Jubilierend zur Enteignung von Sparern und Rentnern

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Von Gastautor Michael Glück

In der wirtschaftspolitischen Gerüchteküche der USA geht es zunehmend um die Beseitigung des gewaltigen Schuldenbergs der privaten Haushalte und die Frage, wer dafür letztlich aufkommen soll. Das werden wohl Sparer und die Personen sein, die für ihr Alter vorsorgen. Was da aufgekocht wird, das erinnert an den Finanzcrash der Jahre 2008/2009.

Das Gefährliche an dieser unerfreulichen Prognose ist, dass sie ausgerechnet von Porter Stansberry stammt. Das ist der Mann, der den Zusammenbruch von General Motors und den größten Bausparkassen der USA, Fannie Mae und Freddie Mac, vorhergesagt hat. Und das lange bevor die Finanzkrise Ende des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts ihren Lauf um den Globus genommen hat. Die bevorstehende Krise wird aber Stansberry zufolge um einiges härter ausfallen als die jüngste Finanzkrise. Sollte es tatsächlich so kommen, wie vom Stansberry Research Institut ausgearbeitet worden ist, hat das auch gravierende Auswirkungen auf unser Erspartes und unsere Altersvorsorge in Deutschland.

Facebook mauert beim Link

Die Brisanz dieses Berichts zeigt auch die Reaktion von Facebook, einen Link zum US-Online-Dienst „The Family Retirement Club News“ herzustellen, der eine ausführliche Besprechung der Ergebnisse des Stansberry Research Instituts am 9. September des Jahres online gestellt hatte. Facebook löschte den Link mit dem Hinweis, diese Veröffentlichung widerspräche den Firmenstandards. Rechtslastig ist der Bericht nicht. Porter Stansberrys Buchtitel „The American Jubilee“ hört sich eher harmlos an. Er bezieht sich lediglich auf einen alten jüdischen Brauch, wonach rund alle 50 Jahre ein Schuldenschnitt vorzunehmen ist. Auch Sklaven wurden freigelassen und Land zurückgegeben. Vor über 2000 Jahren mag das ein Grund zum Jubilieren gewesen sein.

Heute sieht es anders aus. Wie, das zeigt Porter Stansberry in seinem über 200-Seiten-Jubilee eindringlich. So gab es einen solchen Schuldenschnitt um 1841 in den USA. Mehr als 40.000 Amerikaner nutzten damals die Gelegenheit, ihre Schulden los zu werden. Danach folgte 1930 ein solcher Schritt, wobei die US-Regierung in nur einem Jahr mehr als 700 Millionen US-Dollar einem Wirtschaftssegment weggenommen hat. Gleichzeitig verloren Millionen Amerikaner 69% ihrer Ersparnisse, praktisch über Nacht. Ein weiteres Jubilee verzeichnet Stansberry für 1970. Danach folgte die Finanzkrise von 2008/2009.

Finanzielle „Versklavung“ der Amerikaner

Der Grund für das nächste Jubilee ist der derzeitige finanzielle Zustand vieler amerikanischer Haushalte. Stansberry spricht vom „enslavement of millions of Americans – and the biggest wealth gap in the history of the Western world – is leading to a political event unlike anything we’ve seen in our country in more than fifty years”, wie “The Familiy Retirement Club News” Stansberrys Aussagen zusammenfasst. Und für diese “Versklavung” sind miserable Lohnentwicklungen und gewaltige Schulden privater US-Haushalte für Studium, den vierrädrigen Untersatz und selbst den normalen Konsum verantwortlich.

So geht es zwar Stansberry zufolge einigen Menschen in den USA – dem obersten einen Prozent – so gut wie nie. Dagegen geht es einer wachsenden Zahl von Amerikanern immer schlechter. Die Spitzeneinkommen in den USA haben seit 1980 bis 2010 um 41 Prozent zugenommen. Die untere Gehaltsgruppe hat in der gleichen Zeit beim Einkommen aber 5 Prozent eingebüßt. Die mittlere Einkommensklasse legte in diesen 30 Jahren gerade einmal noch um 6 Prozent zu. Das entspricht einer jährlichen Gehaltserhöhung von 0,00172 Prozent. Amerikas Mittelklasse verschwindet allmählich.

Statt Lohnerhöhungen horrende Schulden

Um ihren Lebensstandard zu halten, machten die Amerikaner Schulden, viele Schulden. Das war auch ein Ziel des billigen Geldes nach der Finanzkrise von 2008/2009, was in Deutschland schlechter funktionierte als in den USA. Doch 40 Jahre Lohnsenkung oder zumindest Fast-Stagnation der Einkommen in den USA ließen nur die Wahl, auf viele Dinge des normalen Lebens zu verzichten oder Schulden zu machen. Letzteres geschah. Da sind gigantische Summen zusammengekommen: rund 1,5 Billionen Dollar unbezahlte Studienkredite, eine Billion Dollar an offenen Rechnungen auf Kreditkarten und eine weitere Billion Dollar an Autokrediten.

Gerade letztere werden laut Stansberry von den Banken so behandelt wie vor zehn Jahren die Darlehen an willige Häuslebauer. Der finanzielle Satus dieser Kreditnehmer bleibt weitgehend ungeprüft. Gestückelt werden diese Darlehen aber als Asset Backed Sercurities an Anleger wie Fondsgesellschaften, Versicherungen und Pensionspläne verkauft. Das führte beim Immobilien-Crash vor einem runden Jahrzehnt zu gewaltigen Pleiten im westlichen Wirtschaftsverbund, die wir noch heute nicht bewältigt haben. Der Markt wurde mit billigem Geld überschwemmt –alles frisch aus der Druckerpresse, um die Banken am Leben und die Wirtschaft am Köcheln zu erhalten.

Wer etwas hat, dem wird genommen

Wir haben mittlerweile den Punkt erreicht, an dem die Geschichte zu kippen droht, meint Stansberry. Heute aber geht es um mehr als damals. Ein großer Teil der Amerikaner sei gestresst und wütend. Sie verlangten nun ein Jubilee, einen Schuldenschnitt. Auch Stimmen im US-Senat und aus der Wissenschaft sprächen sich dafür aus. Stansberry meint, dass führende Politiker angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in 2020 auf diesen Zug aufspringen werden. Wenn es dazu kommt, werden allein in den USA nach den Berechnungen des Stansberry Research Instituts Millionen von Anlegern, Rentnern, Versicherungskunden und Gläubigern ein Vermögen verlieren. Das aber bleibt nicht auf die USA begrenzt. Dieser Zusammenbruch wird auch Deutschland erfassen.



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