Das verdiente Ende eines Willkommens-Symbols in Kassel

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Von Gastautorin Birgit Sauer

Ein Überbleibsel der letzten Documenta – der alle fünf Jahre in Kassel stattfindenden Ausstellung moderner Kunst – war nicht nur das unerwartete Defizit in Millionenhöhe, verursacht durch den Außenstandort Athen. Bereits gegen Ende der Ausstellung im vergangenen September wurde eine Kampagne gestartet, eines der spektakulärsten Kunstwerke dieser Schau auf Dauer in der Stadt zu behalten. Das Kunstwerk, um das es dabei ging, war der rund 16 Meter hohe Obelisk des aus Nigeria stammenden, amerikanischen Künstlers Olu Oguibe. Auf den vier Beton-Außenflächen dieses Monuments waren Metallplatten angebracht, auf denen jeweils in vier Sprachen – deutsch, englisch, türkisch und arabisch – das Bibelwort „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ aus dem Matthäusevangelium aufgeprägt war. Der Standort dieses Obelisken war der zentral gelegene Königsplatz in der Kasseler Innenstadt.

Oguibes Kunstwerk fand breites Wohlgefallen bei der Willkommensfraktion. Forciert durch die Lokalmedien wurde es zu einem zivilreligiös aufgeladenen Symbol der Willkommenskultur: „Für eine weltoffene Stadt wie Kassel kann es kaum ein passenderes Kunstwerk geben“, so die Kasseler Tageszeitung HNA, die die mediale Debatte manipulativ lenkte. Eine grundsätzliche Diskussion über dieses Kunstwerk fand in den Medien nicht statt. Zugelassen waren nur den Standort und die Ästhetik betreffende Argumente. Aber in dem gegenwärtigen Meinungsklima in Deutschland wäre es ohnehin nicht ratsam, allzu offen den Obelisken zu hinterfragen. Die westdeutschen Verhältnisse lassen einen zivilcouragierten Einsatz, wie ihn Dresdner Bürger voriges Jahr gegen die umstrittene Installation der Aleppo-Busse des Deutsch-Syrers Manaf Halbouni gezeigt haben, hier leider nicht zu.

Aber der durch die Migrationskrise von 2015 aufgerissene, gesellschaftliche Spalt zieht sich unter der Oberfläche auch durch Kassel. Unsicher über die Stimmung in der Stadt, kam es zu einem merkwürdigen Eiertanz zwischen Lokalpolitik, Künstler und „Kulturschaffenden“, in welcher Weise der Obelisk in der Stadt verbleiben sollte. Einer der Knackpunkte war der vom Künstler geforderte „Mondpreis“ in Höhe von 600.000 Euro für sein Kunstwerk. Eine Spendenaktion erbrachte lediglich die Summe von ca. 126.000 Euro zusammen. Deutlicher konnte die Kasseler Bürgerschaft ihre mangelnde Begeisterung für den Obelisken und seine zweifelhafte Botschaft kaum zum Ausdruck bringen. Kassel ist eine Stadt mit anderen Sorgen, wie beispielsweise die drastische Wohnungsknappheit (auch als Folge der Migrationskrise).

Oguibe gab sich aber auch mit diesem Betrag zufrieden, stellte jedoch die Forderung auf, dass der Obelisk an seinem bisherigen Standort stehen bleiben müsse. Doch in Erinnerung an ein anderes, ungeliebtes Documenta-Kunstwerk – die Königsplatztreppe der Documenta von 1992, die nach langen Streit im Jahr 2000 abgerissen wurde – brachten Kommunalpolitiker alternative Standorte auf, wo der Obelisk nicht so deutlich ins Auge fallen würde. Lange Zeit war offen, ob bei Oguibe das Ego oder die Gier obsiegen würde. Die Verhandlungen fuhren sich fest.

Doch seit Mittwoch ist das ungeliebte Kasseler Symbol der Willkommenskultur Geschichte. Unangekündigt haben in den frühen Morgenstunden des Tages der deutschen Einheit Bauarbeiter mit dem Abbau des Obelisken begonnen, dessen Überreste anschließend auf einem Bauhof eingelagert wurden. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) setzte damit einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung um, in dem der Königsplatz als Standort des Obelisken ausgeschlossen wurde, zumal auch der Leihvertrag mit dem Künstler Ende September auslief.

Die Lokalmedien schäumen vor Wut: „An Dreistheit nicht zu überbieten“, so die HNA. Der Chefredakteur des Anzeigenblatts „Extra Tip“ jammerte auf Facebook: „Das ist der absolute Höhepunkt dieser an Peinlichkeiten nicht zu überbietenden Kulturposse“.

Ein zweifelhaftes Kunstwerk, mit dem die Masseneinwanderung nach Deutschland auch kulturpolitisch flankiert werden sollte, ist nun endlich Vergangenheit. Wir können nur hoffen, dass die irrationale Willkommenskultur und ihre oberste Promoterin im Kanzleramt das gleiche Schicksal ereilt und in der Versenkung verschwinden, damit in der Zuwanderungspolitik dieses Landes endlich Vernunft einzieht.



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