Von Catharina Margaretha Linck wüssten wir nichts, wenn sie nicht 1721 hingerichtet worden wäre, weil sie sich für einen Mann ausgab und sogar geheiratet hat. So ist ihr Leben in den Gerichtsakten dokumentiert, die im Geheimen Staatsarchiv Preußens aufbewahrt wurden und heute im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind. Ihre Entdeckung verdanken sie dem Nervenarzt Franz Carl Müller, der Ende des 19.Jahrhunderts über Sexualität außerhalb der (damaligen) Norm forschte und bei seinen Recherchen auf Linck stieß, die sich als Mann Anastasius Lagrantinus Rosenstengel nannte. Müller veröffentlichte einen fragmentarischen Auszug aus der Akte Linck unter dem Titel „Ein weiterer Fall von conträrer Sexualempfindung“ in einer medizinischen Zeitschrift. Die Autorin Angela Steidele hat die Geschichte Lincks so bewegt, dass sie eine exzellent recherchierte Biografie daraus gemacht hat, die einen faszinierenden Einblick in die Welt bietet, in der Catharina Margaretha ihr Leben verbracht hat.
Geboren wurde Linck als uneheliches Kind eines Soldaten in Gehofen im Kyffhäuserkreis, heute nach Artern eingemeindet. Wikipedia listet sie als prominente Bewohnerin dieses Ortes. Damals gehörte sie zur ärmsten Schicht der Bevölkerung. Ihrer Mutter gelang eine fundamentale Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse, als sie nach Glaucha bei Halle ging und im Waisenhaus des charismatischen Pfarrers August Hermann Francke, Gründer der heute nach ihm benannten Franckeschen Stiftung, angestellt wurde. Für Catharina bedeutete das die Aufnahme in eben dieses Waisenhaus, was ihr nicht nur Unterkunft, essen und Kleidung bescherte, sondern auch eine schulische Ausbildung. Anders als die meisten anderen Frauen ihrer Zeit konnte sie lesen und schreiben und verfügte über eine hohe Allgemeinbildung.
Das eigenwillige Mädchen litt aber unter dem strengen Regime, das sechs Stunden Gebete vorsah. Als Zwölfjährige unternahm sie einen ersten Fluchtversuch, der scheiterte. Der aufgeklärte Menschenfreund Francke nahm sie wieder auf und stand ihr auch später im Leben immer wieder bei.
Mit 15 Jahren verließ Catharina Halle für längere Zeit. Sie schloss sich einer radikalpietistischen Wandertruppe an, mit der sie weit in den deutschen Landen herumkam. Mit der Taufe durch die Prophetin dieser Truppe Eva Langin auf den Namen Anastasius Lagrantinus Rosenstengel nahm Catharina, die auch schon vorher ab und zu in Männerkleidern auftrat, eine radikale Veränderung ihres Lebens vor. Sie war nun ein Mann. „In Männerkleidern – Das Drama der drei Catharina Margarethas“ weiterlesen