Das Sturmgeschütz der Demagogie

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Nimmt eigentlich jemand den Spiegel noch ernst? Wer kann solche Texte, wie die des Jungautors Maximilian Popp über den angeblichen Rechtsruck in Deutschland lesen, ohne in permanentes Kopfschütteln zu verfallen, ob des offensichtlichen Unsinns, der darin steht?

Klein Mäxchen legt darin los mit der steilen These, dass sich die Bundesregierung nicht länger ihre Flüchtlingspolitik von einer radikalen Minderheit diktieren lassen sollte. Nur meint er damit nicht die Linksradikalen, deren Doktrin von den offenen Grenzen die Bundesregierung exekutiert. Nach wie vor „tröpfeln“ um die 500 illegale Einwanderer pro Tag, meist ohne Papiere über unsere Grenzen, nach wie vor auch bereits rechtmäßig abgelehnte Asylbewerber mit Wiedereinreiseverbot. Bundesinnenminister Horst Seehofer war lediglich unter äußerstem politischen Druck gezwungen , Mehrfach-Straftäter, so sie identifiziert werden können, abzuweisen zu lassen.

Das nicht wie 2015 Zehntausende täglich unsere Grenze überschreiten, liegt nur daran, dass andere Länder Vernunft walten ließen und die „Fluchtrouten“ geschlossen haben. Zuletzt hat Italien die Schlepperei der „Seenotretter“ auf dem Mittelmeer erschwert.

Millionen hätten im September 2015 Kanzlerin Merkel zu einer “humanen Flüchtlingspolitik“ gedrängt, lautet die zweite steile These.
Wie haben die das gemacht? Durch Gedankenübertragung, indem Merkel nicht einen kleinen Mann, sondern Millionen Männchen und Weibchen im Ohr gehabt hat, als sie das fatale Telefongespräch mit Kanzler Faymann führte und noch geglaubte, es handele sich um 3-5 tausend Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Deutschland gemacht hatten.

Geschichtskenntnis schadet offensichtlich, wenn man es beim Spiegel zu etwas bringen will.

Dann standen laut Mäxchen nicht ein paar tausend, sondern Million Menschen in München und Frankfurt am Bahnhof, um den ankommenden Flüchtlingen Teddybären entgegenzuwerfen, in der irrigen Annahme, den Zügen würden nicht hauptsächlich fitte junge Männer, sondern schutzbedürftige Frauen und Kinder entsteigen.

Nein, die Million haben ziemlich fassungslos vor dem Fernseher gesessen, sich das Medienspektakel angesehen und sich gefragt, ob die politisch Verantwortlichen verrückt geworden sind.

Dann haben tatsächlich sehr viele Bürger die Ärmel hochgekrempelt und haben dafür gesorgt, dass aus dem von Kanzlerin Merkel angerichteten Flüchtlings-Chaos keine Katastrophe wurde. Das genügt unserem Jung-Schreiberling aber nicht.
Für ihn war es angeblich die Hälfte der Bevölkerung, die sich irgendwie für die Neuankömmlinge engagiert hätte. Das hätte eine Studie ergeben, zu der es aber keinen Link gibt, im Unterschied zu anderen Stellen des Textes. Die Hälfte der Bevölkerung wären 40 Millionen, wenn man nur die Biodeutschen rechnete, 30 Millionen! Wie soll das ausgesehen haben?
Im Jahr 2017 wären es nach Mäxchen immer noch ein Fünftel gewesen, also 16 Millionen! Aus diesen Zahlen springt einem das Elend der verzweifelten Helfer förmlich entgegen, die händeringend nach einem Schutzsuchenden gefahndet haben, den sie unter ihre Fittiche nehmen konnten!

