Rossini und der Agitprop

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Am 30. Januar 2026 fand die zweite Opernpremiere dieser Saison im Theater Nordhausen statt: Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini, eine der meistgespielten Opern der Welt.

Regie führte ein Gast: Mechthild Harnischmacher, die schon zwei Stücke für das Junge Theater Nordhausen inszeniert hat. Der Barbier ist ihr Operndebüt. Die Inszenierung wurde stark beworben und u. a. von der Thüringer Allgemeinen ausführlich vorbesprochen, sodass die Aufführung mit einiger Spannung erwartet wurde.

Zu sehen war dann eine in Teilen bezaubernde, märchenhafte Inszenierung, leider garniert mit Überschriften aus der Mottenkiste der Agitation und Propaganda. Zum Glück konnte sich das Publikum dem Geschehen auf der Bühne hingeben, es genießen und die eingeblendeten Losungen ignorieren. Besser wäre es gewesen, wenn man auf die Belehrung der Zuschauer verzichtet hätte.

Harnischmacher hatte festgestellt, dass die männlichen Rollen im Werk überrepräsentiert sind, und wollte dem etwas entgegensetzen. Also modelte sie die zwei Frauenrollen um. Aus Rosina, die im Original eine 17-jährige, unerfahrene Waise ist, die sich in den erstbesten Mann verliebt, wurde eine belesene Feministin. Ihre Zofe Berta wurde zu ihrer besten Freundin hochgejazzt, die sich mit ihrer Herrin über feministische Fachliteratur austauscht. Um das zu unterstreichen, wurde am rechten Rand des Bühnenbildes eine Bibliotheksecke eingerichtet, in die sich beide Frauen zurückzogen, wenn sie gerade auf der Bühne nichts zu tun hatten. „Rossini und der Agitprop“ weiterlesen

Die Engel des Stephan Krawczyk

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Glauben Sie an Engel? Ich bin mir da nicht sicher, aber vorsichtshalber habe ich einen zarten Schutzengel am Rückspiegel meines Autos. Ich bin fest davon überzeugt, dass er es war, der mir bei meinem Zusammenstoß mit einem riesigen LKW körperlich unversehrt und lediglich mit Blechschäden am Auto beigestanden hat.

Krawczyk hat eine feste Beziehung zu Engeln und hat mit seinen Erfahrungen ein zauberhaftes Buch geschrieben. Mit 77 Engelgeschichten überzeugt er auch eingefleischte Atheisten davon, ihr Verhältnis zu Engeln zu überdenken.

Krawczyk ist mit keinem LKW zusammengestoßen, sondern der geübte Schwimmer verspürte vor Mallorca im Mittelmeer plötzlich einen heftigen Schlag mit messerscharfem Schmerz an der Schulter. Sein Schrei lockte weitere Feuerquallen an, die einen Kreis um ihn bildeten. Noch sieben Schläge wie Blitze, dann ließen die Feuerquallen ihn ziehen. Die Sekunden der Todesangst möchte Krawczyk nicht mehr missen. „Sie haben das Gefühl, frei zu sein, um eine Dimension erweitert.“ Hat sein Schutzengel ihn gerettet? „Die Engel des Stephan Krawczyk“ weiterlesen

Märchenhafte Weihnachtsglocken

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Am Freitag, dem 12. Dezember, fand eine ganz besondere Premiere im Theater Nordhausen statt. Intendant Daniel Klajner brachte sein Musical „Die Weihnachtsglocken“ nach Motiven der zweiten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens: „The Chimes – A Goblin Story of Some Bells that Rang an Old Year Out and a New Year In“ auf die Bühne.

Das Interesse an Klajners Werk war riesig. Die Premiere war schnell ausverkauft, auch für die Vorstellungen bis zum Jahresende gibt es nur noch Restkarten. Den Andrang kann man auch als Anerkennung dafür sehen, dass unter Klajners Intendanz aus dem Theater Nordhausen ein *hidden champion* der deutschen Kulturszene wurde.

