Der Instinkt des Haltungsjournalisten

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Von Gastautor Josef Hueber

Im Briefkasten ein Vorschlag der FAZ vom Dez. 2021: ein Abonnement für „besonnene Weihnachtstage“. O-Ton: Unsere Geschenkempfehlung: Haltung

Die Infantilität der Konsumenten

Erziehung von Kindern bedeutet mehr,  als ihnen beizubringen, wie man nicht mit den Fingern, sondern mit Besteck isst. Es geht auch um die Vermittlung von Einstellungen, von „Haltungen“. Dies ist die vorrangige Aufgabe der Eltern, nicht von nachgeschalteten Institutionen oder dem Staat.

Den journalistischen Auftrag gegenüber dem Medienkonsumenten analog  zu verstehen, setzt ein infantiles Verständnis von der Persönlichkeit des Rezipienten voraus. Es ist  Ausdruck mangelnden Respekts vor dessen bereits erworbenen Haltungen, die arrogante Unterstellung, er könne selbst keine  eigenständigen Wertungen vorzunehmen.  Die klassische Definition von   unideologischem Journalismus lautete deswegen: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“

Vergleich und Diffamierung

Vergleiche, so die Alltagsweisheit, hinken. Nun wird man freilich nicht bestreiten, dass man auch hinkend vorwärts kommen kann. Lieber hinkend ans Ziel, als im Laufschritt in den Abgrund.

Die im gegenwärtigen politischen Klima gängigen Vergleiche sind einfach in der Handhabung. Sie werden in der Öffentlichkeit nicht ansatzweise auf Stimmigkeit geprüft und wirken -spürbar und gläubig angenommen, weil ständig wiederholt- wie das versprühte Weihwasser bei sakramentalen Anlässen in der (katholischen) Kirche. Die Meinungspriester des systemfreundlichen Journalismus sind sakrosankt. Die Begossenen genießen das Gefühl des Gesegnetseins mit moralischer Überlegenheit. Der Top-Joker für die nützlichen Vergleiche der Abweichler ruft sich „Nazi“. Mit ihm in einen Topf geworfen ist aktuell der Corona-Leugner, der, dank des darin assoziativ suggerierten Vergleichs mit dem Holocaust-Leugner, mir-nichts-dir-nichts der Kategorie der Antisemiten zugeteilt wird.

Die begrifflichen und inhaltlichen Schlampigkeiten dieses Vergleichspakets wurzeln im Haltungsjournalismus.  Dort macht man gerne von der denunziatorischen Streuwirkung des Begriffs „Leugner“ Gebrauch, wenn es darum geht, die eigene, regierungstreu angepasste  Haltung zur Geltung zu bringen. Neben den lokalen Allerweltsblättern auf dem Frühstückstisch spielt hier die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die sich einst auf ihre klugen Köpfe hinter ihren großformatigen Seiten etwas einbildete, mittlerweile auch die Rolle des braven Mitläufers. Politisch zunehmend im Gleichschritt mit den öffentlich-rechtlichen Medien, titelt sie am 18.1.2021 in einem umfangreichen Artikel über Impfverweigerer und Maßnahmen-Kritiker von „schrillen Behauptungen der Corona-Leugner“ . Es ist die Akzeptanz  unsauberer Begrifflichkeit aus dem Arsenal der rhetorisch billigen Verunglimpfung.

Dennoch ein Vergleich – mit Perspektive

„Der deutsche Journalist schöpfte schon aus seinem eigenen Instinkt die Aufgaben, die in den kritischen Situationen für ihn erwuchsen und erstanden.“ (Joseph Goebbels)

“Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte: weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.”  (Henryk M. Broder)



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