Jüdische Identität und Zuwanderung

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oder: Wie man Zuwanderungsskeptiker zu Antisemiten macht

von Gastautor Josef Hueber

Bemerkungen anlässlich der Empfehlung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung an Juden, im öffentlichen Raum keine Kippa zu tragen

EIN AUSDRUCK VON RATLOSIGKEIT
Pfeifen im Wald soll angeblich Angst vertreiben. Die Kundgaben von Entschlossenheit in den Äußerungen unserer politischen Repräsentanten, in Deutschland jüdisches Leben in Sicherheit zu gewähren, ist Ausdruck ihrer Ratlosigkeit, wenn Stichflammen des Antisemitismus einen Flächenbrand ankündigen. Sie geben vor zu schützen, was zu schützen sie nicht mehr imstande sind: Das selbstverständliche, unbedrohte Bekenntnis jüdischer Identität im öffentlichen Raum.

JUDEN SIND AUCH FREMDE ?
Politisch Korrekte, innerhalb und außerhalb der Altparteien, kategorisieren die Bedrohung jüdischer Existenz in Deutschland als lediglich  e i n e Variante von Fremdenhass und stigmatisieren dadurch die Kritiker der verantwortungslosen, ungezügelten Zuwanderung, Xenophobie axiomatisch unterstellend, als Antisemiten. So mutieren Juden, die definitiv keine Fremden sind, unfreiwillig zum Beweis, dass die Ablehnung uneingeschränkter Zuwanderung eine Variante von Antisemitismus ist.

DIE FREIHEIT DER SELBSTDARSTELLUNG IN SYMBOLEN
Kleidung ist nicht nur Ausdruck von Scham oder Schutz vor Kälte. Sie ist ebenfalls Merkmal einer Öffentlichmachung von Identität und Zugehörigkeit. Symbole, die auf Kleidungsstücken angebracht sind, zeigen Lebensphilosophien oder offenbaren Selbstdefinition. Ein US-Präsident, der „Stars and Stripes“ am Revers  n i c h t  trägt, ist jenseits amerikanischer, national orientierter Vorstellungskraft. Gibt man in der Suchmaschine „Merkel / Flagge“ ein, so finden sich vorrangig Einträge wie „ …wirft Flagge weg…“ und Hinweise auf Youtube-Clips, in denen die Kanzlerin jeglichem Patriotismus sichtbar Hohn spricht.

DIE DOPPELTE MORAL DER TOLERANZ
Religiöse Symbole, ob auf Kleidungsstücken oder anderswo platziert, sollten in einer Gesellschaft, die sich als aufgeklärt-tolerant definiert, nicht Gegenstand einer Debatte über deren Zulässigkeit sein.
Entspricht dies in Deutschland der Realität ?
Mit doppeltem Gesicht zeigt sich leider die Antwort auf diese Frage im Welcome-Deutschland.

Frauen, die den Hijab tragen, unterstellt man von Befürwortern, sie täten dies freiwillig und als Zeichen ihrer Emanzipation. Die Verfechter dieser Theorie halten sich für Vertreter von Toleranz und Humanität. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass diese Argumentation zunehmend Akzeptanz findet, ganz gleich, ob sie stimmt oder nicht. Gewaltsames Vorgehen gegen Frauen, deren Kleidungsstücke auf muslimische Identität hinweisen, gibt es in der Öffentlichkeit grundsätzlich nicht.

Mit ganz anderem Maßstab hingegen werden jüdische Symbole, wie die Kopfbedeckung Kippa oder das Halsband mit Davidstern, gemessen und behandelt. Juden, die sich mit einer Kippa bedecken, sind zunehmend Zielscheibe von Hass, meist von Menschen bekannter Herkunft, die aber gleichzeitig das Tragen des Hijabs als Menschenrecht einfordern.

DER ZYNISCHE VORSCHLAG
Im Zentrum des Interesses steht aktuell die Äußerung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein. Seine Warnung, die Kippa nicht „überall in Deutschland zu tragen“ rief heftige Kritik im In- und Ausland hervor. Zurecht, denn darin kommt ein Zynismus zum Ausdruck, der Juden zu bevormundeten Schutzbefohlenen degradiert und sie des Rechts der öffentlichen Kundgabe ihrer Zugehörigkeit entledigt – unter dem Vorwand staatlicher Fürsorge. Das Identität stiftende, traditionelle Kleidungs- bzw. Schmuckstück wird mit dieser politischen Empfehlung auf eine den öffentlichen Frieden störende Äußerlichkeit herabgestuft. Das dahinter stehende, verlogene Kalkül nimmt so die von der Regierung zu verantwortende Zuwanderungspolitik mit der Folge einer Neuauflage öffentlicher Diskriminierung von Juden aus der Schusslinie.

ANTI- ANTISEMITISMUS IST EINE ALLZWECKWAFFE
Ein nicht thematisierter Aspekt der von Politikern gepflegten Pflichtempörung über zunehmenden Antisemitismus gerät dabei aus dem Blick. Der Eindruck lässt sich nicht nicht verdrängen, dass die öffentlich zur Schau getragene Betroffenheit als zweckdienlich erscheint bei dem Bemühen, allgemeines Einverständnis mit der Zuwanderungspolitik zu finden. Die Antisemitismus-Debatte wird so umgeleitet in eine Zuwanderungsdebatte.

CONTRA ANTISEMITISMUS = PRO ZUWANDERUNG
Der offizielle, vordergründige Einsatz der Regierung gegen Antisemitismus beabsichtigt konzeptionell die Legitimierung der außer Kontrolle geratenen Zuwanderungspolitik. Ziel ist es, Antisemitismus bei den Gegnern der Zuwanderung zu verorten, und diese somit als Antisemiten zu disqualifizieren.

Wie geht das?

Juden, die gegenwärtig Diskriminierung erfahren, werden in eine Schicksalgemeinschaft mit illegalen Zuwanderern, pauschal „Fremde“, eingereiht. Wer somit die Politik der offenen Grenzen ablehnt, wird als xenophob stigmatisiert und ist folglich auch Antisemit.

Doch dies ist per se abwegig. Juden sind nicht „Fremde“ in Deutschland, aber sie sind in Gefahr, dazu gemacht zu werden. Sie in die Kategorie der Opfer allgemeinen Fremdenhasses einzubringen, ist Etikettenschwindel.

Genau diese Verortung soll insinuiert werden. Die Forderung nach Einhaltung der Zuwanderungsgesetze und Ausweisung der illegalen Grenzüberschreiter ist nach den Gesetzen der beschriebenen Logik dann rechte Gesinnung, ist Antisemitismus.

Der politisch verlorene Kampf gegen das Erstarken des Antisemitismus wird damit verbal-rhetorisch als entschlossene Schlacht  g e g e n  Fremdenfeindlichkeit und  f ü r  offene Grenzen präsentiert. Wer sich dieser Logik nicht anschließt, ist ein Antisemit.

So geht Lügen-Politik.



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