Dickens, der große Schriftsteller und Sozialkritiker des viktorianischen Englands, lieferte den Stoff, mit dem Klajner frei umging und immer wieder Bezüge lieferte, die sehr gegenwärtig wirken. Ihm war es wichtig zu zeigen, dass die „unglaubliche Relevanz“, die in Dickens’ Geschichte steckt, bis heute wirkt. Der zweite Aspekt, den Klajner betont, ist genauso bedeutsam. Der „total coole Plot“, der sehr dramatisch im zweiten Akt ausgeführt wird, ist, dass jeder versuchen sollte, „den gesellschaftlichen Zerrüttungen und Schieflagen etwas entgegenzusetzen. Es ist ja im Grunde die Quintessenz unseres Stückes, dass jeder und jede für sich versuchen sollte, die Kraft und den Optimismus zu finden, versuchen sollte zu erkennen, wie ich mich verhalte.“ Auch in den ungünstigsten Umständen haben wir es in der Hand, ob wir Opfer oder Gestalter sind. Diese machtvolle Botschaft tröstet darüber hinweg, dass die großartig umgesetzte Geschichte nur am Rande mit Weihnachten zu tun hat. „Märchenhafte Weihnachtsglocken“ weiterlesen

Granadas Alhambra

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Nach Granada fährt man vor allem, um die Alhambra zu besichtigen. Die muslimische Festung gehört zu den meistbesuchten Touristenattraktionen Europas. Nach der Erhebung zum UNESCO-Weltkulturerbe ist viel investiert worden, um den Besucheransturm zu bewältigen. Man betritt die Festung nicht mehr durch das Tor der Gerechtigkeit, das nach der Reconquista durch eine Marienfigur ergänzt wurde, sondern durch einen neu geschaffenen Eingangsbereich vor den Gärten außerhalb der Mauern. Die Sicherheitsbestimmungen sind hart: Erst werden die Ausweise aller Besucher auf Echtheit überprüft (das wünscht man sich an deutschen Grenzen), dann müssen sie mit dem Ticket beim Eintritt vorgezeigt werden, wo noch einmal geprüft wird, ob das Gesicht auch zum Foto passt.

Ist man endlich drin, bewirken die weitläufigen Gärten, dass der Touristenstrom entzerrt wird. Man genießt den schönen Blick auf Granada im Tal und lässt sich von den Anlagen verzaubern. Diese sind allerdings eine Schöpfung der letzten Jahrzehnte. Sie symbolisieren die drei arabischen Forderungen an Gärten: Farbe, Duft und Musik, letztere aber nur in Form von Wassergeplätscher. Allerdings waren die Blumen sehr mitgenommen von dem Sturm, der unsere Landung in Málaga verzögert hatte.

Die ursprünglichen Festungsgärten waren reine Nutzgärten. Sie dienten der Ernährung der Bewohner. Auf einer kleinen Fläche konnte man sehen, wie sie ausgesehen haben mögen.

Von den sieben Palästen stehen noch drei. Wir betreten zuerst den Justizpalast, in dem mitten im maurischen Wandmosaik das „Plus ultra“ Ferdinands von Aragon hängt. Vor Kolumbus glaubte man, dass die Welt hinter Spanien und Portugal am Atlantik zu Ende sei: Bis hierher und nicht weiter – Non plus ultra. Bis man es besser wusste: Von hier weiter.

Der Palast des Sultans besticht durch seine Pracht. Was heute aber überwiegend weiß und ebenholzfarben ist, war früher bunt bemalt. Reste dieser Bemalung haben sich erhalten. Zahlreiche Kalligraphien zieren die Wände – Geschichten und Gedichte. Der Palast ist ein offenes Buch. Im Raum des Kalifen, in dessen Mitte er auf dem Fußboden thronte, lautet die Inschrift: „Es gibt keinen Sieger außer Allah“. Ein Ausweis für Toleranz ist das nicht, sondern ein klarer Herrschaftsanspruch. Im Bereich des Sultans waren selbstverständlich Frauen nicht zugelassen. Sie konnten allerdings von kleinen Fenstern unter der Decke das Geschehen im Vorhof beobachten.

Der Frauenpalast erzählt ungeschminkt die Geschichte der Stellung der Frauen im Islam. Die Sultansfrauen und Kinder lebten in einer schönen Umgebung ohne jede Privatsphäre. Palmenwaldsäulen, Wasser, ein Hamam, in dem geblendete Musiker zum Bade aufspielten. Man wohnte im Innenhof und schlief in Nischen, alkub genannt, die Urform von Alkoven.

Der Hof des Frauenpalastes wird gern für Werbezwecke fotografiert, weil ihn ein schöner Löwenbrunnen ziert. Zwölf Löwen für die zwölf jüdischen Stämme – das Geschenk einer reichen jüdischen Familie an den Sultan. Ein Ausweis des guten Zusammenlebens im muslimischen Andalusien. Aber warum steht der Brunnen dort, wo ihn die Öffentlichkeit dann nicht sehen kann?

