Von Christoph Ernst
DEI ist eine klassische Neid- und Racheideologie nach strenger Nullsummenlogik. Soll es Frauen gut gehen, muss es Männern dafür schlecht gehen. Die Idee, dass es sowohl als auch gut gehen oder sie gemeinsam sogar mehr Lebensqualität entwickeln könnten, ist nicht vorgesehen.
Konzeptuell mag rückwirkende Wiedergutmachung fein klingen. Faktisch wirft sie zig Probleme auf. Selbst wenn man wie Annalena Baerbock feministisch erhabene Büßerposen liebt und den Nachfahren afrikanischer Sklavenhändlerdynastien niemals gestohlene Bronzebüsten aus deutschen Museen schenkt, führt das Täter-Opfer-Schema auf Basis von Hautfarbe und Geschlecht in die Irre. Denn das eigentliche Rätsel bleibt: Wie gleicht man vorgestriges Übel aus? Zu was verpflichtet oder berechtigt das Ungemach, das die Altvorderen eingesteckt oder ausgeteilt haben?
Eine Reihe meiner Vorfahren waren Leibeigene mecklenburgischer Grafen. Bis weit ins 19. Jahrhundert war ihr Los unerfreulich. Das ist verbrieft, und daran zu erinnern gewiss nicht falsch, wenn man solche Zustände künftig vermeiden will. Trotzdem lebt heute niemand mehr, dem die Peitsche eines Krautjunkers den Schlaf raubt. Auch sämtliche Urenkel sind tot. An wen also sollte ich mein Restitutionsbegehren richten, und wieso sollte ich überhaupt den Drang dazu verspüren, statt mich daran zu freuen, dass ich heute weit freier lebe als meine Altvorderen? Für mich bezeugt der retroaktive Kampf gegen einstmals ‚Privilegierte‘? nichts als verbitterte Sklavenmentalität.
In modernen Rechtsstaaten haften wir bloß für Taten, die wir selbst zu verantworten haben. Blutrache ist abgeschafft, Erbsünde eine Glaubensfrage. Clanfehden und Religionskriege waren bis vor kurzem Geschichte. Führen wir die erneut ein, um ‚soziale Gerechtigkeit‘ herzustellen, kehren wir freiwillig in die Zeit vorm 30jährigen Krieg zurück und lassen die Ära von Hexenverfolgungen, Scheiterhaufen und Ketzertribunalen wiederauferstehen.
Kulturell sind wir dort ohnehin längst.
In ihrer Essaysammlung Woke Kulturpolitik beschreiben der Philosoph Alexander Ulfig und zwölf weitere Autoren die aktuellen Verhältnisse im deutschen Kulturbetrieb. Ihre Analyse ist so zutreffend wie niederschmetternd. Sie dokumentiert die Schäden einer Neidlehre, die Zukurzgekommenen mühelose Gewinne verheißt und Mängel in Vorzüge verwandelt. Sie führt die Tricks der Verführer vor, fächert die Desorientierung schuldgebeutelter Adepten auf, skizziert, auf welchen Wegen die Hirnerweichung von den Universitäten aus in Schulen, Institute, Museen, Medien und Vorstandsetagen tröpfelt, bis sie aus dem Sumpf der Meldestellen heraus die Herzen und Hirne von Juristen und Bürokraten verkleistert.
Im laufenden Betrieb selbst sind importierte Israelhasserinnen wie Françoise Vergès, Nan Goldin oder Tricia Tuttle keine Ausreißer, sondern die Regel. Fast alle Orte, wo ‚kultureller Konsens‘ hergestellt wird, pflegen dieselbe Geisteshaltung: Sie sind ‚antizionistisch‘, ‚anti-kolonial‘ und ‚anti-patriarchal‘ – zugleich naturgemäß auch ‚anti-amerikanisch‘ und ‚anti-westlich‘.
Vorgeblich bekämpft Wokeness Sprachsünden und Mikroaggressionen. Faktisch bekriegt sie die Reste von Meinungsfreiheit. Die Stufen in die Hölle sind flach. Nur wer sich unterwegs umblickt, merkt überhaupt, in welchem Abgrund er gelandet ist. Insofern vollzieht die Machtübergabe sich schleichend. Es beginnt scheinbar harmlos. Unterschiede werden moniert und als ungerecht gedeutet. Da die Klage legitim wirkt, gibt man ihr nach. Alsbald stehen die Kläger wieder auf der Matte und fordern Nachbesserungen. Also billigt man ihnen mehr zu. Doch egal, was und wie viel man ihnen konzediert, es ist nie genug. Sie nörgeln so lange weiter, bis sie ihren Willen bekommen. Es ist das alte Spiel: Die Klügeren geben so lange nach, bis sie die Dummen sind.
