Landesgartenschauen sind bisher kein Thema für mich gewesen, obwohl ich eine leidenschaftliche Gärtnerin bin. Aber was ich auf der Landesgartenschau in Leinefelde gesehen habe, ist so sensationell, dass ich meine Leser darauf aufmerksam machen möchte. Die traditionelle Gartenschau ist schon einen Besuch wert. Sie ist der Grundstein für einen neuen Landschaftsgarten in Thüringen, einem Land, das so reich an spektakulären Gärten ist wie kaum ein anderes in Deutschland. Man kann neben den üblichen Blumenbeeten eine Auenlandschaft besuchen, sehen, wie eine ehemalige Garagenkolonie rekultiviert wurde, die Umrisse eines mittelalterlichen Dorfes besichtigen und auf einem Waldlehrpfad viel über moderne Waldbewirtschaftung lernen.
Aber das alles wird vom „Blumenblock“ am Rande in den Schatten gestellt. Ein entkernter Plattenbau aus den 80er Jahren ist zum absoluten Anziehungspunkt geworden. Auf jeder Etage ist etwas zu entdecken. Oben kann man eine für die DDR typische WBS-70-Wohnung bewundern, die flankiert wird von Informationen über die jüngste Stadt der DDR, Leinefelde, ein ehemaliges Dorf, das durch Politbürobeschluss industrialisiert wurde. Hier wurden die modernste Baumwollspinnerei und das modernste Zementwerk Europas errichtet sowie Wohnungen für die in den Ort strömenden Arbeitskräfte. Die DDR-Oberen sparten nicht mit Anreizen, ins Eichsfeld zu ziehen. Hier gab es das bestbelieferte Jugendmodegeschäft der Region. Die Kunden kamen aus Erfurt und sogar aus Gera angereist, weil es hier Mode gab, die in den übrigen Geschäften des Bezirks Erfurt nicht zu haben war.
Auf der Etage darunter werden alte Kulturpflanzen vorgestellt, die pflegeärmer und trockenheitsresistenter sind als die Sorten, die heute von den Landwirten angebaut werden.
Aber die Sensation findet man in den ersten beiden Etagen. Hier hat Christopher Ernst, der deutsche Floristik-Meister von 2022–24, für die Dauer der Landesgartenschau zwölf Ausstellungen konzipiert. Die aktuelle, „Monoton und Vielfältig“, ist einfach überwältigend.
Ernst hat hier gezeigt, wie mit wenigen Blumen, die als altbacken oder gar als Friedhofspflanzen gelten, wie Chrysanthemen oder Gerbera, vielfältige Effekte erzielt werden können.
Bunt wie eine Blumenwiese

oder streng wie eine Skulptur.

Man kann damit einen Raum der Stille gestalten, in dem sich meditieren lässt.

Oder das Weiß wie ein Kunstwerk genießen.

Wer es lieber bunt mag, wird dieses Arrangement bevorzugen.

Für Nachtliebhaber ist dieses zauberhafte Bild ein Muss.

Während die Ausstellung lief, fand der islamistische Anschlag auf den CSD in Berlin statt.

Am Ende kann man sich auf dieser Bank niederlassen und seine Eindrücke vor seinem geistigen Auge vorüberziehen lassen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. August geöffnet und wird dann durch das nächste Projekt von Christopher Ernst und seinem sechsköpfigen Team ersetzt.