Der Weg von der Festung in die Stadt ist ziemlich steil, aber wunderschön. Hier weist ein habsburgisches Adlerwappen darauf hin, wer nach der Reconquista hier das Sagen hatte. Die Altstadt ist zweigeteilt: ein arabisches Viertel, ein Viertel der Zigeuner, wie sie unsere Führerin Maria Regis zutreffend bezeichnet (es gibt über 100 Zigeunerfamilien, Sinti und Roma sind nur die beiden größten). In diesem Viertel sind die Häuser nur Fassaden, dahinter leben die Bewohner in Höhlen (Troglodyten).

Die Kathedrale ist prächtig. Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon, die spanischen Könige, wollten hier die Grablege aller künftigen Könige bauen. Aber es blieb bei den Gräbern für Isabella und Ferdinand und ihrem unbedeutenden Nachfolgerpaar. Die Kapelle ist wunderschön. Isabellas Kopf liegt etwas tiefer als der Ferdinands. Die Legende sagt, dass der Bildhauer damit dezent andeuten wollte, dass Isabella klüger war als ihr Gatte – ihr Gehirn war schwerer. Es gibt keine arabische Isabella, nur Scheherazade, die ihrem Sultan tausende Nächte lang Geschichten erzählen musste, damit er sie nicht umbringt. No comment.

Córdoba – Moschee und Kathedrale als beste Freundinnen

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Unsere dritte Station Córdoba erreichen wir an Allerheiligen, dem Feiertag der Katholiken, problemlos. Am Morgen ist der Verkehr noch schwach. Unterwegs fahren wir an einem schmalen, hohen Objekt vorbei, das leuchtend in einem Feld steht, als hätten die Aliens eines ihrer Raumschiffe dort gelandet. Es ist ein solarthermisches Kraftwerk. Umstellt von Spiegeln, wird in diesem Ding z. B. flüssiges Natrium erhitzt. Es ist bisher bei diesem einen Prototyp geblieben.

Als wir in Córdoba an der Römischen Brücke ankamen, stand schon ein Auto unseres Hotels bereit, das unser Gepäck übernahm. Reisebusse dürfen nicht in die Innenstadt. Wir freuten uns, dass wir die Stadt über die 2000-jährige Brücke betreten würden – und das an einem Tag wie aus dem Bilderbuch: sonnig, mild, mit leichtem Dunst über dem Fluss. Anfangs waren wir fast noch allein, aber nach 331 m am anderen Ende hatte sich die Brücke schon belebt. Ein junger Mann spielte gekonnt Gitarre. Die Leute hörten ihm gern zu, aber kaum einer warf eine Münze in den Hut. Als ich am Nachmittag noch einmal an der Brücke vorbeikam, saß er immer noch da. Das hatte ich schon in Sevilla beobachtet, dass Straßenkünstler kaum noch belohnt werden, selbst wenn sie atemberaubende Artistik oder perfekte Musik bieten. „Córdoba – Moschee und Kathedrale als beste Freundinnen“ weiterlesen

Sevilla – pure Kulturaneignung

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Unsere zweite Station, Sevilla, ist die Hauptstadt Andalusiens und für zweierlei berühmt: Hier steht die ehemalige Königliche Zigarettenfabrik, in der die von Georges Bizet weltberühmt gemachte Carmen gearbeitet hat. Heute ist das weitläufige Gebäude die Universität. Hier wurde angeblich der Flamenco im Stadtteil Triana von einem Tanzlehrer erfunden. Sevillas Altstadt, heute umgeben von einem Auto-Stadtring, ist die größte Spaniens und neben Venedig sowie der Altstadt von Genua eine der größten Altstädte Europas.

Ein Teil der Stadtmauer steht noch.

Wir beginnen unsere Tour im Park, den die Ibero-Amerikanische Ausstellung von 1929 der Stadt hinterließ, mit dem im neu gestalteten Park Maria Luisa gelegenen Spanischen Platz. Was damals eine Investition war, um der weltweiten Wirtschaftskrise etwas entgegenzusetzen, ist heute ein Treffpunkt für Familien, die das märchenhafte Ambiente genießen. Hier präsentiert sich Spanien, wie es sich selbst sah und auf Ausstrahlung hoffte. Ob diese Phantasiewelt tatsächlich wirtschaftliche Belebung brachte, erfahren wir nicht, sie bietet aber, was seit dem letzten Jahrhundert immer mehr zu verschwinden droht: Schönheit und die Leichtigkeit des Seins – wenigstens für ein paar Stunden.

