Windkraft in Sachsen

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Von Gastautor Olaf Lorke

Der neue sächsische grüne Umweltminister kündigte jüngst einen starken Ausbau der Windkraft in unserem Bundesland an. Verständlich aus seiner Sicht, dass er diese Baustelle ganz vorn in der Prioritätenliste ansiedelt. Denn in Sachsen wurden 2019 gerade einmal eine Windkapazität mit einer Leistung von 17,8 MW zugebaut. Nicht mehr als eine Hand voll Windräder.

Wie ist das einzuschätzen? Als positiv empfinde ich zunächst – soweit ich es aus der Koalitionsvereinbarung zu diesem Thema entnehmen kann -, dass in Sachsen Windkraftanlagen im Wald nach wie vor ausgeschlos­sen werden sollen. Da haben wir gegenüber anderen Bundesländern noch einen Vorteil bewahrt. Die entscheidende Frage auch in Sachsen ist: Welche Kapazitäten des Ausbaus bestehen und wie lassen sie sich mit den vielen Ausbau-Hürden in Einklang bringen?
Eine wichtige Rolle für die Diskussion scheinen die Aussagen des Windkraft-Planungsverbandes Re­gion Chemnitz zu spielen. Dieser Verband vertritt zweifellos eigene Interessen und hält die allermeisten Einwendungen gegen den Ausbau der Windkraft für unberechtigt. Die Aussagen der Verbandssprecher können aus meiner Sicht nicht unkommentiert bleiben.

Ich möchte mich bezüglich der Windräder-Problematik nur auf den Infraschall beschränken, da die Aussagen dazu am kritischsten sind. Dieser Infraschall läge vermeintlich „…deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsgrenze“ und es gäbe „nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen…keine schädlichen Wirkungen.“
Ist das nicht ein völlig schwachsinniges Argument? Etwas ist nicht gefährlich, weil es vom Menschen nicht wahrgenommen wird? Nehmen wir Radioaktivität wahr? Nein. Ist sie deshalb ungefährlich? Nein. Jeder weiß, dass Infraschall (<16 Hz) für Menschen nicht hörbar ist. Dennoch ist er gefährlich, und das wird aus meiner Sicht völlig unterschätzt, ignoriert oder verschwiegen. Das möchte ich wie folgt untermauern:

Dass es – wie vom o. g. Verband und auch vom Bundesumweltamt be­hauptet – keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu schädlichen Wirkungen von Infraschall – eben auch erzeugt durch Windkraftanlagen – auf den menschlichen Organismus gibt, ist FALSCH. Dabei hat sogar das ZDF in der Sendung „planet-e“ vom November 2018 ausführlich die Probleme beschrieben:

Es existieren – vor allem ausländische – Studien, die gesundheitliche Schäden durch Infraschall klar belegen. In Deutschland werden solche Ergebnisse generell bestritten. Zahlreiche z. T. schockierende Fall­dokumentationen (siehe auch ZDF-Doku oben) von betroffenen Anwohnern von Windparks werden ignoriert bzw. als „unwissenschaft­ lich“ deklariert.

Nun gut, drehen wir also den Spieß rum. Es gibt nach Grundgesetz für alle Bürger ein Recht auf Unversehrtheit und Lebensqualität. Unsere Regierung ist somit verpflichtet, die Bürger vor schädlichen Einflüssen zu bewahren. Also: Wenn die Regierung die Wissenschaftlichkeit der o. g. Untersuchungen anzweifelt, dann muss eine Umkehr der Beweislast gefordert wer­den. Präziser gesagt: Entsprechend des Vorsorgeprinzips muss der Ausbau der Windkraft­anlagen zumindest so lange gestoppt werden, bis die medizinische Unbedenklichkeit von unabhängigen Instituten zweifelsfrei bewiesen ist!

Wie oben genannt soll noch viel mehr auf die Windkraft gesetzt werden. Viele Bürger finden das richtig. Hinzu kommt nun noch die Meldung zum gestiegenen Anteil der Erneuerbaren an der Stromer­zeugung. Wir möchten unsere Energieversorgung irgendwann frei von fossilen Quellen machen. Deutschland ist aber weder von Sonne noch von Wind besonders begünstigt. Die Wasserkraft hat ohnehin nur einen sehr geringen Anteil und kann kaum noch ausgebaut werden. Auch Biomasse hat ihre Grenzen.

Wir leben in einem sehr dicht besiedelten Land. Gleichzeitig haben wir die weltweit höchste Windkraftanlagen-Dichte an Land! Um die angepeilten Ziele (bis 2050 ein um 95% verringerter CO2-Ausstoß) zu erreichen, bräuchte es neben über tausend Quadratkilometern zusätzlicher Solarzellen eben auch eine Vervielfachung der heute installierten Windkraftleistung!

Anhand der ständigen Konflikte zwischen Interessen der Anwohner und die der Windkraftbetreiber kann jedoch ein weiterer massiver Ausbau der Windenergieerzeugung kaum gut gehen. Die ohnehin verkorkste Energiewende aus ideologischen Gründen und gegen die Bürger durchzu­ ziehen – das MUSS scheitern. Die SPD bringt jetzt ein „Windbürgergeld“ in die Diskussion.
Man wird das Gefühl nicht los, dass die Anwohner „gekauft“ werden sollen. Wer zu solchen Maßnahmen greift zeigt, dass er keine sachlichen Argumente mehr hat und dass er indirekt die schädlichen Auswirkungen der Windenergie zugibt. Fast noch schlimmer ist, dass die SPD über eine Einschränkung der Klagemöglichkeiten der betroffenen Bürger nachdenkt.

Nun hat auch die Bundeskanzlerin – wie befürchtet – diese Strategie übernommen – zumindest was die „Belohnung“ der Anwohner betrifft. Eine weitere Enttäuschung, die uns Angela Merkel beschert. Keine Linie, kein Ziel, keine Werte. Eine Bundeskanzlerin akzeptiert es bzw. animiert dazu, dass ihre Bürger ihre Gesundheit verkaufen.
Es ist einfach nur traurig.



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