2016 – das Jahr des Menetekels

Dieses Jahr begann gewalttätig, nicht nur auf der Kölner Domplatte, sondern in Nürnberg und an vielen anderen Orten. Außer massenhaften sexuellen Übergriffen gab es auch Angriffe auf Kirchen in Köln und in Nürnberg. Diese Angriffe wurden öffentlich nicht weiter beachtet, weil unsere Gesellschaft deren Symbolik offensichtlich nicht mehr versteht. Es folgten in Italien und Österreich die Zerstörung kirchlicher Kunstschätze, meist Statuen, die auch nur unter ferner liefen berichtet wurden.

Es war ein Jahr des Terrors in Europa. Paris, Brüssel, München, Ansbach, Würzburg, Berlin waren erfolgreiche Attacken. Andere, wie in Chemnitz, konnten in letzter Minute verhindert werden.

Wenn sich jemand die Mühe machte, alle lokalen „Einzelfälle“ zusammenzustellen, muss man als Ergebnis befürchten, dass es an jedem Tag einen Gewaltakt gab.

Deutschland hat sich rasant verändert. Es sind aber keine Veränderungen zum Guten, auf die sich politische Spitzenkräfte, wie die Grüne Katrin Göring-Eckardt, meinten freuen zu müssen. Weil wir unsere Grenzen nicht mehr schützen, ähneln immer mehr Orte, an denen sich Menschen bisher unbeschwert zu versammeln pflegten, militärische Anlagen. Bewaffnete, Poller, Betonbarrieren, Taschenkontrollen, sollen friedliche Feste schützen. Die Unbeschwertheit unseres Lebens ist verloren gegangen, vielleicht sogar unwiederbringlich.

Wir sollen Angst haben, aber weiter leben, wie bisher. Das ist die Neujahrsbotschaft unserer Kanzlerin und der twitternden Klasse, die politisch nur noch dem Namen nach ist. Das wäre die beste Antwort auf den Terrorismus.

Nein, die beste Antwort wäre, wenn die fatalen Fehlentscheidungen, die unser Land zu einem Unsicherheitsfaktor für seine Bürger gemacht haben, endlich korrigiert würden.

Wir haben an die 500 000 junge Männer im Land, die nicht asylberechtigt sind und von denen man teilweise nicht weiß, wer sie sind oder welche ihrer Mehrfachidentitäten denn die richtige ist.

Aber während ich dies schreibe, werden weiter Menschen ohne Personaldokumente ins Land gelassen, selbst wenn sie über den Flughafen Frankfurt kommen und noch Pässe gehabt haben müssen, als sie im Abflugland eincheckten.

Außer viel Getwitter aller möglichen Forderungen und Ankündigungen hat es bisher keine sichtbaren politischen Konsequenzen gegeben. Es wurde nicht einmal gesagt, dass Asylsuchende, die kriminell werden, ein Recht auf Asyl verwirkt haben.

Es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die sich gegen die organisierte Verantwortungslosigkeit, die unserer Land beherrscht, auflehnen. Aber es sind nicht genug. Wir sind ein Land von Flüsterern geworden, die ihre Meinung nur noch hinter verschlossenen Türen sagen. Aber wir leben nicht in der stalinistischen Sowjetunion, wo es lebensgefährlich war, die Obrigkeit zu kritisieren. Wir leben in einer Demokratie in der wir alle Rechte, die uns das Grundgesetz garantiert, wahrnehmen können, einschließlich des Rechts auf Widerstand!

Wenn wir in wenigen Stunden auf das neue Jahr anstoßen, sollten wir das in dem Bewusstsein tun, dass 2016 eine, vielleicht letzte, Warnung war. Wenn wir unsere Lebensweise bewahren und unsere Freiheit verteidigen wollen, müssen wir aktiv werden!

Jeder hat eine Stimme, der er Gehör verschaffen kann!

Gestern erreichte mich die Nachricht vom Tode meiner Freundin Christine Grabe. Christine war eine der zahllosen mutigen Frauen, die im Herbst 1989 gegen das SED-Regime auf die Straße gingen. Christine war eine der ersten, deshalb wurde sie die „Mutter der Revolution in Eisenach“ genannt. Sie riss viele Menschen durch ihr Vorbild mit. Sie wurde nach der Friedlichen Revolution Politikerin in der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und saß in der ersten Legislaturperiode für die Grünen im Thüringer Landtag. Nachdem sich Kader wie Kartin Göring-Eckardt und Olaf Möller an die Spitze der Thüringer Grünen setzten und schon 1996 beschlossen, mit der in PDS umbenannten SED Koalitionen einzugehen, zog sich Christine mehr und mehr zurück und verließ die Grünen schließlich. Sie ließ sich nicht wie andere Politiker mit einem Posten versorgen, sondern nahm ihre Arbeit in einem Krankenhaus wieder auf. Christine blieb eine politische Person, auch ohne Mandat, indem sie sich einmischte und aktiv gegen Entscheidungen, die sie als falsch ansah, kämpfte. Sie wußte, dass Demokratie kein Geschenk ist, sondern verteidigt werden muss.

Wir brauchen im nächsten Jahr viele Menschen wie Christine, die ihr Schicksal nicht den Politikern überlassen, sondern selbst in die Hand nehmen.