POLAR-Spiegelungen. Zur Ausstellung und zum Katalog: POLAR Zwischen Zweisamkeit und Zwist – ein Wagnis zum Ganzen.

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Lothar W. Pawliczak

Vom 27. Juni bis zum 5. September 2026 sind in der Galerie Kunst-Kontor Potsdam Gemälde des Künstlerpaares Gabriela Frančik und Axel Krause zu sehen. Es gibt dort „Bildfindungen in Tagträumen“, „Schwingungen des Unbewußten“ (Zit. nach Axel Krause: BlauPause. edition buchhaus loschwitz. Dresden 2024, S. 5 und 42) bei und zwischen beiden. Wer Schwingungen aufnehmen will, sollte die kleine Ausstellung nicht versäumen (Statt mit dem PKW besser mit der Straßenbahn Nr. 96 bis Rote Kaserne fahren und über Nedlitzer Straße und Fritz-von-der-Lanken-Straße dort ca. 10 Minuten zu Fuß zur Galerie, denn im Bertiniweg gibt es kaum Parkplätze). Wer keine Gelegenheit hat, dort seine Aufwartung zu machen, dem ist unbedingt der Katalog zu empfehlen und jeder Besucher nimmt den wohl als kleinen Schatz mit.

Ich kann und will als kunstliebhabender Laie keine Interpretationen zu den Gemälden liefern, nur mitteilen, was mir auffiel. Was die Kunstwerke in mir an Assoziationen anregen, davon will ich schweigen, um Assoziationen Anderer nicht abzuschneiden. Axel Krause selbst schreibt einleitend, es bilden polar und rhythmisch „die sich jeweils gegenüberliegenden, am weitesten entfernten Farben den stärksten Kontrast, wie auch die vollkommene Harmonie. Der Antagonist ist zugleich sein Komplementär. So unversöhnlich, wie wir oft die Gegensätze sehen, vergessen wir gern, dass sie sich in der Mehrzahl zur Vollkommenheit ergänzen. Daneben gibt es ebenso Phänomene, die einander ausschließen.“ (S. 4) Das soll hier als Assoziationsanregungstext genügen.

Aber was mir auffiel, ist dann doch wohl eine Interpretation: Spiegelungen! Gabriela Frančik und Axel Krause spiegeln sich polar in einigen Gemälden: Bademeisters Traum (S. 6) und Das Ritual (S. 7); Helga (S. 10) und Das Auge (S. 11). Diese Spiegelungen spiegeln wiederum zwei KI-Texte (S. 8/9 und 12/13): „Frančiks Bild bleibt ein Traumzustand: fragil, durchsichtig, beinahe schwerelos. Krauses Bild ist eine Deutung dieses Traums: konzentriert, verdichtet, psychologisch aufgeladen.“ (S. 9)

Gabriela Frančiks oft unwirklichen Darstellungen, insbesondere die der häufig nicht sie selbst seienden Tiere, korrespondieren mit Axel Krauses ganz sachlichem Surrealistisch-Assoziativem. Von Gabriela Frančik gibt es eine Serie „Anomalien“. Schade, daß nicht auch ihre Flügelei (2013) in der Galerie neben dem Pegasus von Axel Krause (S. 22) zu sehen ist.

Bei ihr erscheinen die unwirklichen Assoziationen in ebenen Figuren meist vor flächig-unbestimmtem Hintergrund, bei ihm in sorgfältiger Modellierung der Figuren und mit szenischem Interieur, oft auch noch mit weitem Ausblick.

Was mir auffiel, sind Spiegelungen.

Spiegel kommen bei Axel Krause oft vor. In der Galerie bemerkte ich eine Spiegelung in einem kleinen Detail in Unter Deck (S. 25). Dort spiegelt sich die Streifentapete in der Oberfläche der kleinen Schränkchen. Wieso ist mir die Spiegelung im Fußboden im Gemälde Der Spiegel (S. 14) nicht zuerst aufgefallen? Der Betrachter wird hier zunächst durch den Titel und den Spiegel im Bild abgelenkt, wie das Mädchen, das sich im Spiegel betrachtet und nicht den Abgrund in der Fußbodenspiegelung sieht. Solche Abgründe gibt es auch in anderen Gemälden von Axel Krause: In Blaupause (2015/23) ist der Boden gleichsam verschlingend und die Frau, vor dem Spiegel das Schriftstück in ihren Händen betrachtend, bemerkt nichts. Oft werfen die Figuren in seinen Gemälden starke Schatten, wie ich sie bei Gabriela Frančik nicht gesehen habe. In Sonate (2026) verschmelzen das Klavier und der Virtuose im Schatten zu einer Silhouette, während unter ihm die Spiegelung seiner Beine mit denen des Flügels und Hockers in den Abgrund weist.

 

 

Achten Sie auf die Details! Vergleichen Sie! Assoziieren Sie!

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Gabriela Frančik und Axel Krause.



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