Das Ende der Klassik

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„Seit die klassische Musik verboten wurde, hat sich mein Leben grundlegend verändert. Ich hocke wie in einem Mauseloch, und draußen lauert wie eine große Katze der Staat“.

So beginnt A. Henrys Erzählung über das allmähliche Abgleiten in eine neue Diktatur. Es begann mit den scheinbar gerechten Forderungen nach Gleichheit. Damit waren nicht die Gleichheit vor dem Gesetz und die Chancengleichheit gemeint, sondern die Eliminierung der Unterschiede zwischen den Menschen. Die Schaffung des Einheitsmenschen begann mit der Einführung von Quoten. Die klassischen Orchester sollten zur Hälfte aus Musikerinnen bestehen. Das war noch relativ einfach zu erfüllen. Dann sollten aber auch Behinderte, die nur „anders Befähigte“ genannt werden durften, mittels Quote in Orchester integriert werden. Das war schon schwieriger, konnte aber noch gelöst haben, indem sich Musiker Behinderungen bescheinigen ließen. An der Spitze Standen Autismus und Schwerhörigkeit. Schließlich war Beethoven sogar taub gewesen und hatte noch Meisterwerke geschaffen.

In den Öffentlich-Rechtlichen Sendern war immer weniger Klassik zu hören. Nur Mendelsohn-Bartholdi machte eine Ausnahme, weil er schon einmal verboten worden war und man mit dieser Diktatur nichts gemein haben wollte.

Das Problem Mendelssohn-Bartholdi löste sich von selbst, als klassische Musik generell verboten wurde. Sie musste aus allen öffentlichen Institutionen und Privathaushalten verbannt und vernichtet werden. Rebell war, wer wie der Erzähler heimlich Klassik hörte. Dazu mussten umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden. Im Klassik-Keller durfte es keinen Laptop, kein Handy, kein Chip und keine Bank- oder Gesundheitskarte geben, damit man dem Täter nicht auf die Spur kommen konnte.

Die öffentliche Stimmung wurde durch zahlreiche „Rock gegen Klassik“-Konzerte angeheizt. Zahllose freiwillige Helfer denunzierten eifrig jeden Verdächtigen.

„Sie gehen gegen jeden vor, der es wagt, ihren festgelegten Welterklärungen zu widersprechen. Sie verlangen Gefolgschaft für ihre Behauptungen, fordern Bekenntnisse, Nachplapperei. Drohen mit Strafen für abweichendes Denken! Für Denken überhaupt!…Dabei haben sie nichts in der Hand, als ihre lächerlichen Verbote…“

Nach einer Haussuchung, bei der die Behörden nicht fündig wurden, braucht der Erzähler dringend ein Dosis klassische Musik, die Stimme des Sarastro: „Strahlen der Sonne vertreiben die Macht, zernichten der Heuchler erschlichene Macht“. Danach weiß er wieder: „Der Tag wird kommen, an dem ihre Macht zusammenbricht. An dem wir wieder Mozart hören können – unter freiem Himmel.“

P.S. Klassische Musik war in Maos China verboten. Heute gibt es zahlreiche chinesische Musiker in den Orchestern der Welt!

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