Merkel profiliert sich als Grenzschützerin – in Saudi-Arabien

In Deutschland herrscht mittlerweile die Realsatire. Es wäre zum Totlachen, wenn es nicht so ernst wäre.

Unsere Kanzlerin jettet durch die Welt, um von der innenpolitischen Misere abzulenken. Mit den unter ihrer Kanzlerschaft angehäuften Problemen will sie nichts zu tun haben: Ein rapide verfallende Infrastruktur, Abwanderung der wissenschaftlichen und technischen Intelligenz, marode Schulen mit unbenutzbaren Toiletten, die stetig sinkenden Bildungsstandard bieten, Kinderarmut, Flaschen sammelnde Rentner, die sich mittlerweile die Reviere streitig machen, No-Go-Areas in vielen Städten, höchste Energiepreise und Steuern in Europa, bei immer mehr durch Windparks verschandelten Landschaften, flächendeckende Denunziationen durch staatlich bezahlte und freiwillige Informanten, Prügelattacken, Zerstörung von Geschäften, Abfackeln von Autos und Firmengebäuden durch eine gut finanzierte Antifa, wohlstandsverwahrloste Städte, um nur das sichtbarste tägliche Elend zu benennen. Nur durch rigorose Zensur, Abschreckungsmaßnahmen wie Kontokündigungen und Jobverlust für Andersdenkende, die nicht den Mund halten wollen, wie ihnen von Politikern öffentlich empfohlen wird, und zweierlei Recht in der Justiz wird der Laden noch zusammengehalten.

Das Weltretterin-Image, das sich Merkel zugelegt hat, soll von all dem ablenken. So wie die Reisetätigkeit von DDR-Staatschef Erich Honecker zunahm, je mehr es mit der DDR bergab ging, so ist auch unsere Kanzlerin emsig unterwegs. Honecker wurden rote Teppiche ausgerollt, ihm haben westdeutschen Journalisten noch kurz vor seinem durch das Volk erzwungenen Abgang bescheinigt, seine Bürger brächten ihm eine „stille Verehrung“ entgegen. Das Wort „alternativlos“ war damals noch nicht erfunden. Es hat Honecker nichts geholfen. Wir dürfen gespannt sein, ob Merkel mit dem Honecker-Rezept mehr Erfolg hat.

Sie hat in ihrem missionarischen Furor wenig Hemmungen, selbst bei üblen Tyrannen vorstellig zu werden. Kürzlich machte sie Station in Saudi-Arabien, eine der Hochburgen der Menschenrechtsverletzungen. Frauen werden unterdrückt, Homosexuelle verfolgt und getötet, Oppositionelle eingesperrt und ausgepeitscht. Der Blogger Raif Badawi sitzt schon seit Jahren in Haft. Nur energischer internationaler Protest konnte ihn davor bewahren, zu Tode gepeitscht zu werden. Hier verspricht Merkel, wie sie es in ihrem Pidgin-Deutsch ausdrückt: „an dem dicken Brett der Menschenrechte auch weiter zu bohren“. Wer bohrt, kann nicht gleichzeitig den Folterern die Peitsche aus der Hand schlagen.

An Bohrungen sind die Jungs von der deutschen Industrie – Quotenmädels scheinen kultursensiblerweise nicht dabei gewesen zu sein – auch interessiert, wenn auch nach dem reichlich vorhandenen Öl. Außerdem wollen deutsche Firmen in die Infrastruktur der Saudis investieren. Wenn die deutsche Infrastruktur endgültig bei einem Zustand angelangt ist, wo es schwierig wird, den Lieblingsgolfplatz zu erreichen, ohne das Luxus-Elektroauto den Schlaglöchern auszusetzen, kann man sich zum Golfen in die saudische Wüste zurückziehen und die Restindustrie aus Deutschland auslagern.

Kanzlerin Merkel hat schon mal versprochen, für stabile Verhältnisse in Saudi-Arabien zu sorgen.

Unsere Restbundeswehr, die bei den nicht zu schützenden deutschen Grenzen sowieso nicht gebraucht wird, soll saudiarabische Grenzschützer ausbilden. Gendergerecht sollen auch Grenzschützerinnen dabei sein. Wie das praktisch aussehen soll, in einem Land, in dem Frauen nicht mal Auto fahren dürfen, wird uns Steuerzahlern nicht verraten. Es könnte uns eventuell verunsichern.

Die Bundeswehr soll mit ihrer Expertise dafür sorgen, dass die Grenze Saudi-Arabiens zum Bürgerkriegsland Jemen dicht bleibt. Die deutsche Willkommenskultur, angeblich Exportschlager für die ganze Welt, soll definitiv nicht eingeführt werden. Merkel war wohl so sehr mit dem Bretterbohren beschäftigt, dass sie keine Kraft mehr hatte, den Saudis die Vorzüge ungeschützter Grenzen und der daraus resultierenden grenzenlosen Einwanderung zu vermitteln.

Sie konnte sich gerade noch mit ein paar tief verschleierten Unternehmerinnen treffen, die beweisen sollen, dass in Saudi-Arabien in der Frage der Frauenrechte nicht Hopfen und Malz verloren ist. Schon Katharina der Großen, deren Porträt in Merkels Kanzlerinnen-Stube hängen soll, wurden Potemkinsche Dörfer vorgeführt.