Limburg: Warum die Herkunft des Täters relevant ist

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Von Anabel Schunke auf achgut

Im hessischen Limburg soll am Freitag ein 34-Jähriger Deutscher mit tunesischen Wurzeln seine Ehefrau in der Nähe des Busbahnhofs zunächst mit dem Auto angefahren und dann mit einer Art Axt getötet haben. Mehrere Zeugen beobachteten die Tat. Im Netz kursiert ein Video. Der Mann wurde festgenommen und macht bis jetzt von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Viele Meldungen zur Tat von Limburg verzichteten auf die Nennung des Migrationshintergrundes des Täters. Erfahrungsgemäß führt das erst recht zu Spekulationen im Netz über die Herkunft, da, sofern es es sich beim Täter um einen Deutschen ohne Migrationshintergrund handelt, in der Regel davon auszugehen ist, dass Ross und Reiter klar benannt werden. Darüber hinaus wächst der Anteil der Menschen innerhalb der Bevölkerung, der mittlerweile in der Lage ist, die spezifischen „kulturellen“ Merkmale einer Tat herauszulesen. Öffentliche Hinrichtungen wie diese kommen unter westlich geprägten „Biodeutschen“ eher selten vor.

Der Pressekodex sieht vor, dass die Herkunft des Täters nur genannt wird, wenn „für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“. Dieser Passus wurde vor mehr als zwei Jahren ergänzt. Seitdem ist „bei der Berichterstattung über Straftaten darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse.“

Beides, der begründbare Sachbezug als auch das begründete öffentliche Interesse, kann man bei der Tat von Limburg als gegeben ansehen. Dennoch verzichteten viele Medien auf die Nennung der tunesischen Wurzeln des Mannes, der hier zwar geboren und aufgewachsen, aber anscheinend nie in der deutschen Gesellschaft angekommen ist.

Im kulturellen und religiösen Mittelalter leben

Auch die Polizei Westhessen mokiert in einem Tweet die vermehrten Nachfragen von Bürgern bezüglich der Herkunft des Täters. Dabei sollte man mittlerweile wissen, dass diese Diskussion nicht mehr abebben wird. Natürlich ist es eine traurige Entwicklung, dass die Herkunft von Straftätern mittlerweile eine solche gesellschaftliche Relevanz bekommen hat, aber sie ist unmittelbare Folge einer unkontrollierten Migration und Einbürgerung, die von einer wachsenden Anzahl der Bürger nicht gewünscht war und ist und die deshalb einer einfachen Vergesellschaftung solcher Taten als „deutsches“ Problem auch nicht zustimmen.

Denn ja, es existieren Taten, für die es durchaus relevant ist, ob der Täter einen Migrationshintergrund hat, oder nicht. Die Tatsache, dass er einen deutschen Pass besitzt, relativiert das nicht. Im Gegenteil, es macht es noch schlimmer, weil sich anhand solcher Vorkommnisse zeigt, dass bei der Vergabe der deutschen Staatsbürgerschaft auf nichts geachtet wird. Dass man im kulturellen und religiösen Mittelalter leben, unintegriert bis zum geht nicht mehr sein und trotzdem Deutscher werden kann.

Wer natürlich ständig jeden „normalen“ Mord und jede Vergewaltigung hervorhebt, nur weil der Täter über einen Migrationshintergrund verfügt und gleichzeitig ausblendet, dass Deutsche dieselben Taten begehen, agiert in der Tat im Bestfall bigott, im schlimmsten Fall aus rassistischen Beweggründen. Es ist eine Binsenweisheit, dass es in jeder Nation Arschlöcher gibt und auch Deutsche Straftaten begehen.

