Wie der BER sauber bleibt, wer das Klima kontrolliert, und was verarmte Stadtbewohner dereinst in die Wälder treibt

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Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel

Es erfordert schon ein gewisses Showtalent, so ein stinklangweiliges Thema in die Schlagzeilen zu wuchten. Engelbert Lütke Daldrup hat das drauf. Den kennen Sie gar nicht? Ein Fehler, wenn auch ein entschuldbarer. Der Mann ist Chef des Berliner Hauptstadtflughafens BER. Richtig, das ist der ohne Flüge.

Jahre ist es her, da haben wir uns über das Mammutprojekt, das nicht fertig wird, gewundert, dann haben wir gelacht und irgendwann nur noch gegähnt: Ja, ja, der nächste Fertigstellungstermin wird wieder nichts, sonst noch was?

Und ob: Lütke Daldrup hat ein ehrgeiziges Ziel verkündet, und nein, es handelt sich diesmal nicht um den nächsten öden Fertigstellungstermin, der dann wieder gerissen wird. Nein, er geht viel weiter: „Unser Ziel ist es, dass der BER im Jahr 2050 klimaneutral operiert.“

Hat er wirklich „operiert“ gesagt? Was meint er damit? Der „Flughafen“ tut seit seinem ursprünglich angepeilten Geburtsjahr 2012 alles Mögliche: Er kostet Unmengen Geld, regt zum Lachen, Spotten und Gähnen an, demontiert den Weltruf der Deutschen als Nation der perfekten Organisatoren, Ingenieure und Baumeister. Er hat etliche mittelständische Unternehmen an den Rand des Untergangs gedrängt (oder auch ein unbedeutendes Quäntchen über diesen Rand hinaus) − nur eines tut er auf keinen Fall: „operieren“.

Nun könnten wir einwenden, dass die Sache mit der Klimaneutralität dem BER-Chef nicht allein eingefallen ist. Es handelt sich um eine Vereinbarung aller deutschen Flughäfen. Nur haben die anderen alle etwas, was dem BER fehlt: Starts, Landungen − Flugzeuge! Mit einem Wort: Sie „operieren“ tatsächlich.

Indes: Mit seiner Ankündigung hat Lütke Daldrup ein Bild abgerundet, das wir uns 2012 nicht vorstellen konnten. In Wahrheit gab uns die BER-Pleite vor sieben Jahren nämlich nur einen Vorgeschmack auf jenes Deutschland, in dem wir demnächst leben würden. „Demnächst“ ist heute, das Deutschland des Jahres 2019.

Brücken, Straßen, Schulen oder Schwimmbäder vergammeln, das digitale Kommunikationsnetz ist im internationalen Vergleich so schlecht, dass sich sogar der Bundeswirtschaftsminister dafür schämt, die innere Sicherheit bröckelt, die Armee ist ein Witz, die Industrie bricht ein, die Energieversorgung wackelt immer bedenklicher − nur beim „Klimaschutz“, da sind wir ebenso die globalen Vorreiter wie bei der Aufnahme von Asylsuchern.

Der klimaneutral „operierende“ Flughafen, auf dem kein Flugzeug landet oder startet, bildet den idealen Schlussstein dieses Gesamtkunstwerks. Eines Landes nämlich, das sich radikal abgewendet hat von den klimasündigen Marotten seiner Vergangenheit, für die Symbole wie die Krupp-Ringe oder der Mercedes-Stern standen.

Für den Bruch war es auch höchste Zeit. Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Klima-Institut schreckt uns auf mit einer ebenso beängstigenden wie verblüffenden Botschaft: „Wir verlieren die Kontrolle über das Klimasystem.“ Wir verlieren … was? Uns ist gar nicht aufgefallen, dass wir oder der Herr Rahmstorf diese Kontrolle jemals besaßen. Hätten wir das gewusst, hätten wir unser Sommerwetter doch gleich in Potsdam bestellt. Da wäre was anderes herausgekommen als der viel zu heiße und trockene Sommer 2018 oder der hier jetzt, in dem es (zumindest im Norden) trotz lausiger Kälte schon wieder zu wenig regnet.

Tja, zu spät, die Kontrolle verlieren wir gerade. Das soll wohl heißen, dass die Natur von sofort an wettertechnisch wieder macht, was sie will, oder? Kann auch nicht sein, denn der „Klimawandel“ ist ja menschengemacht, haben wir gelernt. Wie passt das nun wieder zusammen?

