Geehrte Stasi

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Treptow Köpenick hat am 28. Februar den Ex-Stasimitarbeiter Hans Erxleben mit der „Bürgermedaille des Bezirkes Treptow-Köpenick von Berlin“ geehrt. Erxleben war erst als IM, später als hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi tätig, wurde dann aber wegen Unzuverlässigkeit entlassen. Nach dem Ende der DDR wirkte er tatkräftig beim Erhalt der alten und beim Aufbau neuer linksextremer Netzwerke mit.

Unter seiner maßgeblichen Beteiligung ist ein unübersichtliches Gestrüpp von linken Vereinen und Initiativen in Treptow-Köpenick entstanden. Dazu gehört u.a. der Adlershofer Bürgerverein Cöllnische Heide e. V. und das Adlershofer Festkomitee. Seit 2000 war er führend im „Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus Treptow-Köpenick“ aktiv. Seit 2006 war er Bezirksverordneter der SED-Linkspartei in Treptow-Köpenick.

In Erxleben verkörpert sich idealtypisch das jahrelange Zusammenwirken der alten DDR-Schergen mit den neuen Antifa-Aktivisten und gemäßigteren linken Kräften beim „Kampf gegen rechts“. 2009 arbeitete er mit verschiedenen SED-, Antifa- und SPD-Organisationen zusammen, um  eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus der Antfaschistin Dora Schaul zu verwirklichen. 2012 sprach er bei der traditionellen  „Protestveranstaltung“ des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden (OKV), einem Zusammenschluss von ehemaligen DDR-Vereinigungen und SED-nahen Organisationen, am Tag der Deutschen Einheit. Im April 2013 sprach er bei einer Kundgebung  zum  Kampf um die Wiederherstellung der zerstörter Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals.

Der Vorschlag, Erxleben die Bürgermedaille zu verleihen, kam vom Linken-BVV-Abgeordneten Philipp Wohlfeil. In dem Schreiben Wohlfeils heißt es:

„Hans Erxleben engagiert sich seit vielen Jahren für ein demokratisches und offenes Gemeinwesen und den Kampf gegen Rechtsextremismus in seinem Ortsteil Adlershof, im Bezirk Treptow-Köpenick und darüber hinaus. (…)Hans Erxleben sprüht vor Energie bis an seine gesundheitliche Belastungsgrenze. Hat seine Ecken und Kanten, schießt mal übers Ziel hinaus und geht offen mit seiner Biographie und mit Fehlern um. Das disqualifiziert ihn nicht, sondern ehrt ihn auf besondere Weise.“

CDU, FDP und AfD in Treptow-Köpenick haben die Ehrung des Ex-Stasimitarbeiters kritisiert. Der Bezirksvorstand der SED dagegen freut sich und gratuliert seinem „Weggefährten“ recht herzlich.