
Erliegen wir gerade wieder einer verhängnisvollen Truthahn-Illusion? Der Begriff geht auf den Börsenhändler und Publizisten Nassim Nicholas Taleb zurück und beschreibt den törichten Glauben eines Truthahns, der jeden Tag gefüttert und umsorgt wird, dass dieser Zustand stets so bleiben müsse. Für ihn ist ausgerechnet am Tag vor der Schlachtung die Wahrscheinlichkeit weiteren Wohlergehens am größten. Wir verfallen der gleichen Illusion häufig bei der Beurteilung sehr komplexer Systeme, wie dem weltweiten Finanzsystem. In diesem System ereignete sich 2008 nach vielen Jahren ungebrochener Prosperität gänzlich unvermutet eine Krise, die es fast völlig zum Absturz gebracht hätte.