Die Technik ist nicht raffiniert. Dafür reicht der Starrsinn eines Dreijährigen. Mátyás Rákosi, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Ungarns, taufte das ‚Salami-Taktik‘. Nur ist das, was am Ende dabei herauskommt, eben das, was Antonio Gramsci als Hegemonie über die ‚politische und Zivilgesellschaft‘ beschreibt, ‚gepanzert mit Zwang‘.
Ulfigs Buch leistet Kärrnerarbeit. ‚Woke‘ Moden sind ‚fluide‘. Ihre Konstante ist der ständige Unterwerfungsdruck. Kulturschaffende müssen sich laufend verrenken, um den gerade aktuellen Haltungskitsch abzuliefern. Nichts gegen Kitsch. Doch Agitprop ist immer Kitsch und hat mit Kunst nichts zu tun. Kunst ist das Spielfeld, wo man experimentieren kann, ohne dass Irrtümer gleich tödlich sind, sofern man ‚Charlie Hebdo‘ heißt und Propheten karikiert. Kunst lebt von subjektiver Ambivalenz. Darum müssen totalitäre Geister ihr stets den Stempel der eigenen Hässlichkeit aufdrücken und sie in Agitprop verwandeln.
Wo Tabuzonen und Tugendwächter das Terrain verminen, muss jeder, der sich im ‚Betrieb‘ tummelt, die korrekten Passwörter kennen, sonst fliegt er aus dem Diskurs. Selbst wenn die Semantik absolut identisch sein mag, ist eine ‚colored Person‘ eben nie dasselbe wie eine ‚Person of Color‘, sondern die Kluft zwischen einem hellhäutigen Unterdrücker und einem erweckten Gesalbten.
Tatsächlich war es im Süden der USA dank der dort herrschenden ‚Demokraten‘ bis weit in die 1960er Sitte, alle Lebensbereiche streng nach Hautfarben zu trennen. Klosetts, Kantinen und Kaltwasserspender trugen Schilder wie ‚Nur für Weiße‘, um alle ‚Farbigen‘ davon abzuhalten, sie zu benutzen. Heutige Delgado-Jünger, die nach wie vor Fans der Demokraten sind, wenden diese Regeln jetzt seitenverkehrt an. Sie installieren ‚sichere Räume‘ für ‚People of Color‘, wo Weißen der Zutritt verboten ist.
Ich entsinne mich, dass es früher an den Raststätten der DDR-Transit-Strecke separate Bereiche gab, um West- und Ostdeutsche voneinander fernzuhalten. Schließlich will nicht nur Rassen-, sondern auch Klassenfeindschaft gepflegt sein. Solch gestrige Abgründe dürften den wenigsten Vertretern der Generation Z gegenwärtig sein. Trotzdem sollen sich auch bei uns alle streng an die hochpriesterliche Regel halten, dass ‚Leute von Farbe‘ koscher sind, aber ‚farbige Leute‘ absolut tabu. Wer diese Feinstaubvorschrift nicht beherzigt, vielleicht sogar, weil er erinnert, dass Dr. King nie ein Problem mit dem Wort ‚Neger‘ hatte, katapultiert sich in die Zone der Unberührbaren.
Bei mir darf Erkenntnis an toxischen Traditionen nippen, weil jeder brave Goethe-Leser weiß, dass faustischer Drang ohne luziferisches Gleißen düster bleibt. Das Gleißen birgt Gefahren, doch die Dosis macht das Gift. Freiheit und Risiko sind siamesische Zwillinge. Stets die innere Schere im Blick zu haben, um ja nicht allzu ironisch zu klingen und in der Gartenlaube geknickter Gefühle irgendwelche zarten Blüten zu verletzen, tötet jeden Witz.
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Wokeness vergiftet, was unsere Zivilisation einst stark, brillant und lebenswert gemacht hat. Es begräbt die helleren Seiten Aufklärung und die liberalen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte. Es ist der Selbstmord westlichen Denkens, der Triumph suizidaler Demenz, der am Ende den Erben Mohammed Attas die Bühne bereitet.
1985 skizzierte Roger Scruton in Fools, Frauds and Firebrands – Thinkers of the New Left die mentalen Anstifter dieser Geistesschwäche. Sein Buch ist heute noch lesenswert, doch ob sich Michel Foucault, Jacques Derrida und Jean-Francois Lyotard die grotesken Auswüchse ihrer Kopfgeburten vorzustellen vermochten, ist zu bezweifeln.