Am nächsten Morgen bekommen wir es mit der Kehrseite des Massentourismus zu tun, von dem die Stadt lebt, für den sie aber nicht die passende Infrastruktur bereitzustellen gewillt ist. Unser Fahrer bekommt einen Strafzettel von der Polizei, als er gegenüber unserem Hotel hält, um uns abzuholen. Seine neue Anfahrt dauert über den Ring und durch den Stau mehr als 20 Minuten. Als wir an der Stelle abgesetzt werden, die der Kathedrale am nächsten liegt, müssen wir durch die engen Gässchen hetzen, ohne einen Blick auf die schönen Häuser werfen zu können, denn wir haben einen Time-Slot, um den Palast Alcázar und die Kathedrale besuchen zu können. Wir schaffen es und sind unbewusst schon auf die Mühen des Massentourismus eingestellt.

Der Eingang zum Alcázar ist verstopft. Die Gruppen müssen sich durch eine Sicherheitskontrolle quälen. Außer der Eintrittskarte muss man seinen Ausweis zeigen und die Taschen durchleuchten lassen. Das wiederholt sich an jedem Ort, den wir besuchen.

Der Alcázar ist ein Palast, der auf den Ruinen des alten römischen Palastes errichtet wurde. Er hat heute drei Teile: einen gotischen, einen maurischen und einen Renaissance-Flügel. Im Hauptraum des gotischen Teils wurden die Reisen von Kolumbus und anderer spanischer Weltumsegler besprochen. Spanien hat einen großen Teil seines Reichtums und seiner Bedeutung seinen Eroberern zu verdanken.

Am beeindruckendsten aber ist der maurische Teil, der von den Rekonquistadoren unter dem starken Einfluss maurischer Architektur und Kunst errichtet wurde. Die Mosaiken dieser Kulturverschmelzung sind atemberaubend. Die ganze Anlage ist ein Zeugnis der Verschmelzung maurischer und christlicher Kunst. Das gilt auch für die weitläufigen Gärten, auf die wir nur einen allzu kurzen Blick werfen konnten. Wer Sevilla besucht, sollte sich einen ganzen Tag Zeit für den Alcázar nehmen. Die Anlage blieb natürlich nicht von den Katastrophen der Geschichte verschont. Davon erfährt man im Tapesteriesaal, wo Wandteppiche ausgestellt sind, deren Originale zwischen 1548 und 1554 gefertigt wurden, unter anderem eine sehr interessante Karte, die Afrika und Südeuropa aus maurischer Sicht zeigt. Als Fernwirkung des Erdbebens von Lissabon 1755 wurde dieser Saal komplett zerstört. Philipp V. beauftragte seinen Wiederaufbau und die Wiederherstellung der Tapesterien.

Zu den eindrucksvollsten Wahrzeichen der Stadt gehört zweifellos die Giralda, ein Glockenturm, der aus einem Minarett umgebaut wurde. Die daneben stehende Kathedrale steht auf den Trümmern der ehemaligen Hauptmoschee. Vom Inneren der Kirche sieht man wenig, wegen der Menge, die sich durch den Raum wälzt. So kann man vor allem die monumentale Architektur auf sich wirken lassen. Wir haben aber Glück: Ein Gemälde von Goya, das die beiden Stadtheiligen Justa und Rufina zeigt, deren Fürbitten die Giralda bei drei großen Erdbeben vor dem Einsturz bewahrt haben sollen, hängt in einem ruhigeren Nebenraum, sodass wir es ungestört bewundern können.

Auf eines der vier Gräber von Kolumbus können wir dagegen nur einen Blick werfen, denn es ist dicht umlagert.
Draußen, auf dem Orangenhof, können wir endlich wieder durchatmen und Kraft für die Altstadt schöpfen, wo wir das köstliche südspanische Essen genießen konnten, das überall angeboten wird. Auf keinen Fall sollte man den andalusischen Sherry versäumen.

Was man auch nicht versäumen sollte, ist ein Besuch in der Stiftskirche des Göttlichen Erlösers mit ihrer Sammlung christlicher Kunst. Auch diese Kirche wurde auf den Grundmauern einer Moschee errichtet. Der „Schatz des Spanischen Barocks“ hat viel von dem Gold abbekommen, das die Eroberer in der Neuen Welt eingesammelt haben. In der Krypta befindet sich eine sehr interessante Ausstellung über die Geschichte. Hier kann man erfahren, dass die maurische Zeit nicht so war, wie sie heute dargestellt wird. Es gab drastische Unterdrückung der Juden und Christen, die eine Kopfsteuer zahlen mussten und keineswegs immer in Ruhe gelassen wurden.