Angesichts der von unserem Spiegel-Experten imaginierten Willkommens-Aktivisten, ist es absolut verwunderlich, wie es den Rechten gelungen sein soll „die Hoheit über den Diskurs zu erlangen“. Da kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Hexerei oder Teufelswerk muss im Spiel gewesen sein, wenn es einer Minderheit trotz Willkommens-Propaganda, die nicht nur im Spiegel, sondern in allen Qualitätsmedien ununterbrochen betrieben wird, gelungen sein soll die Stimmung im Land zu vergiften, der eine „Radikalisierung des Handelns“ gefolgt sein soll.

Mäxchen versteigt sich tatsächlich zu der Behauptung:

„Die “Flüchtlingskanzlerin” hat die schärfste und repressivste Flüchtlingspolitik in der Geschichte der Bundesrepublik zu verantworten, auch wenn sie das selbst niemals zugeben würde.“

Als „Belege“ führt der von jedem Faktenwissen offenbar unberührte Mann den Türkei-Deal an. Er übersieht dabei, dass für jeden zurückgenommenen Illegalen, Erdogan einen legalen Flüchtling aus seinen Lagern schickt.

Dann würden die EU-Staaten mit Libyen zusammenarbeiten, „in dem in dem Migranten gefoltert, versklavt, hingerichtet werden“. Was Mäxchen wieder nicht sieht ist, dass diese Migranten vorher aus eigenem Entschluss aus sichern Gebieten nach Libyen gekommen sind, um von dort nach Europa zu starten.
Schauen wir uns einmal die Passagiere an, die von der „Aquarius“ vor wenigen Wochen in Alicante an Land gebracht wurden. Es seien „Kriegsflüchtlinge“ gewesen, wurde uns von den Qualitätsmedien weis gemacht.
Laut Liste stammten die Passagiere aus:
Algerien: 43, Afghanistan: 1, Bangladesch: 3, Kamerun: 6, Komoren: 2,
Kongo: 1, Elfenbeinküste: 11, Eritrea: 60, Äthiopien: 5, Gambia: 11,
Ghana: 3, Guinea Bissau: 4, Guinea: 22. Liberia: 1, Mali: 11, Marokko: 11,
Niger: 1, Nigeria: 148, Pakistan: 11, Senegal: 13, Sierra Leone: 20,
Somalia: 5, Sudan: 152, Süd Sudan: 49, Togo: 9

In Guinea, Marokko, Togo, Gambia, Ghana, Komoren, Algerien herrscht kein Krieg. Wieso fliehen Menschen ausgerechnet nach Libyen, wo tatsächlich Krieg gibt? Flieht man vor Elend und Perspektivlosigkeit in Kriegsgebiete? Kaum. Es sind die Anreize und Versprechen der Schlepper und die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil dieser perversen Reiseplanung eben jene „Rettungsschiffe“ sind, die vor der afrikanischen Küste patrouillieren.

Bei seinem dritten „Beleg“, den Ankerzentren, hatte sich Mäxchen mit der Behauptung, dort würden Flüchtlinge „gefangen gehalten“ so vergaloppiert, dass der Spiegel für eine Textänderung sorgen musste.

Das weder Minister Seehofer, noch irgend ein anderer CSU-Politiker mehr geliefert hat, als bloße Ankündigungen, denen nie Taten gefolgt sind, ist dem Spiegel-Nachwuchs entgangen.
Das hätte auch die schräge Abschlussforderung, die der linksradikal-grünen These, aus Illegalität Legalität zu machen entspricht, etwas den Boden entzogen.
Mäxchen nennt das kühn ein „Angebot“ an die „zwei Drittel der Bürger, die mit dem Rechtsruck in Deutschland nicht einverstanden sind“.

Die ungebremst fallende Auflage des Spiegels zeigt, dass diese zwei Drittel genauso frei erfunden sind, wie das meiste in diesem Text.

Der Schöpfer dieses Meisterwerks der Leser-Verdummung ist kürzlich Korrespondent des Spiegels in der Türkei geworden. Wenn seine Berichte von dort genauso wahrheitsgetreu sind, wie der hier besprochene Kommentar, weiß man schon, was man auf keinen Fall lesen sollte.

PS: Bitte beachten Sie auch dieses notwendige Ergänzung!



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