Identitätsverzicht als Verbrechensprävention

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Wie das Bekenntnis zur eigenen Identität zur Ursache für Verbrechen mutiert

von Gastautor Josef Hueber

„Die tödliche Attacke […] auf einen achtjährigen Jungen
kann kein Beleg dafür sein, dass die deutsche Flüchtlings-
und Sicherheitspolitik gescheitert ist.“
(NZZ, Benedict Neff, Berlin)

Das abscheuliche Verbrechen am Frankfurter Hauptbahnhof gehört noch nicht zu den Nachrichten von gestern, die bald wieder vergessen sind, Gottseidank! Bei der offiziellen, von „Experten“ vorgenommenen Ursachenanalyse fällt auf, dass die Fehler der Politik nicht benannt werden. Auch der kulturelle Hintergrund des Täters im Hinblick auf Gewalt steht nicht im Zentrum der Analysen.
Eine neuartige These, veröffentlicht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 30. Juli, tritt auf den Plan: Die leidenschaftliche Debatte über Migration sowie die vorgenommene Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausländern könnte ein Motiv für Terror dieser Art sein. Die Gegner der außer Kontrolle geratenen Zuwanderung als die eigentlich Verantwortlichen für Terrorismus in Deutschland?

Zum mörderischen Anschlag auf das 8-jährige Kind und seine Mutter am Frankfurter Hauptbahnhof wurden und werden wohl weiterhin Analysen angestellt. Eine von wässriger Substanz wurde auf diesem Blog bereits vorgestellt.

DIE BERUHIGUNGSPILLE ”WAHRNEHMUNGSVERZERRUNG“
Die Neue Zürcher Zeitung jüngsten Datums präsentiert ein Interview, dessen Kernaussage vorgeblich zum besseren Verständnis der Verbrechensursache dient, was aber, wie man gemeinhin sagt, dem “Fass den Boden ausschlägt.”
Ulrich Wagner, Lehrstuhlinhaber für Sozialpsychologie und Konfliktforschung an der Universität Marburg, gibt eine erstaunliche Erklärung zum besten. (zitiert nach NZZ v. 30.7.2019) Zunächst will er beruhigen.
Nachdem der Leser von einer zu geringen statistischen Datenlage hinsichtlich einer erkennbaren Zunahme derartiger Vorfälle erfährt, kommt der Forscher zu dem Schluss:  ”Bei der gefühlten Zunahme handelt es sich demnach um eine Wahrnehmungsverzerrung.” Statistisch, so lernen wir, ist dieses Verbrechen also nicht wirklich relevant.

BEDENKLICH: IN DEUTSCHLAND DEUTSCHER ZU SEIN
Und hier gilt es bei der Lektüre des Artikels in der Schweizer Zeitung zunächst tief Luft zu holen. Des Professors Erklärung für das Verbrechen sieht die Ursache nämlich nicht in dem kulturellen Hintergrund des Täters, sondern eher in einer von uns Deutschen (!) verursachten und damit – in logischer Konsequenz – von uns verschuldeten Atmosphäre der ”Ausgrenzung“. Die terroristischen Mordanschläge, so Wagner, könnten “mit der emotional aufgeladenen Debatte über Migration zusammenhängen.” Zitat im besagten Artikel: Das ständige Artikulieren der Gruppenzugehörigkeit von Einheimischen und Ausländern ist gefährlich“. Dadurch „finde eine ‘Dehumanisierung’ der fremden Gruppe statt, die solche Taten überhaupt erst ermögliche.”

DIE WAHREN SCHULDIGEN SIND GEFUNDEN
Originell ist die These nicht. Sie passt in die beliebte Täter-Opfer-Umkehrungslogik. Politisch zweckdienlich ist sie freilich schon. Denn diejenigen, welche die Debatte“ in der Flüchtlingsfrage emotional aufladen“, sind doch wirklich jedem bekannt, auch wenn sie der Experte nicht ausdrücklich nennt. Sie sitzen im Bundestag, und ihre Anhänger heizen in Internetforen kräftig ein.
Wie schreibt ein Twitterer? ”Die unerträgliche Hetze im Zusammenhang mit dem Kindermord am #FrankfurtHbf zeigt einmal mehr: diese Partei bewegt sich außerhalb des demokratischen Konsens.“
Fragt sich, wer das Verbrechen wirklich instrumentalisieren möchte.



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