Mitten in der Altstadt steht die überdimensionale Holzkonstruktion eines deutschen Architekten, die 2011 eingeweiht wurde. Eine Scheußlichkeit, wie sie das 20. Jahrhundert massenhaft hervorgebracht hat. Viele Expo-Bauten sind inzwischen abgerissen worden. Dieses blieb stehen.

Wer Sevilla besucht, sollte das „Museum der Schönen Künste“ nicht verpassen. Eine Insel der Ruhe und Schönheit. Die Sammlung ist in einem alten christlichen Konvent untergebracht, mit schönen Räumen, Decken, Kreuzgängen und Innenhöfen, und zeigt die Kunst des Goldenen Zeitalters Spaniens, vor allem Bartolomé Esteban Murillo. Hier habe ich von diesem Künstler das Gemälde mit der schönsten Maria und dem hinreißendsten Jesus meines Lebens gesehen. Murillo, der etwa 15 Geschwister und selbst an die 10 Kinder hatte, verstand wirklich etwas von Babies. Allein dieses Gemälde ist es wert, nach Sevilla zu kommen. In einer Grünanlage vor dem Museum steht eine Statue von Murillo. Früher fanden hier die Autodafés statt – eine Erinnerung daran, dass das Goldene Zeitalter Spaniens auch voller Schrecken war.

Ronda – 29 km von Gibraltar

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Diesmal sollte es Andalusien sein, Südspanien, von dem ich viel gehört, aber wenig verstanden habe. Die Reise drohte schon beim Anflug auf Málaga ungewöhnlich zu werden. Monatelang hatte es nicht geregnet, jetzt fielen Sturzbäche vom Himmel. Unser Flugzeug kreiste länger als eine halbe Stunde über dem Flugplatz, wobei wir in den Wolken kräftig durchgeschüttelt wurden, ehe die Erlaubnis erteilt wurde, landen zu dürfen.

Die Fahrt von Málaga nach Ronda, unserer ersten Station, fand zum Teil unter Starkregen statt, mit dem die andalusischen Autofahrer offenbar schwer umgehen können. Zwei Unfälle passierten wir auf einer Strecke von dreißig Kilometern. Als wir endlich in Ronda ankamen, war es schon dunkel und verlassen, weil ein Gewitter die Bewohner von der Straße fernhielt – nur ein paar unentwegte Touristen waren unterwegs.

Am anderen Morgen war alles anders. Der Himmel blau, mit ein paar Schäfchenwolken. „Ronda – 29 km von Gibraltar“ weiterlesen

Die Wiedergeburt von Budapest

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Die Stadt lernte ich kennen, als ich mit 15 Jahren meine erste Auslandsreise antrat. Meine Freundin Sigrid und ich hatten seit einem Jahr Brieffreundschaften gepflegt. Nun wollten wir unsere Freundinnen besuchen. Bei wem wir in der Fö Utca wohnten, habe ich vergessen, denn es war Sigrids Beziehung. Eingebrannt hat sich mir aber der Eindruck, den die Stadt auf mich machte. Während in Ostberlin die Jugendlichen, die auf der Straße oder im Park Beatles oder Rolling Stones aus ihren Kofferradios hörten, von der Volkspolizei gejagt wurden, während ich zu hause nur unter der Bettdecke mit meinem „Micky“, ein Kleinstradio , etwas dicker als ein Handy, die Schlagerparade des RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) verfolgen konnte, war am Eingang des „Parks der Jugend“ am Gellértberg eine große Hitparade-Tafel aufgestellt. Als Stones-Käthe, so wurden im Osten die Anhängerinnen der Rolling-Stones genannt, freute ich mich besonders, dass meine Band die Beatles auf den zweiten Platz verwiesen hatten.

Gleich darauf fragte ich mich, warum in Ungarn möglich war, was in der DDR unter Strafe stand. Ich begann, mich für Ungarn zu interessieren. „Die Wiedergeburt von Budapest“ weiterlesen

Sümeg- Das kleine ungarische Wirtschaftswunder

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Bevor ich aus beruflichen Gründen hierher kam, hatte ich nie von der

kleinen Stadt im Komitat Veszprém, etwa 20 Kilometer nördlich des Balaton, gehört. Ich kam nachts an und sah erst am nächsten Morgen durch das Panoramafenster der Hotellobby die Burg auf einem 90 Meter hohen Bergsporn über der Stadt. Ein atemberaubender Anblick, nicht nur in der Morgensonne. Bei Wikipedia steht, es sei die besterhaltene Burg in der Gegend.

