Von Hans Hofmann-Reinecke
Vernunft ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und auf Grundlage dieser Erkenntnisse zu handeln. Gemessen daran war keine einzige strategische politische Entscheidung der vergangenen 15 Jahre vernünftig. Nun holt die Wirklichkeit unsere Regierenden ein, und sie versuchen mit allen Mitteln, sich gegen den Willen der Bevölkerung an der Macht zu halten. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Die Hand auf der Herdplatte
Wir unterstellen den Regierenden zunächst, dass sie bemüht sind, ihre ganze Kraft dem Wohle des Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Man weiß zwar von Mobutu, Mugabe und Konsorten, dass Politiker durch Korruption und auf Kosten der ihnen anvertrauten Völker zu Milliardären wurden, aber das ist Afrika. In Europa, oder gar in der EU, wären solche Verfehlungen durch unsere Würdenträger doch undenkbar.
Wie war es dann möglich, dass vor den Augen einer aufgeklärten, demokratischen Bevölkerung unser Land so gnadenlos ruiniert wurde?
Nun wissen wir seit Immanuel Kant, dass die reine Vernunft nicht die einzige Quelle für unsere Entscheidungen sein kann. Überlebenswichtige Reaktionen werden durch tief in unser Betriebssystem einprogrammierte Gefühle ausgelöst. Mit der Hand auf der heißen Herdplatte ist keine Zeit, Ursachen zu analysieren und Handlungsoptionen zu vergleichen.
Wir sind also mit zwei unabhängigen, sich manchmal widersprechenden Navigationssystemen ausgestattet: Vernunft und Gefühl. Je nach Situation ist das eine nützlicher als das andere. Und es kann sehr teuer werden, wenn wir dem falschen Kompass folgen. Unermessliches menschliches Leid entsteht, weil Fragen, die nur das Herz beantworten kann, vom Verstand entschieden werden; und umgekehrt: dass dann, wenn der Verstand die Lösung hätte, die Gefühle dominieren.
Greta und die Teddybären
Politik ist ausschließlich eine Sache der Vernunft. Dennoch entstehen politische Ansichten häufig auf der Gefühlsebene, und das ist nicht gut so. Derartige Politik der Herzen wird noch gefährlicher, wenn sich Gruppen bilden, in denen alle Herzen im selben Takt schlagen. In solchen Massen wird der Verstand ausgeschaltet und man genießt ein wohliges „Wir-Gefühl“. Man erliegt der Magie der Vereinfachung, die jeglichen logischen Widerspruch ausschaltet.
Erinnern Sie sich an Greta Thunberg oder die Willkommenskultur mit den Teddybären? Heute ist das nur noch peinlich, aber damals war es wie eine Erleuchtung, der selbst der Papst huldigte. Und bald werden die heute so geheiligte „Klima-Neutralität“ und der „Atomausstieg“ nur noch Peinlichkeiten sein, wenn auch sehr kostspielige.
Die Politik ist weiblicher geworden. Waren es also die Frauen, denen wir den Abschied von der Vernunft zu verdanken haben? Seit es Menschen gibt ist es offensichtlich, dass Frauen eher den Gefühlen folgen und Männer dem Verstand. Nur so hat die Menschheit überlebt. Doch in der Politik?
Aber was ist mit Alice, die mit ihrer messerscharfen Logik so manchen aggressiven Kerl ziemlich alt aussehen lässt? Oder Georgia Meloni? Und die legendäre Margaret Thatcher? Und auch Angela war eine gnadenlose Logikerin mit gespenstisch hohem IQ, die ihren Gegnern immer um drei Züge voraus war. Die Gefühlsnummern hat sie nur zu Zwecken der Propaganda ausgepackt.
Dennoch kann man nicht abstreiten, dass die deutsche Politik weiblicher wurde. Und man kann auch nicht abstreiten, dass die ruinöse Politik von 2010 bis 2025 mit den Leistungen der deutschen Politiker von 1949 bis 1964 nicht zu vergleichen ist. Aber lag das an den Politikern – oder vielleicht an den Wählern?
Die Erde ist eine Kugel
Nicht nur das politische Personal ist weiblicher geworden, auch in der Ausbildung hat sich ein solcher Wandel vollzogen. Ich hatte in meinen 13 Schuljahren unzählig viele Lehrer, aber genau eine Lehrerin. Heute ist das pädagogische Personal fast ausschließlich weiblich. Das prägt die Schüler. Ihr Bestreben, Zusammenhänge systematisch zu analysieren und auf Grundlage dieser Erkenntnisse zu handeln wird vernachlässigt. Die betroffenen Generationen schneiden nicht nur im internationale Vergleich bei PISA Tests immer schlechter ab; auch ihre Fähigkeit zur kritischen Bewertung politischer Programme hat zwangsläufig gelitten.
Egal, ob weiblich oder männlich: das Ausbildungsniveau und die Erziehung zu intellektueller Disziplin muss wieder hochgeschraubt werden, wenn Deutschland nicht vollends in die Dritte Welt abrutschen will. Wir brauchen wieder Außenminister die wissen, dass die Erde eine Kugel ist, und Finanzminister, die sich für Zahlen interessieren. Wir brauchen keine woke Politik. Wokeness ist nur ein Trick, durch den die eigene Unfähigkeit als Tugend kaschiert werden soll. Wir brauchen politisches Personal, für das Kompetenz, Pflicht und Verantwortung keine Fremdworte sind, und Wähler, die in der Lage sind, solche Kandidaten selbständig zu identifizieren, statt sich von Tagesschau und Co. diktieren zu lassen, wo sie ihr Kreuzchen zu machen haben.
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