Das Gehalt entspricht nicht mal 2/3 eines Lehrergehaltes und sie können sogar über die Sommerferien entlassen werden (dem Arbeitsamt sei Dank). Das spart enorm Geld. Dies macht man dann ein paar Jahre und wenn sie fest angestellt werden müssen, wohlgemerkt zu niedrigerem Gehalt als ein Lehrer, werden sie ganz entlassen, damit genau das nicht passieren muss. Nach 2 Jahren meldet man sich dann wieder bei diesem Aspiranten, denn dann kann das Spiel von vorne beginnen.

 

Was der in der Zwischenzeit macht interessiert ja eh niemanden. Zurück aber zu unseren vielversprechenden und gut ausgebildeten Junglehrern: Die suchen verzweifelt nach Stellen und jetzt endlich dämmert ihnen, was in Deutschland bereits Usus ist. Sie werden weiter jahrelang hin und her geschoben und führen logischerweise ein recht unwürdiges Leben als bestenfalls Vertretungslehrer mit ebenfalls entsprechend niedrigem Gehalt von 2/3 einer Beamtenstelle. Oft werden sie selbst dafür nicht eingestellt, denn sie erhalten die Antwort, dass sie ja fertig ausgebildet seien und entsprechend entlohnt werden müssten. Dazu geben die örtlichen Schulämter keine Erlaubnis. Sie landen dann auch schon mal auf Stellen als schlechtest bezahlte pädagogische Mitarbeiter und putzen weiter Klinken und versuchen die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht aufzugeben. In der Zeit werden aber ganze Jahrgänge von Kindern nicht halbwegs adäquat unterrichtet, obwohl es möglich wäre. Das ist es, was unsere Kinder und unsere Bürger der Politik wert sind! Erzähle ich das in meinem Bekanntenkreis, ernte ich verständnislos Blicke, als würde mit mir etwas nicht stimmen. Ich hoffe Deutschland wacht noch rechtzeitig auf!

Mit freundlichem Gruß!



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