Ein bißchen früher versterben – na und?

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Von Gastautor A. N.

In Offenburg wurde am 16. August 2018 ein Arzt von einem somalischen Asylbewerber erstochen – und Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (CDU) hatte keinen besseren Gedanken, als Mitgefühl mit den Angehörigen des „Verstorbenen“ zu bekunden und im gleichen Atemzug zu fordern, „sich besonnen zu verhalten und von Pauschalisierungen abzusehen“. Das greift in kongenialer Weise den Gedanken der CDA-Vorstandsdame Venja Lang auf, der zur Tötung der Schülerin Susanna F. einfiel, vielleicht „wäre sie von einem Auto überfahren worden oder jemand anderes hätte sie getötet“, wenn nicht zuvor ein irakischer Asylbewerber zur Tat geschritten wäre.

Die zugrundeliegende Logik: Da jeder früher oder später verstirbt, sollte man „besonnen“ bleiben und nicht „pauschalisieren“, bloß weil jemand den Gang der Dinge ein wenig beschleunigt. Juristisch gesehen wäre das – sehr weit interpretiert – eine Art „überholender Kausalität“ (Beispiel: der Ermordete wäre kurz darauf sowieso gestorben, weil das Flugzeug, mit dem er reisen wollte, abstürzte), die jedoch zu keinerlei strafrechtlicher Entlastung des Täters führt. Anders sehen das indes unsere „politisch denkenden“ CDU-Damen: Da der Offenburger Arzt und die Schülerin Susanna irgendwann sowieso verstorben wären, sollte man keinen großen Wirbel um die kleine Beschleunigung des Vorgangs – sozusagen wurden sie verstorben – (und das bißchen Vergewaltigung im Fall Susanna) machen. Für Niklas aus Bad Godesberg, Mia aus Kandel, Maria aus Freiburg und andere galt und gilt das ebenso.

Das paßt auch wunderbar zur Weisheit des Gutachters/Beraters des Bundespräsidialamts und etlicher Bundes- und Landesministerien, Prof. El-Mafaalani, der offenbar unwidersprochen vertreten kann: „Gelungene Integration erhöht deshalb das Konfliktpotential, weil Inklusion, Gleichberechtigung oder eine Verbesserung der Teilhabechancen … zu mehr Dissonanz und Neuaushandlungen führt.“ Wobei „Neuaushandlung“ (so schon die „Integrationsbeauftragte“ Özoğuz) ein Euphemismus dafür ist, daß Divergenzen nicht auf Grundlage für alle geltender Gesetze geregelt werden, sondern danach, wer den dickeren Bizeps, das längere Messer und die höhere Gewaltbereitschaft hat. Dabei sieht El-Mafaalani die Masseneinwanderung ebenso als fait accompli an („Nicht nur die Bevölkerungsstruktur hat sich enorm verändert, sondern auch die Gesellschaft und der Lebensalltag aller Menschen. … Aber der enorme soziokulturelle Wandel überfordert offensichtlich einen Teil der alteingesessenen Bevölkerung.“), wie u.a. schon Yascha Mounk („Es ist ein historisch einzigartiges Experiment, eine Demokratie zu nehmen, die diese monoethnische Vorstellung von sich selber hatte, und sie in eine multiethnische Gesellschaft umzuwandeln.“)

Wir sollen uns also dran gewöhnen, daß das Zusammenleben gewaltsam ausgehandelt (oder auch – sozusagen beschleunigt – beendet) wird – und stillhalten. In diese Selbstregulierung der Gesellschaft soll offenbar auch die Staatsgewalt nicht eingreifen. Ob das auch gilt, falls verstockte, überforderte Schonlängerhierlebende sich auf diese Art des Neuaushandelns einlassen?

Vielleicht bedarf es nur noch etwas zusätzlichen Nachdrucks, damit auch der laut El-Mafaalani offensichtlich überforderte Teil der Schonlängerhierlebenden sich schnell genug und klaglos genug fügt.”



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