 

Das ist falsch. Am Ende des Artikels werden Sie wissen, warum.

Die Anfänge der Burg gehen auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Das Geschenk von Ungarns König Stephan V an das Bistum Veszprém ist erstmals 1301 urkundlich erwähnt. In ihrer wechselvollen Geschichte wurde die Burg mehrmals belagert, aber zunächst nie erobert.

Die Mongolenhorden, die an die 90% der Ungarn in den von ihnen eroberten Gebieten abgeschlachtet hatten, zogen hier vorbei. Der Aufstieg hätte sich auf den Rücken ihrer Pferde wohl zu schwierig gestaltet. „Sümeg- Das kleine ungarische Wirtschaftswunder“ weiterlesen

Eine Operngala der Extraklasse

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Der 7.September ging in einen wunderschönen Spätsommerabend über, trotz Blutmond, der angeblich böse Einflüsse auf das Erdgeschehen ausüben soll. Im Achteckhaus von Sondershausen, wo die Operngala zur Eröffnung der Spielzeit von Theater Nordhausen und Lohorchester Sondershausen stattfand, war das Gegenteil der Fall. Der Abend war so zauberhaft, wie er besser nicht werden konnte. Der wunderschöne Saal, in dem zu Fürstenzeiten ein Karussell für die Hofgesellschaft aufgebaut war, glänzte in der Abendsonne, die durch die vielen Fenster schien.

Der neue Generalmusikdirektor Gábor Hontvári, ein feuriger Ungar, dessen Temperament der Aufführung einen besondern Rhythmuss verlieh, nahm zu Beginn seiner Einführung Bezug darauf, dass Musik besonders verbindend ist, vor allem in einer solchen Umgebung. Die Sänger kommen aus Israel (Yuval Oren), Russland (Julia Ermakowa) und Kroatien (Florian Tavic), im Orchester spielen Musiker aus 13 Ländern, im Publikum saßen viel neue Deutsche aus Russland, Polen, Litauen und der Ukraine.

Als das Lohorchester die „L`Arlesienne-Suite Nr.2“ von Georges Bizet zu spielen begann, war mein Gedanke: große Besetzung, ganz große Form. Es hat seinen Grund, dass der weltläufige Hontvári in die Provinz gekommen ist.

Ich kann nicht alle Auftritte kommentieren, sondern nur meine Favoriten. Yuval Oren, die mir zum ersten Mal als heimlicher Star der Schlossfestspielen 2023 aufgefallen ist, als sie in „Dr. Schiwago“ die Tonja sang, hat neben ihrer Stimme auch ein beträchtliches schauspielerisches Talent. Das setzte sie bei der Arie der Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jaques Offenbach ein und riß das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Das wiederholte sich bei der Romanze und Arie des Ännchen aus Carl Maria von Webers „Freischütz“.

Julia Ermakowa ist ein ganz anderer Typ als als Oren, aber nicht weniger eindrucksvoll. Das bewies sie mit der Arie der Mimi aus Giacomo Puccinis „La Boheme“. Vor allem aber beeindruckte sie im Duett Germont-Violetta mit Travic als kongenialer Partner. Mit Rezitativ und Arie der Frau Fluth aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ bewies Ermakowa, dass sie durchaus auch das heitere Metier beherrscht.

Travic, dessen  wunderbarer Figaro noch gut in Erinnerung ist, überzeugte sowohl mit Richard Wagners Lied des Wolfram „Oh du mein holder Abendstern“, als auch mit der Arie des Grafen von Ebersbach „Heiterkeit und Fröhlichsein“.

Das Sahnehäubchen des Abends war der Dirigent, der sowohl das Orchester als auch die Sänger zu Höchstleistungen brachte. Interessant zu beobachten war, wie sehr er die Kunst, enge Beziehungen herzustellen, beherrschte. Ich habe mir mehrere Stücke im Internet mit anderen Dirigenten angeschaut und fand sie im Vergleich mit Hontvári fast steif.

Nächste Vorstellungen: 20,09, 19.39 und 26.09, 18.00 im Theater im Anbau, Nordhausen