Jäger und Gejagte / Treiber und Getriebene

Veröffentlicht am

von Gastautor Josef Hueber

Es war einmal eine Zeit, in der es unvorstellbar war, dass Unkenntnis die treibende Kraft der Politik war. Entscheidungen aufgrund von Ignoranz galten als Schildbürgerstreiche, wenn man, wie im Märchen, mit Säcken Licht ins Rathaus tragen wollte. In Deutschland scheint sich das Märchen zu wiederholen. Allerdings ist es jetzt nicht mehr zum Lachen. Ignoranz treibt nämlich die Politik in Umwelt- und Energiefragen vor sich her. Da nützt die Physik-Promotion unserer Kanzlerin nichts mehr.

DIE DROHUNG WIRD WAHR – ANDERS, ALS GEDACHT


„Wir werden Frau Merkel jagen” war der Kraftspruch von Alexander Gauland nach dem Wahlerfolg der AfD bei der Bundestagswahl 2017. Wer die Kanzlerin länger beobachtet hat, weiß, dass sie – ihrer blindgläubigen, machtversessenen Gefolgschaft bewusst und ihr vertrauend – Kritik ablaufen lässt wie eine britische Barbour-Jacke Regen. Dass sie jetzt von jemandem gejagt wird, den sie damals ob seiner Bedeutungslosigkeit nicht mal angesehen hätte – davon hätte sie sich wohl nicht träumen lassen. Die Rede ist von Greta Thunberg und ihrer deutschen Kopie: Luisa Neubauer.

KINDER SIND NICHT DUMM – SIE NUTZEN DIE DUMMHEIT DER ERWACHSENEN

Wie sehr diese jungen Dinger Unruhe, bis hin zur Unterwerfung, in die politisch bisher machtgesättigte Nomenglatura hineingetragen haben, zeigt folgender kurzer Twitter- Dialog zwischen Neubauer und Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, auf dem Zwitscherkanal Twitter.
Der Allesverteidiger der Hü-hott-Politik seiner Majestät, Peter Altmaier, Allzweckwaffe mit Gummikern, entblödet sich nicht, Jungpubertären auf Twitter Rede und Antwort zu stehen, als hätte er genügend Zeit, sich mit hochgradig inkompetenten Wissenschaftsignoranten zu beschäftigen.

HÖREN WIR REIN !
Luisa Neubauer
meckert: “Hi @peteraltmaier, vielleicht machen Sie Ferien. Wir nicht. Denn die Zeit rennt und so streiken wir die 32. Woche vor Ihrem Ministerium. Denn Ihnen scheint es an Tatendrang zu mangeln.
Oder Verständnis dafür, dass Sie am Zug sind. Oder woran hakt es? Der Hitze? #FridaysForFuture”

Peter A. , der, gemäß Profilbeschreibung, 965 Twitterern folgt und bekennt: “Alle Tweets von mir und meine Meinung” , nimmt sich die Zeit, der Aktivistin mit Eierschalen hinter den Ohren zu antworten:

Altmaier, jovial und anbiedernd auf Jugendsprache abfahrend:
“Hi, die Bundesregierung macht keine Ferien, wir arbeiten am Thema CO2-Bepreisung. ( = Steuer Anm.d. V.) Außerdem am Kohleausstiegs- und am Strukturstärkungs-Gesetz. Ab September dann die Entscheidungen in Regierung und Parlament. All denen, die heute mal nicht demonstriert haben: schöne Ferien!”

Was dem Massiven, Merkels Festung in der Brandung, offensichtlich egal ist: Der Verstoß gegen das Gesetz zur Schulpflicht wird väterlich dickhäutig abgefedert: “Mal nicht demonstriert” – Aber : “schöne Ferien” haben sie trotzdem verdient!

Luisa fällt freilich nicht auf ihn herein:
“Was für eine Ansage. Man könnte fast meinen Sie meinen es ernst. Fyi – der nächste Großstreik findet am 20.9. statt. Wäre absolut okay wenn wir dann erstmalig von politischen Entwicklungen berichten könnten, die tatsächlich Paris entsprechen.”

NOCH BEI SINNEN? PLATON WUSSTE ES SCHON, DASS…
Es ist eine Blamage, dass Politiker sich nicht entblöden, jeder Hinzin und Kunzin ohne Ahnung von irgendwas Rede und Antwort zu stehen, um nichts an Popularität und dann “nachhaltig“ alles an Entscheidungsauthorität zu verlieren.

Platon, der griechische Philosoph hat vor über zweieinhalbtausend Jahren prophetisch analysiert, was ein aus der Ordnung geratenes Ungleichgewicht zwischen Jung und Alt bewirkt.

“Wenn es überhaupt schon so weit ist, daß sich die Jüngeren den Älteren gleichstellen, ja gegen sie aufgetreten sind mit Wort und Tat, die Älteren sich aber unter die Jungen stellen und sich ihnen gefällig zu machen versuchen, indem sie ihre Albernheiten und Ungehörigkeiten übersehen oder gar daran teilnehmen, damit sie ja nicht den Anschein erwecken als seien sie Spielverderber, oder auf Autorität versessen; wenn auf diese Weise die Seelen und die Widerstandskraft der Jungen allmählich mürbe werden; wenn sie aufsässig werden und es schließlich nicht mehr ertragen können, wenn man nur ein klein wenig Unterordnung von ihnen verlangt; wenn sie am Ende dann auch die Gesetze verachten, weil sie niemand und nichts mehr als Herrn über sich anerkennen wollen, so ist das der schöne und jugendfrohe Anfang der Tyrannis.”

 



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