Der Kampf gegen Hass im Netz ist ein Fake.

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In Wirklichkeit geht es um den Kampf gegen konservatives Denken.

Von Gastautor Josef Hueber

Protest ist heute eine der bemerkenswertesten
Formen der Anpassung. (J.Gross)

Die beste Methode, das Gegenüber in einer Diskussion platt zu machen, besteht darin, ihm mittels einer Frage etwas zu unterstellen, was seine Position zwar nicht wiedergibt, was aber offensichtlich nicht haltbar ist. Dann muss der Gegner etwas widerlegen, was er gar nicht gesagt hat. Beispiel: Wenn jemand der Meinung ist, dass das Netzwerkdurchsetzungsgesetz nicht akzeptabel ist, dann fragt man ihn einfach: „Soll man also im Netz Hass bedenkenlos verbreiten dürfen?“ Wer würde darauf schon mit „Ja“ antworten? Die Einwände gegen die Zensurmaßnahmen unseres Hass-Bekämpfungsministers scheinen damit vom Tisch. Der überrumpelte Diskussionspartner ist in einen Scheinkampf verwickelt. Der Ausgang des Gefechts für den in dieser infamen Diskussionstechnik Ungeschulten ist klar: K.O. in der ersten Runde!

Es gibt Zeichen an der Wand, die keine Zweifel daran lassen, dass der Druck gegen das Kundtun von mit dem Mainstream inkompatiblen Überzeugungen nicht auf die sozialen Medien beschränkt ist und nicht nur von den im Bundestag beschlossenen Reinheitsgeboten zur Sicherung richtigen Denkens ausgeht. Er hat mittlerweile andere Bereiche erfasst.

Die gegenwärtigen Diskussionen über Meinungsfreiheit und der nicht zu überschreitenden Roten Linie, resp. HASS, aber auch die an Dynamik gewinnende Einschränkungs- und Vorschriftenwut in nahezu allen Lebensbereichen trägt aufklärungsfeindliche Züge. Das Ansinnen der politischen und medialen Elite ist es, Einschränkungen der Freiheit zu unbequemem Denken und Artikulieren in der Öffentlichkeit flächendeckend durchzusetzen. Bei dieser großen Kulturaufgabe finden sich mühelos freiwillige, sozusagen Inoffizielle Mitarbeiter, die bereit sind, dagegen zu halten, wenn unsauberes Denken der Öffentlichkeit nicht zugemutet werden soll. Martin Lichtmesz spricht in seinem lesenswerten Buch „Mit Linken leben“ vom vorherrschenden „sanften Totalitarismus“.

Es geht dabei nicht nur um verbale Äußerungen auf Facebook und dergleichen Plattformen, wie das knochig benannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz nahelegt. Mehr noch: Immer häufiger kriechen alle möglichen Helfershelfer der Unterdrückung hinterm Ofen hervor, wenn sie sich mit ihrer politischen Korrektheit auf Kosten der Freiheit anderer profilieren können.

Wie sonst soll man es interpretieren, wenn das Gomringer-Gedicht “Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer”), in Wahrheit ein Loblied auf die Schönheit der Frauen, von der Fassade einer Hochschule entfernt wird, weil sich darin angeblich ein patriarchalisches Denkmuster äußert? (http://bit.ly/2BY3Tkr ) Getrieben von Genderideologie, äußern Studierendenvertreter“ einen aberwitzigen, intellektuellen Rohrkrepierer. Sie behaupten allen Ernstes, dass dieses Gedicht „unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind“, erinnere! Ergebnis: Im Herbst 2018 soll nach einem Hin und Her zwischen dem Akademischen Senat und dem Rektor das Gedicht überpinselt, aber an seiner Stelle ein anderes einer Poetik-Preisträgerin frisch hingepinselt werden.
(Hoffentlich stellt man dann schon im Vorfeld Untersuchungen an, ob in dem neuen Text keinerlei „sexuelle Belästigung“ zum Ausdruck kommt. Oder noch schlimmer: Ob eine andere, für psychisch hypersensible, an irgendwelchen denkbaren Phobien neurotisch leidende Leser unzumutbare Äußerungen darin enthalten sind! Dabei sollte man auch alle Angestellten der Hochschule, inklusive Wartungspersonal, sowie eine repräsentative Anzahl von Passanten befragen, um einer nochmaligen unkorrekten Aussage wie in Gomringers Gedicht jede Chance zu nehmen.)

