Wir brauchen mehr Berlusconi

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Von Gastautor Hans Hofmann-Reinecke

Männer sind toxisch, Flirten ist sträflich und weibliche Schönheit darf nicht gefeiert werden. Sinnlichkeit und Freude am Leben werden uns von Regierenden verboten, die selbst keinen Anteil daran haben. Wäre es nicht schön, wenn es in Berlin weniger von dieser trostlosen Misanthropie gäbe und mehr Leidenschaft für das Leben – á la Berlusconi?

Kraft gleich Gegenkraft?

Als junger Wissenschaftler wurde ich manchmal mit einer Anspielung auf die männlich – weibliche Dynamik geneckt: „Das ist wie bei euch in der Physik mit Plus und Minus. Gegensätze ziehen sich an.“ Dieser Vergleich hinkt allerdings, denn in der Physik ist „Kraft gleich Gegenkraft“. Die zwischenmenschliche Anziehung aber ist oft nicht symmetrisch. Das mussten wir alle erfahren und es hat so manches Herzeleid auslöst.

Ich möchte besagte Dynamik durch ein anderes physikalisches Konzept beschreiben: die „starke Wechselwirkung“. Das ist diese fundamentale Kraft, welche die Welt im Innersten zusammenhält. Sie regiert im Universum spätestens seit dem Big Bang.

Überleben wie die Blaualge

Vor dreieinhalb Milliarden Jahren erfanden die Blaualgen dann die starke Wechselwirkung in der Biologie: die sexuelle Fortpflanzung. Dieses sehr erfolgreiche Konzept wurde in der Folge von höheren Organismen übernommen, und entwickelte sich vom Werkzeug zu einem wesentlichen Bestanteil des Lebens. Zwischen Mann und Frau ist besagte Wechselwirkung omnipräsent; sie steht an zweiter Stelle nur hinter dem eigenen Überlebenswillen und dem Schutz der Nachkommen.

Sie wird unwillkürlich eingeschaltet, sobald Mann und Frau einander gewahr werden. Etwa am Bankschalter, wenn ich verzweifelt versuche meine Kreditkarte zu entsperren, nehme ich die Dame hinter der Glasscheibe wahr, die am Computer tippt und müde wirkt.

Die Wechselwirkung bei mir ist dann vielleicht bei drei oder vier – auf einer Skala von Null bis hundert – eventuell auch negativ, aber sie ist auf jeden Fall vorhanden. Und die Bankangestellte denkt sich ihrerseits: „Komischer Typ, und auf dem Konto hat er auch nichts.“ Das sind Reaktionen, die ganz spontan und parallel zum sachlichen Geschehen ablaufen.

Hübsche Schuhe

Frauen taxieren einen Kerl innerhalb von Nanosekunden. Dann erst merkt der Mann etwas: „Da schau her – nicht schlecht.…“ denkt es in ihm. Inzwischen hat sie ihn aber schon aussortiert, oder auch nicht. Eventuelle weitere Schritte werden dann jedenfalls vom Mann erwartet.

Das ist ein Thema, dem viele Romane und Opern gewidmet wurden, und welches stark kulturell geprägt ist. Der Spanier etwa wirft einer Unbekannten ein Kompliment zu, einen „Piropo“. Das kann harmlos sein, etwa „hübsche Schuhe“, oder auch etwas persönlicher.

Aber im Land von „Don Juan“ beginnt man jetzt dieses charmante Spiel zu vergällen – vermutlich auf Initiative von Ladies, die selbst selten in den Genuss von Piropos kommen. Hier ein Gesetzesvorschlag einer Regierenden: „… Was früher als Witz oder Galanterie von gesellschaftlicher Akzeptanz angesehen wurde, etwa einer Frau ohne ihre Zustimmung Sätze zu sagen, die sich auf ihren Körper, ihre Kleidung, ihr äußeres Erscheinungsbild beziehen…“, das stellt ab jetzt eine Verletzung geltenden Rechts dar.

Allen Ernstes? Vielleicht empfindet die Adressatin das Kompliment ja als angenehm. Vielleicht ist dieses harmlose Spiel für sie eine kleine Bereicherung des Alltags. Und ich habe beobachtet, dass alleinstehende Damen gerne in den Urlaub nach Italien fahren und riskieren, sich dort den Aggressionen der „Pappagalli“ auszusetzen.

Brüderle-Kriminalisierung

Auf Anregung der SPD soll nun Anmache auch in Deutschland strafrechtlich relevant werden. “Solche Übergriffe nehmen der jeweils betroffenen Person das Recht, in einer Situation selbst zu bestimmen, ob sie Teil eines sexualbezogenen Geschehens sein möchte oder nicht. Jede sexuelle Belästigung beinhaltet eine Herabwürdigung zum Sexualobjekt”.

Es sieht so aus, als wolle man das Zögern bei der Anwendung geltenden Rechts gegen gewisse Gewaltverbrecher dadurch kompensieren, dass man lächerliche Komplimente vom „Brüderle-Typ“ kriminalisiert.

Das zeugt nicht von Klugheit. Andere Menschen werden immer, absichtlich oder versehentlich, Dinge tun, die uns ärgern oder seelisch verletzen. Na und? Das Leben ist kein Streichelzoo. Die entscheidenden Ereignisse spielen sich in einem Raum ab, in dem kein geschriebenes Recht gilt. Der oder die Geliebte verlässt uns, ein Kind stirbt, wir erleiden Krankheit und Tod. Das Leben ist nicht gerecht; es ist so, wie es ist. Das war schon bei Adam und Eva so. Zufriedenheit kann nicht durch Gesetze erzwungen werden, dafür sind wir selbst verantwortlich.

Dem jüngst verstorbenen Silvio Berlusconi widmete der Erzbischof vom Mailand folgendes Kompliment: „… jetzt, in dieser Stunde des Abschieds und des Gebets, was können wir über ihn sagen? Er war ein Mann mit einer Leidenschaft für das Leben, einer Leidenschaft für die Liebe, einer Leidenschaft für die Freude“.

Welcher der trostlosen Figuren aus unserem Politzirkus wird man das eines Tages nachsagen können? Die herrschende, von Ressentiments und Wokeness angetriebene Clique  hat schon zu viel Schaden angerichtet. Lassen Sie nicht zu, dass sie jetzt auch noch die heilige Sphäre von Freundschaft, Liebe und Familie vergiftet. Zeigen sie ihr harte Kante: „Hände weg von der Freude am Leben.“



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