Bass im Doppelpack und ein neues Ballett

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Die neue Saison hat begonnen und eine Kulturreise nach Nordhausen oder in den Kyffhäuserkreis könnte sich lohnen.

Die Schlosskonzerte des TNLOS starteten in dieser Saison mit musikalischen Leckerbissen, die man selten zu hören bekommt. Den Anfang machte Franz Schuberts Ouvertüre c-Moll D 8. Schubert schrieb sein erstaunlich reifes Werk 1811 mit 14 Jahren. Sein Kompositionslehrer war übrigens Antonio Salieri, von dem weiter unten noch die Rede sein wird.

Gefolgt wurde das Stück von der selten aufgeführten Arie „Alcandro, lo confesso – Non sò d’onde viene“, die Mozart im März 1787 für den berühmten Bassisten Johann Ignaz Ludwig Fischer komponiert hat. Der Vortrag von Thomas Kohl wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Auch die „Sommernacht“ von Othmar Schoeck gefiel, obwohl sich vor den Fenstern des Blauen Saals der Herbst von seiner schönsten Seite zeigte.

Der absolute Höhepunkt des Konzerts war „Per questa bella mano“, Mozarts Arie für Bass, Kontrabass und Orchester, aufgeführt vom Kontrabassisten des Loh-Orchesters Stefan Blum und Thomas Kohl. Leider hat Blum beim Schlussapplaus, der nicht enden wollte, seinen Kontrabass von der Bühne mitgenommen, sodass es keine vom Publikum heiß gewünschte Zugabe geben konnte.

Auch das letzte Stück ist eher unbekannt, denn die g-Moll-Sinfonie KV 183 steht im Schatten ihrer großen g-Moll-Schwester vom Juli 1788. Aber schon nach den ersten Takten erkennt man, warum Miloš Forman in seinem genialen Film „Amadeus“ das Allegro con brio als Untermalung von Constanzes eiliger Rückfahrt von einer ihrer vielen Kuren zum sterbenden Mozart gewählt hat. Der erste Satz ist von ungeheurer Ausdruckskraft und untermalt das dramatische Geschehen. Constanze jagt durch die Nacht, während Salieri am Bett ihres Mannes sitzt und sich das Requiem diktieren lässt. Für ein paar Minuten bevölkerten die Dämonen den Blauen Saal.
Großen Anteil daran, aus dem Loh-Orchester das Beste herauszuholen, hatte der junge Dirigent Jonas Bürgin. Es war absolut faszinierend zu beobachten, wie der Schweizer sich der Musik hingab. Thomas Mann hätte seine helle Freude daran gehabt. Glücklich die Schüler seiner Dirigenten-Akademie, die ihn zum Lehrer haben.

Seit es nicht gelungen ist, Gábor Hontvári als Generalmusikdirektor zu behalten, werden unterschiedliche Dirigenten vom TNLOS verpflichtet. Die sind bisher so gut, dass der Verlustschmerz allmählich nachlässt.

Ein weiterer Verlust des TNLOS ist der ehemalige Ballett-Direktor Ivan Alboresi, den es nach 10 Jahren Nordhausen nach Detmold gezogen hat. Leider hat er auch einen beträchtlichen Teil der Compagnie mitgenommen, sodass 7 Stellen neu zu besetzen waren. Eine Herausforderung für Maša Kolar, die neue Ballett-Direktorin aus Zagreb. »Ich fühle mich jünger, seit ich hier bin«, sagt sie, »weil ich so viel Zeit mit jungen Menschen verbringe!«

So ist die gemeinsame Arbeit am ersten Ballettabend ein gegenseitiges Kennenlernen auf allen Ebenen: Ballettdirektorin und Tänzer stellen sich aufeinander ein, die Compagnie findet sich zu einem Ensemble zusammen, und in den Vorstellungen lernt das Publikum das Ballett TN LOS! neu kennen – und umgekehrt.

Ganz bewusst hat die international erfahrene Choreografin sich für einen Ballettabend aus drei modernen Klassikern des Tanzes entschieden: »Prélude – Boléro – Sacre« mit Werken aus einer revolutionären Epoche der Ballettgeschichte ist perfekt für einen fulminanten Start: Die drei Stücke bieten inspirierende Musik und viel Ensemblearbeit und sollen das Publikum auf verschiedene Weise berühren.

Alle drei Werke vom Anfang des 20. Jahrhunderts haben für Maša Kolar eine besondere Bedeutung und Inspiration: Debussys »Prélude à l’après-midi d’un faune« mit seiner Wärme und der impressionistischen Anmutung der Musik, Ravels »Boléro« mit dem treibenden Rhythmus und der wiederkehrenden Melodie, die jedes Mal ein anderes Erlebnis bietet, und »Le sacre du printemps« von Igor Strawinsky, eines der wichtigsten Werke der Ballettmusik, für das die Choreografin lange gebraucht hat, bis sie sich daran wagte.

Das verbindende Element sieht die Kroatin in der Ästhetik der Bewegungen, im tänzerischen Vokabular. »Der Faun aus Debussys Stück ist ein Mischwesen, er verkörpert die Dualität von Mensch und Tier in seinen Bewegungen«, beschreibt sie. Auch für den »Boléro« stammt die Inspiration von den sagenhaften Misch- und Fantasiewesen, die seit der Mythologie der Antike große Faszination auf den Menschen ausüben. Wie der Phönix aus der Asche wiedergeboren wird, so findet durch die Musik eine spürbare Transformation statt. Mit »Le sacre du printemps« bietet Maša Kolar eine neue Perspektive auf das Frühlingsopfer des Originals. Bei ihr wird niemand geopfert: Die Choreografin feiert das Leben selbst und nimmt dabei Bezug auf die Welt der Fauna. »Ich habe viel aus Naturdokumentationen von David Attenborough gelernt«, erzählt sie von der Vorbereitung auf das Stück.

»Prélude – Boléro – Sacre« bedeutet für Maša Kolar und ihr neu formiertes Ballett TN LOS! auch die erste Zusammenarbeit mit dem Loh-Orchester Sondershausen, das den Abend unter der Leitung von Annalena Hoesel live begleitet. »Wenn die Musik anspruchsvoll ist, dann ist das auch für die Musiker ein Genuss«, sagt Maša Kolar. »Diese Musik bedeutet für beide viel Körperarbeit: für die Musiker ebenso wie für die Tänzer.«
Nun ist sie gespannt auf das Publikum in Nordthüringen, das sie mit vielseitigem, mitreißendem Tanz begeistern möchte.

Premiere: 30. Oktober 2026, weitere Aufführungen: 6.11., 14.11., 21.11.



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