Prélude Boléro Sacre – Erfolgstrio der Maša Kolar

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Die erste Produktion von Maša Kolar, ab der Saison 2026/27 neue Ballettdirektorin des TN LOS!, wurde mit Spannung erwartet. Die Premiere war bis auf wenige Restkarten ausverkauft. Kolar hat die Erwartungen erfüllt, vielleicht sogar übertroffen. Sie wollte für ihr Ballett-Triptychon „eine starke Musik wählen, die unmittelbare Resonanz beim Publikum auslösen kann“. Das ist mit drei Werken von Claude Debussy, Maurice Ravel und Igor Strawinsky, die alle drei mehr als hundert Jahre alt sind, aber ganz frisch wirken, voll gelungen. Die Stücke verbindet, dass sie im legendären Ballets Russes, das Sergej Djagilew, nachdem er sich mit dem Zaren überworfen hatte, in Paris gründete, um die russische Tanzkunst den Franzosen nahezubringen, uraufgeführt wurden. Bis heute beeinflusst das Ballets Russes die internationale Tanzszene. In Zeiten, in denen woke Intendanten russische Komponisten vom Spielplan absetzen, ist es besonders tröstlich zu wissen, dass es eine europäische Kultur gibt, die untrennbar ineinander verwoben ist.

„Prélude“ entstand nach einem symbolistischen Gedicht von Stéphane Mallarmé, „Nachmittag eines Fauns“, in dem ein Faun aus dem Mittagsschlaf erwacht und nicht mehr weiß, ob seine Begegnung mit zwei Nymphen Wahrheit oder Traum gewesen ist. Bei Kolar ist der Faun ein Narzisst, den die Nymphen nicht mehr wirklich interessieren, weil er sich selbst genug ist. Nach Kolar ist er eine Figur, „die vieles von dem widerspiegelt, was wir täglich in einer von digitalen Medien bombardierten Welt erleben“. Der Zauber von Debussys Musik bleibt unverändert.

Unverändert auch der magische Ohrwurm „Boléro“ von Maurice Ravel, der dem Orchester größte Genauigkeit abverlangt, besonders dem Soloschlagzeuger, „der sechzehn Minuten ununterbrochen denselben Rhythmus auf der kleinen Trommel wiederholt“. Eigentlich, sagt Annalena Hoesel, sei sie hier als Dirigentin überflüssig, denn alle Musiker hörten richtigerweise auf den Kollegen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Stücken, die eine Wiederaufnahme von Kolars Zagreber Inszenierungen sind, hat sie den „Boléro“ für das TN LOS! produziert. Während ich noch grübele, warum Kolar den Tanz der kleinen Schwäne an einer Stelle karikiert hat, bricht der Jubel des Publikums los.

Nach der Pause wird es mit „Le Sacre du printemps“ atemberaubend. Erstmals ist das Loh-Orchester auf der Hinterbühne zu sehen. Ein toller Effekt. Nicht nur, was die Musik betrifft, ist das Stück ein schroffer Gegensatz zu Debussys „Prélude“. Hier gibt es nichts Träumerisches, schon gar nicht Selbstbezogenes; in „Sacre“ ist alles Kraft und orgiastische Enthemmung. Das wird von den jungen Tänzern sehr souverän bewältigt. Man vergisst, dass die Compagnie gerade erst zusammengefunden hat. Offensichtlich stimmt die Chemie zwischen Tänzern und Choreografin.
Man wolle mit Kolar ein klares Zeichen für die Weiterentwicklung des zeitgenössischen Tanzes, die internationale Vernetzung sowie die Fortführung hoher künstlerischer Qualität unseres Balletts setzen, ließ das Theater in einer Pressemitteilung wissen. Das scheint zu gelingen.

Nächste Vorstellungen: Freitag, 6.11. (Restkarten), 14.11., 21.11., 6.12.



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