Bewegte Reise auf dem Mittelmeer mit der Seawatch 3 – meine etwas andere Sicht auf das Geschehen

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von Gastautorin Ines Hiller

Um den Blick einmal weg vom unermüdlichen Kampf der deutschen Medien gegen Rechts zu lenken – besonders nach dem Amoklauf in Halle –, soll hier noch einmal über die bereits im Sommer in allen deutschen Medien gefeierte Rundfahrt der Seawatch 3 auf dem Mittelmeer, die dem edlen, humanistischen Ziel der Rettung von im Mittelmeer ertrinkenden hilflosen Flüchtlingen diente, berichtet werden.

Anfang Oktober wurde in Kino und Fernsehen ein Dokumentar-Film des NDR vorgestellt, der die scheinbar uneigennützige und sehr gefährliche Aktion der Seenotrettung durch die tapfere junge Carola Rackete und ihren Klassenkampf gegen den „Faschisten“ Salvini zeigt. Nun ja, alles vermutlich von unseren Steuergeldern bezahlt. Aber wer will schon kleinlich sein, wenn die armen, verfolgten Menschen aus afrikanischen Ländern dem Tod entrissen werden.
Und Medien an Bord eines am Rande von Hoheitsgewässern dümpelnden Schiffes sind immer gut. Aus vielerlei Gründen.

Wir sahen den Film und die anschließende Diskussion mit Frau Rackete und den Filmemachern Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg, die die Crew der Seawatch drei Wochen begleiteten im Babylon-Kino in Berlin.

Das Kino war bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum: Junge Menschen im betont vernachlässigten Grunge-Stil und die übliche intellektuelle Stadt-Schickeria mit dem abgestandenen Duft der 68er.

Zu Anfang des Films vergeht eine ziemlich lange Zeit mit Gesprächen der von der Kapitänin angeleiteten jungen internationalen Crew der Seawatch begleitet vom bedrohlichem Tosen des Meers und düsterer Musik, bis endlich über Funk gemeldet wird, dass ein mit Flüchtlingen ohne Rettungswesten gefülltes Schlauchboot gesichtet wurde.

Nun kommt es  e n d l i c h  zum befreienden Showdown der Rettung:
Aus einem in den Meereswellen schwankenden Schlauchbot werden einige Frauen und viele Männer gezogen und an Bord der Seawatch gebracht.
Alle Bootsflüchtlinge sehen erleichtert und glücklich und zu unserer großen Überraschung gut genährt, gut angezogen aus. Ein hübsches schwarzes Baby mit krausen Haaren und dunklen Augen und seine etwas übergewichtige Mutter sind der gut gesetzte Blickfang für die Crew und die Zuschauer. Ein etwa fünfjähriger Junge begrüßt locker und unbeschwert mit einem High five die Crew, als wenn er mal so zu Besuch vorbeigekommen ist.

Dann, untermalt von quälend düsterer Begleitmusik, folgen die Berichte der Bootsflüchtlinge in Einzelinterviews. Sie erzählen schreckliche Dinge über Versklavung, Vergewaltigung und grausame Tötung in Libyen.
Z.B.: “Sie haben Menschen die Kehle durchgeschnitten. Sie haben Menschen vor unseren Augen verbrannt.
Lieber ertrinken wir im Meer, als dass auch uns die Kehle durchgeschnitten wird.”

Konterkariert werden die Geschichten ein wenig vom guten Allgemein- und Ernährungszustand der Erzählenden und verunsichert fragt sich der kritische Zuschauer, ist das nun erlebte Realität oder ein bisschen Tausendundeine Nacht?

Eine, wie von der Kapitänin versprochene und erwartete Landung auf Lampedusa wird vom italienischen Innenministerium abgelehnt.
Trotz mehrmaliger Aufforderung, die Bootsflüchtlingen zurück nach Libyen zu bringen, bleibt die Seawatch in Küstennähe von Lampedusa.
Es folgt eine quälend lange Zeit, Tage an Bord unter sehr eingeschränkten hygienischen Bedingungen. Das Ziel, in Italien zu landen, wird unbeirrt weiter verfolgt.
Als die Stimmung bei den Geretteten kippt und Drohungen, z.B. an Land zu schwimmen geäußert werden, gerät die Kapitänin offenbar immer mehr unter Druck. Sie erzwingt trotzköpfig die Landung im Hafen von Lampedusa mit Touchierung und Verschiebung des Schiffs der italienischen Küstenwache im Hafen.

An Land wird sie empfangen von viel Presse, einigen Klatschern und aufgebrachten Italienern:
“Du Komplizin von Menschenhändlern! Schäm dich!”, ruft ihr eine Frau am Pier auf italienisch zu.

Carola Racketes Verhaftung ist das spektakuläre Ende einer langen Odyssee auf hoher See unter Begleitung der Medien.

Der Film ist gut inszeniert: Vom anrührenden Kleinkind mit den süßen schwarzen Augen, über den kleinen Jungen mit dem flotten High five und die anfangs freundschaftliche, bis hin zur zunehmend bedrohlichen Stimmung an Bord.
Ein gutes Drehbuch und Bilder zwischen Dramatik und Kitsch.

Das Babylon-Publikum applaudierte den Filmemachern und Frau Rackete, die in ihrer Kampfkleidung mit zerknittertem Shirt und Hose und dem Rasta-Dutt erschienen war, herzlich.
Einem einsamen Buh-Rufer wurde von einem jugendlichen Saalordner unmissverständlich angeboten, sofort das Kino zu verlassen.

Was bleibt übrig?
Eine Rettung von Menschen in Seenot ist eine Verpflichtung, die nicht in Frage zu stellen ist, ebenso die Aufnahme von tatsächlich Asylbedürftigen.
Der Wunsch von Menschen aus Ländern mit niedrigem Lebens- und Rechtsstandard nach Europa zu kommen ist nachvollziehbar, aber bei der Bevölkerungsexplosion in vielen Ländern Afrikas und Asiens durch Europa nicht zu bewältigen. Europa hat das Recht, sich abzugrenzen und die europäischen Regierungen haben die Pflicht, ihre Bevölkerung zu beschützen. Die von der Seawatch und anderen NGOs betriebene Seenotrettung
– hat einen Pulleffekt , mit dem nachgewiesenen erhöhten Risiko des Sterbens im Mittelmeer
– und unterstützt die kriminellen Schlepperdienste.

Die insbesondere von deutschen Politikern angemahnte europäische Verteilung von Migranten ist keine Lösung, sondern eine durchschaubare Heuchelei.

Die Unfähigkeit der EU, einen wirksamen Schutz für Europa einerseits und für eine erfolgreiche Durchsetzung der Organisation humaner Mindeststandards bei der Flüchtlingsunterbringung in den Aufnahmeländern Nordafrikas andererseits zu erreichen aber ist zunehmend bedrohlich. Für uns in Europa und für die aus ihrer Heimat emigrierenden Menschen mit ihren kaum erfüllbaren Erwartungen.



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