Die zweite Büchermesse „Seitenwechsel“ in der Messe Halle war ein voller Erfolg.
Die Antifa hatte sich trotz Verstärkung von den Omas gegen rechts im Vergleich zum Vorjahr mindestens halbiert, die Besucherzahl verdoppelt. Die Teleobjektive der Antifanten-Kameras glühten, es gelang trotzdem nicht, alle Besucher einzufangen, weil sich die Schlange der Einlassbegehrenden um die halbe Messe wand.
Als Messebesucher versuchten, mit den Antifanten zu reden, wandten die sich hilfesuchend an die Polizei. Nichts fürchten unsere Helden von der Antifa so sehr wie eine Diskussion. Die Polizei war nur zu gern bereit, ihnen die Zumutung zu ersparen, Argumente austauschen zu müssen. Sie ordnete an, dass die Messebesucher den Rückzug anzutreten hätten, weil sie keine Spontandemo angemeldet hatten.
Als ich am Sonntag gegen 14 Uhr die Messe erschöpft, aber glücklich verließ, erwartete mich noch ein besonderes Schauspiel. Die Polizeiautos hatten sich vermehrt und sperrten die Zufahrten zu den Parkplätzen ab. Wie lange das schon der Fall war, kann ich nicht sagen, aber ich kam zwanzig Minuten nicht vom Platz.
Grund der Behinderung war eine Fahrraddemo. Als sie sich endlich näherten, blinkten am Horizont zahlreiche Blaulichter. Wenn ich richtig gesehen habe, bildeten vier Polizeiwagen und einer mit Kräften in Zivil die Spitze der Demo.
Kurz dahinter wurde die Flagge der Antifa von zwei Radlern krampfhaft auf halber Höhe gehalten. Das machte sichtbar Mühe, denn die armen Jungs hatten ganz knallrote Gesichter. Es folgten ein paar Kinder mit ihren Elternteilen, die schweigend in die Pedale traten. Dann kamen ein paar Dutzend Leute im Studentenalter vom 1. bis zum 21. Semester, mindestens. Die riefen etwas in Pidgin-Italienisch: „Alerta, alerta antifascista!“, wurden aber immer wieder durch eigene Lacher unterbrochen.
Die tapferen Antifaschisten fuhren übrigens in großem Abstand an der Messe vorbei, ohne anzuhalten. Niemand außer der Polizei interessierte sich für sie. Die Messebesucher, die heim wollten, hatten sich lieber in ihre Autos zurückgezogen, als sich dieses jämmerliche Schauspiel anzutun. Am Ende kamen noch ein paar Jungs, die „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ skandierten, ehe sie schnell um die Ecke verschwanden, geschützt von weiteren vier Polizeiwagen. Eine Polizistin erklärte mir, dass irgendwo hinter der Messe noch Reden gehalten würden. Ich sparte mir, zu erfahren, was die ängstlichen Antifanten und ihre Gefolgschaft sich zu sagen hatten.
Morgen werden sie jedem, der dem nicht ausweichen kann, erzählen, welche Großtat sie im Kampf gegen rechts begangen haben.
Zum Lohn dürfen sie wahrscheinlich Staatsknete abgreifen. So lustig und gut polizeibehütet ist das Antifanten-Leben!


