Das Tier wird der bessere Mensch

Von Gastautor Josef Hueber

Alte Einsame mit Tieren, besonders Hunden, die auf Parkbänken ihre verbleibenden Lebensstunden ausgießen, teilen ihre jetzt so wichtige Lebensweisheit, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, gerne mit: Tiere, so ihre innerste Überzeugung, sind verlässlicher, treuer als Menschen. Wenn man nicht darüber lacht, sondern nachdenkt, wie sie zu diesen un-tierischen Fehlschlüssen kommen, wird schnell klar: Einsamkeit ist die schrecklichste menschliche Erfahrung. Wer den Alleinigen hilft, sie zu überspielen, steigt in deren Wertschätzung grenzenlos. Menschen schieben Alte beiseite, Tiere tun dies nicht. Der Gedanke, dass Tiere Loyalität nicht dem Alter, noch der Schwäche oder Wehrlosigkeit zeigen, sondern lediglich denjenigen treu anhängen, die ihnen zu fressen geben, würde bei einsamen Tierhaltern eine grausame Enttäuschung bewirken. Zum Glück aber bleibt den hilflosen Empfängern des tierischen Trostes diese Erkenntnis verborgen.

Die Wertschätzung von Tieren im Zeitalter der postrationalen Weltwahrnehmung ist eine ganz andere Sache. Das Tier mutiert, nicht evolutionsbedingt, sondern aufgrund einer offensichtlich grundsätzlich fehlenden Unterscheidungsfähigkeit des menschlichen Betrachters, zum Menschen.

Was war geschehen? David Slater, aus Passion Tierfotograf, war auf Suche nach Aufnahmen von in Nord-Sulawesi ansässigen Makaken-Affen. Einer der Affenbande machte ein Selfi von sich. Er wusste gar nicht, was ein Selfi war und drückte wohl versehentlich auf den Auslöser. Dass nach der Veröffentlichung des genialen Bildes ein Rechtsstreit entflammte, konnte der Affen-Fan nicht ahnen, geschweige denn der Affe (oder die Äffin?) selbst. Er veröffentlichte das Foto und wurde plötzlich, ausgelöst durch PETA, einer Tierrechtsorganisation, Angeklagter wegen der Verletzung des bestialischen Copywrights, auf das der ulkige Affe Rechtsanspruch erheben sollte.

Zeitsprung nach vorne. Nach einem jahrelangen Hin und Her der Prozessverfahren, die den Angeklagten so nebenbei finanziell ruinierten, einigte man sich auf einen Kompromiss. 25% der Einnahmen, die der Fotograf mit Tierfotos künftig erzielt, finanzieren die Rettung der Affenheimat in Indonesien. Dass der Unterschied Mensch/Tier keine Rolle spielte, wird in der gemeinsamen Erklärung deutlich: „PETA und David Slater stimmen darin überein, dass dieser Fall wichtige und topaktuelle Fragen aufwirft über die Ausdehnung der Rechte von nichtmenschlichen Lebewesen“ (http://bit.ly/2fguVXx).

Peter Singer, australischer Aktivist in Anti-Menschenrechts- und Pro-Tierrechtsfragen, benützt zum Beweis der Gleichwertigkeit von Mensch und Tier gegenüber den Gleichheits-Leugnern den abwertenden Begriff „Speziesismus“. Dies sei „eine einseitige Voreingenommenheit gegenüber den Interessen der eigenen Art, die gegen die Mitglieder einer anderen Art (Spezies) gerichtet ist.“ (http://bit.ly/2zdhUbt).“ Für Singer ergibt es keinen Sinn, Verstöße gegen Interessen der Minderheiten unter den Menschen von denen zu unterscheiden, die gegen die Interessen von Tieren gerichtet sind.“ Nimmt es also Wunder, dass er die Höherbewertung des Menschen als eine Form von Rassismus bewertet? (http://bit.ly/2jXv4S3)

Kleines Gedankenspiel in Form einer deprimierenden Erfahrung aus dem Alltag: Es ist leichter, die Abtreibung eines menschlichen Embryos medizinisch durchführen zu lassen, als einen Tierarzt zu finden, der ein Tier ohne medizinische Notwendigkeit einschläfert.

Focus online (http://bit.ly/2ACaywt) berichtet über Abtreibungen 2016 in Deutschland und kommt zu dem Ergebnis, dass die offiziellen Statistiken des Statistischen Bundesamtes sinkende Zahlen verzeichnet. Diese scheinbar erfreuliche Statistik wird von Fachleuten vor Ort jedoch nicht geteilt. Ein Gynäkologe aus Österreich geht von einer zwei bis dreimal so hohen Zahl wie die in den offiziell veröffentlichten Statistiken aus. Der Gynäkologe Christian F., selbst aktiv in dem Mach-weg-Geschäft, glaubt, dass mit jährlich ca. 300 000 Tötungen ungeborenen Lebens gerechnet werden muss. (http://bit.ly/2ACaywt)

Wieviele Fälle von Einschläfern von Tieren ohne medizinische Notwendigkeit es gibt, konnte nicht ermittelt werden.
Aber vielleicht steht hinter dieser Frage nach dem Vergleich schon eine speziesistische oder rassistische Denke?