Von Ulrich Pohl
Es ist meine Lieblingsgeschichte in den Evangelien. Warum? Weil Jesus hier etwas lernt. Die Gottesgelehrten damals staunten: Noch dazu von einer Frau!
Sie war Phönizierin und stammte aus Tyros, einer reichen Hafenstadt am Mittelmeer. Sie kam zu Jesus und hatte eine Bitte: Meine Tochter ist krank. Du kannst sie gesund machen. Jesus wendet ihr den Rücken zu: Ich bin zu den verlorenen Kindern des Volkes Israel gesandt. Nicht zu Griechen, nicht zu Römern, auch nicht zu euch!
Recht so! Jahrhundertelang hatten die reichen Händler von der Küste die israelitischen Bauern im Bergland ausgebeutet. Am Meer wohnten die mit der hellen Haut, immer gut gepflegt, geseift, gepudert. Oben in den Hügeln Galiläas wohnten die mit der dunklen Haut, auf der sich Sonne, Staub und Schweiss mischten.
Man rümpfte die Nasen. Die einen über den Schmutz und die Unbildung der Armen. Die anderen über den Unglauben der Reichen: Gott ist unbestechlich! Wir sind das auserwählte Volk. Ihr seid nur Menschen zweiter Klasse. Reich zwar. Aber Abschaum. „Der Rassismus Jesu – und seine Überwindung“ weiterlesen


