Linker Sprengstoff – Der Fall Rudolstadt ruft nach politischer Aufarbeitung

Von Gastautor Henning Lindhoff

Der Sprengstofffund von Rudolstadt macht abermals deutlich, dass Gewalt von links nicht bagatellisiert werden darf. Und er macht deutlich, wie eng radikale Phantasien bereits in die linke Realpolitik Deutschlands verwoben sind.
Erst nach erheblichem Druck der Opposition im Thüringer Landtag übernahm das Landeskriminalamt die Ermittlungen.
Der politische Hintergrund muss dringend aufgearbeitet werden. Ganz oben auf der Liste der Verdächtigen steht auch ein ehemaliger Sprecher des „Bündnisses Zivilcourage und Menschenrechte“. Dieser „gemeinnützige“ Verein wurde vor 1,5 Jahren noch von der linken Bildungsministerin Birgit Klaubert ausgezeichnet.

Allen voran Die Linke wird in diesen Tagen, nicht zum ersten Mal, von der blutigen Geschichte linker Umsturzversuche eingeholt.

Auch in der Vergangenheit konnten sich gewalttätige Revolutionäre immer wieder aufs linke Establishment verlassen.

Selbst die Rote-Armee-Fraktion wäre ohne ein Netzwerk aus Salonkommunisten nicht denkbar gewesen. Vor 50 Jahren war es der wohlhabende Verlegersohn Giangiacomo Feltrinelli, der ab dem großen Vietnam-Kongress im Februar 1968 in Berlin eine herausragende Rolle für den militanten Flügel der deutschen außerparlamentarischen Bewegung spielte.
Er war es, der im März 1968 Mitglieder der italienischen, französischen und deutschen Studentenbewegungen zu Konferenzen und Planungsgesprächen nach Mailand einlud. Auch Ulrike Meinhof und ihr Ehemann Klaus Rainer Röhl waren im September 1967 Gäste bei Feltrinelli in dessen Schloss Villadeati im norditalienischen Piemont.
In seiner Abrechnung „Fünf Finger sind keine Faust“ erinnert sich der „Konkret“-Herausgeber und damalige Star-Publizist der 68er-Bewegung Klaus Rainer Röhl, dass in dem „Millionärsschloss mit Köchen, flotten Chauffeuren und treuen Dienern“ teurer Champagner und Kaviar gereicht wurden. Auf seine Ehefrau Ulrike Meinhofs habe Feltrinelli großen Eindruck gemacht. Letztlich habe er ihre endgültige Entscheidung pro Terrorismus provoziert.
Doch Feltrinelli war nicht nur geistiger Beistand und ideologischer „agent provocateur“. Er besorgte den italienischen, französischen und deutschen Terroristen auch Wohnungen, legte Waffenlager an und errichtetet illegale Radiosender.

In Zürich schuf er im Jahr 1972 eine Zentrale für den internationalen Waffenhandel, die über Jahre von der deutsch-italienischen Terroristin Petra Krause geleitet wurde.
„Anna Maria Grenzi“ alias „Marina Fedi“ alias „Waltraud Armbrusten“, in Berlin geboren als Petra Krause wurde von der Schweizer Polizei als „Terroristin des Jahrhunderts“ bezeichnet.
Vor ihrer Verhaftung versorgte Krause eine ausgewählte europäische Terroristen-Kundschaft, darunter Griechen, Iraner, spanische Basken, die italienischen Roten Brigaden, Iren und auch die Baader-Meinhof-Bande mit gestohlenen Waffen aus Depots der Schweizer Armee.
Über Petra Krause wird in Deutschland kaum geforscht. Und auch über Feltrinelli erhielt der Historiker Peter Horvath gerade einmal eine dünne Akte von der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Sicher: Ramelow reimt sich nicht auf Feltrinelli und Kipping nicht auf Krause.

Doch damit sich 2018 nicht wiederholt, was 1968 seinen Anfang nahm, dürfen Deutschlands Sicherheitsbehörden die Netze aus Politik, NGOs und Antifa-Gewalt nicht unbeobachtet lassen. Rudolstadt ist eine Warnruf, trotz aller Hektik um rechten Populismus fundamentale Gefahren für den Rechtsstaat von links nicht zu verachten.

Henning Lindhoff ist u. a. Autor von „eigentümlich frei“ und der „Huffington Post“