Draghis Erbe Teil 2: Christine Lagarde

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Von Gastautor F. L.

In den letzten Wochen wurde so viel über die Wahl von Ursula von der Leyen zur Präsidentin der Europäischen Kommission gesprochen, dass die Personalentscheidung Christine Lagarde mehr oder weniger untergegangen ist. Ende Oktober wird die bisherige Chefin des IWF den womöglich wichtigsten Posten in der Eurozone übernehmen, und dass für voraussichtlich 8 Jahre.

Viele Reaktionen auf Lagarde sind positiv, es gibt aber auch Bedenken. Schließlich fehlt ihr die Erfahrung als Notenbankerin bzw. die formelle Ausbildung als Ökonomin. Doch neben ihren fraglichen Qualifikationen sollte auch ihre persönliche Vergangenheit nicht außer Acht gelassen werden. Ganz unproblematisch ist diese nämlich nicht. Lagarde hat laut Urteil eines französischen Gerichts in ihrer Zeit als Finanzministerin fahrlässig gehandelt. Der Vorwurf im Prozess lautete, Lagarde hätte aus Nachlässigkeit die Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht.

Doch all dies wäre verzeihbar, wenn sie Lösungen für drängende Probleme (in Teil 1 angesprochen) liefert. Gibt es dafür eine realistische Chance? Die kurze Antwort lautet leider: Nein.

Lagarde gilt geldpolitisch als Draghi 2.0, wenn nicht sogar noch radikaler. Was ist also zu erwarten? Das Anleihekaufprogramm wird voraussichtlich wieder aufgenommen. Die Tatsache, dass dieses Programm erst vor Kurzem beendet wurde, und nun wieder benötigt wird, zeigt, dass die Eurozone wie ein Süchtiger auf den Stimulus angewiesen ist.

Die Zinsen werden ebenfalls bei 0% (und darunter) bleiben. Dadurch wird sich die Geldmenge (also die Inflation) weiter erhöhen und die Finanzierungsblase der Unternehmen/ Staaten wird nur noch stärker. 

Doch diese beiden Maßnahmen verlieren immer stärker an Wirkung. Eine Rezession bahnt sich an und die EZB muss eingreifen. Mal wieder. Lagarde hat also kein Exit-Szenario aus der Sackgasse. Sie kann Draghis Kurs aber auch nicht einfach nur weiter führen. Was machst sie also? Sie legt einfach noch eine Schippe drauf. Was wird konkret passieren?

Negativzinsen: Negativzinsen sind ein ökonomisches Ausnahmeszenario. In den meisten Lehrbüchern der Volkswirtschaftslehre wird darüber nicht mal geschrieben. Aber auch 0% Zinsen  galten als Ausnahme, und wurden zur Normalität. Warum also nicht auch Negativzinsen? Schon bald wird sich “niemand mehr Negativzinsen entziehen”, sagt zum Beispiel der badenwürttembergische Sparkassenpräsident

Steuer auf Bargeld: Bargeld ist der EZB durchaus ein Dorn im Auge. Warum? Weil sie es schwerer kontrollieren kann. Und die schleichende Abschaffung des Bargelds findet seit Jahren bereits statt. Trotzdem ist eine Komplettabschaffung politisch (noch) schwer durchzusetzen. In ihrer Zeit beim IWF hat Lagarde aber bereits kreative Ideen  diesbezüglich gehabt. Man könne schlicht einen Preisaufschlag für Bargeld einführen, und es so maximal unattraktiv machen.

Doch auch diese Maßnahmen werden nur für einen bestimmten Zeitraum “funktionieren”. Was danach kommt, ist weitaus schwieriger zu prognostizieren. Viele rechnen mit Helikopter-Geld, dass könnte jedoch zu einer schlagartigen Inflation führen. 

Oder endet der Euro doch früher als erwartet und wird durch den Lagard -Coin ersetzt? Offen dafür scheint sie zu sein.

Fakt ist, wir wissen es nicht. Was wir wissen ist die Tatsache, dass Lagarde keine neue Strategie hat und den Kurs von Draghi mit vollem Tempo durchzieht.



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