Denn trotz und wegen Gestalten wie Judith Butler ist Wokeness eben kein philosophisches System, sondern ein antirationaler Gefühlskult, der um die Magie von Zauberworten kreist und sich an der Bombastik eigener Beschwörungsformeln berauscht.
Bei nur etwas genauerem Hinsehen entpuppt sich das fremdwortgeschwängerte Getöse diversitätsverliebter Identitätspolitik als hohler Budenzauber, egal ob als ‚kritische Rassentheorie‘, ‚weißes Privileg‘ oder ‚Intersektionalismus‘ – es ist pseudowissenschaftlicher Blödsinn. Kimberlé Crenshaw, Robin DiAngelo und Peggy McIntosh erklären fragwürdige Spekulationen zu ‚Forschungsergebnissen‘ und setzen ihre subjektiven ‚Erkenntnisse‘ absolut. Dergestalt ‚akademisch‘ geadelt bieten andere aktivistische ‚Wissenschaftlerinnen‘ ihnen dann kritikfrei eine Bühne.
Wer das für vernunftzersetzend und gemeingefährlich hält, liegt richtig. Zugleich braucht es niemanden zu verwundern, dass gefühlsbetonte Egozentrik in einer Welt atomisierter Monaden, deren soziale Identität auf tragbare Flachbildschirme geschrumpft ist, solch Sexappeal entfaltet. Die politisch korrekte Erweckung narzisstischer Weiblichkeit verspricht sinnentleerten Seelen Orientierung und Zuflucht, aber da das Versprechen nicht aufgehen kann, stiftet es am Ende nur Neid, Enttäuschung und Hass.
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Damit komme ich zum Eigentlichen: Parallel zur Lektüre von Ulfigs Buch stolperte ich über ein Interview mit Helen Andrews und las ihren Artikel The Great Feminization.
Ihr Aufsatz beeindruckte mich, weil er die in Woke Kulturpolitik beschriebenen Phänomene kongenial ergänzt. Frei nach Ockhams ‚Rasiermesser‘ wartet er mit einer ebenso einfachen wie erschütternden Erklärung auf. Laut Andrews ist der Siegeszug von ‚Wokeness‘ die Folge der fundamental geänderten Rolle von Frauen, das Symptom für einen gesellschaftlichen Umbruch, der die gesamte westliche Welt erfasst hat, aber kaum thematisiert wird, obwohl er tiefgreifender sein dürfte als das Erfinden von Buchdruck, Dampfmaschine und Computer. Das wiederum liegt vermutlich daran, dass der Prozess selbst das unmittelbare Ergebnis von DEI und weiblichem ‚Empowerment‘ ist.
Zu keinem Zeitpunkt der Geschichte hätten Frauen jemals so viele gesellschaftliche Bereiche dominiert wie heute, schreibt Andrews. Im Bildungssektor, in Medien und der Justiz begännen sie Männer bereits zu verdrängen. Durch Förderung und Quoten seien ganze Sparten an Universitäten in weiblicher Hand, nicht nur in Sozialwissenschaften, Literatur und Sprachen, auch in Psychologie, Medizin oder Jura.
Die Feminisierung habe gravierende Auswirkungen auf die Atmosphäre und den Charakter des akademischen Betriebs, aber eben auch weit darüber hinaus, weil Frauen als Gruppe sich signifikant von Männern unterschieden. Sie setzen andere Prioritäten, achteten weit mehr auf stimmungstechnische Befindlichkeiten und die spezifische Gruppenharmonie. Das wirke sich auf die Debattenkultur aus, den Umgang mit erkenntnistheoretischen Fragen und die Schärfe, mit der wissenschaftliche Kontroversen ausgetragen würden.
Generell legten Frauen größeren Wert auf konsensualen Konfliktlösungen, Streitvermeidung und Konformität. Sie gingen weniger tolerant mit Dissens um und neigten dazu, abweichende Positionen auszugrenzen, womit ihre vermeintlich sozialere Sicht auf Dinge und friedvollere Herangehensweise dem bisherigen Verständnis evidenzbasierter Wissenschaftlichkeit einen fatalen Paradigmenwechsel beschere.