Bei einer solchen Tat wie in Limburg stellt sich der Sachverhalt jedoch anders dar. Wenn hier ein besonderes Interesse an der Herkunft oder den Wurzeln des Täters begründet wird, dann nicht aus rassistischen Gründen, um die nächste „Sensationsmeldung“ zu haben, die ins eigene ideologische Bild passt, oder um alle „Ausländer“ zu diskreditieren, sondern weil man anhand gewisser Taten auf die kulturellen und/oder religiösen Beweggründe des Täters schließen kann, die, speziell in Bezug auf sogenannte „Ehrenmorde“, in dieser besonders öffentlichen und brutalen Form beim europäischen Mann in der Regel nicht vorkommen.

Form der öffentlichen Hinrichtung

Das heißt nicht, dass der europäische Mann nicht mordet und vergewaltigt. Es heißt lediglich, dass der europäische Mann seine Exfrau/Frau/Freundin in der Regel nicht auf öffentlicher Straße hinrichtet. Diese Form der öffentlichen Hinrichtung, des Ehrenmordes ohne jegliches Schuldbewusstsein, ist ein reines Phänomen von Kulturkreisen bzw. bestimmten Herkunftsländern, in denen die Frau qua Gesetz unter dem Mann steht. In denen ihr kaum bis wenig individuelle Freiheit zugebilligt und die gewalttätige Bestrafung für Ungehorsam bis zum Mord mitunter als legitimes Mittel des Mannes angesehen wird, seine „Ehre“ wiederherzustellen.

Ein Täter, der einen Mord/eine Vergewaltigung am helllichten Tag mitten auf der Straße mit brachialen Methoden ohne die geringste emotionale Barriere begeht, verrät viel über sein eigenes Rechtsbewusstsein. Ein Mord hinter vier Wänden, ein Familienvater, der z.B. sich und seine Familie vergiftet oder erschießt, ist hiermit nicht zu vergleichen. Auch nicht der Mörder, der heimlich mordet und versucht, die Leiche verschwinden zu lassen. Den Mord macht das nicht besser, aber es ist psychologisch und in seiner politisch/gesellschaftlichen Dimension ein Unterschied, ob ein psychisch kranker Familienvater seine Familie hinter vier Wänden auslöscht, ein soziopathischer Killer Menschen heimlich tötet und ihre Leichen verscharrt oder ob jemand eine öffentliche Hinrichtung an seiner Ehefrau begeht, weil sie sich getrennt/ihn betrogen oder was auch immer hat und er dadurch seine „Ehre“ wiederherstellt.

Der psychisch kranke Familienvater kann die Dimension seiner Tat nicht mehr erfassen. Der soziopathische Killer will weiter morden und unentdeckt bleiben, um nicht bestraft zu werden. Ihm ist bewusst, dass er etwas tut, was gesellschaftlich nicht akzeptiert ist und rechtlich geahndet wird.

Der Ehrenmörder mit Migrationshintergrund fühlt sich im Recht. Alles an der Art und Weise seiner Tat sagt aus, dass es sein Recht ist, so zu agieren. Er ist kein psychisch Kranker, der an Depressionen leidet und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Er ist in der Regel zu hundert Prozent Herr seiner Sinne. Er weiß genau, was er tut, und die Konsequenzen interessieren ihn nicht.

Das ist eine Form der Gewalt gegen Frauen, die nur in einem kulturellen Umfeld gedeiht, in dem Männer mit einem Verständnis von Ehre, Frau und Mann etc. aufwachsen, das in fundamentalem Gegensatz zu unseren westlichen Wertevorstellungen steht. Dass diese kulturelle Sozialisation ohne Probleme ohne jegliche westliche Einflüsse auch bei einem Menschen stattfinden kann, der hier geboren, aufgewachsen und deutscher Staatsbürger ist, relativiert hierbei nichts. Es macht es nur noch schlimmer und zeigt auf, dass man in Deutschland ohne Probleme ein Leben in einer völligen kulturellen Parallelwelt leben kann. Und das hat dann tatsächlich eine politisch/gesellschaftliche Dimension, über die geredet werden muss.



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