Lassen wir uns von den sanften Diktatoren nicht dazu verführen, um den Brei herum zu denken. Ungehorsame Querulanten sollen bei horrender Strafandrohung an die Plattformen vom Prozess der öffentlichen Meinungsbildung ferngehalten werden. Konkret bedeutet dies die Löschung widerstrebender, lästiger, alternativer Äußerungen außerhalb der vom Steuerzahler finanzierten und staatsaffinen Medien. Die nirgends vorzufindende Definition von HASS kommt da gerade der Kontrollwillkür zupass. Parade-Beispiel Facebook.

Es nimmt nicht Wunder, dass die darstellende Kunst auch schon auf dem Radarschirm der Saubermänner aufgetaucht ist. Wendy Earle, Kolumnist bei dem englischen Online Magazine Spiked, sieht in der Entfernung des Gemäldes „Hylas und die Nymphen“ von J.W. Winterhouse aus der Art Gallery Manchester das Beispiel puritanischer Kriegsführung gegen die Kunst : „The New Puritans Waging War on Art“ (http://bit.ly/2F1Wrn9) Die FAZ fragt:“ Was, wenn diese Dummheit Schule macht?“. (http://bit.ly/2s1oHDr) David Berger bezeichnet dies auf seinem Blog Philosophia Perennis als „Politisch korrekte Barbarei“.
Dummheit? Widerspruch, Euer Ehren! Natürlich wusste man immer von Seiten der Museumsleitung, dass dieses Gemälde ein wertvolles Dokument europäischer Malerei ist. Seine Entfernung geht also nicht auf Ignoranz, der synonymen Schwester von Dummheit, zurück. Alles hat seine Vorgeschichte. Es gibt bekannte Theorien in jüngerer Vergangenheit, wonach Kunst sich in den Dienst einer Ideologie zu stellen hat. Was spricht dagegen, dass man es hier mit einem Update von ähnlicher Qualität zu tun hat?

Eine Unschuldsvermutung gegenüber den Protagonisten der Forderung einer bakterienfreien, hygienischen öffentlichen Artikulation, verbal oder non-verbal, kann leider nicht gewährt werden. Denn der Protest gegen „Hass“ ist selektiv und somit ideologisch gesteuert. Es gibt offensichtlich so etwas wie akzeptablen und inakzeptablen Hass, je nachdem, aus welcher politischen Richtung er kommt.
Der Evidenzbeweis ist leicht zu führen. Dieses Foto

der Seite „Fuckisrael“, gehostet auf Facebook (https://www.facebook.com/F.israel99/ ), kann keinem Menschen mit einem Rest von Wahrheitssuche und Menschlichkeit anders als eine von purem Hass getriebene Karikatur erscheinen. Die Antwort von Facebook auf die Meldung des Posts wegen „Hassrede“ schlägt dem Fass den Boden aus:
„ Du hast Fuck Israels Foto wegen Hassrede anonym gemeldet. Wir haben uns das Foto angesehen und festgestellt, dass es gegen keinen unserer Gemeinschaftsstandards verstößt“ ( http://bit.ly/2EJ9UlW ).

Unsere Noch-Bundeskanzlerin nannte die Solidarität mit Israel Teil der deutschen Staatsräson. Wenn sie in ihrem Gespräch mit dem jüdischen Facebook – Milliardär Zuckerberg über bzw. gegen die Verbreitung von anti-jüdischem Hass auf seiner Plattform, wovon sie Kenntnis haben muss, gesprochen hätte, dann wäre die Glaubwürdigkeit von Maas’ maßlosem Gesetz zwischen 0 und 10 etwas größer als 0.



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