Um Andrews beizupflichten, dass der Appell an den Herdeninstinkt keine kluge Strategie zur Wahrheitsfindung ist, braucht man nicht unbedingt Luisa Neubauers Mantra ‚Just follow the Science!‘ im Ohr zu haben. Doch es erhellt, was sie meint. Wer an die Sentenzen der Staatskomikerin Sarah Bosetti über Ungeimpfte denkt oder die abenteuerlichen Auslassungen der ‚Medizinethikerin‘ Alena Buyx zum Impfzwang erinnert, ahnt, auf welch erbarmungslosen Konformismus sie da abzielt. Andrews selbst erklärt sich das Phänomen übrigens entwicklungsgeschichtlich und behavioristisch.
Männer dächten und handelten auf der Sachebene. Sie seien objektbezogen und bewegten sich arbeitsteilig in Hierarchien. Sie agierten eher individuell und autonom. Konflikte trügen sie direkt aus. Sie störten sich weniger an Unterschieden und duldeten abweichende Eigenarten. Frauen definierten sich eher über den sozialen Verbund. Ihnen läge das Wohl der Gruppe als Ganzes am Herzen, weil deren Zusammenhalt für das Überleben der eigenen Nachkommen essentiell sei. Darum legten sie mehr Wert auf Empathie und Rücksichtnahme, übten Kritik indirekt, lösten Konflikte lieber gemeinschaftlich und bevorzugten den Anschein flacher Hierarchien. Gedeihliches Auskommen aller sei für sie grundsätzlich wichtiger als der Schutz abweichender Positionen. Wo es das Gruppenwohl verlange, neigten sie darum dazu, Widerspruch zu übergehen und Oppositionelle als Nörgler und Störenfriede auszugrenzen.
Sofern sie nicht ausarten, können soziale Tugenden wunderbar sein. Was uns zivilisatorisch auszeichnet, ist jedoch nicht harmoniesüchtige Konfliktscheu, sondern Gewissenfreiheit und die daran gekoppelte Wertschätzung der abweichenden Meinung. Das hat sich in der Vergangenheit als äußerst fruchtbar erwiesen. Kreativer Dissens ermöglichte zig philosophische, wissenschaftliche und technologische Errungenschaften, die den Westen 500 Jahre lang zum erfolgreichsten Modell der Geschichte gemacht haben. Die spirituelle und ethische Grundlage dafür war die Fähigkeit, abweichende Positionen nicht nur als Bedrohung zu sehen, sondern sie zu akzeptieren und zuzulassen. Nur war das ein langer und mühsamer Weg. Der Respekt für individuelle Neugierde und abweichende Ansichten musste erst mühsam erkämpft werden. Er kostete große Opfer und blieb immer angefeindet. Doch ohne Giordano Bruno, Galileo Galilei und Baruch Spinoza wären wir heute nicht die, die wir sind.
Skepsis, Forscherdrang und das Recht auf Kritik bedürfen eines entsprechenden geistigen Milieus. Neue Erkenntnisse sind oft kontrovers. Innovation verlangt immer den Mut, sich gegen herrschende Wahrheiten zu stellen. Zugleich setzt die Chance auf das Entfalten der Phantasie eben eine Haltung voraus, die es jedem Vernunftbegabten zubilligt, eigenständig zu denken und anderer Meinung zu sein. Nur dann vermag er als Einzelner die Kräfte des Beharrens herauszufordern und sie eventuell zu widerlegen.
Übrigens ist das auch das ethische Fundament einer jeden Demokratie, die entscheidende Voraussetzung, die friedlichen Machtwechsel überhaupt ermöglicht. Daran darf man sich in Zeiten von ‚Brandmauern‘ gern gelegentlich erinnern.
Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie Dummheit, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion und akademischen Abschlüssen. Gruppenzwang, Intoleranz, Intriganz und Kontaktschuld sind keine exklusiv weiblichen Eigenschaften. Es gibt zahllose bornierte Männer, die sich klügeren Frauen immer wieder in den Weg stellen, obwohl sie ihnen nicht das Wasser reichen können. Parallel wird der Einfluss spezifisch feministisch gewandeter Selbstgerechtigkeit in Wissenschaftsbetrieb und Medien immer spürbarer. Ordinierte Professorinnen wie Naika Foroutan verklären das mutwillige Vermischen von politischem Aktivismus und Forschung zum akademischen Ideal, selbst ernannte Enthüllungsjournalistinnen ersetzen die Unschuldsvermutung durch ‚schuldig bei Anklage‘, basierend auf dubiosen Anwürfen, die mächtige Medienhäuser dann der Öffentlichkeit in #Me-Too-Manier wie erwiesene Fakten präsentieren, höhere Töchter installieren mit üppiger Staatsunterstützung steuerfinanzierte ‚Hass-Hilfen‘, die als Denunziationsforen für angeblich sexistische ‚Äußerungen unterhalb der Strafbarkeitsgrenze‘ dienen, um so im Dienste einer SPD-Justizministerin die Zensur im Internet voranzutreiben, Regierungskritiker einzuschüchtern und freche Männer mundtot zu machen.