Genauso gut, wie die beiden Versprechungen, die uns Grünen-Chefin Annalena Baerbock macht hinsichtlich der von ihr herbeigesehnten CO2-Steuer. Versprechen Nummer eins lautet: Nein, das sei keine reine „Abzocksteuer“, mit der in Wahrheit die Asyl-, Gender- oder Kampf-gegen-Rechts-Industrie gefüttert werden soll oder die Kindergeldkasse in Rumänien. Es gehe allein um die „Lenkungswirkung“ beim CO2-Ausstoß. Mit anderen Worten, die Steuer soll den Leuten wehtun, und zwar richtig, damit sie ihren Lebenswandel so gründlich verändern, dass sie drastisch weniger Kohlendioxid ausstoßen.

Das zweite Versprechen verheißt: Die Steuer werde „sozial gerecht gestaltet, sprich: Die unteren Schichten und die breite Mittelschicht, also die ganz große Mehrheit des Volkes, werden sie kaum spüren.
Merken Sie es auch? Richtig: Versprechen eins und Versprechen zwei klingen beide toll, passen nur leider nicht zusammen. Die große Mehrheit des Volkes in Unter- und Mittelschicht ist es ja, die auch die große Mehrheit des Kohlendioxids produziert. Mögen ein paar reiche Leute mit ihren Villen, Limousinen und Privatjets pro Kopf auch viel mehr hinauspusten − sie sind viel zu wenige, um den Kohl fett zu machen.

Soll die Steuer die Massen „lenken“, muss sie der großen Mehrheit spürbare Löcher in den Geldbeutel schneiden. Denn wird die Steuer so gezimmert, dass Unter- und Mittelschicht wegen der sozialen Gerechtigkeit kaum Einbußen erleiden, bleibt die „Lenkungswirkung“ auf der Strecke.
Zum Glück wissen die deutschen Haltungsmedien, auf welcher Seite sie stehen, und verschonen die Grünen-Spitze mit hässlichen Fragen zu diesem offenkundigen Widerspruch. Das war schon bei Jürgen Trittin so, als er versprach, dass die von ihm eingeführten Öko-Steuern den Durchschnittshaushalt nur eine Kugel Eis pro Monat kosten würden. Das Thema hatten wir hier ja neulich schon.

Übrigens: Bei der Trittin-Steuer ist beides passiert: Die Sache wurde für die Durchschnittsdeutschen viel teurer, als damals versprochen, doch die „Lenkungswirkung“ blieb trotzdem messbar mickrig. Daher soll ja nun nachgelegt werden. Was uns das am Ende kosten wird? Da hat sich Fritz Vahrenholt mal umgeschaut. SPD-Mann Fahrenholt war in den 90er Jahren Hamburgs Umweltsenator und wechselte später in die Industrie, wo er vor allem als Manager im Bereich Erneuerbare Energien tätig war. Wenn es um Kohlendioxid und die sogenannte Energiewende samt Kosten geht, weiß er also, wovon er spricht.

Laut renommierten Studien im Auftrag der Bundesregierung wird die Reduktion des CO2-Ausstoßes um 90 Prozent bis 2050 jeden deutschen Haushalt im Schnitt um monatlich 320 Euro ärmer machen. Allerdings hat Kanzlerin Merkel ja neulich der Welt versprochen, dass Deutschland den Ausstoß bis 2050 sogar um 100 Prozent senken werde, womit wir schon bei weit mehr als 320 Euro wären, weil die letzten Prozente die teuersten sind.
„Fridays for Future“ fordert unter dem Beifall der Bundesregierung und der Haltungsmedien sogar, dass wir schon 2035 „klima­neutral“ werden sollen, also bei den 100 Prozent. Das würde nach Berechnung von Vahrenholt jeden Haushalt im Schnitt 1050 Euro kosten, pro Monat.

Ja, pro Monat. Da erscheint der Fortgang beim BER schon wieder vollkommen logisch. Fliegen kann sich sowieso bald keiner mehr leisten, wenn wir den Greta-Jüngern folgen, von denen derzeit nicht wenige an exotischen Urlaubsorten weilen dürften, zu denen sie im Flugzeug gelangt sind.

Wir sagten es ja, der BER ist das Ebenbild des neuen Deutschland, in dem alles „klimaneutral“ ist, weil sich nichts mehr bewegt. Höchstens die elenden Massen von mittellos gemachten Stadtbewohnern, die in die Wälder der Umgebung schleichen, um dort Brennholz zu hamstern, weil sie sich die teuren „klimaneutralen“ Heizsysteme nicht leisten können.
Dort erwarten sie dann Wachmannschaften, welche die holzgierigen Städter per Gummigeschoss-Salve von den Wäldern fernzuhalten trachten − mit Kugeln aus nachwachsendem Naturkautschuk, versteht sich.



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