Hummer lieben Windparks

Der Hummer ist das heimliche Wappentier von Helgoland. Einst war das Tier so zahlreich rund um die Insel vertreten, dass in den dreißiger Jahren um die 80 000 Exemplare jährlich gefangen und verkauft wurden. Dieser Hummerboom hielt naturgemäß nicht lange an. Bald waren die Bestände so erschöpft, dass sie sich bis heute nicht erholt haben. Nur wenige hundert der begehrten Meerestiere dürfen wieder gefangen werden. Ist ein Weibchen darunter, das Eier an der Bauchseite trägt, muss es zur Biologischen Anstalt auf Helgoland gebracht werden. Seit den 1990er Jahren gibt es dort ein „Öko-Labor“ mit speziellen Becken für die Hummeraufzucht. Hier werden die kleinen Hummer bis zu einem Alter von einem Jahr aufgezogen. Dann werden sie markiert und im Sommer auf dem Helgoländer Felssockel ausgesetzt. Man kann für wenig Geld übrigens Hummerpate werden und dabei sein, wenn sein Hummer ausgesetzt wird.

Rund um die Felseninsel haben die Tiere gutem Chancen, in den vielen Spalten, Klüften und Höhlen zu überleben, obwohl ihr natürlicher Feind, der Taschenkrebs, zahlreich vor Ort ist. Jeder Urlauber, der auf Helgoland Knieper, das aromatische Fleisch der Taschenkrebsscheren, isst, leistet unbewusst einen Beitrag zum Hummerschutz.

Es hat sich neuerdings herausgestellt, dass auch in der Deutschen Bucht ideale Hummerstandorte zu finden sind. Etwa dreißig Kilometer vor Helgoland sind drei Offshore-Windparks entstanden. An den Sockeln der bis zu zwanzig Meter in den Meeresboden gerammten Windräder wurden große Mengen an Natursteinen aufgeschüttet, um die Bauwerke vor dem Einfluss der Wassermassen etwas mehr zu schützen. Wie sich schnell herausstellte sind die Hohlräume zwischen den Felsbrocken ideale Lebensräume für Hummer. Ob die Hummer sich so vermehren, dass sie zu einem wirtschaftlichen Faktor werden, ist unsicher. Noch unsicherer ist, ob die teuren Offshore-Anlagen jemals wirtschaftlich betrieben werden können.

Als der politische Startschuss für die Windkraftanlagen in der Nordsee fiel, gab es noch keine funktionierenden Prototypen. Der Bau begann nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Als der erste Windpark stand, stellte man fest, dass es keine Leitung gab, die den produzierten Strom an Land befördern konnte. Vier lange Jahre mussten die Windräder mit Diesel betrieben werden, damit sie funktionstüchtig blieben. Statt Strom produzierten sie munter volkswirtschaftliche Verluste, über die der Mantel des Stillschweigens gebreitet wurde.

Inzwischen gibt es drei Windparks und eine Leitung ist auch da. Der Strom wird zum Umspannwerk des stillgelegten AKW Brunsbüttel geleitet und von dort weiter verteilt.

Die Parks werden von verschiedenen Aktiengesellschaften betrieben, eine davon war eine amerikanische, von der erwartet wurde, dass sie von Anfang an Gewinne ausschüttet. Das ist ihr Dank kreativer Buchführung auch gelungen, sogar Gewerbesteuer wurde abgeführt. Damit war Helgoland erstmals nicht mehr allein auf die Fremdfinanzierung angewiesen, sondern hatte stattliche Einnahmen. Allerdings sind die Amerikaner inzwischen von einem chinesischen Konsortium aufgekauft worden. Ob sich der Geldsegen wiederholen wird, steht in den Sternen. Es steht zu befürchten, dass sich die Erfahrungen wiederholen, die Helgoland zur Zeit der Kontinentalsperre gemacht hat. Damals war die Insel über Nacht reich geworden, weil sie zum Umschlagplatz für Schmuggelware avancierte. Mit der Aufhebung der Kontinentalsperre war die Scheinblüte sofort vorbei.

Was die Windparks betrifft, so erfahren wir, als wir eine Wartungsfirma besuchen, dass sie frühestens nach 18 Jahren wirtschaftlich betrieben werden können. Ihre Lebensdauer ist auf 20, höchstens 25 Jahre berechnet, dann muss die Anlage abgebaut werden. Ob in der kurzen Zeit der Wirtschaftlichkeit sich die Anlage wirklich rentiert, ist zweifelhaft. Auf Jahrzehnte ist sie ein reines Subventionsunternehmen, das von den Stromkunden bezahlt werden muss. Alle, auch die Ärmsten der Armen finanzieren die Geldanlagen in die „Erneuerbaren“. Es ist die größte Umverteilung von unten nach oben. Aber vielleicht werden die Hummer in ihren neuen Habitaten so zahlreich und billig, dass sich auch die Ärmsten ab und zu einen Hummer leisten können. Wenn das kein Trost ist!