Am 30. Januar 2026 fand die zweite Opernpremiere dieser Saison im Theater Nordhausen statt: Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini, eine der meistgespielten Opern der Welt.
Regie führte ein Gast: Mechthild Harnischmacher, die schon zwei Stücke für das Junge Theater Nordhausen inszeniert hat. Der Barbier ist ihr Operndebüt. Die Inszenierung wurde stark beworben und u. a. von der Thüringer Allgemeinen ausführlich vorbesprochen, sodass die Aufführung mit einiger Spannung erwartet wurde.
Zu sehen war dann eine in Teilen bezaubernde, märchenhafte Inszenierung, leider garniert mit Überschriften aus der Mottenkiste der Agitation und Propaganda. Zum Glück konnte sich das Publikum dem Geschehen auf der Bühne hingeben, es genießen und die eingeblendeten Losungen ignorieren. Besser wäre es gewesen, wenn man auf die Belehrung der Zuschauer verzichtet hätte.
Harnischmacher hatte festgestellt, dass die männlichen Rollen im Werk überrepräsentiert sind, und wollte dem etwas entgegensetzen. Also modelte sie die zwei Frauenrollen um. Aus Rosina, die im Original eine 17-jährige, unerfahrene Waise ist, die sich in den erstbesten Mann verliebt, wurde eine belesene Feministin. Ihre Zofe Berta wurde zu ihrer besten Freundin hochgejazzt, die sich mit ihrer Herrin über feministische Fachliteratur austauscht. Um das zu unterstreichen, wurde am rechten Rand des Bühnenbildes eine Bibliotheksecke eingerichtet, in die sich beide Frauen zurückzogen, wenn sie gerade auf der Bühne nichts zu tun hatten. „Rossini und der Agitprop“ weiterlesen