Insofern leuchtet das, was Andrews skizziert, auf erschreckende Weise ein: Da entfaltet sich eine Form ‚toxischer Weiblichkeit‘, die aggressive Kontrollwut mit männerfeindlicher Ideologie paart.
Doch wenn es stimmt, was sie sagt, ist ‚Wokeness‘ eben kein flüchtiges Zeitgeistphänomen und nur ein vorübergehender Fluch, der sich früher oder später wieder totläuft. Dann ist die ‚große Erweckung‘ gekommen, um zu bleiben. Sie wird zur neuen Norm. Das bedeutet nicht nur das Ende von Meinungsfreiheit, Debattenvielfalt und Gleichheit vor dem Gesetz, die Folgen für Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft sind ähnlich katastrophal. Denn damit stirbt der Westen als innovative Zivilisation.
Wir leben ohnehin in einer Epoche, wo Algorithmen unsere Aufmerksamkeit steuern und unterdurchschnittliches Mittelmaß Talente und Exzellenz ersticken. Ersetzen wir nun auch noch die Stumpfheit der männlichen Glockenkurve durch die deutlich intolerantere der weiblichen, dürfen wir uns zügig von den Errungenschaften der letzten sechshundert Jahre verabschieden. Längst erleben wir laufend, wie denkfaule Quotenfrauen klugen Männern in die Parade fahren, und komplexe Analysen mit emotional armierten Befindlichkeiten abwürgen, indem sie ihnen ‚Sexismus‘ und ‚Mansplaining‘ vorwerfen.
Dummerweise ist weibliche Selbstgerechtigkeit nicht bloß keinen Deut besser als männliche, sie produziert in vielerlei Hinsicht auch schlechtere Ergebnisse. Gleichwertig bedeutet nicht gleich. So wie es feminine Fähigkeiten gibt, bei denen durchschnittliche Männer den Kürzeren ziehen, verfügen auch Männer über Eigenschaften, die nur wenige Frauen besitzen. Dass Frauen selten in Steinbrüchen, Stahlwerken oder auf Ölplattformen arbeiten, ist nicht zwangsläufig der misogynen Struktur des Patriarchats geschuldet, und der Umstand, dass seit jeher mehr Männer zum Sterben in Kriege geschickt werden als Frauen, ist auch nicht unbedingt darauf angelegt, Frauen gezielt zu benachteiligen.
Es gibt nun mal Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die man genauso zur Kenntnis nehmen darf wie kulturelle Gegensätze oder individuelle Eigenarten. Die sind per se nicht verwerflich. Man braucht ihnen keine moralischen Qualitäten anzudichten. Wer systemische Ungerechtigkeit beklagt und Quoten fordert, darf seinen Blick gern auf den Sanitärbereich, Hoch- und Tiefbau oder die Tierkadaververnichtung richten. Denn dort sind Frauen wirklich unterrepräsentiert.
‚Equity‘ hetzt die Geschlechter in einen Kampf, bei dem beide Seiten verlieren. Balanciert man männliche und weibliche Stärken aus, gewinnen alle. Des Rätsels Lösung ist nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung. Gleichberechtigung beflügelt Potentiale, forcierte Gleichheit vernichtet sie. Moralismus ist das Gegenteil von Moral und Ideologie der Todfeind von Vernunft.
Insofern dürfte die systematische ‚Dekonstruktion‘ des Patriachats durch DEI-inspirierte ‚Feministinnen‘, ihr Verächtlichmachen traditioneller Männlichkeit und die Kastration maskuliner Tugenden bestenfalls in einen kurzfristigen Triumph münden. Letztlich bleibt es ein Pyrrhussieg. Langfristig hat solch eine politisch-erweckten Barbie-Utopie keine Chance auf Bestand. Am Ende scheitern alle. Den höchsten Preis werden die Frauen zahlen, besonders die freiheitliebenden und die klugen. Schließlich gibt es innerhalb Europas und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft genug hungrige, junge Männer, die noch nicht auf gewaltsam-gewaltfrei getrimmt sind.
Die brennen darauf, endlich die verweichlichten Kens aus dem Barbie-Land zu vertreiben und ihren Luxusweibchen zu zeigen, was eine Harke ist.
